Ist viel erreicht genug?

Engagement für Gleichstellung

Einige Stif­tun­gen haben sich der Gender­the­ma­tik ange­nom­men, bei ihrer Förder­ar­beit oder in ihrem Regle­ment. Doch es gibt Poten­zial für weitere Verbes­se­rung. Ein Blick auf die Stif­tungs­räte genügt. Hier sind Frauen weiter­hin wie in wirt­schaft­li­chen Führungs­gre­mien untervertreten.

Die Frauen haben viel erreicht – und es gibt noch viel zu tun!», sagt Rita Schmid. Sie ist Präsi­den­tin des Stif­tungs­rats der 1960 gegrün­de­ten Stif­tung für die Erfor­schung der Frau­en­ar­beit. Der Erlös aus der zwei­ten Schwei­ze­ri­schen Ausstel­lung für Frau­en­ar­beit, SAFFA, im Jahr 1958 hat die Stif­tung möglich gemacht. Die Ausstel­lung, orga­ni­siert von diver­sen Frau­en­ver­ei­nen und deren Dach­ver­band, thema­ti­sierte die Rolle der Frauen in der moder­nen Gesell­schaft. Frauen woll­ten neben Fami­li­en­ar­beit und ehren­amt­li­cher Beschäf­ti­gung auch berufs­tä­tig sein. 

Ebenso funk­tio­nierte die SAFFA58 als «Werbe­ver­an­stal­tung» für das Frau­en­stimm­recht. Aller­dings blieb dem Anlie­gen der Erfolg vorerst verwehrt. 1959 lehn­ten die Schwei­zer Männer das Anlie­gen ein weite­res Mal an der Urne ab.

Frau­en­ar­beit

«Mit der Grün­dung setzte die Stif­tung aber ein star­kes State­ment: Frau­en­ar­beit ist ein viel­schich­ti­ger Unter­su­chungs­ge­gen­stand», hält Rita Schmid fest und fügt an, dass aktive Kämp­fe­rin­nen für das Frau­en­stimm- und wahl­recht den Stif­tungs­rat bilde­ten. Dieses wurde 1971 schliess­lich einge­führt. Dass es nach der SAFFA58 noch mehr als zehn Jahre dauern sollte, bis die Frauen ihre poli­ti­schen Rechte erhiel­ten, sieht Rita Hermann-Huber als Beleg für das damals geltende Rollen­ver­ständ­nis. «Bestimmt ist die SAFFA58 in der dama­li­gen Zeit bei vielen Männern und auch Frauen nicht nur auf Wohl­wol­len gestos­sen. Die Frauen gehör­ten an den Herd und zu den Kindern», sagt die Präsi­den­tin der Stif­tung für staats­bür­ger­li­che Erzie­hung und Schu­lung. Auch diese wurde aus dem Erlös der Ausstel­lung gegründet.

Die Stif­tung widmete sich der Vorbe­rei­tung der Frauen auf ihre staats­bür­ger­li­che Verant­wor­tung. Sie wollte das Verständ­nis der Frauen für die Aufga­ben im öffent­li­chen Leben vertie­fen. Eini­ges hat sich seit­her zwar verbes­sert. Seit Einfüh­rung des Frau­en­stimm­rechts hat Rita Hermann-Huber eine starke Verän­de­rung in der Poli­tik fest­ge­stellt. «Zum Glück», wie sie sagt. Zugleich fügt sie aber an: «Die pari­tä­ti­sche Gleich­be­rech­ti­gung auf allen Ebenen ist noch nicht erreicht. Lohn­gleich­heit oder Verein­bar­keit von Beruf und Fami­lie sind noch immer Problem­the­men.» Der Hand­lungs­be­darf bleibt. Er prägt das Enga­ge­ment der Stif­tung. Die unter­stütz­ten Projekte sollen einen Beitrag zur Gleich­stel­lung leisten. Bei 25 bis 30 Projek­ten kann sich die Stif­tung pro Jahr finan­zi­ell enga­gie­ren. Sie führt aber keine Projekte in Eigen­re­gie durch. «Die Gesu­che gelan­gen in der Regel von Frau­en­or­ga­ni­sa­tio­nen an unsere Stif­tung», sagt Rita Hermann-Huber. Dabei hat sie bei den einge­gan­ge­nen Anfra­gen in den vergan­ge­nen Jahren eine Verän­de­rung fest­ge­stellt. Projekte für Migran­tin­nen sind häufi­ger gewor­den. Auch das Thema Gewalt an Frauen hat an Bedeu­tung gewon­nen, wie auch die Gender­frage. «So ist in Zusam­men­hang mit dem Frau­en­streik bspw. ein Buch­pro­jekt mit Porträts von Strei­ken­den bei uns einge­gan­gen», erzählt sie. Wobei die Stif­tung Buch­pro­jekte nur unter­stützt, wenn Frau­en­or­ga­ni­sa­tio­nen oder Frau­en­grup­pen diese heraus­ge­ben. Aktu­ell planen viele Orga­ni­sa­tio­nen Anlässe zum Jubi­läum von 50 Jahre Frau­en­stimm­recht. Rita Hermann-Huber: «Viele einge­reichte Projekte bele­gen, die Gleich­stel­lungs­frage bleibt aktuell.»

