Wenn Orga­ni­sa­tio­nen digi­tal arbei­ten wollen – und analog bleiben

Digitalisierung findet statt, oft jedoch ohne klare Struktur. Meist fehlt nicht die Technologie, sondern eine gemeinsame Vorstellung davon, wie digitale Arbeitsweisen sinnvoll in den Alltag integriert werden. In diesem Beitrag – und vertieft im Online-Workshop «Achtung, fertig, digital» – erfahren Sie, wie die Weichen richtig gestellt werden.

Viele Orga­ni­sa­tio­nen im Nonpro­fit- und Stif­tungs­sek­tor arbei­ten heute in einer Art digi­ta­lem Zwischen­zu­stand. E‑Mails erset­zen Briefe, Doku­mente liegen als PDFs vor, Sitzun­gen finden teil­weise online statt. Und doch fühlen sich viele Abläufe weiter­hin erstaun­lich analog an: Doku­mente werden mehr­fach verschickt, Infor­ma­tio­nen gehen verlo­ren, und für Auswer­tun­gen wird Excel geöffnet. 

Die digi­tale Reali­tät 

Ein Blick auf typi­sche Arbeits­pro­zesse zeigt, wo die Heraus­for­de­run­gen liegen. Förder­ge­su­che werden beispiels­weise per E‑Mail einge­reicht, intern weiter­ge­lei­tet und mehr­fach kommen­tiert. Doku­mente werden zusam­men­ge­stellt, erneut verschickt und wieder über­ar­bei­tet. Der aktu­elle Stand eines Gesuchs muss tele­fo­nisch oder per Mail abge­klärt werden. 

Kurzum: Der Kern­pro­zess läuft digi­tal – ist aber nicht digi­tal orga­ni­siert. Die Folgen sind bekannt: Mehr Routi­ne­ar­beit, längere Entschei­dungs­wege, hoher Aufwand beim Zusam­men­stel­len von Doku­men­ten, wenig Über­sicht über den aktu­el­len Stand. 

Solche Struk­tu­ren entste­hen nicht aus Nach­läs­sig­keit. Sie sind oft histo­risch gewach­sen und funk­tio­nie­ren im Alltag erstaun­lich gut – zumin­dest solange Volu­men und Komple­xi­tät über­schau­bar blei­ben. Doch mit stei­gen­den Anfor­de­run­gen gera­ten diese Systeme zuneh­mend unter Druck. 

Mehr als digi­tale Doku­mente 

Am Anfang steht meist eine verpasste Chance. Digi­ta­li­sie­rung wird oft mit der Umwand­lung analo­ger Bundes­ord­ner in digi­tale Files und Folders verwech­selt. Doku­mente werden zwar digi­tal abge­legt, Formu­lare als PDF bereit­ge­stellt oder Sitzun­gen per Video­kon­fe­ren­zen orga­ni­siert. Doch echte digi­tale Trans­for­ma­tion geht einen Schritt weiter. 

Sie bedeu­tet, Arbeits­pro­zesse so zu gestal­ten, dass digi­tale Möglich­kei­ten tatsäch­lich genutzt werden, etwa durch Auto­ma­ti­sie­rung, neu gestal­tete Prozesse, eine bessere Daten­ver­füg­bar­keit oder neue Formen der Zusam­men­ar­beit. Nicht ohne Grund hat das deut­sche Wort «Digi­ta­li­sie­rung» im Engli­schen drei Schwestern: 

  • Digi­tiza­tion: Analo­ges wird digi­tal (z. B. Papier wird zum PDF) 
  • Digi­ta­liza­tion: Prozesse werden effi­zi­en­ter orga­ni­siert (z.B. ein zwei­stu­fi­ger Gesuchsprozess) 
  • Digi­tal Trans­for­ma­tion: Arbeits­wei­sen und Ange­bote verän­dern sich grund­le­gend (z.B.  neue Metho­den, Scou­ting, Co-Funding etc.) 

Unser ernüch­tern­des Fazit: Viele Orga­ni­sa­tio­nen blei­ben zwischen der ersten und der zwei­ten Stufe stehen. 

