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Die Kul­tur­trans­for­ma­ti­on

Die digitale Transformation krempelt unsere Gesellschaft radikal um. Auch Stiftungen. Ihnen bietet sie die Möglichkeit, Wirkungsfelder neu zu bearbeiten, neue Zusammenarbeitsformen zu nutzen, effektiv zu kommunizieren. Die Frage ist nicht ob, sondern wie eine Stiftung diese Entwicklung mitgestaltet. Jede und jeder ist Teil der Digitalisierung.

Wo einst mäch­ti­ge Maschi­nen mit Drucker­schwär­ze die Buch­sta­ben auf Papier druck­ten, laden heu­te hel­le White­boards und gros­se Screens dazu ein, eige­ne Gedan­ken und Ide­en zu for­mu­lie­ren und mit ande­ren zu tei­len. Auch wenn es Zufall ist: Der Wan­del zu einer digi­ta­len Gesell­schaft lässt sich kaum ste­reo­ty­per illu­strie­ren als mit der Ablö­sung von Druck­ma­schi­nen. In einer ehe­ma­li­gen Drucke­rei in der Bas­ler Alt­stadt hat Fon­da­ti­on Bot­nar vor zwei Jah­ren ihre Büro­räum­lich­kei­ten ein­ge­rich­tet. Fle­xi­bel, hell, modern – eine Arbeits­welt, die den heu­ti­gen Bedürf­nis­sen ent­spricht. 

Karin Schu­ma­cher ist Chief Ope­ra­ting Offi­cer bei Fon­da­ti­on Bot­nar und hat zusam­men mit dem gan­zen Team die Geschäfts­stel­le kon­zi­piert und gestal­tet. Die Auf­ga­be war jedoch weni­ger eine bau­li­che, son­dern eine über­grei­fend kon­zep­tio­nel­le. «Wir woll­ten Raum für agi­le Pro­zes­se schaf­fen», sagt sie. Die Zusam­men­ar­beit muss auf der Geschäfts­stel­le genau­so funk­tio­nie­ren wie dezen­tral, wenn die Team­mit­glie­der unter­wegs sind. Neue digi­ta­le Tools bil­den das Fun­da­ment. Damit dies gelin­gen konn­te, muss­te Schu­ma­cher alles von Grund auf neu den­ken. «Es ist nicht immer alles gerad­li­nig gelau­fen. Aber das gehört dazu», sagt sie, «wir woll­ten schliess­lich auch Raum für Expe­ri­men­te haben und Feh­ler machen dür­fen.»

COO Karin Schu­ma­cher und CEO Ste­fan Ger­mann, Fon­da­ti­on Bot­nar bei einer Arbeits­be­spre­chung.

Neue Fra­gen, neu­es Poten­zi­al

Die Stif­tungs­welt ist hete­ro­gen. Die Stif­tungs­zwecke sind so viel­fäl­tig wie die 13’000 in der Schweiz regi­strier­ten Stif­tun­gen. Ent­spre­chend unter­schied­lich beant­wor­ten sie die Fra­ge, wie sie die Digi­ta­li­sie­rung bewäl­ti­gen wol­len. Kom­mu­ni­ka­ti­on, Zusam­men­ar­beit, Pro­jek­te – für alle Berei­che stel­len sich neue Fra­gen. Wel­ches sind die Chan­cen, wo sind die Her­aus­for­de­run­gen. Und wie nutzt eine Stif­tung das Poten­zi­al? Das aktu­el­le Bild zeigt: Die Stif­tun­gen ste­hen auf unter­schied­lich­sten Stu­fen der Digi­ta­li­sie­rung mit jeweils eige­nem Fokus. 

Mög­lich­keit bringt Ver­ant­wor­tung

Karin Schu­ma­cher, im Ein­gang des inno­va­ti­ven «Sit­zungs­raums Nis­san». Foto: Kostas Maros.

