Irgend­wann ist der Berg­gip­fel erreicht

Vielfältige Stiftungslandschaft engagiert sich für unsere Umwelt

Ob Teil einer inter­na­tio­na­len Bewe­gung oder tradi­tio­nel­les Enga­ge­ment in der Schweiz: Stif­tun­gen bewe­gen die Nach­hal­tig­keit und setzen sich für die Umwelt ein.

1000 Milli­ar­den Bäume pflan­zen welt­weit lautet das ambi­tio­nierte Ziel. «Wenn es uns gelingt, haben welt­weit rund 350 Millio­nen Menschen Arbeit – insbe­son­dere in Entwick­lungs­län­dern», sagt Mari­anne Jung. Zusam­men mit Pirmin Jung hat sie 2016 die Stif­tung Plant-for-the-Planet Schweiz gegrün­det. «Die Bäume werden bewir­ken, dass der Boden wieder frucht­bar wird, die Biodi­ver­si­tät zurück­kommt und das lokale Klima posi­tiv beein­flusst wird. Sie spei­chern ganz viel CO2 und sie geben uns einen Zeit­jo­ker von bis zu 15 Jahren, um das 2‑Grad Ziel zu errei­chen», sagt ihr Gründungspartner.

Die Idee der Stif­tung geht auf den Deut­schen Felix Fink­bei­ner zurück. Als 9‑Jähriger forderte er 2007 alle Kinder auf, eine Million Bäume zu pflan­zen. Gemäss der inter­na­tio­na­len Bewe­gung Plant-for-the-Planet wurde dieses Ziel 2010 erreicht. 2011 star­tete als Folge­pro­jekt die 1000-Milli­ar­den-Bäume-Kampa­gne. Dass die Auffor­stung eine valable Möglich­keit ist, um das Klima zu retten, zu diesem Schluss kam auch eine Studie des Crow­ther Lab der ETH Zürich von 2019. Aller­dings dränge die Zeit, denn es dauert Jahre, bis die Wälder genü­gend gewach­sen sind und ihre volle Wirkung als CO2-Spei­cher zum Tragen kommt.

Ohne Schutz­wald geht es nicht

Bäume prägen unsere Land­schaf­ten, Städte, Felder oder Berge. In den 80ern rück­ten sie in den Fokus der Umwelt­dis­kus­sion: Wald­ster­ben. «Es war der Auslö­ser», sagt Dunja L. Meyer, verant­wort­lich zur Öffent­lich­keits­ar­beit über die Grün­dung der Stif­tung Berg­wald­pro­jekt 1987. «Wald­ster­ben war damals in aller Munde.» Es bildete sich eine kleine Gruppe. Sie wollte anpacken statt nur disku­tie­ren, und sie gingen in den Wald arbei­ten. Das Berg­wald­pro­jekt war gebo­ren. Mit ihrem Enga­ge­ment will die Stif­tung den Natur­schutz­ge­dan­ken mit dem Menschen verbin­den. «Ganz selbst­lo­sen Natur­schutz gibt es wohl nicht», sagt Dunja L. Meyer. Denn der Berg­wald habe viele Funk­tio­nen, von denen die Menschen profi­tie­ren: Er ist Schutz­wald für die Berg­re­gion und durch die Hoch­was­ser­re­gu­lie­rung wirkt er bis ins Flach­land. Er bindet CO2 und liefert Holz als Baustoff.

Die Klima­er­wär­mung treibt gewisse Tier­ar­ten immer höher in die Berge. Doch am Gipfel ist Schluss.

