Stiftungssymposium 2025 von SwissFoundations im Kursaal Bern, Bild: SwissFoundations/Regina Jäger

Stif­tun­gen als Möglichmacherinnen

Am Stiftungssymposium von SwissFoundations trafen sich 600 Vertreter:innen des Stiftungssektors im Kursaal in Bern. Sie diskutierten aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen und die Rolle der Stiftungen.

Es war ein Einstieg, der zum Nach­den­ken anregte. Michael Bruter analy­sierte das gesell­schaft­li­che Umfeld, in dem wir uns bewe­gen. Der Poli­to­loge der London School of Econo­mics and Poli­ti­cal Science zeigte anhand aktu­el­ler Heraus­for­de­run­gen, was möglich ist, wo Hand­lungs­be­darf besteht aber vor allem, wie leicht wir die falschen Fragen stel­len. Erst die rich­ti­gen Fragen bilden den Boden, auf dem auch Stif­tun­gen agie­ren und wirken wollen. Michael Bruter legte den Fokus nicht auf den Zustand der libe­ra­len Demo­kra­tie, sondern auf unsere Annah­men, wie es um sie bestellt sei. So würden wir gemein­hin Apathie, Pola­ri­sie­rung und Popu­lis­mus fest­stel­len, wenn wir über den Zustand der Demo­kra­tie spre­chen. Bruter hielt dage­gen, dass die Wahlen in Deutsch­land, Frank­reich oder den USA gerade Rekord­teil­nah­men verzeich­net hätten und dass die Parteien, nicht aber die Bürger:innen pola­ri­siert seien. Er sprach von Feind­se­lig­keit statt Pola­ri­sie­rung, von Frus­tra­tion statt Apathie, Funk­ti­ons­feh­ler statt Popu­lis­mus und Bürger:innen, die der Demo­kra­tie entwach­sen sind, statt dass sie diese zurück­wei­sen. Er stellte die Krise der Demo­kra­tie nicht in Abrede. Es brau­che aber die rich­ti­gen Diagno­sen, sagte er. Um die Heraus­for­de­run­gen zu bewäl­ti­gen, brau­che es neue Konzepte. Bruter forderte, poli­ti­sche Heraus­for­de­run­gen neu zu denken. Mit Blick auf das Thema des Stif­tungs­sym­po­si­ums, «Mission Possi­ble», heisst das: Es besteht Hand­lungs­be­darf, Lösun­gen sind möglich, aber es braucht die rich­ti­gen Fragen.

Raus aus der Komfortzone

Das Sympo­sium eröff­net hatte Lisa Meyer­hans. Die Präsi­den­tin von Swiss­Foun­da­ti­ons sagte: «Stif­tun­gen können entschei­dende Impulse setzen. Mit gebün­del­ten Kräf­ten wird Unmög­li­ches möglich.» Katja Schö­nen­ber­ger, Geschäfts­füh­re­rin von Swiss­Foun­da­ti­ons, fügte hinzu, dass es, wenn etwas unmög­lich scheine, Menschen brau­che, die es trotz­dem anpa­cken. In ihrem Gruss­wort betonte die Berner Regie­rungs­rä­tin Evi Alle­mann, in einer Welt voller komple­xer Heraus­for­de­run­gen brau­che es Klar­heit in den Haltun­gen, einen geziel­ten Einsatz der Ressour­cen – und vor allem Menschen, die bereit sind, Neues zu wagen. Stif­tun­gen, als Part­ne­rin­nen des Staa­tes, hätten ein gros­ses Poten­zial, Raum für Inno­va­tio­nen zu schaf­fen. Nur gemein­sam könn­ten die Zukunfts­pro­jekte gelin­gen. Sie forderte die Anwe­sen­den denn auch auf, die Gele­gen­heit zum Vernet­zen zu nutzen und Alli­an­zen zu schmie­den. Patri­cia Danzi von der Direk­tion für Entwick­lung und Zusam­men­ar­beit hob die Notwen­dig­keit der Zusam­men­ar­beit in der inter­na­tio­na­len Bereich, das Poten­zial von public-private-part­ner­ships, hervor. Die Akteure müss­ten sich fragen, wie sie die Aufga­ben gemein­sam besser erle­di­gen können. Das brau­che Zeit, sagte sie und schob gleich nach: «Aber wir haben keine Zeit. Wir müssen raus aus der Komfort­zone.» Ange­sichts der aktu­el­len Situa­tion, in der die Entwick­lungs­zu­sam­men­ar­beit unter Druck steht, sei es umso wich­ti­ger über diese Zusam­men­ar­beit zu berich­ten. Politiker:Innen müssen erfah­ren, was die Zusam­men­ar­beit bewirkt. Die Bürger:innen, welche die Politiker:innen wählen, müssen infor­miert werden. Denn die Politiker:innen müssen über­zeugt sein, im Inter­esse ihrer Wähler:innen zu handeln, wenn sie sich für die Entwick­lungs­zu­sam­men­ar­beit einsetzten.

