Kirstin Kopp, Associate director Velux Stiftung

Velux Stif­tung: Förder­ge­biet «Fore­s­try»

Die Velux Stiftung fördert neuerdings Forschung in der Forstwirtschaft. Mit dem Fördergebiet möchte die Stiftung einen Beitrag zum Kampf gegen den Klimawandel leisten. Kirstin Kopp ist Programmverantwortliche und spricht im Interview über den Programminhalt, die Kriterien und Wirkungsmessung.

Die Velux Stif­tung fördert Forschung in den Berei­chen Tages­licht, Gesun­des Altern, Augen­heil­kunde und neuer­dings auch in der Forstwirtschaft.

Was genau gab den Anstoss zur Aufnahme des neuen Fördergebiets?

Letz­tes Jahr hat sich der Stif­tungs­rat entschlos­sen, im Rahmen des Stif­tungs­zweckes etwas zum Kampf gegen den Klima­wan­del beizu­tra­gen. Als wir zusätz­lich eine Zustif­tung von fünf Millio­nen Schwei­zer Fran­ken von unse­rer däni­schen Schwe­ster­stif­tung VILLUM FONDEN erhiel­ten, hat der Stif­tungs­rat insge­samt zehn Millio­nen Schwei­zer Fran­ken dem neuen Förder­pro­gramm gewid­met, welches sich während fünf Jahren den Heraus­for­de­run­gen der nach­hal­ti­gen Forst­wirt­schaft rund um die Themen Klima­wan­del und Biodi­ver­si­tät widmet.

Wald- und Forst­wis­sen­schaft ist aller­dings kein neues Förder­ge­biet für die Velux Stif­tung. In unse­rem Stif­tungs­zweck ist die Erhal­tung und Förde­rung der ökolo­gi­schen Stabi­li­tät der Natur mit dem spezi­fi­schen Fokus auf die Forst- und Wald­wirt­schaft fest­ge­hal­ten und wurde seit den 80iger Jahren bis 2011 geför­dert. Nach der Finanz­krise fiel 2011 dann der Entscheid, das geschrumpfte Förder­bud­get mit einem enge­ren Fokus zu verge­ben und das Thema Wald und Ökolo­gie wird seit­her durch die Impact Inve­sting Stra­te­gie umgesetzt.

Welches sind die zentra­len Themen bei der Ausschreibung?

Das aktu­elle Förder­pro­gramm soll lösungs­ori­en­tierte Forschung zum Thema nach­hal­tige Forst­wirt­schaft fördern, welche sich mit den Syner­gien und Ziel­kon­flik­ten ausein­an­der­setzt. Wie kann Wald­be­wirt­schaf­tung einer­seits zum Klima­schutz beitra­gen, die Arten­viel­falt fördern und gleich­zei­tig nach­hal­ti­ges Holz produ­zie­ren? Eine weitere Heraus­for­de­rung ist die Frage, wie bis anhin abstrakte Werte, wie zum Beispiel die Leistun­gen von Waldökosystemen,wsdes dazu genutzt werden können, nach­hal­tige Lösun­gen und Verhal­tens­ver­än­de­run­gen umzu­set­zen. Bei beiden Themen ist es uns wich­tig, dass die Forschung die Zusam­men­ar­beit mit der Praxis sucht.

Welches sind die Krite­rien für die Bewerbung?

Bei der Auswahl der Anträge sind die Rele­vanz, die Wirkungs­ori­en­tie­rung, die Inno­va­tion und der Wissens­trans­fer des Projek­tes sowie die wissen­schaft­li­che Quali­tät wesent­li­che Krite­rien. Ausser­dem ist es wich­tig darzu­stel­len, warum das Vorha­ben nicht von ande­ren Geld­ge­bern finan­ziert werden kann.

Was muss ein Projekt beinhalten?

Im Vorfeld der Ausschrei­bung haben wir den Austausch mit Fach­per­so­nen aus verschie­de­nen Forschungs­rich­tun­gen und der Praxis gesucht. Obwohl klar ist, dass die Forschung bereits viel Wissen gene­rie­ren konnte, welches auch für die Praxis rele­vant ist, schei­tert die Umset­zung oft an der Kommu­ni­ka­tion zwischen Forschung und Praxis, bzw. dass die prak­ti­schen Bedin­gun­gen die Umset­zung der Erkennt­nisse erschwert. Daher war es für die Stif­tung klar, dass die Forschung sich stär­ker mit der Praxis verbin­den muss, so dass wir vor allem Anträge sehen möch­ten, welche die loka­len Bedin­gun­gen mit einbe­zie­hen, die verschie­de­nen Stake­hol­ders in der Forschung einbin­den, welche inter­dis­zi­pli­när, mit verschie­de­nen Perspek­ti­ven an eine Frage­stel­lung heran­ge­hen, und dass sich das Projekt für den Wissens­trans­fer der gewon­nen Erkennt­nisse einsetzt.

Solche Projekte erstrecken sich meist über mehrere Jahre. Wie kann die Stif­tung die Wirkung der einzel­nen Projekte messen?

Die Wirkungs­mes­sung von einzel­nen Forschungs­pro­jek­ten ist sehr schwie­rig. Am Projek­tende werden die Resul­tate publi­ziert und im Ideal­fall werden die neu gewon­ne­nen Erkennt­nisse verschie­de­nen Ziel- oder Inter­es­sens­grup­pen zugäng­lich gemacht. Ob die Erkennt­nisse in den Ziel­grup­pen umge­setzt und dort eine Verän­de­rung bewir­ken können, liegt oft nicht mehr in den Händen der Forschen­den und zeit­lich lange nach Projekt­ab­schluss. Daher konzen­trie­ren wir uns darauf den Projekt­part­ner darauf aufmerk­sam zu machen, wie wich­tig es bereits beim Schrei­ben des Antra­ges ist, sich zu über­le­gen, zu welchen Verän­de­rung ihre Projekt­re­sul­tate beitra­gen könn­ten und welche Inter­es­sens­grup­pen für eine Verän­de­rung ange­spro­chen werden sollen. Dies kann die Projekte befä­hi­gen ihre Forschung wirkungs­ori­en­tiert zu betrach­ten und den Wissens­trans­fer ziel- und umset­zungs­ori­en­tiert zu gestal­ten. Damit haben die Erkennt­nisse die besten Chan­cen zu Verän­de­run­gen beizutragen.

Was erhof­fen Sie sich vom Programm?

Das Thema Klima­wan­del, Biodi­ver­si­tät und Wald sind eng mitein­an­der verbun­den. Wälder haben ein hohes Poten­tial Kohlen­stoff zu spei­chern und gleich­zei­tig möchte die Gesell­schaft Holz vermehrt als nach­wach­sen­den Rohstoff oder die Flächen anders nutzen. Es geht also darum diese Ziel­kon­flikte auszu­ta­rie­ren und den Wald so behan­deln, dass wir als Gesell­schaft von den Leistun­gen des Ökosy­stems Wald wie saube­res Wasser, saubere Luft und Schutz vor Natur­ge­fah­ren profi­tie­ren. Gleich­zei­tig soll­ten auch, dank einem nach­hal­ti­gen Wald­ma­nage­ment, die nach­wach­sen­den Rohstoffe des Waldes genutzt werden können. Wir hoffen, dass unser Förder­pro­gramm zu einem Perspek­ti­ven­wech­sel führt, wie Wälder in den Anstren­gun­gen den Klima­wan­del zu bewäl­ti­gen und die Arten­viel­falt zu schüt­zen, genutzt und bewer­tet werden.

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