Das diesjährige Suchtpanorama der Stiftung Sucht Schweiz zeigt die Entwicklung beim Alkohol- und Nikotinkonsum auf. Ebenso beleuchtet es den Umgang mit illegalen Drogen und psychoaktiven Medikamenten oder zeigt, was Spielsucht bedeutet und wo Onlineaktivitäten problematisch werden. Der Bericht zeigt aber auch auf, wie die Politik das Thema bewertet und er formuliert Handlungsbedarf.
Wirtschaftliche Dimension
10’000 Menschen sterben pro Jahr an den Folgen von Suchtmitteln. Hundertausende sind abhängig. Dennoch stellt der Bericht fest, dass die Bedeutung der Suchtproblematik politisch in den vergangenen Jahren an Bedeutung verloren habe. Die Kürzungen im Gesundheitsbereich würden insbesondere auch die Datengrundlage für Präventionsaktivitäten treffen. Der Bericht sieht die Gefahr eines Blindfluges oder einer drohenden Drogenkrise. Die Politik verkenne die wirtschaftliche Dimension des Problems. Eine Studie von 2009 schätzte, dass im Bereich Alkohol jeder in die Prävention investierte Franken 23 Franken an indirekten Kosten verhindere. Im Bereich Tabak seien es gar 41 Franken. Allein die Tatsache, dass die letzte Studie von 2009 datiere, zeige das mangelnde Interesse.
Schwangere im Fokus
Beim Alkohol stellt das Panorama zwar einen positiven Trend fest. Dennoch haben noch immer 16 Prozent der Bevölkerung einen kritischen Alkohol-Konsum. Ausserdem kommen jedes Jahr über 1700 Kinder mit alkoholbedingten Beeinträchtigungen zur Welt. Die Präventionsarbeit zeigt zwar Wirkung. Dennoch erkennt der Bericht jedoch noch grosses Potenzial in der Zeit vor einer bestätigten Schwangerschaft. Eigentlich müsste der Konsumverzicht von Alkohol ab Schwangerschaftswunsch befolgt werden. Beim Tabak verlieren die traditionellen Produkte an Bedeutung. Der Anteil der Bevölkerung, die noch immer Tabak konsumieren, bleibt jedoch konstant bei 27 Prozent. Das Panorama stellt hier einen Boom neuer Produkte fest. Dieser geht weiter. Das Marketing dieser Produkte würde sich insbesondere an eine junge Zielgruppe richten, steht im Suchtpanorama. Ein stärkerer Schutz der Jugendlichen vor dem Einstieg sei notwendig und die aktuelle Altersgrenze müsse durchgesetzt werden. Auch beim Alkohol zeigt sich, dass dies nicht immer funktioniere. Desshalb bleibe die Bedeutung von Testkäufen hoch. Denn in 25 Prozent der Testkäufe erhalten Jugendliche widerrechtlich Alkohol, online sogar in den meisten Fällen.
Regulierungsmassnahmen bei den Sozialen Medien gefordert
Auch der Cannabiskonsum – er zähle gemäss Suchtpanorama 200’000 Konsument:innen in der Schweiz – wurde untersucht, genauso wie Kokain, Heroine, Ecstasy und Co.. Neben Psychoaktiven Medikamenten gehört ebenso das Glücksspiel – sieben Prozent der jungen Erwachsenen zeigen ein problematisches Verhalten beim Spielen um Geld. Hilfe erfolge meist erst zu spät, wenn die Schulden da sind und der Schaden angerichtet ist. Bei der Nutzung der Sozialen Medien und des Handys an Schulen erachtet das Suchtpanorama Regulierungsmassnahmen gegen manipulative Mechanismen von sozialen Medien als dringend und notwendig. Sieben Prozent der 15-Jährigen, die soziale Medien nutzen, bekommen heute Probleme damit.