Poten­zial der Digi­ta­li­sie­rung nutzen 

Trotz aller Heraus­for­de­run­gen lohnt es sich, die zweite und dritte Stufe zu erschlies­sen. Orga­ni­sa­tio­nen, die digi­tale Prozesse bewusst gestal­ten und ihre Arbeits­weise auf die neuen Möglich­kei­ten ausrich­ten, berich­ten von klaren Vortei­len: wesent­lich effi­zi­en­tere Abläufe, bessere Trans­pa­renz über Projekte und Entschei­dun­gen, eine deut­lich fundier­tere Entschei­dungs­grund­lage durch verfüg­bare Daten und die erleich­terte Zusam­men­ar­beit. Die gute Nach­richt: So macht digi­ta­les Arbei­ten auch deut­lich mehr Freude. 

Doch bei all den Chan­cen bleibt ein realis­ti­sches Verständ­nis entschei­dend: Digi­tale Instru­mente erset­zen analoge Zusam­men­ar­beit nicht. Sie ergän­zen sie. Persön­li­che Gesprä­che, Vertrauen und Erfah­rung blei­ben zentral. Im besten Fall ergän­zen digi­tale Systeme diese Stär­ken und schaf­fen zusätz­lich Struk­tur, Über­sicht und Effi­zi­enz im Alltag. 

Was sich in der Praxis bewährt hat 

Orga­ni­sa­tio­nen, die ihre digi­tale Entwick­lung erfolg­reich voran­trei­ben, gehen selten mit einem gros­sen Master­plan vor. Statt­des­sen begin­nen sie meist mit eini­gen grund­le­gen­den Fragen. 

  1. Prozesse klären: Digi­ta­li­sie­rung funk­tio­niert, wenn zunächst die wich­tigs­ten Arbeits­pro­zesse verstan­den werden: Welche Prozesse sind zentral für unsere Mission? Welche Schritte wieder­ho­len sich häufig? Wo entste­hen Medi­en­brü­che? Der Fokus liegt meist auf Kern­pro­zes­sen wie Förder- oder Projektmanagement. 
  1. Rollen defi­nie­ren: Digi­tale Systeme funk­tio­nie­ren nur dann gut, wenn Verant­wort­lich­kei­ten geklärt sind. Wer entschei­det? Wer mode­riert? Wer berei­tet Infor­ma­tio­nen auf? Eine klare Rollen­struk­tur erleich­tert nicht nur digi­tale Abläufe, sie verbes­sert auch die Zusam­men­ar­beit im Alltag. Entschei­dend: Die «analo­gen» Rollen wie Präsi­dent oder geschäfts­füh­ren­der Stif­tungs­rat haben ein digi­ta­les Pendant, sind aber nicht 1:1 zu übersetzen. 
  • Daten sinn­voll struk­tu­rie­ren: Nicht alle Infor­ma­tio­nen müssen gleich behan­delt werden. In vielen Orga­ni­sa­tio­nen hat es sich bewährt, zwischen verschie­de­nen Daten­ka­te­go­rien zu unter­schei­den. Die wich­tigste Kate­go­rie: Daten aus Kern­pro­zes­sen. Dann: Arbeits­do­ku­mente, Templa­tes und Grund­la­gen­do­ku­mente sowie Archiv. Diese Unter­schei­dung hilft auch beim Thema Daten­schutz und erleich­tert später die Einfüh­rung digi­ta­ler Systeme. 

Schritt­weise vorge­hen 

Die viel­leicht wich­tigste Erkennt­nis aus reali­sier­ten Digi­ta­li­sie­rungs­pro­jek­ten: Trans­for­ma­tion gelingt selten auf einen Schlag. Erfolg­rei­che Orga­ni­sa­tio­nen gehen itera­tiv vor. 

Der erste Schritt: Poten­ziale verste­hen. Digi­ta­li­sie­rung erschöpft sich nicht in der Konver­sion der Doku­mente von Papier zu Bits und Bytes. Im Gegen­teil: Die Chan­cen kommen danach. 

Der zweite Schritt: Grund­la­gen klären. Welche Weichen stellt die Mission? Welche Metho­den stehen im Vorder­grund und wie können sie digi­tal abge­bil­det werden? Welche Prozesse, Rollen und Daten­ka­te­go­rien spie­len dabei eine Rolle? Und welche genau? 

