Regierungsrätin Carmen Walker Späh, Vorsteherin der Zürcher Volkswirtschaftsdirektion, Bild: ZKB/VMDV

Zusam­men­ar­beit schafft Fortschritt

Am ersten Zürcher Stiftungsforum tauschten sich 230 Teilnehmende aus zum Thema «Kollaboration schafft Wirkung». Geladen hatte der Verein Stiftungsstandort Kanton Zürich.

Mitt­woch 1. Okto­ber, am Inter­na­tio­na­len Tag der Stif­tun­gen, zeigte sich der Tagungs­ort im Zürcher Seefeld von seiner schöns­ten Seite: strah­len­der Sonnen­schein, offene Terrasse, Blick auf den Zürich­see – die Kulisse hätte nicht besser sein können für das erste Zürcher Stif­tungs­fo­rum. Gute Voraus­set­zun­gen für einen konstruk­ti­ven Austausch und die Vernet­zung inner­halb des Zürcher Stif­tungs­sek­tors; gekom­men sind 230 Perso­nen. Die Veran­stal­tung war ausverkauft.

Regie­rungs­rä­tin Carmen Walker Späh, die Vorste­he­rin der Zürcher Volks­wirt­schafts­di­rek­tion, begrüsste die Teil­neh­men­den und erin­nerte daran, wie wich­tig die Zusam­men­ar­beit zwischen öffent­li­chem und priva­tem Sektor sowie der Wissen­schaft ist. Sie selber war die trei­bende Kraft in der Zürcher Regie­rung hinter den verbes­ser­ten Rahmen­be­din­gun­gen für Stif­tun­gen. Dabei wurde zur Stär­kung des Stif­tungs­stand­orts die Praxis zur Steu­er­be­frei­ung gemein­nüt­zi­ger Stif­tun­gen ange­passt – eine ange­mes­sene Entschä­di­gung für Stiftungsrät:innen wurde möglich. Walker Späh rief noch einmal in Erin­ne­rung, dass in den vergan­ge­nen Jahren im Sektor bereits soge­nannte Stif­tungs­ge­sprä­che statt­ge­fun­den haben. Als beson­de­ren Moment bezeich­nete sie die Grün­dung des Vereins «Stif­tungs­stand­ort Kanton Zürich». Damit wurde die seit 2021 laufende Initia­tive des Regie­rungs­rats verste­tigt – mit dem Ziel, das Zürcher Stif­tungs­öko­sys­tem nach­hal­tig zu stär­ken. Walker Späh bedankte sich im Namen der Regie­rung beim Sektor, denn die Stif­tun­gen würden wesent­lich zur Dyna­mik des Wirt­schafts- und Wissen­schafts­stand­orts Zürich beitragen.

Die Eitel­kei­ten hinten anstellen

Inhalt­lich setzte das Forum auf den Impuls von David Hesse, Zukunfts­fra­gen und Stif­tungs­ent­wick­lung bei Stif­tung Merca­tor Schweiz. In seinem Refe­rat forderte er, Fach­kom­pe­ten­zen zu bündeln und Eitel­kei­ten hint­an­zu­stel­len – ein klarer Appell zur Zusam­men­ar­beit. Sein zentra­les Plädoyer: Zusam­men­ar­beit ist kein Selbst­zweck, sondern eine Notwen­dig­keit. Er führte es am komple­xen Thema der psychi­schen Gesund­heit bei Jugend­li­chen aus: Es gehe darum, einen Umgang mit Zukunfts­ängs­ten zu finden, die Rolle von Künst­li­cher Intel­li­genz zu eruie­ren oder den Fragen rund um Über­wa­chung und Kinder­track­ing nach­zu­ge­hen. Diese Fragen seien nur dann lösbar, wenn Stif­tun­gen, Behör­den, Unter­neh­men und Betrof­fene gemein­sam an einem Tisch sitzen. Das Thema psychi­sche Gesund­heit habe das Poten­zial, der Gesell­schaft um die Ohren zu flie­gen, wenn wir nicht zusam­men­ar­bei­ten würden, warnte Hesse.

David Hesse, Bild: ZKB/VMDV

Hesse zeigte zudem auf, dass Zusam­men­ar­beit auch in der Art der Förde­rung begin­nen kann.

  1. Projekt­för­de­rung: Hier stelle sich die Frage, wer eigent­lich über Rele­vanz entscheide – und wie sich Report­ing- und Admi­nis­tra­ti­ons­auf­wand auf ein vernünf­ti­ges Mass redu­zie­ren lies­sen und dass es wich­tig sei, unbü­ro­kra­ti­sche Wege zu fördern.
  2. Orga­ni­sa­ti­ons­fi­nan­zie­rung: Die Förde­rung für Fort­ge­schrit­tene, weil sie Vertrauen erfor­dere – etwa in Form von unrest­ric­ted funding, das den Orga­ni­sa­tio­nen Flexi­bi­li­tät und Entwick­lungs­spiel­raum ermöglicht.
  3. Scou­ting und gemein­same Ausschrei­bun­gen: Stif­tun­gen könn­ten ihre Kräfte bündeln und über kollek­tive Förder­auf­rufe gezielt Anlie­gen voran­brin­gen, die gesell­schaft­lich rele­vant sind.
  4. Themen­fonds: Ein Beispiel sei der Media Forward Fund, eine phil­an­thro­pi­sche Kolla­bo­ra­tion, der gemein­sa­mes Enga­ge­ment struk­tu­riert und damit Wirkung verstärkt.

In der anschlies­sen­den Podi­ums­dis­kus­sion und in Brea­kout-Sessi­ons disku­tier­ten Vertreter:innen aus Stif­tun­gen, Behör­den, Gemein­den und Hoch­schu­len aktu­elle Heraus­for­de­run­gen: von unter­neh­me­ri­schen Förder­mo­del­len über nach­hal­tige Ernäh­rungs­sys­teme bis hin zu Kunst‑, Kultur- und Sozialförderung.

Deut­lich wurde: Stif­tun­gen spie­len im Kanton Zürich eine zentrale Rolle – ob in der kultu­rel­len Viel­falt, in der Förde­rung inno­va­ti­ver Ideen oder in der sozia­len Versor­gung. Kolla­bo­ra­tion eröff­net dabei neue Hand­lungs­spiel­räume und schafft Wirkung, die über das einzelne Projekt hinausreicht.

Das Fazit der Teil­neh­men­den: ein gelun­ge­ner Auftakt, gut orches­triert und mit genü­gend Raum für Gesprä­che. Oder wie es eine Besu­che­rin beim Ausklang auf der Sonnen­ter­rasse formu­lierte: «Es ist dieser Mix aus Inspi­ra­tion, Dialog und persön­li­chem Kennen­ler­nen, der das Forum wert­voll macht.»

Zum Verein: Grün­dungs­mit­glie­der des Vereins «Stif­tungs­stand­ort Kanton Zürich» sind, die Volks­wirt­schafts­di­rek­tion des Kantons Zürich, pro Fonds, Swiss­Foun­da­ti­ons, das Zentrum für Stif­tungs­recht an der Univer­si­tät Zürich sowie die ZKB Phil­an­thro­pie Stif­tung. Den Vorstand bilden heute: Lisa Meyer­hans Sara­sin (Präsi­den­tin), Fran­çois Geinoz, Matthias Inauen, Domi­ni­que Jakon und Joëlle Pina­zola sowie Lukas von Orelli.