Vergangene Woche hat das Parlament das Entlastungspaket verabschiedet. Es umfasst Einsparungen von 1,4 bis 2,0 Milliarden Franken für die Jahre 2027 bis 2029. Die Massnahmen treffen auch Bereiche, in welchen viele NGOs, Stiftungen und Freiwillige sich engagieren. Zudem bleibt der Spardruck: Bereits während der Debatte wurde von Bundesrätin Karin Keller-Sutter darauf verwiesen, dass weniger Einsparungen mit dem Entlastungspaket dazu führen werde, dass bei den ungebundenen Ausgaben weiter gespart werden müsse. Dazu gehören Bereiche wie die Entwicklungszusammenarbeit, Kultur, Bildung oder auch beim Verkehr.
Eine «Zukunftsbremse»
Die Reaktion auf das Paket fallen unterschiedlich aus. Aus Sicht von Andreas Missbach ist es unnötig. Der Geschäftsleiter von Alliance Sud, dem Schweizer Kompetenzzentrum für internationale Zusammenarbeit und Entwicklungspolitik, verweist auf die tiefe Schuldenquote der Schweiz. «Die Berechnungen von Alliance Sud zeigen, dass bei einer Rückkehr dieser Quote auf den Stand bei Einführung der Schuldenbremse bis 2035 jedes Jahr 15 Milliarden Franken zusätzlich zur Verfügung stehen würden», sagt er. «Damit wäre der ursprüngliche Zweck der Schuldenbremse erfüllt – nämlich den Anstieg der Schulden zu bremsen.» Kritisch beurteilt er aber besonders die Folgen der Einsparungen. «Die Schuldenbremse ist zur Zukunftsbremse geworden und die Sparpolitik geht auf Kosten zukünftiger Generationen, weil bei Bildung, Forschung, Klimaschutz, dem sozialen Zusammenhalt und der Entwicklungszusammenarbeit gespart wird.»
Die Schuldenbremse ist zur Zukunftsbremse geworden und die Sparpolitik geht auf Kosten zukünftiger Generationen.
Andreas Missbach, Alliance Sud
Die Entwicklungszusammenarbeit selbst spürt den Spardruck schon länger. Der Bundesrat hatte bereits zuvor vorgeschlagen, die Ausgaben wie nun vom Parlament bestätigt, auf dem Stand von 2025 einzufrieren. «Einfrieren klingt harmlos», sagt Missbach, «aber es bedeutet natürlich über die Zeit auch einen weiteren Abbau, nachdem schon durch den früheren Abbau ein Drittel weniger Geld für Subsahara-Afrika zur Verfügung steht.» Und er ist sich bewusst, dass der Druck bleibt. Seine Forderung an Bundesrätin Karin Keller-Sutter lautet denn auch: Bei den zukünftigen Budgetvorlagen müsse sie das Bekenntnis gegen weitere Kürzungen bekräftigen und beim Einfrieren bleiben.
Kürzungen werden sich auswirken
Kürzungen treffen auch den Forschungs- und Bildungsbereich. Für die ETH-Foundation sind sie nachvollziehbar. «Der ETH-Bereich ist bereit, seinen Teil zur Verbesserung der Finanzen des Bundes beizutragen und unterstützt den Entscheid des Parlaments», sagt Isabelle Vloemans, Mediensprecherin der ETH-Foundation. «Die vom Bundesrat geplante Massnahme zur Stärkung der Nutzerfinanzierung im ETH-Bereich sah eine Kürzung des Finanzierungsbeitrags des Bundes im Finanzplan 2027–2029 um 78 Millionen Franken pro Jahr vor; das Parlament entschied, die im Finanzplan beantragte Kürzung im Jahr 2027 um rund 67 Millionen Franken zu reduzieren.» Für die Jahre 2028 und 2029 bleiben sie bestehen. Kurzfristig konnten die Kürzungen für 2025 abgefedert werden. Spar- und Verzichtsmassnahmen, Priorisierungen und der Einsatz von Reserven machten dies möglich. Vloemans stellt jedoch klar: «Langfristig können die Reserven die Kürzungen nicht auffangen. Dies wird Auswirkungen haben auf die Erfüllung der Aufgaben des ETH-Bereichs.»
Langfristig können die Reserven die Kürzungen nicht auffangen.
