Richard Wherlock, Ballettdirektor und Choreograph, Theater Basel, Bild: Christian Knörr

BTB: Ein Zuhause für den Tanz

Der Ballettdirektor Richard Wherlock beendet am Ende dieser Spielzeit, nach über 20 Jahren, sein Engagement am Theater Basel. Dann will er sich noch verstärkt für den Nachwuchs einsetzen und dafür sorgen, dass die Ballettschule Theater Basel, deren Co-Präsident des Vorstands er ist, mehr Mittel zur Verfügung hat, um ideale Ausbildungsbedingungen zu bieten.

Ihre letzte Saison am Thea­ter Basel läuft. Gibt es eine aktu­elle Produk­tion, die Ihnen spezi­ell am Herzen liegt?

In der vergan­ge­nen Saison habe ich meine letzte eigene Produk­tion kreiert. Sie läuft auch diese Saison. Es handelt sich um eine in der Schweiz bestens bekannte Geschichte. Heidi.

Als Ballett.

Eine Geschichte zu insze­nie­ren, die in der Schweiz jede Genera­tion kennt, ist wie den heili­gen Gral anzu­ta­sten. Aber es fühlte sich gut an. Die Rolle der Heidi ist ein gross­ar­ti­ger «Kata­lyst». Sie bewirkt, dass wir das Beste in den Menschen sehen, dass wir das Beste in der Welt suchen – trotz all der vorhan­de­nen Probleme.

Was ist spezi­ell an der Inszenierung?

Wir haben uns entschie­den, harte elek­tro­ni­sche Musik mit tradi­tio­nel­ler Musik zu verbin­den, mit Glocken, Alphorn und Jodeln. Das haben die Menschen nicht erwartet.

Wie waren die Reaktionen?

Das Feed­back war abso­lut wunder­bar. Wir wurden zur Company of the Year gewählt. Es ist mein Stück, mit dem ich Adieu sage. Mit diesem bedanke ich mich bei all den wunder­ba­ren Menschen, die ich in der Schweiz getrof­fen habe und die mir mit meiner Karriere gehol­fen haben. Und das Publi­kum reagierte mit einem Dank zurück.

Thea­ter Basel, Ballett Heidi, Richard Wher­lock, Bild: Ingo Höhn

In Basel hat man Sie mit einer Ehren­ta­fel am Basler Walk of Fame neben Persön­lich­kei­ten wie Roger Fede­rer gewürdigt.

Das ist wirk­lich eine grosse Ehre. 

Wie stark sind Sie mit Basel verbunden?

Ich habe die Schwei­zer Natio­na­li­tät und bin Bürger von Basel. Auch nach meinem Abschied vom Thea­ter Basel werde ich in Basel bleiben.

Sie sind auch Co-Präsi­dent des Vorstands der Ballett­schule Thea­ter Basel (BTB).

Genau.

Zuvor haben sie sich bei SiWiC, einem Weiter­bil­dungs­kurs in Choreo­gra­phie enga­giert und waren Jury­prä­si­dent der Migros-Stipen­dien für Tanz. Sie haben sich schon immer für den Nach­wuchs eingesetzt?

Ja, auch aufgrund meiner eige­nen Geschichte. Kennen Sie den Film Billy Elliot? Das ist eigent­lich meine Geschichte. Ich stamme aus der Arbei­ter­klasse in England. Alle Menschen in meinem Umfeld arbei­te­ten in einer Kohle­mine. Meine Berufs­wahl als Tänzer war nicht gerade akzep­tiert. Es waren viele Stig­mas damit verbun­den. In meiner Jugend gab es aber zahl­rei­che Menschen, die für mich gesorgt haben. Sie haben mich ermu­tigt, mich voran­ge­trie­ben – es ist, so glaube ich, meine Pflicht, dies an die Jugend weiter­zu­ge­ben. Ich will diese, meine Leiden­schaft vermit­teln. Das schul­den wir unse­rer Jugend.

Deswe­gen enga­gie­ren Sie sich jetzt für die BTB?

Ich setze mich für die BTB ein, damit talen­tierte junge Tänze­rin­nen und Tänzer die Möglich­keit haben, von der wunder­ba­ren Lehrer­schaft zu lernen. Leider braucht die BTB aktu­ell zusätz­li­che finan­zi­elle Unter­stüt­zung. Ich will mein Möglich­stes tun und mich für die Finan­zie­rung einset­zen. Basel kann stolz sein. Hier hat es so viele Talente in der Musik­sparte, in der Archi­tek­tur, im Design oder in der Mode. Wir brau­chen auch für den Nach­wuchs in der Tanz­welt gute Voraussetzungen.

Geld zu finden ist heute schwierig.

Klar. Es ist nie einfach. Es ist eine fort­lau­fende Arbeit. Aber Basel ist reich und gross­zü­gig, nicht nur finan­zi­ell. Ich denke an die viel­fäl­tige Kultur, die unter­schied­lich­sten Museen oder die vielen Musik­häu­ser. Aber auch an den Fuss­ball. Ich liebe den Fuss­ball in Basel sehr. Der FCB hat einen Campus, um junge Talente zu formen. Das brau­chen wir auch für den Tanz. Wir schicken unsere Kinder zum Tanzen, ein Instru­ment zu erler­nen, Tennis oder Fuss­ball zu spie­len, und wir soll­ten dafür sorgen und sie anspor­nen, dass sie daraus einen Beruf machen können. Wir brau­chen Talente. Und wir brau­chen gute Ausbil­dungs­mög­lich­kei­ten für diese.

Haben Sie für die Finan­zie­rung Stif­tun­gen im Blick?

Ja. Wir sind offen für Stif­tun­gen, Firmen und Einzel­per­so­nen, die uns unter­stüt­zen wollen. Es ist eine einzig­ar­tige Möglich­keit, Teil dieser Förde­rung junger Talente zu sein. Wir brau­chen aber auch die Unter­stüt­zung der Poli­tik. Die Ausbil­dung der jungen Talente ist auf eine stabile Basis ange­wie­sen, um die tech­ni­schen Fertig­kei­ten des Berufs lehren zu können. Das gilt in der Tanz­aus­bil­dung genauso wie für eine Mecha­ni­ker- und Anwaltsausbildung.

Sind Sie auch als Ballett­di­rek­tor direkt mit Stif­tun­gen im Austausch?

Ja, und mit vielen ande­ren Organisationen.

Wie sieht der Austausch mit Stif­tun­gen aus?

Es geht nicht nur um Geld. Der Austausch ist viel mehr. Mit der Stif­tung Pro UKBB (Univer­si­tä­ren-Kinder­spi­tal beider Basel) haben wir beispiels­weise ein Projekt. Ich star­tete einen Tanz­kurs für Kinder mit Ampu­ta­tio­nen. Das war unglaub­lich toll und erfolg­reich. Ich hoffe, dass dieses Wissen und die Erfah­rung aus solchen Projek­ten in ande­ren Stif­tun­gen und Unter­neh­men genutzt werden können.

Haben Sie schon Projekte für die Zeit ab näch­stem Sommer?

Ich habe viele Projekte, die lange gewar­tet haben, in den USA, in Japan und in Südko­rea oder in Belfort. Dann habe ich natür­lich auch mehr Zeit, um mich noch stär­ker für die BTB einzu­set­zen – und ich habe ein ganz neues E‑Bike, um mich fit zu halten.

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