Es war ein Einstieg, der zum Nachdenken anregte. Michael Bruter analysierte das gesellschaftliche Umfeld, in dem wir uns bewegen. Der Politologe der London School of Economics and Political Science zeigte anhand aktueller Herausforderungen, was möglich ist, wo Handlungsbedarf besteht aber vor allem, wie leicht wir die falschen Fragen stellen. Erst die richtigen Fragen bilden den Boden, auf dem auch Stiftungen agieren und wirken wollen. Michael Bruter legte den Fokus nicht auf den Zustand der liberalen Demokratie, sondern auf unsere Annahmen, wie es um sie bestellt sei. So würden wir gemeinhin Apathie, Polarisierung und Populismus feststellen, wenn wir über den Zustand der Demokratie sprechen. Bruter hielt dagegen, dass die Wahlen in Deutschland, Frankreich oder den USA gerade Rekordteilnahmen verzeichnet hätten und dass die Parteien, nicht aber die Bürger:innen polarisiert seien. Er sprach von Feindseligkeit statt Polarisierung, von Frustration statt Apathie, Funktionsfehler statt Populismus und Bürger:innen, die der Demokratie entwachsen sind, statt dass sie diese zurückweisen. Er stellte die Krise der Demokratie nicht in Abrede. Es brauche aber die richtigen Diagnosen, sagte er. Um die Herausforderungen zu bewältigen, brauche es neue Konzepte. Bruter forderte, politische Herausforderungen neu zu denken. Mit Blick auf das Thema des Stiftungssymposiums, «Mission Possible», heisst das: Es besteht Handlungsbedarf, Lösungen sind möglich, aber es braucht die richtigen Fragen.
Raus aus der Komfortzone
Das Symposium eröffnet hatte Lisa Meyerhans. Die Präsidentin von SwissFoundations sagte: «Stiftungen können entscheidende Impulse setzen. Mit gebündelten Kräften wird Unmögliches möglich.» Katja Schönenberger, Geschäftsführerin von SwissFoundations, fügte hinzu, dass es, wenn etwas unmöglich scheine, Menschen brauche, die es trotzdem anpacken. In ihrem Grusswort betonte die Berner Regierungsrätin Evi Allemann, in einer Welt voller komplexer Herausforderungen brauche es Klarheit in den Haltungen, einen gezielten Einsatz der Ressourcen – und vor allem Menschen, die bereit sind, Neues zu wagen. Stiftungen, als Partnerinnen des Staates, hätten ein grosses Potenzial, Raum für Innovationen zu schaffen. Nur gemeinsam könnten die Zukunftsprojekte gelingen. Sie forderte die Anwesenden denn auch auf, die Gelegenheit zum Vernetzen zu nutzen und Allianzen zu schmieden. Patricia Danzi von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit hob die Notwendigkeit der Zusammenarbeit in der internationalen Bereich, das Potenzial von public-private-partnerships, hervor. Die Akteure müssten sich fragen, wie sie die Aufgaben gemeinsam besser erledigen können. Das brauche Zeit, sagte sie und schob gleich nach: «Aber wir haben keine Zeit. Wir müssen raus aus der Komfortzone.» Angesichts der aktuellen Situation, in der die Entwicklungszusammenarbeit unter Druck steht, sei es umso wichtiger über diese Zusammenarbeit zu berichten. Politiker:Innen müssen erfahren, was die Zusammenarbeit bewirkt. Die Bürger:innen, welche die Politiker:innen wählen, müssen informiert werden. Denn die Politiker:innen müssen überzeugt sein, im Interesse ihrer Wähler:innen zu handeln, wenn sie sich für die Entwicklungszusammenarbeit einsetzten.
Verantwortung, aktiv zu handeln
In zahlreichen parallel stattfindenden Sessions wurden unterschiedlichste Themen in kleineren Gruppen vertieft erörtert und bearbeitet. Auf dem Programm standen Themen wie Künstliche Intelligenz, mit der Zivilgesellschaft fördern oder die aktuellen rechtlichen Entwicklung, aber auch Fragen zu Future Skills oder wie Philanthropie und Journalismus gemeinsam gegen Polarisierung wirken können. Dieser letzten Frage hatte sich der Gast in der Sternstunde Philanthropie, Hans Schöpflin, bereits vor zehn Jahren angenommen. Die Schöpflin Stiftung unterstützte von Anfang an das unabhängige gemeinnützige Medienhaus Correctiv als Basisförderung. Dies ermöglicht es den Journalist:innen, Neues auszuprobieren. Hans Schöpflin sprach über sein Unternehmertum, seine Arbeit als Stifter und wie ihn die Neugierde antreibt, noch heute Neues auszuprobieren. Er sei in seinem Leben enorme Risiken eingegangen, auch finanzielle, sagte er. Als erfolgreicher Unternehmer empfinde er eine gesellschaftliche Verantwortung, die für ihn darin besteht, aktiv zu handeln. Schöpflin sprach aber auch über sein Vermächtnis. «Wenn ich jetzt morgen umfalle muss der Karren weiterlaufen. Das meine ich todernst», sagte er. Und er gab den Anwesenden mit, «dass es besser ist mit der warmen Hand zu geben als mit der kalten Hand.»

Das Risiko wagen
So unterschiedlich die einzelnen Voten waren, sie hoben hervor, wie mit einem gemeinsamen Engagement vieles möglich wird. Auch zeigten sie gerade heute eine Notwendigkeit, zu handeln, und dass Stiftungen in der Verantwortung stehen, ihre Möglichkeiten zu Risiken zu nutzen. Denn wie Evi Allemann es formulierte: «Jede neue Stiftung, jede neue Idee kann in dieser unsicheren Zeit den Unterschied machen.»
Angekündigt wurde das nächste Stiftungssymposium. Es findet am 8. September 2026 wieder im Kursaal Bern statt.