Gewünschte Pola­ri­sie­rung

Poli­ti­sche Rechte und Arbeit, die Hürden für die Frauen waren hoch. Die Frauen muss­ten sich alles erkämp­fen. Wenn Frauen für ihre Rechte eintra­ten, lautete ein gängi­ges Argu­ment, das führe zu einer Spal­tung der Gesell­schaft. «Die Frauen wurden auf ihre Plätze verwie­sen. Über­ge­ord­nete Themen wie eine Wirt­schafts­krise oder eine vermeint­li­che Bedro­hung der Schweiz von aussen wurden vorge­scho­ben, um das Einheits­prin­zip zu vertei­di­gen», sagt Fran­ziska Schutzbach. 

Die Sozio­lo­gin und Geschlech­ter­for­sche­rin stellt auch heute noch fest: «Es braucht Mut und vor allem mehr Erkennt­nis, dass Streit, Konflikt und Pola­ri­sie­rung auch etwas Gutes und Wich­ti­ges sein können.» Dies gilt gerade für Gleich­stel­lungs­the­men. Denn diese polarisieren.

Doch die herr­schende Konsens­kul­tur habe die Frau­en­be­we­gung denn auch immer ausge­bremst, sagt sie. Da die Frauen keine poli­ti­schen Rechte hatten, waren Vereine und Orga­ni­sa­tio­nen für die Frauen abso­lut zentrale Kräfte. Dieses Abstüt­zen auf die verschie­de­nen Kanäle gilt noch heute. Die parla­men­ta­ri­sche Poli­tik alleine reiche nicht, sagt Fran­ziska Schutz­bach. Es brau­che ebenso die Zivil­ge­sell­schaft, die Strasse und Orga­ni­sa­tio­nen wie Stif­tun­gen. Von diesen wünscht sie sich, «dass sie in dieser Frage mit etwas mehr Mut agie­ren würden». Insbe­son­dere fehle es ihr an Stif­tun­gen, die sich mit einem über­ge­ord­ne­ten Enga­ge­ment und auch klar poli­ti­scher Stoss­rich­tung für Gleich­stel­lung expo­nier­ten. Um Geschlech­ter­the­men zu erfor­schen und das Wissen an eine breite Öffent­lich­keit zu vermit­teln, arbei­tet Fran­ziska Schutz­bach am Aufbau eines femi­ni­sti­schen Insti­tuts. Dieses soll sinn­volle, gesell­schafts­re­le­vante, aber auch poli­tisch enga­gierte Forschung betrei­ben. Und auch in der Methode und der Kultur soll sich das Insti­tut von der klas­si­schen Akade­mie unter­schei­den. Nicht Publi­ka­ti­ons­li­sten und Profes­so­ren­stel­len wären zentral, sondern die Wissen­ser­ar­bei­tung für eine eman­zi­pa­to­ri­sche Gesell­schaft. Während in Deutsch­land partei­nahe Stif­tun­gen wie die Rosa Luxem­burg Stif­tung oder die Hein­rich Böll Stif­tung den Auftrag der poli­ti­schen Bildungs­ar­beit aufgrei­fen, fehlen solche Insti­tu­tio­nen hier­zu­lande. Das kriti­sche Wissen bleibt an der Akade­mie und findet kaum Eingang in die breite Gesell­schaft, auch deshalb, weil viele ab der 9. Klasse nicht mehr zur Schule gehen oder sehr berufs­ori­en­tiert lernen, aber poli­ti­sche Bildung, kriti­sches Refle­xi­ons­ver­mö­gen der Einzel­nen ist gerade für eine
direkte Demo­kra­tie zentral.