Und er ist Lebens­raum für eine Viel­falt an Tieren und Pflan­zen. Sie fügt an: «Auch Biodi­ver­si­tät ist ein Dienst der Natur an den Menschen.» Das Inter­esse der Menschen an diesem Wissen steigt. Das merkt auch das Berg­wald­pro­jekt. Denn es lebt von der Frei­wil­li­gen­ar­beit. «Immer mehr Menschen melden sich aktu­ell, weil sie sich für die Umwelt enga­gie­ren wollen», stellt Dunja L. Meyer fest. Corona habe diese Entwick­lung noch verstärkt. Viele Menschen blei­ben in der Schweiz. Und diesen Frei­wil­li­gen verschafft das Projekt in einer Woche erleb­bare Erkennt­nisse über den Berg­wald. Insbe­son­dere für Schü­le­rin­nen und Schü­ler bieten solche Projekt­wo­chen oft Schlüs­sel­er­leb­nisse, die sich im Klas­sen­zim­mer nicht in der glei­chen Art vermit­teln lassen. «Wer im stei­len Berg­wald steht und weit unten das durch den Wald geschützte Dorf erblickt, dem leuch­tet sofort ein, dass ein Leben in der Schweiz ohne Schutz­wäl­der nicht möglich ist», sagt sie. Doch die Stif­tung lebt nicht nur von der Frei­wil­li­gen­ar­beit. Um diese Einsätze zu ermög­li­chen, ist die Stif­tung auf Spen­den ange­wie­sen. Denn eine Projekt­wo­che ist mit hohen Kosten verbun­den für profes­sio­nelle Beglei­tung, Unter­kunft und Verpfle­gung, Trans­port­mit­tel und Werk­zeuge. Deshalb seien sie genauso auf Gross- und Klein­spen­der ange­wie­sen wie auf Menschen, die frei­wil­lig arbei­ten kommen. 

Es gibt nicht «zu viel» oder «zu wenig»

Eben­falls in der Berg­welt liegt der Schwei­ze­ri­sche Natio­nal­park. Dabei steht das Schutz­ge­biet als Ganzes im Fokus. «Wir schüt­zen nicht nur Tiere, Pflan­zen und Lebens­räume, sondern sämt­li­che natür­li­chen Prozesse, das Ökosy­stem als Ganzes», sagt Hans Lozza, Kommu­ni­ka­ti­ons­lei­ter des Natio­nal­parks. Nach einem Lawi­nen­nie­der­gang verschwin­den viel­leicht gewisse Arten, dafür finden andere einen neuen Lebens­raum. «Wir werten auch nicht. Es gibt nicht ‹zu viel› oder ‹zu wenig› von einer Art. Die Anzahl Indi­vi­duen ist Ausdruck für das herr­schende Kräf­te­ver­hält­nis.» Mit diesem Gedan­ken hat sich der Park seit seiner Grün­dung 1914 entwickelt. «Es war eine Zeit der wirt­schaft­li­chen Entwick­lung und auch eine touri­sti­sche Boom­zeit. Viele Ressour­cen wie Wälder oder Wild­tiere wurden über­nutzt und weite Teile des Gebir­ges für Weide­zwecke genutzt», sagt der Kommu­ni­ka­ti­ons­lei­ter über die Gründungszeit.

Inten­si­ver Berg­bau, Kahl­schlag, Kalk­bren­ne­rei und Weide­gang präg­ten die Gegend bei Zernez. Eine Gruppe von Persön­lich­kei­ten aus dem städ­tisch-bürger­li­chen Kreis in Basel – insbe­son­dere Natur­wis­sen­schaft­ler – erkannte den Hand­lungs­be­darf. Sie woll­ten ein Stück Natur «für alle Zeiten» der mensch­li­chen Nutzung entzie­hen und für die natür­li­che Entwick­lung reser­vie­ren. Seit­her haben sich die Themen teil­weise geän­dert. «Doch der Druck auf natür­li­che Ressour­cen ist nach wie vor hoch», sagt Hans Lozza. «Neue Bedro­hun­gen sind entstan­den. So etwa die touri­sti­sche Über­nut­zung des Alpen­raums. Es gibt kaum noch Rück­zugs­ge­biete für die Tiere, weder im Sommer noch im Winter.» Die Verän­de­rung der Land­schaf­ten und ihre Folgen für die Tiere beob­ach­tet auch die Schwei­ze­ri­sche Vogel­warte Sempach. Dass in der Schweiz alle beim Thema Vogel gleich an Sempach denken, hat nichts damit zu tun, dass es sich um eine für Orni­tho­lo­gen ausser­ge­wöhn­li­che Region handeln würde.

