David Wadström, Bild: Solvatten (Hintergrund mit KI erweitert)

Zögern verlang­samt die Entwicklung

David Wadström, Partnerships & Brand Director bei Solvatten erzählt, wie sie mit einer innovativen Erfindung Familien mit sauberem heissem Wasser versorgen und gleichzeitig zum Klimaschutz beitragen. Zudem spricht er über die Organisationsstruktur: Solvatten besteht aus einem zweckorientierten Unternehmen und zwei Stiftungen.

Ihr Slogan lautet: «Stoppt das Kochen von Wasser». Warum ist das wichtig?

Eigent­lich lautet er «Stoppt die globale Erwär­mung». Es ist ein Wort­spiel, das ich als Weck­ruf verstehe. Wenn wir «Stoppt die globale Erwär­mung» sagen, meinen wir damit zwei Dinge gleich­zei­tig: Wir müssen die Über­hit­zung unse­res Plane­ten stop­pen und wir müssen Alter­na­ti­ven anbie­ten, die verhin­dern, dass Menschen weiter­hin Brenn­stoffe verbren­nen müssen, um ihr Wasser sicher und warm zu machen. Unsere Sonne kann uns dabei helfen und ist kosten­los. Ener­gie dient nicht nur zur Strom­ver­sor­gung, sondern ist auch eine Quelle für das grund­le­gendste mensch­li­che Bedürf­nis: saube­res, warmes Wasser zu Hause. Es gibt über zwei Milli­ar­den Menschen ohne saube­res Wasser, die ihr Wasser über offe­nem Feuer kochen – das ist das Problem, das wir lösen wollen.

Wie kam es zu dieser Idee?

Sie entstand durch Beob­ach­tun­gen meiner Mutter Petra Wadström, der Erfin­de­rin des Zehn-Liter-Solvat­ten-Kits, und durch ihr Mitge­fühl für Frauen, insbe­son­dere im globa­len Süden, die in ihrem tägli­chen Leben zu kämp­fen haben. Sie war sehr frus­triert darüber, dass nicht genug getan wurde, um ihre Probleme zu lösen. Inno­va­tion ist ein krea­ti­ver Prozess, der viele Entschei­dun­gen erfor­dert. Mitt­ler­weile nutzen 800’000 Menschen die Kits, es handelt sich also um eine bewährte Lösung, die jeden Tag Probleme löst.

Was waren die gröss­ten Heraus­for­de­run­gen bei der Umset­zung? War es eher die tech­ni­sche Entwick­lung selbst oder doch eher die Menschen und Orga­ni­sa­tio­nen davon zu über­zeu­gen, dass es tatsäch­lich funktioniert?

Die grösste Heraus­for­de­rung waren nie die Fami­lien. Die Nutzer vertrau­ten Solvat­ten sofort. Sie konn­ten die Wärme mit ihren Händen spüren und sehen, dass es funk­tio­nierte. Die Akzep­tanz war schnell und natür­lich. Schwie­ri­ger war es, die gros­sen inter­na­tio­na­len Orga­ni­sa­tio­nen zu über­zeu­gen, die die globale Entwick­lungs­po­li­tik und ihr Denken prägen. 

Die inter­na­tio­na­len Orga­ni­sa­tio­nen zu über­zeu­gen, bleibt der schwie­rigste Teil.

David Wadström, Part­ner­ships & Brand Direc­tor, Solvatten

Es besteht eine grosse Diskre­panz zwischen der Defi­ni­tion des Problems durch diese Insti­tu­tio­nen und ihre Thinktanks und den Lösun­gen, die sich die Haus­halte wünschen. Die Frauen und Haus­halte, die mit diesem Problem konfron­tiert sind, wissen genau, was sie brau­chen: saube­res Wasser und Ener­gie in ihrem Zuhause. Sie beur­tei­len eine Lösung danach, ob sie im Alltag funk­tio­niert. Die gros­sen multi­la­te­ra­len Entwick­lungs­in­sti­tu­tio­nen legen jedoch oft Wert auf Systeme, Berichte und lang­wie­rige Prozesse, was es schwie­rig macht, einfa­che, menschen­zen­trierte Lösun­gen durch­zu­set­zen. Die Lösung von Solvat­ten funk­tio­niert und verän­dert das Verhal­ten. Aber die inter­na­tio­na­len Orga­ni­sa­tio­nen zu über­zeu­gen, bleibt der schwie­rigste Teil. Dieses Zögern hat die Entwick­lung weit­aus mehr verlang­samt als die tech­ni­sche Entwick­lung selbst.

Die Struk­tur von Solvat­ten AB besteht aus einem sozia­len und zweck­ori­en­tier­ten Unter­neh­men in Schwe­den, einer Stif­tung in Schwe­den und einer Stif­tung in den USA – wie arbei­ten diese Einhei­ten zusammen?

