Fotos: Borussia / Christian Verheyen

Sport hat die Kraft, zu verbinden

Gemeinsam gemeinnützig engagiert

Zum Zeit­punkt der Grün­dung der Embolo Foun­da­tion stand Breel Embolo mit 17 Jahren am Anfang seiner Fuss­ball­kar­riere. Dank eines gut einge­spiel­ten Teams kann die Stif­tung heute schnell reagie­ren und ziel­ge­rich­tet helfen.

2015 haben Sie Ihre eigene Stif­tung gegrün­det. Was war der Auslöser?

Breel Embolo: 2015 war ich noch in der Lehre beim Fuss­ball­ver­band. Meine Lehr­mei­ste­rin war Jean­nette Paolucci. Sie hatte die Idee, eine Stif­tung zu gründen.

Weshalb eine eigene Stif­tung? Um Gutes zu tun, hätten Sie auch einfach spen­den können?

Meine Fami­lie unter­stützte bereits damals ein Paten­kind mit Geld. Und Jean­nette Paolucci war selbst gemein­nüt­zig enga­giert in Peru. Bei einem spon­ta­nen Gedan­ken­aus­tausch stell­ten wir fest, dass wir mit dem gemein­nüt­zi­gen Enga­ge­ment ein gemein­sa­mes Inter­esse haben. Daraus ist die Idee entstan­den, dass wir mit meinem Namen noch mehr bewe­gen könn­ten. Zuge­ge­ben, ich war zu Beginn ein wenig skep­tisch. Damals war ich erst 17 Jahre alt. In diesem Alter eine Stif­tung in meinem Namen zu grün­den, war für mich eine Heraus­for­de­rung. Was ändert sich jetzt für mich, habe ich mich gefragt.

Sie stan­den noch am Anfang Ihrer Fuss­bal­ler­kar­riere und spiel­ten noch beim FCB. 

Ich war noch sehr jung. Ich war auch noch nicht Natio­nal­spie­ler. Eigent­lich war ich noch nicht einmal rich­tig Stamm­spie­ler beim FCB und hatte noch nicht den Ruf und das Image, das ich heute habe.

Hat die Stif­tungs­grün­dung mit dem eige­nen Namen nicht viel Mut gebraucht?

Doch, es hat mir sehr viel Mut abver­langt. Es hat in der Öffent­lich­keit Erwar­tun­gen geweckt. Ich konnte es nicht gleich wie Jean­nette Paolucci abschät­zen. Selber hätte ich mich das nicht getraut. Aber sie hat an mich geglaubt. Sie hat reali­siert, wie viele Menschen wir mit meinem Namen bewe­gen können, was wir errei­chen und wie wir damit Kindern helfen können. Heute muss ich sagen, die Grün­dung der Stif­tung war die beste Idee. Die ersten Jahre haben mir vor allem die Augen geöff­net und gezeigt, was wir alles bewe­gen können. Den Menschen unkom­pli­ziert zu helfen, ist sehr schön. Bisher läuft alles gut. Aber natür­lich kann es immer noch besser laufen.

Wo ist die Stif­tung tätig?

Wir reali­sie­ren Projekte in Kame­run, wo ich herkomme, und in Peru, wo Jean­nette Paolucci bereits zuvor enga­giert war. Sie ist im Stif­tungs­rat. Und wir enga­gie­ren uns in der Schweiz. 

Wer über die Arbeit der Stif­tung liest, erhält den Eindruck, dass bei Ihnen das Machen im Vorder­grund steht.

Das ist korrekt. Wir woll­ten etwas Fami­liä­res aufbauen, etwas ande­res. Wir wollen allen, die etwas spen­den, das Gefühl geben, dass jeder Rappen hilft. Egal, ob jemand fünf Rappen oder 5000 Fran­ken spen­det, es ist wich­tig. Wir sind nicht mit Geld geseg­net. Darum kämp­fen wir um jeden Rappen. Wir sind sehr froh um jede Spende. Und wir wollen zeigen, wo jeder Rappen hingeht. 

Haben Sie die Projekte selbst besucht?

