Weshalb die Förde­rung von Orga­ni­sa­ti­ons­ent­wick­lung gerade in Krisen­zei­ten wich­tig ist

Die aktu­elle Pande­mie gefähr­det die existen­zi­elle Grund­lage zahl­rei­cher Nonpro­fit-Orga­ni­sa­tio­nen. Sie sind stär­ker denn je gefor­dert. Gerade in solchen Krisen kristal­li­siert sich deut­lich heraus, welche Orga­ni­sa­tio­nen gut aufge­stellt sind und welche nicht. Orga­ni­sa­tio­nen, bei denen starre Struk­tu­ren domi­nie­ren und Flexi­bi­li­tät durch lange Entscheid­wege erschwert wird, fällt es schwer, auf die aktu­elle Heraus­for­de­rung zu reagieren.

Auch Förder­stif­tun­gen sind gefor­dert, wenn ihre Förder­part­ner infolge Corona die verein­bar­ten Leistun­gen nicht erbrin­gen und die Stif­tun­gen somit ihre Ziele nicht mehr errei­chen können. Es empfiehlt sich, an dieser Stelle die Förder­po­li­tik neu zu über­den­ken. Beispiels­weise lohnt es sich genau hinzu­schauen, ob zentrale Förder­part­ner einen Bedarf an Orga­ni­sa­ti­ons­ent­wick­lung auswei­sen. Wenn dem so ist, sind Stif­tun­gen gut bera­ten, darauf zu reagie­ren. An Stelle von oder zusätz­lich zu Projekt­zu­schüs­sen bietet es sich an, in die Orga­ni­sa­ti­ons­ent­wick­lung ihrer Part­ner zu inve­stie­ren. In diesem Blog-Beitrag stelle ich diese Option der Förde­rung kurz vor.

Abge­se­hen von der DROSOS Stif­tung und der Merca­tor Stif­tung, welche beide schon länger und mit Erfolg in die Stär­kung ihrer Part­ner­or­ga­ni­sa­tio­nen inve­stie­ren, sind in der Deutsch­schweiz nur wenige Stif­tun­gen mit dieser Form der Förde­rung vertraut. Laut dem ersten Schwei­zer Gran­tee Review Report[1] haben 93% der Förder­mit­tel von Stif­tun­gen die Form von Projekt­zu­schüs­sen. Die aktu­elle Krise zeigt nun mit aller Deut­lich­keit auf, dass eine erfolg­rei­che Förde­rung deut­lich über die finan­zi­elle Betei­li­gung an einer guten Sache hinausgeht.

Um was geht es genau bei der Förde­rung der Orga­ni­sa­ti­ons­ent­wick­lung? Ziel ist es, die Orga­ni­sa­tion als Ganzes leistungs­fä­hi­ger zu machen. Orga­ni­sa­ti­ons­ent­wick­lung ist ein Prozess, bei dem die Orga­ni­sa­ti­ons­struk­tur, ihre Kultur, ihre Stra­te­gien und Prozesse hinter­fragt und neu defi­niert werden. In der Regel wird dieser Prozess von einer exter­nen Fach­per­son gelei­tet. Oft reicht es, einzelne Stra­te­gien wie die Kommunikations‑, Netz­werk- oder Fund­rai­sin­g­stra­te­gie neu aufzu­set­zen. Ein ande­rer Baustein der Orga­ni­sa­ti­ons­ent­wick­lung ist das Capa­city Buil­ding. Hier­bei wird das Wissen inner­halb der Orga­ni­sa­tion zu einem spezi­fi­schen Thema wie z.B. Parti­zi­pa­tion oder Evalua­tion gezielt aufge­baut durch interne oder externe Weiter­bil­dun­gen, Coaching oder Peer Lear­ning. Bei Letz­te­rem geht es darum, dass vergleich­bare Orga­ni­sa­tio­nen sich über ihre Erfah­run­gen austau­schen und vonein­an­der lernen.