Beein­druckende Frauen

Es war somit nur konse­quent, dass der ehema­lige Leiter eines Töch­ter­in­sti­tu­tes, Karl Landolt, eine Stif­tung grün­dete, die sich spezi­fisch der Frau­en­för­de­rung verschrieb. «Sie ist Würdi­gung und Ausdruck der Wert­schät­zung der Frauen im Allge­mei­nen und der Lebens­part­ne­rin Irma Lech­ner sowie der allein­er­zie­hen­den Mutter Marie Landolt-Übel­mann im Beson­de­ren», so Ariane Bolli-Landolt. Auch in der Entste­hungs­ge­schichte der Elisa­be­then­werk­stif­tung spielt ein Mann eine Rolle.

«Es war zu dieser Zeit und in dieser Genera­tion fort­schritt­lich, dass sich ein Mann für eine Stif­tung zur Förde­rung von Frau­en­pro­jek­ten einsetzt», sagt die Stif­tungs­rä­tin Rosma­rie Koller-Schmid. Karl Hompesch hat die Elisa­be­then­werk­stif­tung 2003 gegrün­det. Als Katho­lik war ihm die Geschichte der Heili­gen Elisa­beth vertraut, die sich für die Armen einsetzte. Und er kannte das Elisa­be­then­werk des Schwei­ze­ri­schen Katho­li­schen Frau­en­bunds SKF. «Natür­lich hätte er auch ein Legat für das Elisa­be­then­werk machen können», sagt Liliane Parmig­giani, Fund­rai­se­rin beim Elisa­be­then­werk. Doch ihm war wich­tig, dass die gespen­de­ten Mittel direkt in die Projekte des Elisa­be­then­werks fliessen. 

Doch es gab schon früh Frauen, die sich expo­nier­ten. Und es gab Männer, die das aner­kann­ten. Dies zeigt die Grün­dung der Frau­en­stif­tung Irma Landolt-Lech­ner 1974. Karl Landolt war beein­druckt von der Schrift­stel­le­rin und Frau­en­recht­le­rin Meta von Salis-Marsch­lins. «Sie beein­druckte ihn, weil sie sich nicht in die gesell­schaft­lich vorbe­stimmte Frau­en­rolle drän­gen lassen wollte», sagt Stif­tungs­rats­prä­si­den­tin Ariane Bolli-Landolt. Mit seiner Frau Irma, die nebst ihrer Mitar­beit im Insti­tut vier Kinder gross­zog, lebte er eine gleich­wer­tige Part­ner­schaft. «Sie hatten zwar eine klare Rollen­tei­lung, aber es gab keinen Unter­schied in der Wertung der Tätig­keit», erzählt sie.

Das Elisa­be­then­werk fördert Frauen in Uganda, Indien und Boli­vien und unter­stützt sie auf ihrem Weg aus der Armut, unab­hän­gig von ihrer konfes­sio­nel­len oder ethni­schen Zuge­hö­rig­keit. Die loka­len Projekt­mit­ar­bei­te­rin­nen entwickeln mit armuts­be­trof­fe­nen Frauen Möglich­kei­ten, ein eige­nes Einkom­men zu erzie­len, vermit­teln Wissen zu Hygiene und Fami­li­en­pla­nung oder leisten Präven­tion zu Frau­en­han­del und häus­li­cher Gewalt. Die Projekte des Elisa­be­then­werks beinhal­ten auch die Stär­kung des Selbst­be­wusst­seins von Frauen. Die Arbeit des Elisa­be­then­werks offen­bart ein fort­schritt­li­ches Frau­en­bild, das man im katho­li­schen Umfeld eher weni­ger erwar­tet. Das liegt am SKF, dem gröss­ten konfes­sio­nel­len Frau­en­dach­ver­band, dem es ange­glie­dert ist. 