Projekte in der Schweiz und in Kame­run habe ich selbst besucht oder ich war bei Anläs­sen dabei. In Peru war ich leider noch nicht. In meiner Feri­en­zeit bin ich immer ein paar Tage kari­ta­tiv unter­wegs. Dann besu­che ich die Projekte selbst. Es ist ein sehr schö­nes Erleb­nis zu sehen, wo die Hilfe ankommt und wie sich die Menschen selber helfen. 

Was nehmen Sie von diesen Begeg­nun­gen mit?

Sie geben mir Kraft. Und ich kann abschal­ten. Es ist wirk­lich etwas ganz ande­res. Das soll es auch sein. Das war unser gros­ses Ziel. Wir alle haben schon für ein Projekt gespen­det. Aber wenn man einen direk­ten Draht zu einem Projekt hat, es besucht und erle­ben darf, was gelei­stet wird, und reali­siert, wie wir helfen können, dann berührt das. Es macht Lust, noch mehr zu helfen. Ich habe gese­hen, was die Menschen brau­chen. Und wir alle spüren eine unge­meine Dank­bar­keit. Die Menschen freuen sich. Erstens zu sehen, dass die Hilfe funk­tio­niert, und zwei­tens zu erken­nen, dass sie bei den Empfän­gern drin­gend notwen­dig ist, sind die beiden Punkte, die wir mit unse­rer Stif­tungs­grün­dung anvi­siert haben. 

Fotos: Borussia / Christian Verheyen; zVg

«Wir wollen zeigen, wo jeder Rappen hingeht.»


Breel Embolo

Sie reali­sie­ren beispiels­weise einen Fuss­ball­platz in Peru. Wie entste­hen solche Projekte?

Das ist ganz unter­schied­lich. Wir haben einen guten Draht zum Fuss­ball­ver­band. Und durch unsere vielen Kontakte erhal­ten wir viele Anfra­gen. Wir haben auch schon gemein­sam mit einem Part­ner eine Schule gebaut und die Mittel dazu zusam­men orga­ni­siert. Bei den unter­stütz­ten Projek­ten ist es uns wich­tig, diesen Menschen eine Perspek­tive zu geben. Deswe­gen enga­gie­ren wir uns für Bildung, aber auch für gesunde Ernäh­rung und für die Gesund­heit. Dieses Projekt hat gut geklappt. Gene­rell haben wir immer verschie­dene Projekte am Laufen, auch klei­nere. Und wir reali­sie­ren Hilfe auch kurz­fri­stig, wie jetzt für die Ukraine.

Was haben Sie gemacht?

Wir haben Hilfs­gü­ter orga­ni­siert und sind an die Grenze gefah­ren – Jean­nette Paolucci ist auch selbst mitge­fah­ren. Auf dem Rück­weg haben wir Flücht­linge mitgenommen. 

Um so schnell zu reagie­ren, braucht es ein gut einge­spiel­tes Team.

Das sind wir defi­ni­tiv. Wir sind ein Team, eine Fami­lie. Aufgrund meiner Aufga­ben als Profi­fuss­bal­ler bei Borus­sia Mönchen­glad­bach kann ich nicht an jeder Sitzung dabei sein. Aber ich werde immer über alles infor­miert. Ich weiss, was läuft. So können wir immer flexi­bel reagieren.

Wie auf den Krieg in der Ukraine?

Vor einem Jahr hätte noch niemand gedacht, dass es in einem euro­päi­schen Land wieder Krieg gibt. Wir haben uns einfach zusam­men­ge­setzt und bespro­chen, was wir machen können. Das können ganz einfa­che Fragen sein wie, was das Benzin hin und zurück kostet. Wir über­le­gen, ob wir das Budget für das Projekt haben. Wenn wir uns entschei­den, ein Projekt zu reali­sie­ren, dann geht das rela­tiv schnell. Wir haben ein Team, das extrem flexi­bel und fleis­sig ist. Es ist mit ganzem Herzen und mit fester Über­zeu­gung dabei. Dabei verfol­gen sie 0,0 Prozent eigene Inter­es­sen. Es ist uns allen wich­tig, dass diese Projekte nicht aus Image­grün­den reali­siert werden. Jeder hilft aus Über­zeu­gung. Dies zu erle­ben, gibt mir immer wieder Gänse­haut. Da funk­tio­nie­ren wir wirk­lich wie eine Familie. 