Bei einer Neu­grün­dung las­sen sich die­se Fra­gen von Grund auf ange­hen und behan­deln. Obschon kei­ne Neu­grün­dung, fand sich Fon­da­ti­on Bot­nar in einer Situa­ti­on, in der sie sich neu auf­stel­len konn­te und muss­te. Gegrün­det hat­te Mar­ce­la Bot­nar die Stif­tung zwar bereits Ende 2003 mit einem Stif­tungs­ver­mö­gen von 25 Mil­lio­nen Fran­ken. Mar­ce­la war die Wit­we von Octav Bot­nar, der sein Ver­mö­gen als Impor­teur und Ver­trei­ber von Dats­un und Nis­san in Gross­bri­tan­ni­en ver­dient hat­te. Und sie waren Phil­an­thro­pi­sten. Als die Wit­we 2014 ver­starb, ver­mach­te sie ihr gesam­tes Ver­mö­gen Fon­da­ti­on Bot­nar. Das Stif­tungs­ver­mö­gen stieg über Nacht auf rund 3,2 Mil­li­ar­den Fran­ken. Mit dem Geld kam die Ver­ant­wor­tung. Die Stif­tung muss­te sich neu erfin­den. «Man hat sich sehr gut über­legt, wel­ches Know-how, wel­che Kom­pe­ten­zen und wel­che Pro­zes­se es für einen pro­fes­sio­nel­len und trans­pa­ren­ten Umgang mit den Stif­tungs­gel­dern braucht», sagt Karin Schu­ma­cher. Das Team wur­de sorg­fäl­tig zusam­men­ge­stellt und ist seit Som­mer 2019 kom­plett. Für das Design der Arbeits­pro­zes­se setz­te die Stif­tung auf einen inten­si­ven Team­dia­log. Dabei konn­te sie auf die Erfah­run­gen und das Know-how ihrer Ange­stell­ten, die sie zuvor in ande­ren Stif­tun­gen und in der Pri­vat­wirt­schaft gemacht haben zäh­len. Über die­se Pro­zes­se ver­gibt Fon­da­ti­on Bot­nar heu­te För­der­mit­tel von rund 60 bis 70 Mil­lio­nen Fran­ken pro Jahr.

Zusam­men­ar­beit neu den­ken

Die wenig­sten Stif­tun­gen haben ver­gleich­ba­re Mög­lich­kei­ten. Vie­le haben kei­ne eige­ne Geschäfts­stel­le. Und oft ist Stif­tungs­ar­beit Frei­wil­li­gen­ar­beit. «Die  Stif­tungs­rä­tin­nen und ‑räte ste­hen mit­ten im Berufs­le­ben. Sie sind auf dezen­tra­les Arbei­ten ange­wie­sen», sagt Katha­ri­na Gug­gi. Sie ist ver­ant­wort­lich für Kom­mu­ni­ka­ti­on und die digi­ta­le Stra­te­gie bei Swiss­Foun­da­ti­ons. Und sie fügt an: «Neue digi­ta­le Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tools brin­gen gera­de für Stif­tun­gen in der Zusam­men­ar­beit gros­se Vor­tei­le, weil sie dezen­tra­les Arbei­ten enorm ver­ein­fa­chen.» Der Ver­band Swiss­Foun­da­ti­ons zählt heu­te 170 För­der­stif­tun­gen. Sein Sitz liegt in der Kirch­gas­se im Her­zen von Zürich. Als Katha­ri­na Gug­gi vor zwei Jah­ren mit ihrer Arbeit anfing, muss­te sie die ana­log vor­han­de­nen Daten auf­ar­bei­ten, sich­ten und struk­tu­rie­ren. Ihr war klar, Swiss­Foun­da­ti­ons muss­te die eige­ne Zusam­men­ar­beits­wei­se hin­ter­fra­gen. Digi­ta­li­sie­rung bedeu­tet in jeder Orga­ni­sa­ti­on, für jede Mit­ar­bei­te­rin und für jeden  Mit­ar­bei­ter, zuerst sich selbst zu bewe­gen. Denn wer das Poten­zi­al der Digi­ta­li­sie­rung nut­zen will, bil­det nicht ein­fach bis­he­ri­ge Pro­zes­se digi­tal ab. Sie denkt die Zusam­men­ar­beit neu. Die Digi­ta­li­sie­rung ist immer ein Chan­ge-Pro­jekt und Chan­ge geht oft mit Ver­un­si­che­rung und inne­ren Wider­stän­den ein­her. Es bedeu­tet zual­ler­erst, selbst neue Tools zu ver­wen­den, sich mit ihnen ver­traut zu machen und die neu­en Mög­lich­kei­ten in den All­tag ein­zu­bau­en. 