Solvat­ten ist als zweck­ori­en­tier­tes Ökosys­tem aufge­baut und arbei­tet nach einem gemisch­ten Modell. Das Unter­neh­men sorgt für starke Tech­no­lo­gie und zuver­läs­sige Ergeb­nisse der von uns entwi­ckel­ten Projekte, einschliess­lich Emis­si­ons­re­duk­tio­nen (nach Gold Stan­dard- und SBTI-Stan­dards), während die Stif­tun­gen uns mit Phil­an­thro­pie, öffent­li­cher Finan­zie­rung und Klima­schutz­fi­nan­zie­rung verbin­den. Durch die Kombi­na­tion dieser Ströme können wir schnel­ler voran­kom­men. Wir errei­chen mehr Fami­lien und stel­len sicher, dass jedes Solvat­ten-Kit mess­bare Gesund­heits- und Klima­re­sul­tate erzielt. Auf diese Weise können wir über Wohl­tä­tig­keit hinaus­ge­hen und lang­fris­ti­gen Wert für die Menschen und den Plane­ten schaf­fen. Phil­an­thro­pi­sches Kapi­tal ermög­licht es uns, Orte zu errei­chen, die Märkte und Regie­run­gen nicht errei­chen. Jeder Beitrag beschleu­nigt den Zugang für die am stärks­ten benach­tei­lig­ten Haus­halte und hilft uns, Gemein­den, die völlig netz­un­ab­hän­gig leben, mit siche­rem Warm­was­ser zu versor­gen. Phil­an­thro­pie ist diese Brücke. Der Bedarf ist enorm, aber das Poten­zial für Verän­de­run­gen ist es auch.

Der Umsatz ist ein Mittel zur Aufrecht­erhal­tung der Mission, nicht die Mission selbst.

David Wadström

Was ist ein zweck­ori­en­tier­tes Unternehmen?

Ein zweck­ori­en­tier­tes Unter­neh­men ist ein Unter­neh­men, das exis­tiert, um ein echtes Problem zu lösen, und nicht nur, um Gewinn zu erzie­len. Es nutzt kommer­zi­elle Instru­mente, aber sein Haupt­ziel ist die soziale und ökolo­gi­sche Wirkung. Der Umsatz ist ein Mittel zur Aufrecht­erhal­tung der Mission, nicht die Mission selbst. In unse­rem Fall ist das Ziel klar: Wir möch­ten Menschen, die es am drin­gends­ten benö­ti­gen, mit siche­rem, heis­sem Wasser versor­gen und gleich­zei­tig die Auswir­kun­gen auf das Klima redu­zie­ren. Jede Entschei­dung, jede Part­ner­schaft und jede Inves­ti­tion orien­tiert sich an diesem Ziel.

Arbei­ten Sie auch mit Orga­ni­sa­tio­nen in der Schweiz zusammen?

Wir arbei­ten mit Gold Stan­dard in der Schweiz zusam­men, einer der renom­mier­tes­ten Orga­ni­sa­tio­nen für die Messung der tatsäch­li­chen Auswir­kun­gen auf Klima und Gesund­heit. Ihre strenge Zerti­fi­zie­rung trägt dazu bei, dass jedes Solvat­ten-Kit nach­weis­lich Vorteile für Fami­lien und den Plane­ten bietet. Wir sind auch stolz darauf, mit der SFS Group AG zusam­men­zu­ar­bei­ten, einem Schwei­zer Präzi­si­ons­ma­schi­nen­bau­un­ter­neh­men mit Sitz in Heer­brugg, St. Gallen. Ihr Know­how im Bereich hoch­wer­ti­ger Befes­ti­gungs­sys­teme und ihre globale Ferti­gungs­kom­pe­tenz schaf­fen einen echten Mehrwert.

Das Solvat­ten-Kit für saube­res Wasser, Bild Solvatten

Wie sieht diese Zusam­men­ar­beit aus?

Ein gutes Beispiel ist die Unter­stüt­zung durch die SFS Group in zwei­er­lei Hinsicht. Sie liefert hoch­wer­tige, opti­mierte Befes­ti­gungs­ele­mente, die die Halt­bar­keit der Solvat­ten-Kits verbes­sern, und leis­tet ausser­dem einen jähr­li­chen finan­zi­el­len Beitrag zur Finan­zie­rung von Projek­ten. Unsere erste gemein­same Initia­tive findet in Uganda statt, wo die Part­ner­schaft derzeit rund 640 Fami­lien in Flücht­lings­sied­lun­gen Zugang zu saube­rem Warm­was­ser verschafft und zur Redu­zie­rung der CO2-Emis­sio­nen beiträgt. Es ist eine Part­ner­schaft, die wir sehr schät­zen. SFS hat viele Mitar­bei­ter, und gemein­sam möch­ten wir eine Bezie­hung aufbauen, die über die Jahre hinweg wach­sen und sich weiter­ent­wi­ckeln kann. SFS unter­stützt Solvat­ten sowohl mit tech­ni­schen Kompo­nen­ten als auch mit Projekt­fi­nan­zie­run­gen, aber genauso wich­tig ist die mensch­li­che Seite. Wir möch­ten, dass sich ihre Teams mit der Wirkung verbun­den fühlen. 

Mehr Geschich­ten aus der Praxis, mehr Einbli­cke in den tägli­chen Gebrauch von Solvat­ten durch Fami­lien und mehr Momente, die die Menschen stolz darauf machen, für ein Unter­neh­men zu arbei­ten, das sich für eine bessere Welt einsetzt. Es ist eine Verbin­dung von Tech­nik und Empa­thie. Und genau diese Art von Part­ner­schaft möch­ten wir über viele Jahre hinweg mit SFS aufbauen. Solvat­ten ist eine der weni­gen bewähr­ten Lösun­gen, die gleich­zei­tig die Gesund­heit verbes­sert, Emis­sio­nen redu­ziert und Fami­lien Geld spart. Wir laden Phil­an­thro­pen ein, sich uns anzu­schlies­sen, um eine Lösung zu skalie­ren, die funk­tio­niert und den Erwär­mungs­ef­fek­ten der CO2-Emis­sio­nen auf das Leben auf unse­rem Plane­ten entgegenwirkt.

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