Das Inte­gra­ti­ons­tur­nier war das erste Projekt in der Schweiz. 2017 fand die zweite Ausgabe in
Reinach BL statt

Auch nach der Flut­ka­ta­stro­phe im deut­schen Ahrtal im vergan­ge­nen Jahr hat die Stif­tung schnell gehol­fen. Ihre Projekte zeich­nen sich dadurch aus, dass Sie auf ein brei­tes Netz­werk, gerade aus dem Fuss­ball, zurück­grei­fen können. Macht das Gemein­same aus Ihrer Sicht die gemein­nüt­zige Arbeit aus?

Ja. In solchen Situa­tio­nen kann jeder sehen, was passiert, und sich in die Lage der Betrof­fe­nen verset­zen. Über das Inter­net und die sozia­len Medien ist es dann einfach, Menschen zu kontak­tie­ren und zu mobilisieren. 

Wie sah die Aktion aus?

Das Schöne war, dass die Aktion im Ahrtal mit Fuss­ball zu tun hatte. Wir wurden auf die Hilfs­ak­tion «Fuss­ball hilft Fuss­ball» eines Fuss­bal­lers aus Ahrwei­ler aufmerk­sam und haben uns entschie­den, zu helfen. Jean­nette Paolucci hat über die sozia­len Medien zu Sach­spen­den aufge­ru­fen, und zahl­rei­che Fuss­ball­clubs, Unter­neh­men, aber auch anonyme Spen­de­rin­nen und Spen­der haben sich betei­ligt. So konn­ten wir auch hier schnell und flexi­bel reagie­ren. Dabei hilft es, dass wir unsere Stif­tung nicht auf ein Projekt fest­ge­legt haben und wir jeder­zeit helfen können. Wir können Projekte in der Stif­tung bespre­chen, Einwände disku­tie­ren und klären, ob wir die Mittel haben und wie wir helfen können. Oder ob wir uns besser in einem ande­ren Projekt enga­gie­ren. Und dann setzen wir dies um – und schauen wieder nach vorne. Leider passie­ren zu viele Dinge, als dass wir immer helfen könn­ten. Wir funk­tio­nie­ren fami­liär, wir stehen zusam­men und berei­ten uns vor, damit wir reagie­ren können.

Haben Sie ein Projekt, das Ihnen spezi­ell am Herzen liegt?

Ich wollte die Projekte der Stif­tung immer mit Fuss­ball verbin­den. Deswe­gen bin ich beson­ders stolz auf unser Flücht­lings-Fuss­ball­tur­nier, unser erstes Projekt in der Schweiz. Wir woll­ten den Flücht­lin­gen das Gefühl geben, dass sie will­kom­men sind. So ist die Idee entstan­den, ein Inte­gra­ti­ons­tur­nier zu orga­ni­sie­ren. Wir woll­ten den Flücht­lin­gen einen Tag schen­ken. Sie soll­ten für diesen Tag nur den Sport genies­sen und Spass haben. Es war sehr spezi­ell, als ich beim ersten Turnier dabei sein konnte. Ehema­lige Mitspie­ler, Fuss­ball­spie­ler und andere Promi­nente waren auch dabei. Das Turnier hat gezeigt, welche Kraft der Sport hat, wie er alle verbindet. 

Wie stark spielt Ihre eigene Geschichte eine Rolle?

Auch mir hat der Sport stark gehol­fen, mich zu inte­grie­ren, als ich aus Kame­run in die Schweiz kam. Das ist der Hinter­grund, weshalb das Turnier für mich so spezi­ell ist. Es ist uns gelun­gen, den Flücht­lin­gen einen Tag zu bieten, an welchem sie ihre Probleme auf die Seite legen können. Zehn, zwölf Stun­den konn­ten sie unbe­schwert Fuss­ball spie­len. Aber wir sind uns auch bewusst, dass ihr Leben nach diesem Tag weitergeht. 

Als Sie Ihre Fuss­balllauf­bahn beim FC Nord­stern in Basel ange­fan­gen haben, hatten Sie bereits das Ziel Fuss­ball­profi im Kopf?