Katha­ri­na Gug­gi zustän­dig für Kom­mu­ni­ka­ti­on und digi­ta­le Stra­te­gie bei Swiss­Foun­da­ti­ons am Arbeits­ort. Foto: Kostas Maros

Teil der Digi­ta­li­sie­rung

Katha­ri­na Gug­gi nutzt nach Mög­lich­keit im Geschäfts­all­tag Slack statt E‑Mail, die Daten sind in der Cloud, Pro­jek­te wer­den digi­tal in Trel­lo, dem Online-Kan­ban, geführt. Die­sen Tools ist die hohe Trans­pa­renz gemein­sam. Alle Betrof­fe­nen sol­len im Trel­lo den Stand eines Pro­jek­tes sehen. Wer in einem Slack-Chat Mit­glied ist, kann die Dis­kus­si­on ver­fol­gen. Ähn­lich klingt es bei Andrew Hol­land, Geschäfts­füh­rer von Mer­ca­tor Schweiz. Gegrün­det wur­de die Stif­tung mit Sitz in Zürich 1998 von Nach­kom­men der deut­schen Han­dels- und Unter­neh­mer­fa­mi­lie Karl Schmidt . Im ver­gan­ge­nen Jahr unter­stütz­te sie gemein­nüt­zi­ge Pro­jek­te mit 19,5 Mil­lio­nen Fran­ken. Andrew Hol­land: «Kon­se­quen­ter­wei­se beginnt die Digi­ta­li­sie­rung auf der Geschäfts­stel­le selbst. Wir ver­ste­hen uns als Teil der Digi­ta­li­sie­rung. Die neue Arbeits­or­ga­ni­sa­ti­on und die Anwen­dung von moder­nen Col­la­bo­ra­ti­on-Tools sind bei uns bereits All­tag.» Mit die­sen wol­len sie die Kom­ple­xi­tät der aktu­el­len The­men bewäl­ti­gen. Die Digi­ta­li­sie­rung auf der Geschäfts­stel­le erfolgt auf drei Ebe­nen: bei den Pro­zes­sen und Pro­duk­ten, bei den Arbeits­wei­sen und Struk­tu­ren sowie bei der Kul­tur, der Gover­nan­ce und der Füh­rung.

Eine unge­wöhn­li­che Grün­dung

Die Digi­ta­li­sie­rung ver­än­dert die Kul­tur. Aus­lö­ser die­ses Chan­ge-Pro­zes­ses kann eine per­so­nel­le Ver­än­de­rung sein. Gera­de klei­ne Stif­tun­gen sind geprägt vom per­sön­li­chen Enga­ge­ment weni­ger. Ein Wech­sel in den meist klei­nen Teams för­dert in der Regel die digi­ta­le Ent­wick­lung. In die­ser Trans­for­ma­ti­on befin­det sich die «Stif­tung der 5. Euro­pa­mei­ster­schaf­ten für Seh­be­hin­der­te 1989 in Zürich». Der Name lässt die unge­wöhn­li­che Geschich­te der Stif­tungs­grün­dung erken­nen: «Am Ursprung stand ein Fir­men­an­lass der Hol­der­bank Kies + Beton AG», sagt der neue Stif­tungs­rats­prä­si­dent Rolf Zuber­büh­ler. Anläss­lich des 25. Fir­men­ju­bi­lä­ums woll­te das Unter­neh­men anstel­le eines gros­sen Fest­ak­tes den Seh­be­hin­der­ten-Sport unter­stüt­zen. Hol­der­bank Kies + Beton AG stell­te die Infra­struk­tur für die 5. Euro­pa­mei­ster­schaf­ten in Zürich für Seh­be­hin­der­te. «Uner­war­tet blieb am Ende ein Über­schuss», erzählt Zuber­büh­ler von der Ent­ste­hungs­ge­schich­te. Es war per­sön­li­cher Ein­satz, der die Stif­tung trug. Wal­ter Boss­hard hat mit der Unter­stüt­zung sei­ner Frau Vere­na in unzäh­li­gen Stun­den Frei­wil­li­gen­ar­beit die Stif­tung über drei Jahr­zehn­te mit wei­te­ren Stif­tungs­rä­tin­nen und ‑räten geführt. Digi­ta­li­sie­rung war noch kein The­ma. Ein­la­dun­gen und Unter­la­gen für Sit­zun­gen waren ana­log, die Post war Über­brin­ge­rin. Die Abla­ge bestand aus einer Rei­he Bun­des­ord­nern. Mit einer ver­ant­wor­tungs­vol­len Admi­ni­stra­ti­on hat immer alles geklappt.

