Stiftungen stehen heute vor der Herausforderung, ihr Vermögen so zu bewirtschaften, dass ihr gemeinnütziger Zweck langfristig gesichert bleibt. Christoph Degen, Geschäftsführer von proFonds, erinnerte daran, dass jede Stiftung zwei Kernfunktionen hat: den Zweck zu erfüllen und das Vermögen verantwortungsvoll zu verwalten. Besonders heikel wird es, wenn im Stiftungsrat finanzielles Fachwissen fehlt – denn die Mitglieder haften auch für leichte Fahrlässigkeit. Umso wichtiger sind klare Strukturen, eine professionelle Anlagestrategie und die Einhaltung der Prudent Investor Rules. Nachhaltige Anlagen, Impact Investments oder Mission-based Investments bieten neue Möglichkeiten, Wirkung und Rendite zu verbinden. Doch sie verlangen eine sorgfältige Prüfung, eine breite Diversifikation und strikte Zweckkonformität. Damit wird in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit ein risikobewusstes, wirkungsorientiertes Finanzmanagement zur zentralen Voraussetzung für stabile und zukunftsfähige Stiftungen.

Wie politisch dürfen Stiftungen sein?
Eine durch die FDP-Fraktion im Dezember 2024 eingereichte Motion gibt zu reden. Die FDP-Motion will die Gemeinnützigkeit enger definieren und steuerbefreite Organisationen einschränken, sollten sie innert vier Jahren zweimal eine Kampagne führen, die mehr als 50’000 Franken kostet. Heute ist politisches Engagement nur erlaubt, wenn es dem Zweck dient. Die Motion möchte nun weitergehen und zusätzliche Pflichten wie Spartenrechnungen, jährliche Steuererklärungen und den möglichen Entzug der Steuerbefreiung einführen. Der Bundesrat lehnt die Motion ab – vor allem wegen des unnötigen administrativen Aufwands und der drohenden Einschränkung zivilgesellschaftlicher Freiheit. Die Motion bewegt den ganzen Sektor.
Umstrittene Motion
Zur umstrittenen Motion, die mit dem Titel «Stärkung der Gemeinnützigkeit steuerbefreiter Organisationen» eingereicht wurde, haben auf dem Podium Regine Sauter, Nationalrätin FDP, Mark Eisenegger, Prof. Dr. Mark Eisenegger, Direktor des Forschungszentrums für Öffentlichkeit und Gesellschaft (fög), Universität Zürich, Präsident der Kurt Imhof Stiftung für Medienqualität, Rita Famos, Präsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz und Romy Krämer, Geschäftsführerin der Guerrilla Foundation engagiert diskutiert. Während für Mark Eisenegger die Motion ein Damoklesschwert über dem zivilgesellschaftlichen Engagement darstellt, sieht Regine Sauter in der Motion eine Chance, klassischem Campaigning oder der parteipolitischen Instrumentalisierung, was der Gemeinnützigkeit widerspreche, entgegenzuwirken. Rita Famos plädierte zwar für Zurückhaltung bei Kampagnenformen – sieht gemeinnützige Organisationen im politischen Diskurs aber klar in einer aktiven Rolle, weil die Demokratie von starken Stimmen aus der Zivilgesellschaft lebe. Wie fragil diese Position ist, zeigen Beispiele aus Deutschland von Romy Krämer, wo gemeinnützige Organisationen aus dem öffentlichen Diskurs verschwunden sind.
Während die Befürworter:innen der Motion auf stärkere Kontrolle setzen, sehen Kritiker:innen darin ein Misstrauenssignal gegenüber dem Sektor. Einig ist man sich aber bezüglich der Forderung nach echter Transparenz. Das von Susanne Sugimoto (Autorin dieses Artikels) geleitete Podium machte deutlich: Zwischen vorauseilendem Gehorsam und notwendigem Mut braucht es eine offene Debatte darüber, wie Stiftungen ihre Rolle in einer lebendigen Demokratie wahrnehmen können.
Regulatorische Entwicklungen
Der Schweizer Stiftungstag 2025 zeigte, wie stark Stiftungen und NPO heute von politischen und regulatorischen Entwicklungen betroffen sind. Sebastian Rieger sprach über die wichtigsten Dossiers – vom Transparenzregister über die FDP-Motion bis zu AIA und Mehrwertsteuerrecht. Während das Transparenzregister dank erfolgreichem Lobbying keine neuen Pflichten für Stiftungen bringt, warnte er vor der FDP-Motion: Sie drohe, gemeinnützige Organisationen aus dem demokratischen Diskurs zu drängen und unnötige Bürokratie zu schaffen. Der Sektor verzeichnet Erfolge, etwa die erneute Ausnahme gemeinnütziger Institutionen vom automatischen Informationsaustausch. In der Praxis bleibt jedoch die grösste Herausforderung bestehen: Stiftungen müssen flexibel bleiben, ohne ihren Zweck zu verwässern. Innovative Fördermodelle wie Social Impact Bonds oder mission-based Investments eröffnen neue Wege – vorausgesetzt, sie sind sorgfältig geprüft, zweckkonform und regulatorisch abgesichert.