Verant­wor­tung, aktiv zu handeln

In zahl­rei­chen paral­lel statt­fin­den­den Sessi­ons wurden unter­schied­lichste Themen in klei­ne­ren Grup­pen vertieft erör­tert und bear­bei­tet. Auf dem Programm stan­den Themen wie Künst­li­che Intel­li­genz, mit der Zivil­ge­sell­schaft fördern oder die aktu­el­len recht­li­chen Entwick­lung, aber auch Fragen zu Future Skills oder wie Phil­an­thro­pie und Jour­na­lis­mus gemein­sam gegen Pola­ri­sie­rung wirken können. Dieser letz­ten Frage hatte sich der Gast in der Stern­stunde Phil­an­thro­pie, Hans Schöpf­lin, bereits vor zehn Jahren ange­nom­men. Die Schöpf­lin Stif­tung unter­stützte von Anfang an das unab­hän­gige gemein­nüt­zige Medi­en­haus Correc­tiv als Basis­för­de­rung. Dies ermög­licht es den Journalist:innen, Neues auszu­pro­bie­ren. Hans Schöpf­lin sprach über sein Unter­neh­mer­tum, seine Arbeit als Stif­ter und wie ihn die Neugierde antreibt, noch heute Neues auszu­pro­bie­ren. Er sei in seinem Leben enorme Risi­ken einge­gan­gen, auch finan­zi­elle, sagte er. Als erfolg­rei­cher Unter­neh­mer empfinde er eine gesell­schaft­li­che Verant­wor­tung, die für ihn darin besteht, aktiv zu handeln. Schöpf­lin sprach aber auch über sein Vermächt­nis. «Wenn ich jetzt morgen umfalle muss der Karren weiter­lau­fen. Das meine ich todernst», sagte er. Und er gab den Anwe­sen­den mit, «dass es besser ist mit der warmen Hand zu geben als mit der kalten Hand.»

Rahel Walser im Gespräch mit Hans Schöpf­lin, Bild: SwissFoundations/Regina Jäger

Das Risiko wagen

So unter­schied­lich die einzel­nen Voten waren, sie hoben hervor, wie mit einem gemein­sa­men Enga­ge­ment vieles möglich wird. Auch zeig­ten sie gerade heute eine Notwen­dig­keit, zu handeln, und dass Stif­tun­gen in der Verant­wor­tung stehen, ihre Möglich­kei­ten zu Risi­ken zu nutzen. Denn wie Evi Alle­mann es formu­lierte: «Jede neue Stif­tung, jede neue Idee kann in dieser unsi­che­ren Zeit den Unter­schied machen.»


Ange­kün­digt wurde das nächste Stif­tungs­sym­po­sium. Es findet am 8. Septem­ber 2026 wieder im Kursaal Bern statt.