«Der Name ist histo­risch bedingt», sagt Livio Rey. Der Grün­der, Alfred Schif­f­erle lebte in Sempach. 1924 wurde die Schwei­ze­ri­sche Vogel­warte Sempach zur Erfor­schung des Vogel­zugs im Alpen­raum gegrün­det. 30 Jahre später wurde sie in eine Stif­tung umge­wan­delt. Ihre Arbeit bleibt aktu­ell. Biologe und Medi­en­spre­cher Livio Rey erklärt: «Ehemals häufige Arten sind aufgrund der Inten­si­vie­rung der Land­wirt­schaft prak­tisch verschwunden.» 

Eine grosse Krise

«Neue» Arten stellt Livio Rey dafür im Sied­lungs­raum fest. Viele Arten seien «einge­wan­dert», die eigent­lich im Wald lebten. Er nennt Amsel, Buch­fink oder Kohl­meise als Beispiele. Die Vege­ta­tion wie in einem Park reiche ihnen. Zu posi­tiv will er diese Entwick­lung jedoch nicht werten. «Obwohl sich die Sied­lungs­flä­chen ausge­dehnt haben, hat die Anzahl Vögel nicht im glei­chen Mass zuge­nom­men», sagt er. Viele natur­ferne Gärten, die viel zu häufig gemäht würden oder gar nur aus Schot­ter bestün­den, seien für die Natur komplett wert­los. Oder die Besit­zer pflan­zen gebiets­fremde Arten. Livio Rey bilan­ziert: «Der Sied­lungs­raum dehnt sich aus, aber Sied­lungs­vö­gel können nicht profi­tie­ren.» Die Ausdeh­nung des Sied­lungs­raums bedingt, dass er in den Fokus der Nach­hal­tig­keit und der Umwelt­the­ma­tik rückt. 

Mit einem Schwer­punkt auf Biodi­ver­si­tät im Sied­lungs­raum hat die Sophie und Karl Binding Stif­tung ihre Förder­tä­tig­keit im Umwelt­be­reich neu defi­niert. «2018 hat der Stif­tungs­rat entschie­den, sich mit einem neuen gros­sen opera­ti­ven Projekt auf Biodi­ver­si­tät zu fokus­sie­ren», sagt Jan Schu­del, Bereichs­lei­ter Umwelt & Sozia­les. Und er erkennt eine Dring­lich­keit in diesem Thema: Ein Drit­tel der Pflan­zen- und Tier­ar­ten in der Schweiz ist bedroht. Trocken­wie­sen und Weiden sind beson­ders betrof­fen. Seit 1900 hat ihre Fläche um bis zu 95 Prozent abge­nom­men, wie das Bundes­amt für Umwelt fest­stellt. «Ein schlei­chen­der Verlust», sagt Jan Schudel.

«Oft geschieht er fern der Medien, obwohl es eine grosse Krise ist.» Mit dem Fokus auf die Sied­lungs­bio­di­ver­si­tät will die Stif­tung das Thema nun ange­hen und dafür sensi­bi­li­sie­ren. «Es geht um die Viel­falt der Natur vor der Haus­tür, auch von Entschei­dungs­trä­gern», sagt Jan Schu­del. «Die wollen wir errei­chen. Unser Ziel ist, die Viel­falt im verdich­te­ten Sied­lungs­raum aufzuzeigen.»