Isabelle Vloemans, ETH Foundation
Auch wenn in den vergangenen Jahren eine Zunahme bei den Drittmitteln erreicht werden konnte, bleibe die Finanzierung des Bundes zentral für den Betrieb. Auch würden die Donator:innen der ETH Foundation mit ihrem Engagement nicht Lücken füllen. Sie wollen die Spitzenforschung und Talentbildung an der ETH stärken sowie den Innovationsplatz Schweiz und Europa fördern. Ihr Antrieb sei die Verbundenheit zur ETH, zu einem Forschungs- oder zu einem Ausbildungsthema. Vloemans betont: «Insofern ist bei ihnen die Motivation, Lehre und Forschung zu unterstützen, unverändert hoch.»
Kulturförderung vor erheblichen Herausforderungen
Gespart wird auch bei der Kultur. In der Kulturförderung in der Schweiz nimmt die Kulturstiftung Pro Helvetia eine zentrale Rolle ein. Mit ihrer Förderung stärkt sie den Austausch zwischen den Sprachregionen. Zudem fördert sie die internationale Sichtbarkeit der Schweizer Kultur. Mediensprecherin Anja Grünenfelder sagt: «Die aktuelle finanzielle Entwicklung stellt die Kulturförderung vor erhebliche Herausforderungen.» Die finanziellen Möglichkeiten stehen einer seit Jahren deutlich zunehmenden Zahl an Fördergesuchen gegenüber. Diese Dynamik im Sektor zeige die Relevanz der Fördermassnahmen. «Im Kontext des Entlastungspakets nimmt der Druck spürbar zu, die bestehenden Aufgaben von Pro Helvetia weiterhin verlässlich und effizient zu erfüllen», sagt Grünenfelder. Dies führe zwangsläufig zu einer höheren Selektivität der Förderentscheide. Pro Helvetia bereitet Sorge, dass auch überzeugende Projekte mit internationalem Potenzial von Einsparungen betroffen sein können.
Private Kulturförderung ist in der Regel projektgebunden und kann gesetzliche Aufgaben nicht ersetzen.»
Anja Grünenfelder, Pro Helvetia
Auch wenn private Stiftungen, Mäzenatentum oder Sponsoring wesentliche Beiträge zur Förderung der Kultur in der Schweiz leisten, kann sie die öffentlichen Gelder nicht ersetzen. Kantone, Städte und Gemeinden tragen rund 90 Prozent der Förderung der Kultur, gibt Grünenfelder zu bedenken. «Während die öffentliche Hand ihre Förderung komplementär und im Rahmen ihres gesetzlichen Auftrags erbringt, ist die private Kulturförderung in der Regel projektgebunden und kann gesetzliche Aufgaben nicht ersetzen.»
Sparmassnahmen sind kontraproduktiv
«Die beschlossenen Kürzungen bedeuten im Umweltbereich einen Rückschritt, obwohl angesichts der Klima‑ und Biodiversitätskrise eigentlich zusätzliche Anstrengungen nötig wären», sagt Patrick Hofstetter, Klima- und Energieexperte bei WWF Schweiz. Und er verweist auf die Entwicklungen in anderen Ländern, wo wichtige Fortschritte durch Sparpakete verhindert worden seien. Sorgen bereiten ihm jedoch nicht nur die beschlossenen Massnahmen, sondern, dass das Finanzdepartement bereits das nächste Sparpaket vorbereite. «Der Druck auf Klima‑ und Umweltmassnahmen dürfte weiter zunehmen.» Um Rückschritte abzufedern, brauche es die Engagements von Privaten, Kantonen und Gemeinden. In den USA hätten grosse Stiftungen und Philanthropen das Schlimmste verhindert.
Der Druck auf Klima‑ und Umweltmassnahmen dürfte weiter zunehmen.
Patrick Hofstetter, WWF Schweiz
Umwelt, Energie und Verkehr stehen beim Sparen besonders im Fokus. Sie machen rund 40 Prozent des Volumens aus. Auch Hofstetter kritisiert die Sparmassnahmen aufgrund ihrer Wirkung. Er sagt: «Selbst eine vom Finanzdepartement in Auftrag gegebene Studie kommt zum Schluss, dass viele dieser Kürzungen volkswirtschaftlich kontraproduktiv sind.» Und auch wenn die Einsparungen in absoluten Zahlen geringer ausgefallen sind als ursprünglich geplant, sieht er in einzelnen massive Einschnitte kommen. Stark gekürzt oder gestrichen werde die Förderung von Pilot‑ und Demonstrationsanlagen, die Forschungsergebnisse in marktfähige Lösungen überführen. «Auch Programme wie EnergieSchweiz, die auf Information, Bildung und freiwillige Massnahmen setzen, werden geschwächt – was letztlich dazu führt, dass der Staat stärker auf Gebote und Verbote zurückgreifen müsste, um dieselbe Wirkung zu erzielen», sagt Hofstetter.


