Bild: Ahmed Zayan

Sucht­pan­orama 2026: Sparen bei der Präven­tion kostet

Das neuste Suchtpanorama von Sucht Schweiz zeigt: Sparen bei der Prävention kostet. Rund acht Milliarden Franken Kosten entstehen in der Schweiz pro Jahr im Suchtbereich. Diese Rechnung gehe zu einem grossen Teil zu Lasten der Prämienzahlenden. Obschon Präventionsmassnahmen die Kosten senken könnten, werde bei diesen gespart, hält das Suchtpanorama fest.

Das dies­jäh­rige Sucht­pan­orama der Stif­tung Sucht Schweiz zeigt die Entwick­lung beim Alko­hol- und Niko­tin­kon­sum auf. Ebenso beleuch­tet es den Umgang mit ille­ga­len Drogen und psycho­ak­ti­ven Medi­ka­men­ten oder zeigt, was Spiel­sucht bedeu­tet und wo Online­ak­ti­vi­tä­ten proble­ma­tisch werden. Der Bericht zeigt aber auch auf, wie die Poli­tik das Thema bewer­tet und er formu­liert Handlungsbedarf. 

Wirt­schaft­li­che Dimension

10’000 Menschen ster­ben pro Jahr an den Folgen von Sucht­mit­teln. Hunder­tau­sende sind abhän­gig. Dennoch stellt der Bericht fest, dass die Bedeu­tung der Sucht­pro­ble­ma­tik poli­tisch in den vergan­ge­nen Jahren an Bedeu­tung verlo­ren habe. Die Kürzun­gen im Gesund­heits­be­reich würden insbe­son­dere auch die Daten­grund­lage für Präven­ti­ons­ak­ti­vi­tä­ten tref­fen. Der Bericht sieht die Gefahr eines Blind­flu­ges oder einer drohen­den Drogen­krise. Die Poli­tik verkenne die wirt­schaft­li­che Dimen­sion des Problems. Eine Studie von 2009 schätzte, dass im Bereich Alko­hol jeder in die Präven­tion inves­tierte Fran­ken 23 Fran­ken an indi­rek­ten Kosten verhin­dere. Im Bereich Tabak seien es gar 41 Fran­ken. Allein die Tatsa­che, dass die letzte Studie von 2009 datiere, zeige das mangelnde Interesse.

Schwan­gere im Fokus

Beim Alko­hol stellt das Panorama zwar einen posi­ti­ven Trend fest. Dennoch haben noch immer 16 Prozent der Bevöl­ke­rung einen kriti­schen Alko­hol-Konsum. Ausser­dem kommen jedes Jahr über 1700 Kinder mit alko­hol­be­ding­ten Beein­träch­ti­gun­gen zur Welt. Die Präven­ti­ons­ar­beit zeigt zwar Wirkung. Dennoch erkennt der Bericht jedoch noch gros­ses Poten­zial in der Zeit vor einer bestä­tig­ten Schwan­ger­schaft. Eigent­lich müsste der Konsum­ver­zicht von Alko­hol ab Schwan­ger­schafts­wunsch befolgt werden. Beim Tabak verlie­ren die tradi­tio­nel­len Produkte an Bedeu­tung. Der Anteil der Bevöl­ke­rung, die noch immer Tabak konsu­mie­ren, bleibt jedoch konstant bei 27 Prozent. Das Panorama stellt hier einen Boom neuer Produkte fest. Dieser geht weiter. Das Marke­ting dieser Produkte würde sich insbe­son­dere an eine junge Ziel­gruppe rich­ten, steht im Sucht­pan­orama. Ein stär­ke­rer Schutz der Jugend­li­chen vor dem Einstieg sei notwen­dig und die aktu­elle Alters­grenze müsse durch­ge­setzt werden. Auch beim Alko­hol zeigt sich, dass dies nicht immer funk­tio­niere. Desshalb bleibe die Bedeu­tung von Test­käu­fen hoch. Denn in 25 Prozent der Test­käufe erhal­ten Jugend­li­che wider­recht­lich Alko­hol, online sogar in den meis­ten Fällen. 

Regu­lie­rungs­mass­nah­men bei den Sozia­len Medien gefordert

Auch der Canna­bis­kon­sum – er zähle gemäss Sucht­pan­orama 200’000 Konsument:innen in der Schweiz – wurde unter­sucht, genauso wie Kokain, Heroine, Ecstasy und Co.. Neben Psycho­ak­ti­ven Medi­ka­men­ten gehört ebenso das Glücks­spiel – sieben Prozent der jungen Erwach­se­nen zeigen ein proble­ma­ti­sches Verhal­ten beim Spie­len um Geld. Hilfe erfolge meist erst zu spät, wenn die Schul­den da sind und der Scha­den ange­rich­tet ist. Bei der Nutzung der Sozia­len Medien und des Handys an Schu­len erach­tet das Sucht­pan­orama Regu­lie­rungs­mass­nah­men gegen mani­pu­la­tive Mecha­nis­men von sozia­len Medien als drin­gend und notwen­dig. Sieben Prozent der 15-Jähri­gen, die soziale Medien nutzen, bekom­men heute Probleme damit.


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