CENTER FOR PHILANTHROPY STUDIES (CEPS)
Die Direktorin einer NPO erhält von einer Förderstiftung eine Absage. In ihrer Enttäuschung ruft sie in der Geschäftsstelle an. «Wer hat in der Stiftung eigentlich das Sagen?», fragt sie. «Ich versende die E‑Mails», antwortet die Sachbearbeiterin am Telefon. «Sie könnten die Programmverantwortliche fragen!»
«Oh, mir hat Ihr Projekt sehr gefallen», sagt diese im nächsten Telefonat. «Aber ich mache nur die Erstselektion. Ich leite Ihre Anfrage an die Geschäftsführung weiter.»
Darauf erhält die Direktorin eine E‑Mail von der Geschäftsführung: «Vielen Dank für Ihre Nachricht, aber wir entscheiden nur auf Basis der Vorgaben des Stiftungsrats. Dort liegt die letzte Entscheidung.»
Eine Woche später begegnet sie zufällig der Präsidentin bei einem Empfang. «Sie müssen verstehen: Der Stiftungsrat kann nur im Sinne des Stifters entscheiden. Er ist vor zehn Jahren verstorben. Wir bewahren sein Vermächtnis!»
In ihren Träumen erreicht die Direktorin den verstorbenen Stifter. «Mein Wille!», ruft er, «Was die Stiftung heute tut, geht weit darüber hinaus. Aber was kann ich von hier oben schon tun?»
Die Direktorin erwacht verwirrt. Offenbar kann eine Stiftung dauerhaft in einem Zustand der Nicht-Verantwortung verharren! Förderstiftungen riskieren, dass Akteure zu Zuschauern werden, gesteuert von Budgets und Vergaberoutine. Um dies zu verhindern, müssen der Stiftungsrat oder die Geschäftsführung Verantwortung für die strategische Ausrichtung übernehmen. Governance erfordert hier eine besondere Selbstverpflichtung, da der Druck von aussen fehlt. Eine aktive Gestaltung entlang von Governance-Prinzipien bietet ein wirksames Fundament.
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