Bild: Markus Spiske, pexels

Warum braucht es NPO in der Klimakrise?

Europa hat erneut einen Rekordsommer verbuchen können, schmücken können wir uns mit solch einem Rekord jedoch nicht. Für Klimaforscher:innen kommen die zunehmenden Dürren, Hagelschläge und Waldbrände nicht überraschend, doch für die Bewältigung der Klimakrise ist eine gesellschaftliche Antwort notwendig. Der Staat und der Markt scheinen es nicht alleine zu schaffen

Die Klima­krise ist schon länger bei uns ange­kom­men, und dieser Sommer hat uns dies erneut verdeut­licht. Hitze­wel­len in der Schweiz, Wasser­knapp­heit in Frank­reich, Dürren und Wald­brände in Deutsch­land und dann wieder extreme Regen­men­gen und Über­schwem­mun­gen. Klar ist, dass für die Verhin­de­rung einer zuspit­zen­den Klima­krise mehr als tech­ni­sche Lösun­gen notwen­dig sind. Im Kern braucht es eine gesell­schaft­li­che Antwort, welche einen Wandel hin zu einer nach­hal­ti­gen Zukunft mitge­stal­tet. Zwar können Klimaforscher:innen aus den besten Univer­si­tä­ten der Welt Vorschläge unter­brei­ten, solange diese jedoch nicht von der brei­ten Gesell­schaft unter­stützt und mitge­tra­gen werden, sind diese Vorschäge zwar rele­vant, jedoch unzu­rei­chend. Als Beispiel für die Schweiz kann der Fall vom Juni 2021 aufge­li­stet werden, als die Stimmbürger:innen das Bundes­ge­setz über die Reduk­tion der Treib­haus­gas­emis­sio­nen (CO2-Gesetz) in einer Volks­ab­stim­mung abge­lehnt haben. Trotz nahezu unbe­strit­te­ner Ansicht der Wissen­schaft, dass eine Verrin­ge­rung der Treib­haus­gase, neben den vielen ethi­schen und sozia­len Aspek­ten, auch wirt­schaft­lich sinn­voll ist, wurde diese Auffas­sung nicht in die Breite der Öffent­lich­keit über­tra­gen. Doch die Klima­krise lässt sich nicht abwählen.

Der Markt und der Staat alleine reichen nicht aus

Grob gespro­chen lässt sich unsere moderne Gesell­schafts­ord­nung in drei Sekto­ren eintei­len: den Markt, den Staat und den soge­nann­ten drit­ten Sektor – die Zivil­ge­sell­schaft. Sowohl der Markt als auch der Staat fokus­siert sich vor allem auf die Erfül­lung ihrer jewei­li­gen Kern­auf­gabe. Der Staat konzen­triert sich darauf, seine poli­ti­sche Legi­ti­mi­tät aufrecht­zu­er­hal­ten. Plaka­tiv ausge­drückt scheint sich der Staat in Krisen haupt­säch­lich auf die Gewähr­lei­stung eines steti­gen Wirt­schafts­wachs­tums zu konzen­trie­ren – gezit­tert wird vor einer Rezes­sion, eher gelas­sen auf das im Durch­schnitt stei­gende Ther­mo­me­ter geschaut. Unter­neh­men, als die Akteure des Mark­tes, konzen­trie­ren sich auf ihren Impe­ra­tiv der Gewinn­ma­xi­mie­rung. Zwar gehört Gutes zu tun heute zum guten Ton, doch sobald radi­kale Mass­nah­men die obigen Gebote gefähr­den, werden diese weder vom Staat noch von Unter­neh­men geför­dert. Und genau hier wird es wich­tig: Im Gegen­satz zum Markt oder zum Staat ist die Zivil­ge­sell­schaft nicht in glei­cher Weise eingeschränkt.

NPOs können Rahmen­be­din­gun­gen schaf­fen – auch hin zu Nachhaltigkeit

Nonpro­fit-Orga­ni­sa­tio­nen (NPOs) als insti­tu­tio­nelle Akteure der Zivil­ge­sell­schaft folgen eben nicht dem einen Gebot, und genau dies ist auch ein Grund für ihre Fähig­keit Bedürf­nisse einer Gesell­schaft zu erken­nen und sich dafür einzu­set­zen. In Bezug auf eine gesell­schaft­li­che Antwort auf die Klima­krise ist dies nicht anders, ein Verständ­nis, welches auch der Welt­kli­ma­rat[1] teilt, in dem er sugge­riert, dass NPOs «eine wesent­li­che Rolle bei der Schaf­fung von Rahmen­be­din­gen für Klima­mass­nah­men spie­len können»[2]. In NPOs wird das Wohl der Bürger:innen aus vielen Perspek­ti­ven betrach­tet und dies oft im gemein­sa­men Austausch. Dieser Austausch ist wich­tig, denn dadurch können NPOs gesell­schaft­li­che Brut­kä­sten schaf­fen, in welchen Bürger:innen den nöti­gen Wandel hin zu einer nach­hal­ti­gen Zukunft mitge­stal­ten –  der Markt und der Staat werden es alleine nicht schaffen.


[1] The Inter­go­vern­men­tal Panel on Climate Change (IPCC)

[2] S. 963 eigene Über­set­zung in: IPCC, 2022: Climate Change 2022: Impacts, Adap­t­ation, and Vulnera­bi­lity. Contri­bu­tion of Working Group II to the Sixth Assess­ment Report of the Inter­go­vern­men­tal Panel on Climate Change [H.-O. Pört­ner, D.C. Roberts, M. Tignor, E.S. Poloc­z­anska, K. Minten­beck, A. Alegría, M. Craig, S. Langs­dorf, S. Löschke, V. Möller, A. Okem, B. Rama (eds.)]. Cambridge Univer­sity Press. In Press.

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