Bild: Shoeib Abolhassani, unsplash

Wann ist eine Inno­va­tion sozial?

Die Wichtigkeit von Innovation ist sofort erkennbar, auch wenn man sich nur flüchtig mit der Geschichte der Menschheit auseinandersetzt: Menschen erschaffen neue Dinge, und das seit tausenden von Jahren. Heutzutage wird oft eine Unterscheidung zwischen technologischen und sozialen Innovationen gemacht. Besonders die Skalierung von sozialen Innovationen ist schwierig. Es gibt aber neuere Ansätze, die vielversprechend sind.

Die Kern­spal­tung hat uns Atom­kraft­werke gege­ben, sie hat uns aber auch die Atom­bombe gebracht. Das Inter­net ermög­licht es uns, Fami­lie und Freunde jeder­zeit zu errei­chen, es erlaubt aller­dings auch Spio­nage und Über­wa­chung. Mitt­ler­weile ist klar: Tech­no­lo­gi­sche Inno­va­tio­nen lösen Probleme nicht immer, sie verschie­ben sie oft nur. Seit den letz­ten zwei bis drei Jahr­zehn­ten wird in Forschung und Praxis deshalb vermehrt auf soziale Inno­va­tio­nen fokus­siert. Der Inno­va­ti­ons­pro­zess ist hier­bei auf ein spezi­fi­sches gesell­schaft­li­ches Problem ausge­rich­tet. Die Inno­va­tion zeigt sich nicht (nur) in Mate­ri­el­lem, sondern im Beson­de­ren auch in einer Verän­de­rung der zwischen­mensch­li­chen Umgangsformen.

Im Grunde kann jeder Mensch soziale Inno­va­tion betrei­ben. Die Vorstel­lung, man müsse wie Elon Musk Milli­ar­den inve­stie­ren, um zum «Inno­va­tor» zu werden, ist falsch. Immer mehr Menschen möch­ten sich einset­zen, um Probleme zu lösen, die sie auf der Strasse beob­ach­ten, oder unter denen sie selbst leiden. Obwohl viele Menschen die Leiden­schaft haben, sich einzu­set­zen, ist es ein gros­ser Schritt, dieses Problem an der Wurzel anzu­ge­hen und syste­mi­sche Verän­de­rung herbei­zu­füh­ren. Um gar eine Orga­ni­sa­tion zu grün­den, fehlt es an fach­li­chem Wissen, einem rele­van­ten Netz­werk und nicht zuletzt der Ermun­te­rung durch Mentor:innen.

Die Rolle von Inkubatoren

Inku­ba­to­ren können diese Lücke schlies­sen. Deren Programme sind zyklisch gestal­tet und finden in vielen Fällen einmal im Jahr statt. Den Haupt­be­stand­teil bilden eine Reihe von Work­shops, die in regel­mäs­si­gen Abstän­den statt­fin­den. Aber auch neben dem offi­zi­el­len Programm wird auf physi­sche Co-Präsenz und den resul­tie­ren­den Austausch viel Wert gelegt. Inku­ba­to­ren sind bereits seit 20 Jahren vor allem in der Busi­ness- und Startup-Szene bekannt und spries­sen förm­lich aus dem Boden. Ihre Bedeu­tung in der Tech-Bran­che ist riesig: Beispiels­weise Firmen wie Airbnb oder Drop­box sind in Inku­ba­to­ren entstan­den. Zuneh­mend sind Inku­ba­to­ren aber auch als Nonpro­fit-Orga­ni­sa­tio­nen gestal­tet und fördern orga­ni­sa­tio­nale Lösun­gen für soziale Probleme.

Anpas­sungs­fä­hig­keit, wenn eine Idee nicht funk­tio­niert, ist zentral.

Bekannte Orga­ni­sa­tio­nen, die in diesem Bereich an mehre­ren Inku­ba­to­ren-Program­men betei­ligt sind, sind beispiels­weise die Impact Hubs. Mitt­ler­weile gibt es sie in sechs Schwei­zer Städ­ten. Ein gros­ser Akteur in diesem Bereich ist auch der Grün­hof in Frei­burg im Breis­gau. Er besitzt bereits drei Stand­orte in der Stadt. Im Grün­hof ange­sie­delt ist das Social Inno­va­tion Lab, das sich auf die Förde­rung von sozia­len Inno­va­tio­nen spezia­li­siert hat. Von März bis Juli fanden dieses Jahr im Rahmen des «Sozialstarter»-Programms insge­samt sieben Veran­stal­tun­gen mit moti­vier­ten Social Entre­pre­neurs statt. Beigebracht wurden den Teil­neh­men­den Themen wie Marke­ting und Kommu­ni­ka­tion oder auch das Proto­typ­ing der eige­nen Idee.

Der soziale Innovationsprozess

Was ist denn nun wich­tig, wenn man sozial-orien­tiert Inno­va­tion betreibt? Anpas­sungs­fä­hig­keit, wenn eine Idee nicht funk­tio­niert, ist zentral. Solange eine klare Vision vorliegt, an der man sich grob ausrich­ten kann, ist wieder­hol­tes Schei­tern sogar hilf­reich, da man nur so den erfolg­rei­chen Weg finden kann. Das Umfeld eines Inku­ba­tors bietet genau dazu den perfek­ten Nähr­bo­den. Tech­no­lo­gie soll und muss Teil des Inno­va­ti­ons­pro­zes­ses sein. Die Nutzung muss sich aber an der Vision orien­tier­ten, so dass Probleme nicht verscho­ben, sondern tatsäch­lich gelöst werden können. Dies ist ein lang­wie­ri­ges Vorha­ben und bedeu­tet in vielen Fällen gerin­gere Skalier­bar­keit und Gewinn­marge. Aber so wird sicher­ge­stellt, dass Inno­va­tion an den Bedürf­nis­sen möglichst vieler Menschen ausge­rich­tet ist.

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