Zwei Giga­byte Daten

Mit einem Preis will die Binding Stif­tung nun das Bewusst­sein für das Thema stär­ken. 2021 wird die Stif­tung zum ersten Mal den mit 100’000 Fran­ken dotier­ten Binding Preis für Biodi­ver­si­tät verge­ben (nach Redak­ti­ons­schluss). Bis zum 31. Januar konn­ten Inter­es­sierte ihre Projekte einrei­chen. Und bereits die Ausschrei­bung hat eine grosse Wirkung erzielt. «Wir haben zwei Giga­byte Daten erhal­ten», sagt Jan Schu­del. «Ein enor­mes Enga­ge­ment zeigt sich in den Projek­ten. Schul­klas­sen haben mitge­macht, ganze Verwal­tungs­ab­tei­lun­gen zusam­men­ge­ar­bei­tet. Wir haben starke Videos erhal­ten – toll, wenn man so etwas erlebt.» Bewe­gen will auch Plant-for-the-Planet. «1000 Milli­ar­den Bäume, das sind 150 Bäume pro Erden­be­woh­ner», rech­net Mari­anne Jung. «Ja, das klingt im ersten Moment nach viel. Es ist eine Herku­les­ar­beit.» Wenn aller­dings Unter­neh­men mitma­chen und bspw. ihren eige­nen Wald pflan­zen, um CO2-neutral zu werden, ergibt dies eine Menge an Bäumen. Aller­dings will Plant-for-the-Planet diese Bäume nicht alle selber pflan­zen. Pirmin Jung erklärt: «Viel­mehr will man neben den eige­nen Pflan­zun­gen alle die ande­ren Baum­pflanz­pro­jekte in den verschie­den­sten Ländern und Regio­nen koor­di­nie­ren und über die Plant-for-the-Planet-App einen einfa­chen Zugang von inter­es­sier­ten priva­ten und insti­tu­tio­nel­len Spen­dern zu diesen Projek­ten ermög­li­chen.» Dass sich das Grün­der­paar über­haupt für das Thema enga­giert, hat mit ihrem eige­nen beruf­li­chen Hinter­grund zu tun. Als Bauin­ge­nieure setzen sie auf den Werk­stoff Holz. «Das ist ja gerade das posi­tive Ergän­zende: Jeder Baum wird gepflanzt und irgend­wann alt. Würde man ihn nicht ernten, würde er mit der Zeit selber umfal­len und vermo­dern – das im Holz gespei­cherte CO2 würde wieder in die Luft gelan­gen», sagt er. «Für uns ist klar, dass wir auf der einen Seite die Regen- und Urwäl­der erhal­ten müssen, ohne Kompro­misse. Die übri­gen Wälder sollen aber aktiv und vor allem nach­hal­tig bewirt­schaf­tet werden, um möglichst viel CO2 zu binden und es lang­fri­stig in Produk­ten und Gebäu­den einzu­la­gern.» Dabei setzen sie auf an die örtli­che Situa­tion ange­passte Misch­wäl­der. Aus diesen sollen von Zeit zu Zeit einzelne Stämme geern­tet und so junge Bäume nach­ge­pflanzt werden. 

Vögel sind beliebte Tiere

Die Beru­fung für das Enga­ge­ment der Stif­tung kennt auch Livio Rey. «Ich wollte mich schon immer für die Natur enga­gie­ren, aufklä­ren und Verständ­nis schaf­fen.» Es sei wich­tig zu zeigen, dass Krähen hoch­in­tel­li­gent und sozial sind, nennt er als Beispiel. Deswe­gen will er das Verständ­nis für die Tiere fördern. Hilf­reich sei, dass Vögel beliebte Tiere sind. Die Menschen fühlen sich mit ihnen verbun­den. Während des ersten Lock­downs hätte die Vogel­warte Sempach ausser­ge­wöhn­lich viele Anfra­gen erhal­ten. «Die Menschen haben die Vögel wahr­ge­nom­men. Sie frag­ten, welchen Vogel sie gese­hen haben, wie sie einen Nist­ka­sten montie­ren oder den Garten natur­nah gestal­ten können.» Er stellt eine emotio­nale Bindung fest. Doch wenn es um die Argu­mente geht, zählen für ihn die Fakten. Und diese sind wenig erfreu­lich. «Seltene Arten werden noch selte­ner», sagt Livio Rey. Gerade die Entwick­lung in den Feucht- und Land­wirt­schafts­ge­bie­ten verschärft die Situa­tion. Viele bedrohte Arten leben in diesen Land­schaf­ten. Und natür­lich ist der Klima­wan­del eine grosse Sorge. «Es kann eng werden für Vögel, die in den Bergen leben. Aber gerade für Berg­vö­gel hat die Schweiz eine grosse Verant­wor­tung», sagt Livio Rey. Steigt die Tempe­ra­tur, müssen Vögel, die in kühle­ren Tempe­ra­tu­ren leben, auswei­chen, ihren Lebens­raum in höhe­ren Gebie­ten suchen. «Aber irgend­wann ist man zuoberst auf einem Berg­gip­fel», sagt er. Doch es gibt auch Erfolgs­mel­dun­gen: Wo es grosse Anstren­gun­gen gibt, zeige sich eine Besse­rung. Livio Rey nennt den Kiebitz. «Er war vom Ausster­ben bedroht, heute geht es ihm dank Schutz­be­mü­hun­gen besser.» Viele Arten seien aber nicht so einfach zu fördern. Hilf­reich ist, dass die Themen Nach­hal­tig­keit, Natur und Umwelt an Bedeu­tung gewin­nen. «Vögel sind nicht unab­hän­gig vom Klima­thema. Sie sind genauso vom Klima­wan­del betrof­fen wie wir Menschen», sagt er. 

