Bild: Essa Mhmad, Unsplash

UNHCR: Zehn Jahre Krieg in Syrien

Zerrissene Familien und Freundschaften, unermessliche wirtschaftliche Probleme, welche die Betroffenen frustrieren und immense Sorgen bereiten, sind die Folgen des bewaffneten Konflikts in Syrien. Unter den Konsequenzen leiden vor allem junge Menschen und Frauen. Es ist gemäss UNHCR der weltweit grösste Vertreibungsnotstand. Er dauert heute schon länger als der erste und zweite Weltkrieg zusammen.

Vor Ausbruch des Krie­ges lebten in Syrien rund 21 Millio­nen Menschen. Auslö­ser des Konflikts waren Prote­ste gegen das auto­ri­täre Regime des Präsi­den­ten Baschar al-Assad im Zuge des Arabi­schen Früh­lings Anfang 2011. 

Bis heute hat der Krieg über 12 Millio­nen Menschen gezwun­gen, ihr Zuhause zu verlas­sen. 6,7 Millio­nen sind Vertrie­bene im eige­nen Land und 6,6 Millio­nen sind Flücht­linge, die Syrien verlas­sen haben. Die über­wie­gende Mehr­heit der 6,6 Millio­nen Flücht­linge wurden von der Türkei, dem Liba­non, von Jorda­nien, Irak und Ägyp­ten aufge­nom­men. Gemäss den türki­schen Behör­den beher­bergt allein die Türkei mehr als 3,5 Millio­nen Syre­rin­nen und Syrer. Im Liba­non leben zurzeit 850’000. Weitere syri­sche Flücht­linge sind in 130 Ländern rund um den Globus verteilt. Mit der Covid Pande­mie ist die Situa­tion für die syri­schen Flücht­linge noch viel schwie­ri­ger gewor­den. Insge­samt 70 Prozent der Flücht­linge leben gemäss Shirin Pakfar, UNHCR, in Armut. 

Doner Brie­fing
An einem «Doner Brie­fing» des UNHCR, am 30. März, spra­chen Sivanka Dhana­pala, neuer Vertre­ter in Syrien des UNHCR, Karo­lina Lind­holm Billing, stell­ver­tre­tende Vertre­te­rin im Liba­non des UNHCR sowie die aus Syrien geflüch­tete Doku­men­tar­fil­me­rin Noura Al Turj­man. Mode­riert hat Shirin Pakfar, die Chefin Private Part­ner­schaf­ten und Phil­an­thro­pie des UNHCR. 

Unter­stüt­zung in Syrien
Sivanka Dhana­pala
ist seit dem 17. Februar 2021 in Syrien. Er erklärt, dass es in Syrien zurzeit drei sich über­la­gernde Krisen gibt. Eine ist der seit zehn Jahren anhal­tende Krieg. Dieser Konflikt sei noch nicht gelöst. Es herr­sche seit gut einein­halb Jahren eine schwere ökono­mi­sche Krise und zusätz­lich natür­lich die Covid­krise. Was ihn sehr berühre, sei die Wider­stands­kraft der Bevöl­ke­rung und wie sich die Menschen gegen­sei­tig helfen würden. So erzählte er von einem maus­ar­men Zimmer­mann, der für verletzte und alte Menschen gratis Gehstöcke herstellt. Auf die an den Zimmer­mann gerich­tete Frage, was seine Moti­va­tion sei, die Gehstöcke gratis abzu­ge­ben, antworte er nur: Er wolle einfach helfen. Von den 6,6 Millio­nen im Land Vertrie­be­nen leben rund 90 Prozent in Armut. Der UNHCR betreibt in Syrien rund 130 Commu­ni­ty­cen­ter. Es gibt ein enor­mes Bedürf­nis an Lebens­not­wen­di­gem: Taschen­lam­pen für die Sicher­heit, Schutz­räume für Notfälle, Matrat­zen, Zelte etc. Die Menschen haben oft keine offi­zi­el­len Doku­mente und brau­chen Hilfe bei der Wiederbeschaffung.

Die Situa­tion im Liba­non verschärft sich
Eindrück­lich schil­derte Karo­lina Lind­holm Billing, die seit zehn Jahren vor Ort ist, die Situa­tion für die syri­schen Flücht­lin­gen im Liba­non. Vor zehn Jahren gingen die Menschen, die aus Syrien ins Nach­bar­land flüch­te­ten davon aus, dass alles sehr schnell gehen würde und sie schon bald wieder in ihre Heimat zurück­keh­ren könn­ten. Auch der Liba­non ging damals von Sofort­hilfe aus. Aus diesem Grund sind die Syre­rin­nen und Syrer nicht an einem Ort, in einem Flücht­lings­la­ger, sondern über den ganzen Liba­non verstreut. Das macht es heute schwie­ri­ger, für alle Zugang zu Schu­len und Spitä­lern zu orga­ni­sie­ren. Und der Liba­non steckt zurzeit in einer enor­men wirt­schaft­li­chen Krise. Gemäss der süddeut­schen Zeitung ist die Liba­ne­si­sche Währung im Freien Fall. Alleine seit Dezem­ber seien die Lebens­mit­tel­preise um rund 400 Prozent gestie­gen. Die liba­ne­si­sche Bevöl­ke­rung kämpft selber an allen Ecken und Enden gegen Armut und Korrup­tion. So hat sich die die Stim­mung im Verlaufe des letz­ten Jahres verschlech­tert. Die Gast­freund­schaft geht aufgrund der eige­nen Misere etwas verlo­ren, weil die Liba­ne­sin­nen und Liba­ne­sen ihre Mieten, das Essen und die Gesund­heits­ko­sten selber kaum bezah­len können. Das bestä­tigt auch die geflüch­tete Doku­men­tar­fil­me­rin, Noura Al Turj­man. Vor zehn Jahren ist sie als Mädchen geflüch­tet. Sie waren damals nicht wirk­lich will­kom­men, denn die liba­ne­si­schen Leute schätz­ten Syrer nicht sehr. Das bekam sie zu spüren. Dachte sie zuerst, dass sie quasi für Ferien nach Beirut gehe, musste sie bald akzep­tie­ren, dass sie in einem ande­ren Land aufwach­sen wird. Und heute kann sie sich manch­mal kaum mehr an ihre Heimat erin­nern. Aller­dings habe sich die Situa­tion seit der Deto­na­tion in Beirut noch einmal verschärt.

Die grosse Resi­li­enz macht Mut
Die grosse Wider­stands­fä­hig­keit, das beto­nen alle Panel-Teil­neh­men­den, mache Mut und gebe Hoff­nung. Sie sei über­all spür­bar. Es gäbe sehr viele Menschen, ob jung oder alt, die noch ärme­ren Menschen helfen wollen, etwa Kinder unter­rich­ten. Dies auch wenn das letzte Jahr das schlimm­ste war. Darin sind sich die Menschen vor Ort offen­bar einig, wie Sivanka Dhana­pala berichtet.

Was die Vertre­te­rin­nen und Vertre­ter des UNHCR in der Nacht nicht schla­fen lässt ist, wie sie der Welt vermit­teln können, welches Ausmass diese Tragö­die hat. Damit die vielen Menschen, von denen fast 50 Prozent noch Kinder sind, von der Welt nicht verges­sen werden.

Weitere Infor­ma­tio­nen
Eine durch das IKRK in Auftrag gege­bene Studie beleuch­tet die Folgen des Konflikts, die Millio­nen von jungen Menschen in den letz­ten zehn Jahren erdul­den mussten.

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