«Es gibt eine katho­li­sche Kirche ausser­halb der Amts­kir­che», erklärt Liliane Parmig­giani: «Wie fort­schritt­lich der SKF ist, das sorgt immer wieder für posi­tive Über­ra­schun­gen.» Deut­lich wird dies im Einsatz des Verban­des für die Gleich­be­rech­ti­gung von Frauen in der katho­li­schen Kirche oder in Gleich­stel­lungs­fra­gen rund um die Ehe, die der Verbands­vor­stand unter­stützt. Für das Wirken des Elisa­be­then­werks hinge­gen steht nach­hal­tige Entwick­lungs­zu­sam­men­ar­beit für armuts­be­trof­fene Frauen im Fokus.

Liliane Parmig­giani fügt an: «Damit sie es wagen, ihre Rechte einzu­for­dern, benö­ti­gen die Frauen Empower­ment und eine finan­zi­elle Basis.» Dies gilt auch für die Schweiz.

Was ist Arbeit?

Die Bedeu­tung der Erwerbs­tä­tig­keit als Zeichen für die Gleich­stel­lung hebt auch Fran­ziska Schutz­bach hervor. Und sie stellt fest, dass sich seit dem ersten Frau­en­streik viel getan hat. Heute ist der Gross­teil der Frauen berufs­tä­tig. Doch das Thema bleibt schwie­rig. Viele Frauen arbei­ten Teil­zeit. Sie erlei­den Nach­teile in der Karriere und Einbus­sen in der Alters­vor­sorge. Und sie gibt zu beden­ken: «Oft ist die Erwerbs­tä­tig­keit vor allem eine grosse Anpas­sung an männ­li­che Lebens­wel­ten. Wenn der Einstieg in die wirt­schaft­li­che, kapi­ta­li­sti­sche Produk­ti­ons­weise der einzige Erfolg sein soll, finde ich dies ein trau­ri­ges Verständ­nis von Eman­zi­pa­tion.» Denn gleich­zei­tig bleibt eine Ungleich­heit und Diskri­mi­nie­rung bestehen. Frauen, die berufs­tä­tig sind, über­neh­men weiter­hin die Haus- und Fami­li­en­ar­beit. «Frauen muss­ten in der Schweiz immer hart für ihre Stel­lung kämp­fen», sagt Fran­ziska Schutz­bach. Viele Entwick­lun­gen kamen spät. Verge­wal­ti­gung in der Ehe gilt erst seit 2004 als Offi­zi­al­de­likt. Der Mutter­schafts­ur­laub wurde erst 2005 einge­führt. «Dass wir heute noch für glei­chen Lohn kämp­fen und Mass­nah­men vom Staat fordern, wird auch mal als Dikta­tur bezeich­net», sagt sie und hält fest: «Das Gegen­teil ist der Fall. Es ist ein Zeichen von Demo­kra­tie, gegen Diskri­mi­nie­rung und Ungleich­heit vorzu­ge­hen, und es ist ein Verfas­sungs­auf­trag. Der Staat hat für Lohn­gleich­heit zu sorgen und Mass­nah­men zu ergrei­fen.» Dass die Lohn­gleich­heit noch nicht erreicht ist, beklagt auch Rita Schmid – und blickt gleich in die Zukunft. «Die Digi­ta­li­sie­rung der Arbeits­welt wirft neue Fragen auf, die aus einer Geschlech­ter­per­spek­tive unter­sucht werden müssen.» Diese aktu­elle Dimen­sion ist für die Stif­tung zur Erfor­schung der Frau­en­ar­beit genauso wich­tig wie die histo­ri­sche Aufar­bei­tung. Einer­seits will sie Frau­en­lei­stun­gen für das histo­ri­sche und kultu­relle Gedächt­nis einer aufge­klär­ten Gesell­schaft sicht­bar machen. Ander­seits will sie dazu beitra­gen, dass heute die Arbeits­be­din­gun­gen in Arbeits­fel­dern mit einem über­durch­schnitt­lich hohen Frau­en­an­teil wie zum Beispiel in der Care-Arbeit oder im Detail­han­del kritisch unter­sucht werden. «Gleich­stel­lung und Arbeit sind eng verknüpft», sagt Rita Schmid. Das fängt bereits beim Begriff Arbeit an. Was wird als Arbeit wahr­ge­nom­men, sind Tätig­kei­ten gesell­schaft­lich rele­vant, müssen sie als Arbeit aner­kannt und ange­mes­sen bezahlt werden. Rita Schmid: «Wie wir wissen, gibt es histo­risch und aktu­ell aus der Geschlech­ter­per­spek­tive grosse Unter­schiede in der Beur­tei­lung von Arbeits­lei­stun­gen, Entlöh­nung und Lauf­bahn­ent­wick­lun­gen sowie Verein­bar­keits­fra­gen und Chan­cen auf dem Arbeits­markt. Die Würdi­gung und Wert­schät­zung von Arbeits­lei­stun­gen sind trotz der gros­sen Fort­schritte in den letz­ten Jahr­zehn­ten immer noch voller Diskri­mi­nie­run­gen zula­sten der Frauen.» Eine Einschät­zung, die Ariane Bolli-Landolt teilt: «Es ist eine bekannte Tatsa­che, dass Frauen nicht nur in der Fami­lie, sondern allge­mein in der Betreu­ung von – kran­ken – Ange­hö­ri­gen, im Frei­wil­li­gen­dienst oder auch in sozio­kul­tu­rel­len Projek­ten eine enorme Leistung voll­brin­gen. Diese wird in keiner Weise ange­mes­sen aner­kannt, geschweige denn entlöhnt.»