Es muss nicht immer gleich das grosse Paket sein. Peer Lear­ning zum Beispiel kostet wenig und bringt viel. Wich­tig ist, dass in einem ersten Schritt gemein­sam mit der Part­ner­or­ga­ni­sa­tion fest­ge­legt wird, wo genau die zentra­len Bedarfe sind und welche davon prio­ri­siert werden sollen.

Es ist erfreu­lich und vom Timing her perfekt, dass jüngst die Merca­tor Stif­tung zusam­men mit vier Stif­tun­gen aus der fran­zö­sisch­spra­chi­gen Schweiz, welche eben­falls seit länge­rem Orga­ni­sa­ti­ons­ent­wick­lungs­pro­zesse fördern, einen Erfah­rungs­be­richt dazu veröf­fent­licht haben. Der Titel des Berichts lautet: “Funding Orga­ni­sa­tio­nal Deve­lo­p­ment: a smart invest­ment to multi­ply impact”.[2] Die fünf Stif­tun­gen kommen darin einhel­lig zum Schluss, dass Stif­tun­gen die Wahr­schein­lich­keit, ihren eige­nen Zweck zu errei­chen, massiv erhö­hen, wenn sie ihre Förder­part­ner auf der orga­ni­sa­to­ri­schen Ebene stär­ken. Vernach­läs­si­gen sie diese Ebene, gefähr­den sie ihre eigene Wirkung. Wer mehr zum Thema erfah­ren will, findet in diesem lesens­wer­ten Bericht zahl­rei­che Anre­gun­gen. Soviel sei zum Schluss noch verra­ten: Der Bericht hält expli­zit fest, dass Förde­rung von Orga­ni­sa­ti­ons­ent­wick­lung bei Orga­ni­sa­tio­nen genauso geschätzt wird wie Projektzuschüsse.


[1] Center for Phil­an­thropy Studies (CEPS), Swiss­Foun­da­ti­ons (2019): “Gran­tee Review Report 2019”. Down­load unter: Gran­tee Review | Center for Phil­an­thropy Studies (unibas.ch)

[2] Laudes Foun­da­tion, MAVA Foun­da­tion, Merca­tor Foun­da­tion Switz­er­land, Oak Foun­da­tion, PeaceNexus Foun­da­tion (2020): “Funding Orga­ni­sa­tio­nal Deve­lo­p­ment: a smart invest­ment to multi­ply impact.” Down­load unter: Funding-Organisational-Development-final.pdf (oakfnd.org)

  1. Ich freue mich sehr, dass Regula Wolf die Stif­tun­gen dazu aufruft, nicht immer nur an die Projekte, sondern auch an die Orga­ni­sa­tio­nen dahin­ter zu denken. Der Analyse, dass nur wenige grosse Stif­tun­gen diese Idee bislang aufge­grif­fen haben, stimme ich aller­dings nicht zu. Gerade lokal oder regio­nal tätige Stif­tun­gen, die eine grosse Nähe zu den Förder­part­nern haben, bieten ihren Part­nern oft deut­lich mehr als „nur“ Geld. 

    Die Arca­num Stif­tung aus Fribourg zum Beispiel …
    • lädt ihre Part­ner­or­ga­ni­sa­tio­nen regel­mäs­sig zu Fort­bil­dun­gen ein und bietet in der Corona-Zeit kosten­lose Einzel­coa­chings für die Führungs­kräfte an.
    • stellt ausge­wähl­ten Förder­part­nern gezielt Mittel zur Verfü­gung, die nur für den Aufbau von Kompe­ten­zen und Struk­tu­ren genutzt werden können (Fund­rai­sing, website,Datenbanken, usw.)
    • hat 2015 einen fran­zö­sisch­spra­chi­gen Leit­fa­den zum Vereins­ma­nage­ment veröf­fent­licht, der bis anhin fast 80‘000 Mal herun­ter­ge­la­den worden ist (www.fondation-arcanum.ch/guide)
    • baut aktu­ell mit der Frei­wil­li­gen­agen­tur im Kanton eine Service­stellte für Vereine auf, um diese von Verwal­tungs­auf­ga­ben zu entlasten.

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