Wald­ster­ben heisst heute Klimawandel

Der Klima­wan­del fordert auch den Berg­wald. «Wald­ster­ben heisst heute Klima­wan­del», sagt Dunja L. Meyer. Dieser mache dem Berg­wald arg zu schaf­fen. Nicht alle Bäume würden die Trocken­heit und die Hitze gleich gut vertra­gen. Die grosse Heraus­for­de­rung sei, den Berg­wald, insbe­son­dere die Schutz­wäl­der, fit für eine Zukunft zu machen, die niemand kennt. Die Forschung sucht nach Bäumen, die Trocken­heit und Hitze gut vertra­gen. Und der aktu­elle Wissens­stand zeigt: «Die Fichte, mit der in der Vergan­gen­heit viel aufge­for­stet wurde, ist leider nicht sehr trocken­heits­re­si­stent, da sie flache Wurzeln hat.» Da hilft es, dass das Thema immer mehr Menschen bewegt. Immer mehr Orga­ni­sa­tio­nen befas­sen sich mit dem Thema Umwelt. Das sei posi­tiv. Die Arbeit nehme ja auch stetig zu, sagt sie, und sieht nicht Konkur­ren­ten, sondern Mitstrei­ter für dasselbe Anlie­gen. Ähnlich tönt es bei Mari­anne Jung. «Alle Akti­vi­tä­ten, die mithel­fen, dass sich die Erde nicht um mehr als zwei Grad erwärmt, sind posi­tiv. Wir sehen da nieman­den als Konkur­ren­ten – viel­mehr ist es ein gros­ses Mitein­an­der. Die Akti­vi­tä­ten der Klima­be­we­gung sensi­bi­li­sie­ren die Menschen und das hilft uns direkt.» Denn mit ihrem Enga­ge­ment will auch Plant-for-the-Planet Kinder und Jugend­li­che in Bezug auf das Thema Klima­wan­del errei­chen. Bisher hat die inter­na­tio­nale Bewe­gung 90’000 Jugend­li­che und Kinder in 75 Ländern zu Botschaf­te­rin­nen und Botschaf­tern für Klima­ge­rech­tig­keit ausge­bil­det. Sie lernen, was Klima­krise und Klima­ge­rech­tig­keit sind, wie Bäume­pflan­zen die Biodi­ver­si­tät, die Frucht­bar­keit der Böden oder das lokale Klima beein­flus­sen kann und wie sie selber aktiv werden können.