Grün­dungs­ort der Stif­tung im Reb­haus, Hünt­wan­gen: Nach­fol­ger Rolf Zuber­büh­ler mit Vere­na und Wal­ter Boss­hard (von links). Foto: Kostas Maros

Vom Bun­des­ord­ner zur digi­ta­len Abla­ge

Der klar defi­nier­te Stif­tungs­zweck – für Seh­be­hin­der­te – führ­te dazu, dass die Stif­tung einen sehr hohen Bewil­li­gungs­grad hat. «In den ver­gan­ge­nen 30 Jah­ren hat sie 500 Gesu­che behan­delt», sagt Zuber­büh­ler. «Rund drei Vier­tel davon hat die Stif­tung unter­stützt.» Doch die admi­ni­stra­ti­ven Anfor­de­run­gen an Stif­tun­gen stei­gen. Und neue Stif­tungs­rä­te sind sich neue For­men der Zusam­men­ar­beit gewohnt. So ist es nicht unge­wöhn­lich, dass die Digi­ta­li­sie­rung mit dem Wech­sel im Stif­tungs­rat Ein­zug hält. Ein­la­dun­gen, Pro­to­kol­le oder Gesu­che, der Aus­tausch erfolgt heu­te digi­tal. Und für den Stif­tungs­rat ist eine digi­ta­le Abla­ge mit Log­in im Auf­bau. Auch gegen aus­sen erhält die Stif­tung eine Auf­fri­schung. Sie war bis­her kaum prä­sent. Dem soll eine Inter­net­sei­te Abhil­fe schaf­fen. Die­se ist in Pla­nung. Pro­jekt­trä­ge­rin­nen und ‑trä­ger wie auch Ein­zel­per­so­nen wer­den die Stif­tung so ein­fa­cher fin­den. Rolf Zuber­büh­ler sagt: «Die Stif­tung und ihr Enga­ge­ment wer­den so sicht­bar.»

Inter­net­sei­te als Basis

Der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­be­darf kann je nach Stif­tung unter­schied­lich sein, die Inter­net­sei­te die Basis der digi­ta­len Kom­mu­ni­ka­ti­on gegen aus­sen. Mit den sozia­len Medi­en sind wei­te­re Online-Kanä­le dazu­ge­kom­men: Die Digi­ta­li­sie­rung hat die Kom­mu­ni­ka­ti­on radi­kal ver­än­dert. Star­re Sen­der-Emp­fän­ger-Model­le haben aus­ge­dient, der inter­ak­ti­ve Dia­log bestimmt heu­te die Kom­mu­ni­ka­ti­on und ermög­licht einen schnel­len Aus­tausch mit den Ziel­grup­pen. Eine Web­site allei­ne genü­ge schon lan­ge nicht mehr, so der WWF Schweiz. Mit Insta­gram, Face­book oder Lin­kedIn kön­nen direk­te Feed­backs ein­ge­holt und es kann sehr gezielt kom­mu­ni­ziert wer­den. Die Stif­tung World Wide Fund for Natu­re ist eine der gröss­ten Umwelt­or­ga­ni­sa­tio­nen welt­weit. «Gemein­sam schüt­zen wir die Umwelt und gestal­ten eine lebens­wer­te Zukunft für nach­kom­men­de Genera­tio­nen.» Das ist ihre Mis­si­on. Der WWF bear­bei­tet ein The­ma, das die Öffent­lich­keit aktu­ell bewegt und dis­ku­tiert wird. Die sozia­len Medi­en bie­ten einer­seits die Chan­ce, kurz­fri­stig auf Oppor­tu­ni­tä­ten reagie­ren zu kön­nen, und ande­rer­seits ist die digi­ta­le Kom­mu­ni­ka­ti­on gut plan­bar und gehört in die Mar­ke­ting­stra­te­gie. Die Inter­ak­ti­vi­tät birgt selbst­ver­ständ­lich auch Risi­ken, sowohl Pri­vat­per­so­nen wie auch Orga­ni­sa­tio­nen kön­nen einen Shitstorm erfah­ren. 