Diver­si­tät bringt Gutes

Um sicher­zu­stel­len, dass die Gender­the­ma­tik in ihrer Stif­tung mit der gefor­der­ten Sorg­falt behan­delt wird, ist dies bereits in den Statu­ten der Kyria Dach­stif­tung fest­ge­schrie­ben. 2019 haben Tanja Bootz und Brigitt Küttel zusam­men Kyria gegrün­det. Es ist die erste Dach­stif­tung, die expli­zit Frauen sowohl einbin­den als auch stär­ken will. «Es ist uns wich­tig, das zu thema­ti­sie­ren», sagt Geschäfts­füh­re­rin Brigitt Küttel. «Diver­si­tät bringt so viel Gutes und Wert­vol­les», ergänzt Tanja Bootz. Brigitt Küttel ist mit dem Thema aufge­wach­sen. Bereits am Fami­li­en­tisch wurde über Gleich­stel­lung disku­tiert. Bei der Einfüh­rung des Frau­en­stimm­rechts war Brigitt Küttel acht. Die Erin­ne­rung als wich­ti­ger Moment bleibt. «Als meine Mutter Elisa­beth Kopp für den Gemein­de­rat ange­fragt wurde, gewann das Thema weiter an Bedeu­tung – weil sie ja nicht jahre­lang für etwas kämp­fen und dann die Möglich­keit einer Kandi­da­tur doch ableh­nen konnte.» Heute ist alt Bundes­rä­tin Elisa­beth Kopp im Kyria-Stif­tungs­rat. Deswe­gen und wegen der Bedeu­tung des Themas hat die Dach­stif­tung den Elisa­beth Kopp Fonds für Frau­en­för­de­rung gegrün­det. Als erstes Projekt hat dieser eine Daten­bank initi­iert und finan­ziert. Sie umfasst über 200 Stif­tun­gen aus der ganzen Schweiz, die Frauen und Frau­en­pro­jekte fördern. Diese aktive Rolle war ein Entscheid früher Tage von Kyria. «Wir haben an der ersten Stif­tungs­rats­sit­zung beschlos­sen, dass wir nicht nur Fonds und Zustif­tun­gen grün­den mit Anlie­gen und zu Themen, die an uns heran­ge­tra­gen werden. Wir woll­ten auch selber aktiv sein und unsere Werte deut­lich machen», sagt Brigitt Küttel. Die Kyria Dach­stif­tung eröff­net dazu aktiv soge­nannte Eigen­fonds. Sie will damit auch für Klein­stif­te­rin­nen und ‑stif­ter die Möglich­keit bieten, sich für diese Themen und Werte zu engagieren.

