Podium mit Regine Sauter, Nationalrätin FDP (2.v.l.), Mark Eisenegger, Prof. Dr. Mark Eisenegger, Direktor des Forschungszentrums für Öffentlichkeit und Gesellschaft (fög), Universität Zürich, Präsident der Kurt Imhof Stiftung für Medienqualität (r.), Rita Famos, Präsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (2.v.r.) und Romy Krämer, Geschäftsführerin der Guerilla Foundation (Mitte), geleitet von Susanne Sugimoto (l.), Bild: Dominik Plüss

Stif­tun­gen zwischen Verant­wor­tung, Regu­lie­rung und demo­kra­ti­scher Rolle

Am 18. November 2025 haben sich in Aarau rund 300 Interessierte aus der Philanthropiewelt getroffen. Der Schweizer Stiftungstag 2025 von proFonds zeigt: Stiftungen und Vereine sind ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft. Ihre Vermögen müssen sie professionell und zweckkonform verwalten und gleichzeitig politische Verantwortung wahrnehmen. Das Motto des Tages war «kreativ und mutig wirken». Vermögensmanagement, demokratische Teilhabe und kontroverse Gesetzesvorstösse wurden in Vorträgen, einem Podium und in vielen Workshops thematisiert.

Stif­tun­gen stehen heute vor der Heraus­for­de­rung, ihr Vermö­gen so zu bewirt­schaf­ten, dass ihr gemein­nüt­zi­ger Zweck lang­fris­tig gesi­chert bleibt. Chris­toph Degen, Geschäfts­füh­rer von proFonds, erin­nerte daran, dass jede Stif­tung zwei Kern­funk­tio­nen hat: den Zweck zu erfül­len und das Vermö­gen verant­wor­tungs­voll zu verwal­ten. Beson­ders heikel wird es, wenn im Stif­tungs­rat finan­zi­el­les Fach­wis­sen fehlt – denn die Mitglie­der haften auch für leichte Fahr­läs­sig­keit. Umso wich­ti­ger sind klare Struk­tu­ren, eine profes­sio­nelle Anla­ge­stra­te­gie und die Einhal­tung der Prudent Inves­tor Rules. Nach­hal­tige Anla­gen, Impact Invest­ments oder Mission-based Invest­ments bieten neue Möglich­kei­ten, Wirkung und Rendite zu verbin­den. Doch sie verlan­gen eine sorg­fäl­tige Prüfung, eine breite Diver­si­fi­ka­tion und strikte Zweck­kon­for­mi­tät. Damit wird in Zeiten wirt­schaft­li­cher Unsi­cher­heit ein risi­ko­be­wuss­tes, wirkungs­ori­en­tier­tes Finanz­ma­nage­ment zur zentra­len Voraus­set­zung für stabile und zukunfts­fä­hige Stiftungen.

Schwei­zer Stif­tungs­tag, von proFonds am Diens­tag, 18. Novem­ber 2025 in Aarau. Bild: Domi­nik Plüss

Wie poli­tisch dürfen Stif­tun­gen sein? 

Eine durch die FDP-Frak­tion im Dezem­ber 2024 einge­reichte Motion gibt zu reden. Die FDP-Motion will die Gemein­nüt­zig­keit enger defi­nie­ren und steu­er­be­freite Orga­ni­sa­tio­nen einschrän­ken, soll­ten sie innert vier Jahren zwei­mal eine Kampa­gne führen, die mehr als 50’000 Fran­ken kostet. Heute ist poli­ti­sches Enga­ge­ment nur erlaubt, wenn es dem Zweck dient. Die Motion möchte nun weiter­ge­hen und zusätz­li­che Pflich­ten wie Spar­ten­rech­nun­gen, jähr­li­che Steu­er­erklä­run­gen und den mögli­chen Entzug der Steu­er­be­frei­ung einfüh­ren. Der Bundes­rat lehnt die Motion ab – vor allem wegen des unnö­ti­gen admi­nis­tra­ti­ven Aufwands und der drohen­den Einschrän­kung zivil­ge­sell­schaft­li­cher Frei­heit. Die Motion bewegt den ganzen Sektor.

