Intendant Michael Haefliger, Bild: Daniel Auf der Mauer, Lucerne Festival

Spezi­elle Räume für beson­dere Konzerte

Das Lucerne Festival Forward lässt das Planetarium im Verkehrshaus erklingen und lädt zum «sauberen Ende». Intendant Michael Haefliger spricht über die Verknüpfung zeitgenössischer Kunst mit multimedialen Möglichkeiten und über die Rolle von Stiftungen.

Am 18. Novem­ber star­tet das Lucerne Festi­val Forward. Was sind die Höhepunkte?

Es ist die zweite Durch­füh­rung dieses Festi­vals. Wir haben uns entschie­den, das Festi­val Forward ganz der zeit­ge­nös­si­schen Musik zu widmen. Das Programm haben wir mit unse­ren Contem­porary Leaders zusammengestellt.

Wer ist das?

Das sind ehema­lige Teilnehmer:innen unse­rer Academy, einer Meister­schule für Neue Musik, einem Zukunfts­la­bo­ra­to­rium. Für uns ist es ganz wich­tig, dass wir mit diesem Festi­val die Arbeit der Academy weiter­füh­ren. Mit Forward können wir zeit­ge­nös­si­sche Kunst fördern, Urauf­füh­run­gen ermög­li­chen und multi­me­diale Neukon­zepte entwickeln.

Konzep­tio­nell und multi­me­dial gehen die Insze­nie­run­gen weiter bis zu Mitmach­ak­tio­nen auf dem Niveau zeit­ge­nös­si­scher Kunst.

Michael Haef­li­ger

Und was darf das Publi­kum 2023 erwarten?

Dieses Jahr bespie­len wir nicht nur das KKL Luzern, sondern wir star­ten im Plane­ta­rium des Verkehrs­hau­ses. Das Werk «Enigma» der islän­di­schen Kompo­ni­stin Anna Thor­val­dis­dot­tir eröff­net dort das Festi­val. Zur Auffüh­rung gehört ein spezi­el­les 360-Grad-Video von Sigurður Guðjóns­son. Den Schluss­punkt setzt das Konzert am Sonn­tag: Imagi­nierte Folk­lore mit dem Werk Gougalōn von Unsuk Chin. Mit «Ein saube­res Ende» wird das Festi­val enden. Es ist ein Kehr­aus, an dem die Luzer­ner Bevöl­ke­rung mitma­chen kann. Verschie­dene Kompo­ni­sten haben diese soge­nannte Aufräum­ak­tion entwickelt.

Die Vermitt­lung von Kunst gehört zu Ihrer Mission. Sie wollen sie einer brei­ten Öffent­lich­keit zugäng­lich zu machen. Suchen Sie deswe­gen neue Veran­stal­tungs­orte wie das Planetarium?

Zum einen ja. Zum ande­ren weil unter­schied­li­che Werke in verschie­de­nen Räumen anders klin­gen. Wir expe­ri­men­tie­ren. Wir wollen den Raum stär­ker mit einbe­zie­hen. Zu einzel­nen Werken wollen wir spezi­elle Räume finden und das ganze Programm diver­ser gestalten.

Mit Forward kündi­gen Sie expe­ri­men­telle Konzert­er­leb­nisse an. Welche Rolle spielt heute die Vermitt­lung von Kunst im Verhält­nis zur Kunst selbst?

Sie spielt eine immer grös­sere Rolle. Ein Kunst­pro­jekt einfach in einen Saal stel­len ist heute nicht mehr aktu­ell. Konzep­tio­nell und multi­me­dial gehen die Insze­nie­run­gen weiter bis zu Mitmach­ak­tio­nen auf dem Niveau zeit­ge­nös­si­scher Kunst. Bereits die Komponist:innen nehmen das auf.

Lucerne Festi­val | Forward 2021 Ensem­bles des Lucerne Festi­val Contem­porary Orche­stra (LFCO) unter der Leitung von Mariano Chiac­chia­rini. Liza Lim “Extinc­tion Events and Dawn Chorus für zwölf Musiker:innen. Bild: Peter Fischli/Lucerne Festival

Wie wich­tig ist das Festi­val für die Künstler:innen und ihre Karrieren?

Welche Rolle es für die Karrie­ren spielt, kann ich nicht beur­tei­len. Aber ich bin über­zeugt, Festi­vals sind wich­tig für die Entwick­lung der Künstler:innen.

Sie waren selbst Konzert­gei­ger und sind in Luzern aufge­tre­ten. Welche Rolle spielt diese Erfah­rung für Ihren Werdegang?

Dass ich auf der Bühne gestan­den und selbst gespielt habe – ich habe am Konzert­fe­sti­val in Luzern mein Debüt gege­ben – ist sehr wich­tig. Es gibt mir die Sicher­heit und eine gewisse Selbst­ver­ständ­lich­keit, gerade bei zeit­ge­nös­si­scher Musik. Unser Enga­ge­ment für zeit­ge­nös­si­sche Musik ist deshalb für mich keine Frage, ob wir das machen soll­ten oder nicht. Die zeit­ge­nös­si­sche Musik ist Teil meines Lebens. Ohne zeit­ge­nös­si­sche Kunst geht es einfach nicht. Sie ist natür­lich spezi­el­ler für die Kommu­ni­ka­tion mit einem grös­se­ren Publikum.

Ist zeit­ge­nös­si­sche Musik schwie­ri­ger zu vermarkten?

Zeit­ge­nös­si­sche Kunst hat viel engere Verbin­dun­gen zu multi­me­dia­len Ansät­zen aufge­baut. Mehr Werke haben diese Möglich­kei­ten ausge­lo­tet, sei dies mit Video oder mit Bewe­gung. Sie hat sich stark geöff­net. Es wird viel mehr expe­ri­men­tiert. Dafür bietet sie sich an.

Gerade im Bereich der zeit­ge­nös­si­schen Kunst und der Förde­rung junger Musiker:innen kommt Stif­tun­gen eine sehr grosse Bedeu­tung zu.

Michael Haef­li­ger

Um das Festi­val zu ermög­li­chen, wie wich­tig ist die Finan­zie­rung durch Stiftungen?

Gerade im Bereich der zeit­ge­nös­si­schen Kunst und der Förde­rung junger Musiker:innen kommt Stif­tun­gen eine sehr grosse Bedeu­tung zu. Wir sind sehr dank­bar für diese Form der Unterstützung.

Ist diese Unter­stüt­zung rein finan­zi­ell oder erfolgt sie auch auf ande­ren Ebenen? Stel­len sie bspw. Know­how oder Netz­werke zur Verfügung?

Der Austausch findet immer wieder statt. Teils ergibt sich dies ganz natür­lich. Bspw. kann über einen Künst­ler, den wir einge­la­den haben, eine Verbin­dung zu einer Stif­tung entste­hen. Grund­sätz­lich aber wählen wir das Programm und suchen inter­es­sierte Unterstützer:innen hierzu.

Ist es entschei­dend, dass sie selbst eine Stif­tung sind?

Das ist sekundär.


Lucerne Festi­val Forward

Das Lucerne Festi­val Forward findet vom 18. bis 20. Novem­ber 2022 statt. 

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