Digi­ta­li­sie­rung der Pro­jek­te

Ins­ge­samt sind Stif­tun­gen aller­dings noch wenig in den sozia­len Medi­en unter­wegs. Dies zei­gen die Daten von Swiss­Foun­da­ti­ons. 90 Pro­zent der Mit­glie­der haben zwar eine Inter­net­sei­te – ein sehr hoher Wert im Ver­gleich zum schweiz­wei­ten Durch­schnitt von 15 Pro­zent. Trotz­dem sind auch die Ver­bands­mit­glie­der wenig in den sozia­len Medi­en zu fin­den. Drei Vier­tel der Swiss­Foun­da­ti­ons-Stif­tun­gen sind auf die­sen Kanä­len nicht aktiv. Beim WWF betont man, dass man trotz des Poten­zi­als der digi­ta­len Kom­mu­ni­ka­ti­on die her­kömm­li­chen Kanä­le nicht unter­schät­zen dür­fe. Zudem ergänzt der WWF, dass Digi­ta­li­sie­rung nicht auf Face­book, Insta­gram und Web­sei­ten beschränkt sei. Inve­sti­tio­nen in digi­ta­le Inno­va­tio­nen gehö­ren heu­te dazu, auch für den WWF, damit er sei­ne Zie­le errei­chen kann. Sen­so­ren, Droh­nen oder künst­li­che Intel­li­genz sind Instru­men­te, die der WWF schon heu­te nutzt. Bei­spiels­wei­se kann der WWF die Popu­la­ti­on von Fluss­del­fi­nen im Ama­zo­nas mit Droh­nen bes­ser über­wa­chen und in Chi­na erlau­ben von künst­li­cher Intel­li­genz gesteu­er­te Foto­fal­len eine auto­ma­ti­sier­te Erfas­sung der Tiger­po­pu­la­ti­on. Der WWF ist über­zeugt, dass die­se Tools hel­fen kön­nen, die Wir­kung der Pro­jek­te zu ver­stär­ken.

Digi­ta­li­sie­rung steht nicht iso­liert

Die Digi­ta­li­sie­rungs­de­bat­te prägt heu­te auch bei den Stif­tun­gen die Wir­kungs­dis­kus­si­on. Die­se ist inter­na­tio­nal von gröss­ter Wich­tig­keit. Der Weg geht lang­sam aber sicher in Rich­tung SMART Foun­da­ti­on. Die digi­ta­le Trans­for­ma­ti­on gewinnt in der Stif­tungs­welt zuneh­mend an Schwung, wie Katha­ri­na Gug­gi fest­stellt. Stif­tun­gen posi­tio­nie­ren sich ent­spre­chend. Katha­ri­na Gug­gi: «Stif­tun­gen wie Mer­ca­tor Schweiz schaf­fen expli­zit Stel­len für die­se Her­aus­for­de­rung der Gesell­schaft mit der digi­ta­len Trans­for­ma­ti­on.» Und sie wer­den gezielt mit dem Stif­tungs­zweck, mit den Pro­jek­ten ver­bun­den.  Tor­ben Ste­phan ist Pro­gramm­lei­ter Digi­ta­li­sie­rung und Gesell­schaft bei Stif­tung Mer­ca­tor Schweiz. «Für uns als Mer­ca­tor bedeu­tet Digi­ta­li­sie­rung ein Wech­sel­spiel aus Tech­nik und Gesell­schaft», sagt er. «Für uns ist die Fra­ge zen­tral, wie wir in einer zuneh­mend digi­ta­li­sier­ten Gesell­schaft in Zukunft mit­ein­an­der leben möch­ten. Des­we­gen ist die Digi­ta­li­sie­rung ein Quer­schnitts­the­ma, das alle Haupt­the­men (Bil­dung, Ver­stän­di­gung, Mit­wir­kung, Umwelt) der Stif­tung betrifft. Sie steht nicht iso­liert. Genau­so wie sie intern die Form der Zusam­men­ar­beit wesent­lich ver­än­dert, wirkt die Digi­ta­li­sie­rung in den Pro­jek­ten von Stif­tung Mer­ca­tor Schweiz ins­be­son­de­re auf die Zivil­ge­sell­schaft. Die­se ist kom­plex, aus­ser­halb von Markt und Staats­struk­tu­ren. Die Digi­ta­li­sie­rung gibt der Zivil­ge­sell­schaft neue Mög­lich­kei­ten, sich aus­zu­drücken und zu inter­agie­ren. Andrew Hol­land: «Dies bedingt, dass die Zivil­ge­sell­schaft die nöti­gen Kom­pe­ten­zen und das nöti­ge Wis­sen erwirbt, um Chan­cen und Her­aus­for­de­run­gen der Digi­ta­li­sie­rung gut ein­zu­schät­zen und Ver­än­de­run­gen posi­tiv mit­zu­ge­stal­ten.»

