In der Schweiz verlaufen die Abgrenzungen zwischen Stiftungen und Sponsoring seit jeher erstaunlich scharf: Hier die stille, gemeinwohlorientierte Förderlogik, dort die sichtbare, strategische Markenkommunikation. Dass beide Bereiche dennoch immer häufiger auf dieselben Organisationen treffen – und dort ähnliche Fragen auslösen – wird selten thematisiert. Elisa Bortoluzzi Dubach erklärt, welche Konsequenzen und Chancen sich daraus ergeben.
The Philanthropist: Warum ist es in der Schweiz so ungewöhnlich, Stiftungen und Sponsoring miteinander zu denken?
Elisa Bortoluzzi Dubach: In der Schweiz werden Stiftungen traditionell der Philanthropie, also dem gemeinnützigen, nicht gewinnorientierten Engagement, zugeordnet. Sponsoring dagegen ist klar im Bereich der Unternehmenskommunikation und des Marketings verankert. Damit sind nicht nur zwei unterschiedliche Kulturen, sondern auch zwei verschiedene Sprachen, Erwartungshaltungen und Entscheidungslogiken verbunden: Stiftungen orientieren sich an Förderaufträgen, Stiftungszwecken, Dossiers und Wirkungsberichten, Unternehmen im Sponsoring an Markenprofil, Zielgruppen, Sichtbarkeit und Aktivierung. In der Praxis führt dies dazu, dass Organisationen ihre Projekte entweder als Fördergesuch an eine Stiftung oder als Sponsoring‑Anfrage an ein Unternehmen formulieren – selten aber beides strategisch zusammendenken, obwohl viele Vorhaben sowohl eine gemeinnützige als auch eine kommunikative Dimension haben.
Welche übergeordneten Sponsoring‑Trends sind aktuell besonders spürbar?
Im heutigen Sponsoring zeigt sich ein klarer Trend zu Partnerschaften, die eine glaubwürdige Wertehaltung vermitteln, gesellschaftliche Verantwortung sichtbar machen und Zielgruppen über neue digitale Räume – von E‑Sport bis zu Kulturschaffenden – differenziert ansprechen. Zugleich erwarten Unternehmen aktivierende Formate, die Menschen emotional einbinden sowie eine nachvollziehbare Wirkung, die mit verlässlichen Daten belegt werden kann. Das bedeutet für Antragstellende, dass sie ihre Positionierung schärfen, ihre Zielgruppen präzise analysieren und ihre Wirkung professionell dokumentieren müssen – eine Aufgabe, bei der moderne KI‑Werkzeuge erheblich unterstützen können, etwa durch Zielgruppenanalysen, Wirkungsmodelle oder automatisierte Auswertungen von Kommunikationsdaten.
Langfristige Partnerschaften sind gefragt: Was können Organisationen tun, um solche Kooperationen erfolgreich aufzubauen?
Organisationen sollten ein eigenständiges, gut begründetes Profil entwickeln, das ihren gesellschaftlichen Beitrag klar erkennen lässt, den Dialog mit potenziellen Partnern frühzeitig auf gemeinsame Zielsetzungen ausrichten und interne Strukturen schaffen, die Verlässlichkeit und Transparenz gewährleisten. Für Antragsteller bedeutet dies, dass sie nicht nur professionell auftreten, sondern auch zeigen müssen, wie sie Kooperationen strategisch begleiten, flexibel auf Bedürfnisse eingehen und Entwicklungspotenzial bieten. Hier kann KI wertvolle Unterstützung leisten, indem sie Szenarien simuliert, Kommunikationsbedürfnisse analysiert oder Vorschläge für passgenaue Aktivierungen generiert, die den Dialog mit Unternehmen erleichtern.
Was macht heute ein Sponsoring‑Engagement wirklich wirkungsvoll – für beide Seiten?
Ein Sponsoring entfaltet besondere Wirkung, wenn es 1) eine inhaltlich stimmige Verbindung zwischen den Partner:innen schafft, wenn 2) das Engagement durch sorgfältig gestaltete Massnahmen erlebbar wird, 3) eine gemeinsame Erzählung entsteht, die Zielgruppen emotional erreicht, und 4) der kulturelle oder gesellschaftliche Beitrag klar erkennbar und nachvollziehbar dokumentiert wird. Für Antragstellende bedeutet dies, dass sie überzeugend darlegen müssen, warum gerade sie der/die passenden Partner sind, wie sie das Engagement aktivieren und welchen Mehrwert sie für die Gesellschaft schaffen. KI kann dabei helfen, indem sie Wirkungsgeschichten strukturiert, Kommunikationsmuster erkennt, Resonanzdaten auswertet und so die Qualität der eigenen Argumentation deutlich erhöht.
Seminar «Starke Partnerschaften: Erfolgreiches Sponsoring für soziale und kulturelle Organisationen»
Das von Swissfundraising organisierte Seminar bietet seltene Einblicke in die Welt des sozialen und kulturellen Sponsorings – getragen von einer Hauptreferentin, deren Expertise in der Schweiz einzigartig ist und die seit Jahren als visionäre Stimme an der Schnittstelle von Kultur, Philanthropie und strategischem Sponsoring wirkt. Gemeinsam mit zwei führenden Persönlichkeiten aus dem Sponsoringbereich und dem privaten Förderwesen – Diego Wider (Leiter Kultur- und Soziosponsoring, Zürcher Kantonalbank) und Dr. Stefan Germann (CEO Ursimone Wietlisbach Foundation), die sowohl die Perspektive bedeutender Sponsoren als auch die Logik grosser Stiftungen prägen – erhalten die Teilnehmenden Zugang zu Wissen, das sonst meist hinter verschlossenen Türen bleibt und gewinnen zugleich praxisnahe, unmittelbar einsetzbare Instrumente. Daraus entstehen zentrale Impulse für ihre tägliche Arbeit und die Möglichkeit, die eigene Rolle zu reflektieren: Welche Ziele verfolge ich, welche Verantwortung trage ich, und wie kann Wirkung glaubwürdig und nachhaltig gestaltet werden?“
Infos Seminar
16. April 2026, 09.00–17.00 Uhr
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