Bild: Pascale Florio

Trans­pa­renz ist Teil der moder­nen Philanthropie

Sechs Milliarden Dollar hat MacKenzie Scott auf unkonventionelle Art gespendet - und informiert über zwei Blog-Beiträge auf medium.com. Seit der Scheidung von Amazon Gründer Jeff Bezos gehört sie zu den reichsten Frauen. Peter Buss, Gründer von StiftungSchweiz und Verleger von The Philanthropist ordnet die aussergewöhnliche Spendentätigkeit ein.

The Philanthropist: Was macht die Spen­den­tä­tig­keit von MacKen­zie Scott so aussergewöhnlich?

Peter Buss: Auffal­lend ist die gewal­tige Summe: Die gespen­de­ten sechs Milli­ar­den US-Dollar im vergan­ge­nen Jahr über­stei­gen das Spen­den­vo­lu­men der gröss­ten US-Stif­tun­gen um ein Viel­fa­ches. Dabei agiert MacKen­zie Scott schnell, unbü­ro­kra­tisch und knüpft keine Bedin­gun­gen an die Gelder, soweit dies bekannt ist. Das beur­teile ich als sehr posi­tiv. Schön, dass so etwas möglich ist.

TP: Dennoch ruft ihr Vorge­hen auch kriti­sche Stim­men hervor. Weshalb?

PB: Sie lässt sich gemäss eige­nen Aussa­gen von einem Bera­ter­team unter­stüt­zen. Aller­dings sind ihre Akti­vi­tä­ten wenig trans­pa­rent. Sie kommu­ni­zierte über ihre Spen­den ledig­lich in zwei Blog-Arti­kel auf dem Kanal medium.com. Eine offi­zi­elle Kommu­ni­ka­tion oder gar Webseite gibt es nicht. Die Initia­tive besitzt keine Adresse und unter­hält kein Büro. Mit einer solch gros­sen Spen­den­tä­tig­keit ist sie jedoch system­re­le­vant. Und das ruft nach Trans­pa­renz. Trans­pa­renz ist Teil der moder­nen Phil­an­thro­pie und fördert die Glaub­wür­dig­keit und das Vertrauen. Und die Mäze­nin muss sich auch nicht verstecken. Denn ihre Spen­den­tä­tig­keit scheint nach dem, was bekannt ist, einen tollen Ansatz zu verfol­gen. Sie unter­stützt viele kleine Orga­ni­sa­tio­nen in unter­pri­vi­le­gier­ten Gemein­schaf­ten, die sonst kaum Zugang zu Förder­gel­dern haben. 

TP: Wo sehen Sie die Gefahr der fehlen­den Transparenz?

PB: Mit ihrer zurück­hal­ten­den Kommu­ni­ka­tion verlei­tet sie zu unnö­ti­gen Speku­la­tio­nen. Man könnte so zum Beispiel leicht anneh­men, dass die Vergabe der Gelder völlig unre­gu­liert geschieht und allein ihren persön­li­chen Präfe­ren­zen folgt. Das darf natür­lich sein, es sugge­riert aber bei dieser gros­sen Summe fälsch­li­cher­weise, dass Phil­an­thro­pie Ausübung von will­kür­li­cher Macht durch die Wohl­ha­ben­den darstelle. Zumin­dest in der Schweiz gilt dies schon lange nicht mehr. In der Schweiz unter­liegt die Tätig­keit von gemein­nüt­zi­gen, steu­er­be­frei­ten Stif­tun­gen staat­li­cher Aufsicht und damit indi­rekt auch der gesell­schaft­li­chen Kontrolle. Die US-ameri­ka­ni­sche Öffent­lich­keit subven­tio­niert die Spen­den­ak­ti­vi­tät immer­hin durch «tax breaks». Die Kritik gilt daher weni­ger MacKen­zie Scott als dem System. Wie gesagt: Solch grosse Spen­den sind system­re­le­vant und soll­ten deshalb einem Mindest­mass an Trans­pa­renz unter­lie­gen. Die Reak­tio­nen auf meinen Linkedin-Post zu dieser Spende bspw. machen es deut­lich. Ich darf knapp 6’000 Linkedin-Follower aus der Welt der Schwei­zer Phil­an­thro­pie zählen – innert weni­gen Tagen haben fast 4’000 die Meldung angeschaut.

TP: MacKen­zie Scott bekennt sich zu The Giving Pledge, einer phil­an­thro­pi­schen Initia­tive von Bill Gates und Warren Buffett. Die Teil­neh­men­den verpflich­ten sich, einen Gross­teil ihres Reich­tums phil­an­thro­pisch zu spen­den. Wie unter­schei­det sich das Spen­den­ver­ständ­nis in den USA von jenem in der Schweiz?

PB: Vorab: Anders als bspw. die bekann­ten Stif­ter Bill und Melinda Gates spen­det MacKen­zie Scott schnel­ler und unauf­ge­for­dert grös­sere Summen an klei­nere Orga­ni­sa­tio­nen. Das gibt es in der Schweiz nicht so viel. Und gene­rell lässt sich als Unter­schied im Spen­den­ver­hal­ten insbe­son­dere die «Laut­stärke» nennen. In den USA stel­len sich Wohl­ha­bende mit ihrer Wohl­tä­tig­keit in den Fokus der Öffent­lich­keit. In der Schweiz geschieht das Spen­den eher «leise». Schwei­ze­rin­nen und Schwei­zer spen­den pro Kopf zwar auch sehr viel, sie tun das aller­dings noch eher konven­tio­nell. Kollek­tiv-Initia­ti­ven im Ausmass des The Giving Pledge gibt es so nicht.

StiftungSchweiz engagiert sich für eine Philanthropie, die mit möglichst wenig Aufwand viel bewirkt, für alle sichtbar und erlebbar ist und Freude bereitet.

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