Gegen den «digi­ta­len Rösti­gra­ben»

Andrew Hol­land, CEO Stif­tung Mer­ca­tor Schweiz, setzt sich für eine posi­ti­ve Mit­ge­stal­tung der digi­ta­len Ver­än­de­rung ein.

Um die Befä­hi­gung der Zivil­ge­sell­schaft zu för­dern, hat der Stif­tungs­rat der Stif­tung Mer­ca­tor Schweiz ein neu­es Pro­gramm erar­bei­tet und ver­ab­schie­det. Zwei Mil­lio­nen Fran­ken pro Jahr ste­hen zur Ver­fü­gung. Bei einer geplan­ten Lauf­zeit von fünf Jah­ren sind dies ins­ge­samt zehn Mil­lio­nen Fran­ken. Das Pro­gramm umfasst drei Rich­tun­gen: Erstens soll die digi­ta­le Teil­nah­me der Bevöl­ke­rung dazu bei­tra­gen, die Kul­tur­un­ter­schie­de zu schlies­sen. «Ziel ist es, nie­man­den zurück­zu­las­sen. Im Moment set­zen wir stark auf Kom­pe­tenz­ver­mitt­lung wie bei­spiels­wei­se Daten­kom­pe­tenz», erklärt Tor­ben Ste­phan.  Ange­dacht sind auch Pro­jek­te, um das Stadt-Land-Gefäl­le zu ver­rin­gern, um kei­nen «digi­ta­len Rösti­gra­ben» ent­ste­hen zu las­sen. Zwei­tens gilt es, die gros­sen Zukunfts­fra­gen wie künst­li­che Intel­li­genz, Block­chain oder die digi­ta­le Wer­te­de­bat­te aus zivil­ge­sell­schaft­li­cher Sicht zu behan­deln. Tor­ben Ste­phan: «Es ist wich­tig, dass die Zivil­ge­sell­schaft sich eine Mei­nung zu die­sen The­men bil­det und eine eige­ne akti­ve Rol­le zwi­schen Poli­tik, Wirt­schaft und Wis­sen­schaft ein­nimmt.» Denn bereits heu­te sei sehr viel von der Wirt­schaft vor­be­stimmt. Und drit­tens gilt es, die Tech­no­lo­gie in den Dienst der Gesell­schaft zu stel­len: Inno­va­tio­nen fürs Gemein­wohl. 

Tor­ben Ste­phan, Pro­gramm­lei­ter Digi­ta­li­sie­rung und Gesell­schaft bei der Stif­tung Mer­ca­tor Schweiz und Andrew Hol­land bei einer Arbeits­sit­zung.

Ergän­zung zu Stif­tungs­fi­nan­zie­run­gen

Rea Eggli, Mit­grün­de­rin der Crowd­fun­ding Platt­form Wema­keit.

Die Digi­ta­li­sie­rung eröff­net der Zivil­ge­sell­schaft auch neue Mög­lich­kei­ten der Pro­jekt­fi­nan­zie­rung. Rea Eggli, Mit­grün­de­rin von wema­keit, sagt: «Unse­re Crowd­fun­ding-Platt­form wema­keit ist eine idea­le Ergän­zung zu Stif­tungs­fi­nan­zie­run­gen, wir sehen uns kei­nes­falls als Kon­kur­renz.»  Eine kon­kre­te Zusam­men­ar­beit mit einer Stif­tung erlebt wema­keit seit zwei Jah­ren durch den «Sci­ence Boo­ster». Mit «Sci­ence Boo­ster» unter­stützt Gebert Rüf erfolg­rei­che Wis­sen­schafts­pro­jek­te auf wemakeit.com, indem die Stif­tung jeden Fran­ken der Crowd ver­dop­pelt. Auch Public-Pri­vat-Part­nerships sind mög­lich. Für Stif­tun­gen selbst ist wema­keit eine digi­ta­le Platt­form, um neue Pro­jek­te zu ent­decken. Ein mit Stich­wor­ten ver­se­he­nes Such­abo hilft inno­va­ti­ve Pro­jek­te zu fin­den, die man mit­för­dern will. Des­halb kann eine Part­ner­schaft mit wema­keit für eine Stif­tung span­nend sein, um ein För­der­the­ma zu beset­zen oder um die Abwick­lung von Pro­jekt­för­der­wett­be­wer­ben zu ver­ein­fa­chen. Und mit einem Crowd­fun­ding kann eine Stif­tung neue Ziel­grup­pen errei­chen. Wema­keit hat aktu­ell eine Com­mu­ni­ty von über 300’000 Per­so­nen. Die Erfolgs­chan­ce zur Errei­chung des selbst­ge­steck­ten Ziels liegt bei 61 Pro­zent. Über 4000 Pro­jek­te waren bereits erfolg­reich. Ins­ge­samt wur­den 48 Mil­lio­nen Fran­ken gesam­melt. Bei allen Erfol­gen gilt es den Auf­wand der Pro­jekt­in­iti­an­tin­nen und ‑initi­an­ten zu berück­sich­ti­gen. Es darf nicht unter­schätzt wer­den: «Ein Crowd­fun­ding braucht immer eine gros­se Eigen­lei­stung an Kom­mu­ni­ka­ti­on», sagt Rea Eggli und fügt hin­zu, dass sie genau aus die­sem Grund den Anteil der Crowd­fun­ding-Ein­nah­men in einem Pro­jekt­bud­get als Eigen­lei­stung ver­ste­he.