Erst danach geht es ans Einrich­ten der Instru­mente. Wie sieht ein Gesuchs­for­mu­lar aus, dass in der Praxis eine opti­male Entschei­dungs­grund­lage bildet? Welche weite­ren Infor­ma­tio­nen liefern den Kontext dazu? Wer hat welche Rollen und Rechte, wer nutzt welche digi­ta­len Instru­mente und in welcher Frequenz? 

Schliess­lich ist ein schritt­wei­ses Vorge­hen der zentrale Schlüs­sel, der über Erfolg oder Miss­erfolg der ganzen Aktion entschei­det. Es gilt, Erfah­run­gen zu sammeln, die Prozesse anzu­pas­sen und in der Regel weiter zu verein­fa­chen. Vor allem diese Haltung redu­ziert die Risi­ken mass­geb­lich und ermög­licht es, Lösun­gen im Alltag zu testen. Und so werden auch jene Mitglie­der im Stif­tungs­rat zu Fans der neuen Arbeits­weise, die zu Beginn viel­leicht skep­tisch waren. 

Digi­tale Phil­an­thro­pie beginnt im Alltag 

Was lässt sich aus diesen Beob­ach­tun­gen schluss­fol­gern? Digi­tale Trans­for­ma­tion im Nonpro­fit- und Stif­tungs­sek­tor ist weni­ger eine tech­ni­sche als eine orga­ni­sa­to­ri­sche Aufgabe. Sie betrifft Prozesse, Rollen, Zusam­men­ar­beit und Entschei­dungs­struk­tu­ren. Eine erfolg­rei­che Trans­for­ma­tion setzt die rich­tige Haltung voraus. Und eine passende Vorge­hens­weise. Schritt für Schritt. 

Eine kompakte Beglei­tung durch eine externe Fach­per­son zahlt sich dabei meist aus – der Aufwand dafür dürfte 3–4 Tages­ho­no­rare nicht über­stei­gen. Denn die gute Nach­richt ist: Viele Orga­ni­sa­tio­nen müssen dafür nicht bei null begin­nen. Oft reichen einige gezielte Anpas­sun­gen, um Arbeits­wei­sen deut­lich zu verein­fa­chen und neue Möglich­kei­ten zu erschlies­sen. Der wich­tigste Schritt besteht darin, bewusst anzufangen. 

Work­shop: Achtung, fertig, digi­tal 

Wie gelingt der Einstieg in eine zeit­ge­mässe digi­tale Arbeits­weise? Im Webi­nar «Achtung, fertig, digi­tal» zeigen wir anhand konkre­ter Beispiele aus dem Stif­tungs- und Nonpro­fit­sek­tor, wie Orga­ni­sa­tio­nen ihre digi­tale Entwick­lung prag­ma­tisch gestal­ten und erfolg­reich gestal­ten.

Im drei­stün­di­gen Online-Work­shop erfah­ren Sie: 

- wo Orga­ni­sa­tio­nen typi­scher­weise bei der Digi­ta­li­sie­rung stehen
- welche Poten­ziale digi­tale Arbeits­wei­sen eröff­nen
- welche Hürden häufig auftre­ten 
- wie Digi­ta­li­sie­rung entlang von Prozes­sen, Rollen und Daten struk­tu­riert werden kann 
- welche Schritte sich für einen prag­ma­ti­schen Einstieg bewährt haben.

Die Teilnehmer:innen disku­tie­ren konkrete Fall­be­spiele und entwi­ckeln konkrete Ansätze für die eigene Orga­ni­sa­tion – unab­hän­gig davon, ob diese noch ganz am Anfang steht oder die Digi­ta­li­sie­rung bereits im Gang ist. Der Work­shop rich­tet sich an Mitar­bei­tende und Verant­wort­li­che aus Stif­tun­gen, Förder­or­ga­ni­sa­tio­nen und Nonpro­fits, die ihre Orga­ni­sa­tion digi­tal weiter­ent­wi­ckeln möch­ten. 

Dauer: 3h, 9–12 Uhr 
Format: Online via Zoom 
Zu den Termi­nen und zur Anmeldung

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