Sarah Menegale, Geschäftsleiterin der Stiftung Umwelteinsatz

Stif­tung Umwelt­ein­satz – «Man entsorgte den Abfall einfach neben der Strasse»

Sarah Menegale, Geschäftsleiterin der Stiftung Umwelteinsatz, spricht über Ferienarbeitswochen, die exemplarische Kraft von Trockenmauern und wie vor 50 Jahren Abfall in der Natur entsorgt wurde. Mehr als 180 erwachsene Freiwillige, rund 1000 Schülerinnen und Schüler sowie gut 200 Zivildienstleistende gehen dieses Jahr in einen Umwelteinsatz der Stiftung.

The Philanthropist: Die Pande­mie hat das Reise­ver­hal­ten verän­dert. Spüren Sie dies bei der Nach­frage nach Ihrem Ange­bot?
Sarah Mene­gale: Ja, wir haben dies gemerkt. Aller­dings zeigt es sich anders, je nach Zielgruppe.

TP: Das heisst?
SM: Bei den Schu­len haben wir gemerkt, dass die Planung schwie­ri­ger wird. Die Schu­len kennen viele Aufla­gen die je nach Kanton unter­schied­lich sind und sich ändern. Sie melden sich deswe­gen erst sehr kurz­fri­stig an oder können gar nicht kommen. Bei den Zivil­dienst­lei­sten­den hat sich dage­gen wenig verändert.

TP: Und bei den erwach­se­nen Frei­wil­li­gen?
SM: Hier merken wir klar eine erhöhte Nach­frage. Unsere Feri­en­ar­beits­wo­chen waren sehr viel schnel­ler ausge­bucht als in den vergan­ge­nen zehn Jahren. Das ist doppelt posi­tiv. Zum einen merken wir, wie sich die Menschen enga­gie­ren wollen. Zum ande­ren hilft es, weil viele Schul­klas­sen ausfal­len. Lang­jäh­rige Part­ner haben Projekte, die wir nicht beset­zen konn­ten. So ist es zumin­dest gelun­gen, einige Ausfälle mit Feri­en­ein­sät­zen kompensieren.

Tenden­zi­ell haben wir Frei­wil­lige auf der Warteliste.

Sarah Mene­gale

TP: Steht bei diesen Teil­neh­men­den der Ferien- oder der Umwelt­ge­danke im Vorder­grund?
SM: Das ist ganz klar der Umwelt­ge­danke. Wer Erho­lungs­fe­rien will ist bei uns falsch.

TP: Sie sind ausge­bucht. Was ist die Vorlauf­zeit? Nehmen Sie schon Reser­va­tio­nen für das kommende Jahr entge­gen?
SM: Wir nehmen sie entge­gen, aller­dings steht das defi­ni­tive Programm noch nicht. Aber wer sich jetzt schon anmel­det, den infor­mie­ren wir sobald das Programm steht. 

Stif­tung Umwelt­ein­satz, Alp Prod Flumserberg

TP: Wann ist das?
SM: Im Dezem­ber geben wir das Programm bekannt. Einzelne wenige Plätze haben wir übri­gens auch jetzt noch frei. Zudem haben wir Zusatz­an­ge­bote geschaffen. 

TP: Was ist heraus­for­dern­der: Projekte zu finden oder Frei­wil­lige zu rekru­tie­ren?
SM: Eher dass wir genü­gend Projekte haben. Tenden­zi­ell haben wir Frei­wil­lige auf der Warte­li­ste. Projekte müssen sinn­voll, attrak­tiv, gut erreich­bar sein und eine ange­mes­sene Unter­kunfts­mög­lich­keit bieten.

TP: Haben Sie Stamm­kun­din­nen und ‑kunden?
SM: Es ist gemischt. Wir haben Kunden, die seit mehr als 20 Jahren wieder­kom­men. Zwei Drit­tel sind Wieder­ho­lungs­tä­te­rIn­nen. Sie wissen genau, welches Ange­bot sie wann wollen.

TP: Klima und Nach­hal­tig­keit sind allge­gen­wär­tig. Ist das ein Vorteil oder bedeu­tet es über­mäs­sige Konkur­renz um Aufmerk­sam­keit?
SM: Es sind beide Seiten der Medaille. Für die Sache ist es wirk­lich toll. Das Thema ist präsent. Wenn wir mit Jugend­li­chen im Einsatz sind haben diese ein Vorwis­sen. Sie sind infor­miert. Und wir können ihnen erklä­ren, weshalb es beispiels­weise sinn­voll ist, einen Wald zurück­zu­schnei­den weil sonnige Wiesen für viele Pflan­zen und Tiere wich­tig sind. Aber natür­lich müssen wir auf der ande­ren Seite mehr leisten, um sicht­bar zu blei­ben, da wir nicht alleine sind.

TP: Heute ist das Thema allge­gen­wär­tig. Aber was war 1976 der Auslö­ser zur Grün­dung der Stif­tung?
SM: Ich musste nach­schauen, da ich dann noch nicht gebo­ren war. Es gab damals ein gros­ses Problem: Abfall. Man entsorgte den Abfall einfach in der Natur. Ich kenne das von meinen Gross­el­tern: Nach einem Wochen­ende im Chalet war es üblich, den Abfall einfach in eine Schlucht zu entsorgen. 

TP: Das war der Auslö­ser zur Grün­dung?
SM: Die Stif­tungs­grün­der waren der Ansicht, dass sie etwas unter­neh­men muss­ten. Im ersten Jahr orga­ni­sier­ten sie eine riesige Früh­lings­putz­ak­tion. Mehr als 250 Tonnen Mate­rial haben sie einge­sam­melt. Seit­her hat sich die Aufgabe der Stif­tung aller­dings gewan­delt. Sie ist schö­ner. Es ist attrak­ti­ver, Kasta­ni­en­sel­ven im Tessin zu pfle­gen als Auto­wracks aus einem See zu fischen.

Es ist attrak­ti­ver, Kasta­ni­en­sel­ven im Tessin zu pfle­gen als Auto­wracks aus einem See zu fischen.

Sarah Mene­gale

TP: Ein spezi­el­les Augen­merk hat die Stif­tung auf Trocken­mauer. Lässt sich an diesen der Umwelt­schutz exem­pla­risch aufzei­gen?
SM: Trocken­mau­ern eignen sich exem­pla­risch, weil sie das Mitein­an­der von Menschen und Natur demon­strie­ren. Menschen haben die Trocken­mau­ern gebaut, um beispiels­weise einen Weg zu sichern oder eine Weide zu teilen. Mit der Mauer haben sie gleich­zei­tig ein Biotop für Pflan­zen und Tiere geschaf­fen. Spezi­elle Pflan­zen und Tiere finden hier Schutz und einen einzig­ar­ti­gen Lebensraum.

Chössi Heirats­ver­mitt­le­rin

Zwei Publi­ka­tio­nen zum Thema Trockenmauern: 

  • Das umfas­sende Buch über Trocken­mau­ern: «Trocken­mau­ern – Grund­la­gen, Bauan­lei­tung, Bedeu­tung.» Das Buch von 2014 bietet alles, vom Bau über die Geschichte schön illu­striert. Es ist in Deutsch und Englisch erhältlich.
  • Das kleine Werk von 1996 in Deutsch und Fran­zö­sisch: «Trocken­mau­ern: Anlei­tung für den Bau und die Reparatur».
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