Der Mensch im Mit­tel­punkt

Fon­da­ti­on Bot­nar setzt auf die Digi­ta­li­sie­rung und auf digi­ta­le Inno­va­tio­nen, um ihren Stif­tungs­zweck zu ver­fol­gen. «The Future Now – For Child­ren World­wi­de», «Die Zukunft jetzt – für Kin­der welt­weit», ver­spricht Bot­nar auf der Inter­net­sei­te. Das Enga­ge­ment für die Gesund­heit und das Wohl­be­fin­den für Kin­der ist ein zeit­lo­ses. Doch die Stif­tung hat die Digi­ta­li­sie­rung inzwi­schen sogar in die Stra­te­gie inte­griert.

Ste­fan Ger­mann, als CEO der Fon­da­ti­on Bot­nar hat er die Digi­ta­li­sie­rung in die Stif­tungs­stra­te­gie inte­griert.

Der heu­ti­ge Geschäfts­füh­rer, Ste­fan Ger­mann, bewarb sich 2016 für sei­ne Stel­le bei Fon­da­ti­on Bot­nar mit einem Kon­zept, das auf Digi­ta­li­sie­rung und künst­li­che Intel­li­genz setzt, und über­zeug­te damit den Stif­tungs­rat. «In den näch­sten 20 Jah­ren wer­den digi­ta­le Gesund­heits­tech­no­lo­gi­en mit aus­ge­klü­gel­ten Algo­rith­men und künst­li­cher Intel­li­genz geschaf­fen. Ihre rasche Ein­füh­rung gibt uns bei­spiel­lo­se Mög­lich­kei­ten für die glo­ba­le öffent­li­che Gesund­heit – zum Bei­spiel die Besei­ti­gung des aku­ten Man­gels an Gesund­heits­per­so­nal», ist er über­zeugt. Ein typi­sches Pro­jekt von Fon­da­ti­on Bot­nar ist das 2019 lan­cier­te Afya-Tek in Tan­sa­nia. In einer digi­tal ver­netz­ten Com­mu­ni­ty sol­len das öffent­li­che und das pri­va­te Gesund­heits­sy­stem mit­ein­an­der ver­knüpft wer­den. «Wir fokus­sie­ren uns auf Kin­der und Jugend­li­che in mit­tel­gros­sen Städ­ten, soge­nann­ten Sekun­där­städ­ten, in Län­dern mit limi­tier­ten Res­sour­cen», sagt Ste­fan Ger­mann. «Dort ist einer­seits das Bedürf­nis sehr gross und ander­seits beschrän­ken nicht­staat­li­che Orga­ni­sa­tio­nen ihr Wir­ken oft auf Haupt­städ­te oder auf länd­li­che Gebie­te. Unser Ziel ist, in den Sekun­där­städ­ten digi­ta­le Lösun­gen umzu­set­zen und so Ska­len­ef­fek­te zu ermög­li­chen.» Fon­da­ti­on Bot­nar inve­stiert in digi­ta­le Inno­va­tio­nen und ent­wickelt ska­lier­ba­re und nach­hal­tig ein­setz­ba­re Lösun­gen. Doch Ger­man sagt: «Im Mit­tel­punkt ste­hen immer die Men­schen.»

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