Ich sage immer, Fuss­ball ist ein Traum­be­ruf, weil du erlebst, wie viele Kultu­ren, wie viele Menschen mit unter­schied­lich­sten Spra­chen sich tref­fen und kein Problem mitein­an­der haben. Wenn man all die Menschen im Stadion erlebt, dann kann man gut verste­hen, weshalb Sport diese Vorbild­funk­tion hat, um Menschen zu verbin­den und zusam­men­zu­brin­gen. Das Ziel auf dem Platz ist ja rela­tiv einfach: Der Ball muss ins Tor. Deswe­gen ist das Spiel für mich auch der einfach­ste Weg zur Inte­gra­tion. Als ich beim FC Nord­stern ange­fan­gen habe, war ich nicht das Riesen­ta­lent, das locker zehn Gegen­spie­ler ausge­spielt hat. Fuss­ball war für mich viel­mehr Inte­gra­tion. Ich habe in der Schule Fuss­ball gespielt, ich hatte schon in Kame­run Fuss­ball gespielt, ich habe in Basel in meinem Wohn­quar­tier Fuss­ball gespielt. So habe ich Menschen kennen­ge­lernt und Emotio­nen erlebt. Natür­lich haben wir auch gestrit­ten. Aber das war am näch­sten Tag wieder vergessen. 

Und wie sind Sie beim FC Nord­stern gelandet?

Ich ging zum FC Nord­stern, weil die meisten meiner Kolle­gen aus dem Quar­tier dort spiel­ten. An eine Profi­kar­riere hatte ich nie gedacht. Der Fuss­ball war damals einfach der beste Teil meines Lebens. Ich konnte so sein, wie ich wollte. Ich durfte mit meinen Kolle­gen Fuss­ball spie­len. Das Schön­ste war, wenn wir am Sonn­tag gemein­sam auf dem Platz stan­den. Und wenn wir gewon­nen haben, war das am Montag Gesprächs­thema Nummer eins.

Mit Manuel Akanji haben Sie einen Kolle­gen aus der Natio­nal­mann­schaft als Botschaf­ter für die Stif­tung gewon­nen. War es schwie­rig, ihn von dieser Rolle zu überzeugen?

Nein. Es war toll, dass er sofort mitge­macht hat. Manuel ist unter­des­sen wie ein Bruder für mich. Wir sind stän­dig in Kontakt. Wir wissen alles vonein­an­der. Auch er enga­giert sich stark für Projekte in Nige­ria. Da werde ich ihn auch unter­stüt­zen. Deswe­gen war es rela­tiv einfach, ihn zu begei­stern. Er kennt alle Leute hier. Insbe­son­dere Jean­nette Paolucci kennt er sehr gut.

Welche Projekte wollen Sie in Zukunft in Angriff nehmen?

In Bezug auf die Stif­tung möch­ten wir das Konzept etwas ändern. Wir wollen verschie­dene Anlässe veran­stal­ten und mehr nach aussen treten. Wir wollen das Team verjün­gen und die Arbeit für sie einfa­cher machen. Das ist mein gröss­tes Ziel: jenen Menschen, die schon so viel für die Kinder machen, das Leben zu verein­fa­chen. Wir haben ganz viele Unter­stüt­ze­rin­nen und Unter­stüt­zer, die schon älter sind. Sie arbei­ten mit viel Herz­blut. Aber sie nehmen sehr viel auf sich. Deswe­gen wollen wir sie entla­sten und auch jüngere Helfe­rin­nen und Helfer anspre­chen, sie moti­vie­ren, sich zu enga­gie­ren. Es ist mein Anlie­gen, mit der Stif­tung noch wich­ti­gere Projekte zu reali­sie­ren. Das wäre eine riesige Ehre für mich, neben dem Sport. Nun müssen wir die verschie­de­nen Ideen in der Stif­tung zusam­men­brin­gen. Wir sind auf gutem Weg. Und hoffent­lich gelingt es irgend­wann, meinen gröss­ten Traum zu realisieren. 

Was wäre Ihr gröss­ter Traum?

Ich möchte eine Fuss­ball­aka­de­mie grün­den. Dort könn­ten wir Kinder aufneh­men, ihnen mit Sport und Bildung eine Zukunft ermög­li­chen. Dann könnte ich mich mit 35 oder 40 Jahren neben dem Platz für die Kinder enga­gie­ren und von meiner Erfah­rung etwas weiter­ge­ben. Das ist mein gröss­ter Traum. 

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