Klimagerechtigkeit Senegal Westafrika
Foto: HEKS | Christian Bobst

Sene­gal: Vor ihnen die Sintflut

In Westafrika verschwinden mit dem steigenden Meeresspiegel ganze Küstenstreifen. Der Klimawandel trifft hier mit besonderer Heftigkeit auf die Ärmsten.

Text: Corina Bosshard

Das Meer holt sich im Siné Saloum Delta, was es will. Die Strände, die Häuser, die Bäume, vieles hat es schon verschluckt – und es rückt immer näher. Im Sene­gal haben sich die Tempe­ra­tu­ren seit den 1960er Jahren um 1 Grad Celsius erhöht – und sie werden sich bis Ende des Jahr­hun­derts um weitere ein bis zwei Grad erhö­hen. Der Meeres­spie­gel wird gemäss Klima­for­schern um mindes­tens einen Meter ansteigen.

Aus dem Gleichgewicht

Kein ande­rer Konti­nent ist so stark von der Erder­wär­mung betrof­fen, wie Afrika, wo die Menschen einen gros­sen Anteil der Folgen des Klima­wan­dels tragen. Menschen wie Awa Sarr. Die 57-jährige Mutter von fünf Kindern lebt im Siné Saloum Delta und bestrei­tet ihren Lebens­un­ter­halt mit der Zucht und dem Verkauf von Austern, Garne­len und ande­ren Meeres­früch­ten. Doch mit den stei­gen­den Tempe­ra­tu­ren, aber auch dem fort­schrei­ten­den Raub­bau an der Natur, droht das fragile Ökosys­tem des Deltas aus dem Gleich­ge­wicht zu gera­ten, was die Lebens­grund­lage tausen­der Menschen bedroht. Insbe­son­dere intakte Mangro­ven­wäl­der wären zentral, um die klima­ti­schen Verän­de­run­gen abzu­fe­dern, denn Mangro­ven sind wahre Cham­pi­ons des Klima­schut­zes: Sie schüt­zen die Küsten­be­woh­ner vor immer stär­ker werden­den Sturm­flu­ten, der Versal­zung der Böden und der Küsten­ero­sion. Sie sind aber auch für die Minde­rung von Kohlen­stoff­emis­sio­nen zentral. Doch Stück für Stück wurden die Mangro­ven­wäl­der in der Vergan­gen­heit abge­holzt, um sie als Feuer­holz zu nutzen.

Foto: Chris­tian Bobst HEKS

Die Mangro­ven zurückbringen

HEKS und die lokale Part­ner­or­ga­ni­sa­tion «Asso­cia­tion pour la Promo­tion des Initia­ti­ves Loca­les» (APIL) unter­stüt­zen daher 18 Dörfer im Siné Saloum Delta dabei, ihre Mangro­ven­wäl­der wieder aufzu­fors­ten und sie durch nach­hal­tige Bewirt­schaf­tungs­me­tho­den lang­fris­tig zu erhal­ten. Unter der Mode­ra­tion von APIL und HEKS handelt jedes Dorf einen gemein­sa­men Schutz- und Wieder­her­stel­lungs­plan mit klaren Regeln für die Nutzung der natür­li­chen Ressour­cen aus. Ein gewähl­tes Dorf­ko­mi­tee ist für die Umset­zung und Einhal­tung der Pläne verant­wort­lich. «Früher trenn­ten wir beim Austern­sam­meln die Wurzeln der Mangro­ven mit Messern ab, so dass diese abstar­ben», erzählt Awa Sarr. «Ich habe in den Trai­nings viel gelernt über das rich­tige Manage­ment unse­rer natür­li­chen Ressourcen.»

Die Natur als gröss­tes Kapital

Um die Mangro­ven vor weite­rer Abhol­zung zu schüt­zen, pflanzt jedes Dorf zudem auf einer klei­nen Fläche schnell wach­sende Bäume an, deren Holz von den Haus­hal­ten als Brenn­holz genutzt werden darf. Um den Holz­ver­brauch gene­rell zu senken, fördert das Projekt auch die Verbrei­tung von lokal produ­zier­ten, ener­gie­ef­fi­zi­en­ten Öfen. Seit die Ressour­cen geschont und nach­hal­tig genutzt werden, haben sich die Fisch- und Meeres­früch­te­be­stände in der Region sicht­bar erholt. Awa Sarr kann heute von der Zucht und dem Verkauf der Meeres­früchte leben und alle ihre Kinder zur Schule schi­cken. Und sie weiss, dass die Erhal­tung der Mangro­ven zentral ist, um auch in Zukunft ihren Lebens­un­ter­halt bestrei­ten zu können. Denn die Natur ist das grösste Kapi­tal der Menschen im Sine Saloum Delta.


HEKS, das Hilfs­werk der Evan­ge­li­schen Kirchen Schweiz, setzt sich seit 75 Jahren in rund 30 Ländern für notlei­dende und benach­tei­li­get Menschen ein. Weitere Infor­ma­tio­nen finden Sie unter heks.ch