Die alle drei Jahre von der Lilly Family School of Philanthropy der Indiana University herausgegebene Untersuchung ist die weltweit grösste und umfassendste Initiative zur Erfassung des globalen philanthropischen Ökosystems. Für den GPEI 2025 wurden 95 Länder anhand von sechs zentralen Faktoren analysiert und bewertet: rechtliche Rahmenbedingungen, steuerliche Anreize, grenzüberschreitende Spendenmöglichkeiten, politisches Umfeld, wirtschaftliche Stabilität und sozio-kulturelles Umfeld. Die Resultate helfen politischen Akteur:innen und zivilgesellschaftlichen Institutionen dabei, zu verstehen, wie philanthropische Aktivitäten incentiviert werden und wie philanthropisches Engagement am effektivsten für die Lösung der Herausforderungen unserer Zeit eingesetzt werden kann.
Bestnoten für Liechtenstein
Beim GPEI 2025 hat Liechtenstein – wie bereits bei der letzten Erhebung 2022 – in allen Punkten Bestnoten erhalten und liegt knapp vor der zweitplatzierten Schweiz. Prof. Dr. Marc Gottschald, Direktor des Centers für Philanthropie an der Universität Liechtenstein, sagt zum Resultat: «Es zeigt, dass Liechtenstein nicht nur ein verlässlicher Finanzplatz ist, sondern auch ein international höchst anerkannter Standort für gemeinnütziges Engagement. Das macht uns attraktiv für Stifter:innen weltweit, die nach einem vertrauenswürdigen, rechtssicheren und professionellen Umfeld suchen.» Wie auch der Schweiz, hängt Liechtenstein trotz Reformen und strengen internationalen Standards noch der Nachgeschmack vom Paradies der Steuerhinterziehung an. Mit der Realität habe dies nichts mehr zu tun, so Gottschald: «Die Governance-Anforderungen für Stiftungen sind hoch. Trotzdem bleibt die Herausforderung, dass die sehr attraktiven Rahmenbedingungen natürlich auch laufend evaluiert werden müssen. Es braucht weiterhin Transparenz, klare Kommunikation und glaubwürdige Standards.»
Wenige aber wichtige Unterschiede
Der grösste Unterschied zur zweitplatzierten Schweiz ist bei den grenzüberschreitenden Spendenmöglichkeiten zu finden. Liechtenstein bietet in dem Bereich vor allem steuerlich attraktivere Bedingungen. Diese schätzt Gottschald auch als einen der wichtigen Punkte für die Philanthropie ein: «Besonders relevant ist die grenzüberschreitende Spendenmöglichkeit, da Philanthrop:innen selbst entscheiden möchten, in welchem Land sie in welchem Umfang engagiert sein möchten.» Ein weiterer Unterschied zur Schweiz ist Liechtensteins Privatstiftungsmodell, das Stifter:innen eine grössere Gestaltungsfreiheit bietet: «Sofern sich Stifter:innen in den Statuten Änderungsrechte vorbehalten haben, können sie den Stiftungszweck zu Lebzeiten ändern – und zwar unabhängig von Fristen oder veränderten Rahmenbedingungen, die Einfluss auf die Bedeutung oder Wirkung des Zwecks haben», erklärt Gottschald.
Sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen
Auch wenn Liechtenstein seit Jahren Idealvoraussetzungen für philanthropisches Engagement bietet, sieht Gottschald Bereiche, denen weiterhin Beachtung geschenkt werden sollte: «Zum einen können wir unsere Position im soziokulturellen Umfeld noch weiter schärfen. Es geht darum, das Bewusstsein für Philanthropie in der ganzen Breite der Gesellschaft zu stärken. Zum anderen sind weiterhin Transparenz und internationale Vernetzung wichtig, damit Liechtenstein nicht nur als effizienter, sondern auch als glaubwürdiger Standort wahrgenommen wird.» Die Erstplatzierung wirkt dabei motivierend: «Sie bestätigt die Arbeit all jener, die sich in Liechtenstein für Philanthropie einsetzen – von der Verwaltung über Beratende bis hin zu den Stiftungen selbst.»