Sicht­bar machen

«Auch wenn das Gender­thema wich­tig ist: Wir möch­ten nicht darauf redu­ziert werden», sagt Stif­tungs­rats­prä­si­den­tin Tanja Bootz. Viel­mehr möch­ten sie dort aktiv werden, wo es ihnen wich­tig ist, und viel­fäl­tig handeln. So ist auch der Stif­tungs­rat divers besetzt. Im Stif­tungs­rat der Frau­en­stif­tung Irma Landolt-Lech­ner sitzen dage­gen nur Frauen. Fest­ge­schrie­ben ist dies nicht. «Inzwi­schen ist es vermut­lich eine Art unge­schrie­be­nes Gesetz», sagt Ariane Bolli-Landolt. «Ich sehe es nicht als Bedin­gung für eine glaub­wür­dige Arbeit, schätze es aller­dings sehr, in einem reinen Frau­en­gre­mium unsere Preis­trä­ge­rin­nen zu nomi­nie­ren.» Die Stif­tung zeich­net Frauen aus, die sich im kultu­rel­len oder sozia­len Bereich beson­ders verdient gemacht haben. Diese Leistun­gen sicht­bar zu machen, ist Ariane Bolli-Landolt denn auch wich­ti­ger als eine geschlech­ter­pa­ri­tä­ti­sche Vertre­tung im Stif­tungs­rat. Über die gesamte Schwei­zer Stif­tungs­land­schaft sind die Frauen in Stif­tungs­rä­ten sowieso noch immer in der Unter­zahl. So weist der Stif­tungs­re­port 2020 für das Jahr 2019 insge­samt 12’763 Stif­tungs­prä­si­dien aus. Frauen beset­zen gerade 20,4 Prozent davon. Etwas höher ist der Anteil bei allen 61’106 Stif­tungs­rats­man­da­ten. Er beträgt 27,9 Prozent. Auf Ebene Geschäfts­füh­rung liegt der Frau­en­an­teil bei 34,4 Prozent. Mit Blick auf diese Zahlen hält Brigitt Küttel fest, dass genauso wie in der Gesamt­ge­sell­schaft auch im Stif­tungs­sek­tor Nach­hol­be­darf besteht. Und Tanja Bootz fügt an: «Wir stel­len aber fest, dass immer mehr Frauen selbst­be­wuss­ter auftre­ten. Ausser­dem verfü­gen sie auch immer häufi­ger über eige­nes Geld, mit dem sie sich enga­gie­ren wollen.» Deswe­gen den Frau­en­an­teil etwa mit einer Quote zu beschleu­ni­gen, beur­tei­len die beiden kritisch. «Eine zwin­gende Frau­en­quote finden wir keine gescheite Sache», sagt Brigitt Küttel, «am wich­tig­sten sind nach wie vor die beste Quali­fi­ka­tion für die betref­fende Stelle und bei Stif­tun­gen die Themen­af­fi­ni­tät. Aller­dings kann eine Quote immer­hin dazu führen, dass man sich bei der Beset­zung von Orga­nen und Gremien stär­ker um Frauen bemüht, das ist sicher ein posi­ti­ver Aspekt.» Auch Fran­ziska Schutz­bach ist kein Fan einer Frau­en­quote, auch wenn sie diese in jedem Fall unter­stüt­zen würde. Wenn eine Quote notwen­dig ist, sind schon viele andere Dinge falsch», sagt sie. «Auch wäre es zu kurz gefasst, jetzt einfach ein paar Frauen in die Gremien zu holen.» Wich­tig sei, dass Stif­tun­gen sich aktiv für Geschlech­ter­fra­gen enga­gie­ren. Bei jedem Thema gibt es meist auch Geschlech­ter­aspekte. Hier müsse man halt je nach­dem Exper­tise von aussen beizie­hen – was hat zum Beispiel Ökolo­gie mit Geschlech­ter­ge­rech­tig­keit zu tun? Oder Kunst­för­de­rung? Fran­ziska Schutz­bach: «Natür­lich kann das auch beinhal­ten, mehr Frauen an Bord zu holen in Führungs­po­si­tio­nen von Stif­tun­gen. Oft ist es aber so, und das wird auch erforscht: Wenn sich stark männer­do­mi­nierte Orga­ni­sa­tio­nen für Fragen der Geschlech­ter­ge­rech­tig­keit einset­zen, werden diese Orga­ni­sa­tio­nen meist auto­ma­tisch auch für ihre eige­nen Struk­tu­ren sensi­bler in diesen Themen und beset­zen mit der Zeit ihre eige­nen Posi­tio­nen diverser.»

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