Nicht nur der Regenwald

Um mit ihrer neuen Ausrich­tung im Bereich Umwelt möglichst effek­tiv wirken zu können, hat sich die Sophie und Karl Binding Stif­tung mit Exper­ten und Exper­tin­nen primär aus Praxis und praxis­ori­en­tier­ter Wissen­schaft sowie mit Orga­ni­sa­tio­nen wie Forum Biodi­ver­si­tät oder Pro Natura ausge­tauscht. So hat die Stif­tung den Förder­be­reich Biodi­ver­si­tät und Aufwer­tung quali­ta­tiv hoch­wer­ti­ger Land­schafts­räume entwickelt. In der Umset­zung spielt auch die Abstim­mung mit den ande­ren beiden Förder­be­rei­chen Sozia­les und Kultur eine Rolle. «Wir bemü­hen uns darum, dass es keine Wider­sprü­che gibt, auch inner­halb eines Bereichs», sagt Jan Schu­del und nennt als Beispiel, dass für die Instand­set­zung einer Trocken­mauer aus Grün­den des Klima­schut­zes nicht der Heli­ko­pter einge­setzt werden sollte. Bei vielen Projek­ten arbeite man mit ande­ren Stif­tun­gen und weite­ren Orga­ni­sa­tio­nen zusam­men. Denn alleine sei man oft kein Game-Chan­ger. Die Ressour­cen müssen sinn­voll einge­setzt werden. Und wirken. Auch gegen­über der Öffent­lich­keit. Hier soll gerade der neue Preis seine Ausstrah­lung entfal­ten. Mit dem Wald­preis, den die Stif­tung 30 Jahre lang bis 2016 vergab, sei dies gelun­gen. Nun soll dies bei der Biodi­ver­si­tät gesche­hen. Denn dies sei drin­gend notwen­dig. «Bei manchen Arten auf der Roten Liste, die vom Ausster­ben bedroht sind, ist die Entwick­lung drama­tisch», sagt Jan Schu­del und fügt an, «aber auch bei häufi­ge­ren Arten ist ein deut­li­cher Rück­gang zu verzeich­nen.» Hier fehle das Bewusst­sein in der Gesell­schaft für das Problem bei uns. Deswe­gen sei die Kommu­ni­ka­tion wich­tig. Es gebe eine Diffe­renz zwischen der wissen­schaft­li­chen Erkennt­nis und der öffent­li­chen Wahr­neh­mung. «Nicht nur der Regen­wald ist bedroht», sagt er, «auch bei uns sind Arten unmit­tel­bar vom Ausster­ben bedroht oder gefährdet.» 

Ein ausser­ge­wöhn­li­ches Langzeitprojekt

Die Bedeu­tung der Kommu­ni­ka­tion führt der Natio­nal­park schon in der Beschrei­bung seiner Haupt­auf­ga­ben auf. Die Öffent­lich­keits­ar­beit gehört neben Natur­schutz und Forschung auch dazu. Der Kommu­ni­ka­ti­ons­lei­ter sagt: «Alle drei Aufga­ben sind wich­tig. Der Schutz schafft den Rahmen für dieses Lang­zeit­ex­pe­ri­ment. Die Forschung zeigt, wie sich die Natur entwickelt, wenn der Mensch über so lange Zeit nicht eingreift. Die Öffent­lich­keits­ar­beit schliess­lich ermög­licht Menschen einen Zugang zu wilder Natur und schafft Akzep­tanz für dieses ausser­ge­wöhn­li­che Lang­zeit­pro­jekt.» Entspre­chend sind die Schutz­be­stim­mun­gen klar und ermög­li­chen gleich­zei­tig den Touris­mus. Es herrscht ein Wege­ge­bot – es darf nicht über­nach­tet werden und der Zugang ist nur zu Fuss erlaubt. «Diese Schutz­be­stim­mun­gen setzen wir durch, notfalls mit Bussen», sagt Hans Lozza. Wenn die Gäste auf den Wegen blei­ben müssen, ist die Störung für Tiere und Pflan­zen viel weni­ger gross als in Gebie­ten, die kreuz und quer began­gen werden. Pärke seien immer auch eine Chance, um den Menschen die Augen zu öffnen. «So können wir sie zu Fans von unbe­rühr­ter Natur werden lassen», sagt Hans Lozza. Die öffent­li­che Wahr­neh­mung ist für den Park wich­tig. Denn es werde schwie­ri­ger, für unspek­ta­ku­läre Hinter­grund­ar­beit grosse Geld­ge­ber zu finden. Eine Heraus­for­de­rung, die aktu­ell ansteht, ist die Weiter­ent­wick­lung des Unesco Bios­fera Engia­dina Val Müst­air. Der Schwei­ze­ri­sche Natio­nal­park dient als Kern­zone dieses Biosphä­ren­re­ser­vats. Hans Lozza: «Ziel ist es, eine Modell­re­gion zu schaf­fen, in der der Mensch nach­hal­tig mit den natür­li­chen Ressour­cen umgeht.»

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