Umstrit­tene Motion

Zur umstrit­te­nen Motion, die mit dem Titel «Stär­kung der Gemein­nüt­zig­keit steu­er­be­frei­ter Orga­ni­sa­tio­nen» einge­reicht wurde, haben auf dem Podium Regine Sauter, Natio­nal­rä­tin FDP, Mark Eise­n­eg­ger, Prof. Dr. Mark Eise­n­eg­ger, Direk­tor des Forschungs­zen­trums für Öffent­lich­keit und Gesell­schaft (fög), Univer­si­tät Zürich, Präsi­dent der Kurt Imhof Stif­tung für Medi­en­qua­li­tät, Rita Famos, Präsi­den­tin der Evan­ge­lisch-refor­mier­ten Kirche Schweiz und Romy Krämer, Geschäfts­füh­re­rin der Guer­rilla Foun­da­tion enga­giert disku­tiert. Während für Mark Eise­n­eg­ger die Motion ein Damo­kles­schwert über dem zivil­ge­sell­schaft­li­chen Enga­ge­ment darstellt, sieht Regine Sauter in der Motion eine Chance, klas­si­schem Campaig­ning oder der partei­po­li­ti­schen Instru­men­ta­li­sie­rung, was der Gemein­nüt­zig­keit wider­spre­che, entge­gen­zu­wir­ken. Rita Famos plädierte zwar für Zurück­hal­tung bei Kampa­gnen­for­men – sieht gemein­nüt­zige Orga­ni­sa­tio­nen im poli­ti­schen Diskurs aber klar in einer akti­ven Rolle, weil die Demo­kra­tie von star­ken Stim­men aus der Zivil­ge­sell­schaft lebe. Wie fragil diese Posi­tion ist, zeigen Beispiele aus Deutsch­land von Romy Krämer, wo gemein­nüt­zige Orga­ni­sa­tio­nen aus dem öffent­li­chen Diskurs verschwun­den sind. 

Während die Befürworter:innen der Motion auf stär­kere Kontrolle setzen, sehen Kritiker:innen darin ein Miss­trau­ens­si­gnal gegen­über dem Sektor. Einig ist man sich aber bezüg­lich der Forde­rung nach echter Trans­pa­renz. Das von Susanne Sugi­moto (Autorin dieses Arti­kels) gelei­tete Podium machte deut­lich: Zwischen voraus­ei­len­dem Gehor­sam und notwen­di­gem Mut braucht es eine offene Debatte darüber, wie Stif­tun­gen ihre Rolle in einer leben­di­gen Demo­kra­tie wahr­neh­men können.

Regu­la­to­ri­sche Entwicklungen

Der Schwei­zer Stif­tungs­tag 2025 zeigte, wie stark Stif­tun­gen und NPO heute von poli­ti­schen und regu­la­to­ri­schen Entwick­lun­gen betrof­fen sind. Sebas­tian Rieger sprach über die wich­tigs­ten Dossiers – vom Trans­pa­renz­re­gis­ter über die FDP-Motion bis zu AIA und Mehr­wert­steu­er­recht. Während das Trans­pa­renz­re­gis­ter dank erfolg­rei­chem Lobby­ing keine neuen Pflich­ten für Stif­tun­gen bringt, warnte er vor der FDP-Motion: Sie drohe, gemein­nüt­zige Orga­ni­sa­tio­nen aus dem demo­kra­ti­schen Diskurs zu drän­gen und unnö­tige Büro­kra­tie zu schaf­fen. Der Sektor verzeich­net Erfolge, etwa die erneute Ausnahme gemein­nüt­zi­ger Insti­tu­tio­nen vom auto­ma­ti­schen Infor­ma­ti­ons­aus­tausch. In der Praxis bleibt jedoch die grösste Heraus­for­de­rung bestehen: Stif­tun­gen müssen flexi­bel blei­ben, ohne ihren Zweck zu verwäs­sern. Inno­va­tive Förder­mo­delle wie Social Impact Bonds oder mission-based Invest­ments eröff­nen neue Wege – voraus­ge­setzt, sie sind sorg­fäl­tig geprüft, zweck­kon­form und regu­la­to­risch abgesichert.

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