Benutzerdefinierte interaktive Installation von Span Library im MRN-Museum.

Span Library: 3D-Kultur digi­tal erleb­bar machen

Span Library unterstützt Schweizer Museen bei der Digitalisierung und Präsentation ihrer Sammlungen in 3D. Mit der Plattform können Kulturinstitutionen ihre Objekte virtuell erlebbar machen und langfristig sichern.

Digi­tale Tech­no­lo­gien verän­dern die Art und Weise, wie wir Kultur erle­ben. Einer­seits bieten sie Museen, Archi­ven und Biblio­the­ken neue Chan­cen. Besucher:innen und Forscher:innen können auf digi­ta­len Platt­for­men Objekte unab­hän­gig von Ausstel­lungs­zei­ten oder Stand­ort entde­cken. Archive lassen sich leich­ter verwal­ten und histo­ri­sche Samm­lun­gen sind für eine brei­tere Öffent­lich­keit zugänglich. 

Der Fort­schritt birgt aber auch komplexe Heraus­for­de­run­gen: Denn der Über­gang von einer physi­schen Ausstel­lung in die digi­tale Welt ist anspruchs­voll. Mit Span Library entwi­ckelt David Colom­bini, Co-Foun­der von INT studio, zusam­men mit den Waadt­län­der Unter­neh­men Conci­lio und Arca­nite eine digi­tale Lösung, um diese Hürden abzu­bauen. Colom­bini und seine beiden Part­ner aus der ECAL, Laura Nieder und Marc Dubois, zählen zu den inno­va­tivs­ten Köpfen der West­schwei­zer Kunst- und Design­szene. Sie sind zudem Teil des Lausan­ner Künst­ler­kol­lek­tivs frag­men­tin, das sich bewusst zwischen Design und Kunst bewegt und Tech­no­lo­gie auf natür­li­che Weise in die Produk­tion einbezieht.

Die Platt­form Span Library ermög­licht Museen die selb­stän­dige Digi­ta­li­sie­rung, Verwal­tung und Publi­ka­tion von 3D-Objek­ten und setzt damit neue Mass­stäbe in der digi­ta­len Vermitt­lung von Kulturerbe.

Inter­face­de­sign der Span Library – Coll­ec­tion Manage­ment mit einem Objekt aus der Samm­lung des mudac.

Digi­tale Selbst­be­stim­mung für Museen

Span Library wurde bewusst nicht als von der Kultur entkop­pelte tech­ni­sche Spie­le­rei, sondern in enger Zusam­men­ar­beit mit Museen entwi­ckelt. «Wir woll­ten ein Werk­zeug schaf­fen, das Museen selbst­stän­dig nutzen können, ohne komplexe tech­ni­sche Hürden und ohne externe Spezia­lis­ten für jeden einzel­nen Schritt», erklärt David Colom­bini. Im Zentrum steht dabei der Gedanke der digi­ta­len Selbst­be­stim­mung: Museen sollen ihre Objekte nicht nur digi­ta­li­sie­ren, sondern auch eigen­stän­dig verwal­ten, vermes­sen, anrei­chern und vermit­teln können.Auf dersel­ben Grund­lage können diese Inhalte anschlies­send einfach auf verschie­de­nen Trägern verbrei­tet werden: online auf der Website des Muse­ums, im Ausstel­lungs­raum in Form inter­ak­ti­ver Instal­la­tio­nen, auf Tablets bei Veran­stal­tun­gen ausser­halb des Muse­ums oder auch über 3D-Druck für die Vermitt­lung bei Kindern und Menschen mit Behinderungen.

3D-Tech­no­lo­gie im Ausstellungsraum

Die Platt­form verbin­det 3D-Scans mit Kontext­in­for­ma­tio­nen und Storytel­ling-Elemen­ten. So entste­hen digi­tale Zwil­linge von Objek­ten, die nicht nur aus allen Blick­win­keln betrach­tet, sondern auch erforscht und vermit­telt werden können und teil­weise sogar Trans­port- und Logis­tik­kos­ten redu­zie­ren. Lang­fris­tig soll die Lösung mit den bestehen­den Daten­bank­sys­te­men der Museen kompa­ti­bel sein und sich naht­los in deren Infra­struk­tur inte­grie­ren lassen. Ausser­dem lässt sie sich in Bildungs­an­ge­bo­ten, Forschungs­pro­jek­ten oder Ausstel­lun­gen einset­zen. «Mit Span Library wollen wir Fach­wis­sen bereit­stel­len, das viele Insti­tu­tio­nen nicht selbst aufbauen können», sagt Colom­bini. «Gleich­zei­tig soll sicher­ge­stellt werden, dass die Ergeb­nisse dem öffent­li­chen Inter­esse dienen und lang­fris­tig zugäng­lich bleiben.»

Die Span Public+ Schnitt­stelle: Das erste verfüg­bare Modul der Span Library ermög­licht auf spie­le­ri­sche Art und Weise die Erkun­dung von drei archäo­lo­gi­schen Objek­ten des MRN Museums.

Heute beglei­ten rund 16 Pilot­mu­seen in der Schweiz, jüngst auch das Museum für Gestal­tung Zürich, die Weiter­ent­wick­lung des Proto­typs und testen die Anwen­dung im Rahmen von Work­shops oder Demons­tra­tio­nen. Als erster Kunde inte­griert das Musée Romain de Nyon seit Novem­ber 2025 es Span Public+, das erste verfüg­bare Modul, das seine archäo­lo­gi­schen Objekte in 3D über eine taktile Instal­la­tion im Ausstel­lungs­raum präsen­tiert. 3D-Digi­ta­li­sie­rung wird also nicht nur für grosse Häuser zugäng­lich gemacht; auch kleine und mitt­lere Insti­tu­tio­nen, die oft über begrenzte Ressour­cen verfü­gen, profi­tie­ren dank Span Library davon.

«Culture et Inno­va­tion» gemein­sam denken

Um die Weiter­ent­wick­lung von Span Library lang­fris­tig abzu­si­chern, ist David Colom­bini dem Vorstand der «Asso­cia­tion Culture et Inno­va­tion» beigetre­ten, der sich aus Fach­per­so­nen aus den Berei­chen Kultur, Museum und Inno­va­tion zusam­men­setzt. Die Orga­ni­sa­tion entstand laut Colom­bini aus einer einfa­chen Beob­ach­tung heraus: «Digi­tale Tech­no­lo­gien entwi­ckeln sich sehr schnell, während im Kultur­be­reich ein wach­sen­der Bedarf besteht, den digi­ta­len Wandel besser zu verste­hen und Inno­va­tion gemein­sam zu denken.» 

Damit reagiert die Initia­tive auf eine zentrale Heraus­for­de­rung im Kultur­be­reich: Digi­tale Inno­va­ti­ons­pro­jekte bewe­gen sich oft zwischen mehre­ren Diszi­pli­nen – Kultur, Design, Tech­no­lo­gie, Bildung und Vermitt­lung – und lassen sich nur schwer bestehen­den Förder­lo­gi­ken zuord­nen. «Inno­va­tion im Kultur­be­reich braucht andere Zeit­räume und andere Formen der Unter­stüt­zung», so Colom­bini. Dies mache es schwie­ri­ger, Unter­stüt­zung in der Früh­phase zu erhal­ten, vergli­chen mit Start-ups in Bran­chen wie Biotech­no­lo­gie oder Fintech.

Mit der Initia­tive entsteht ein Raum, in dem genau diese Schnitt­stel­len­pro­jekte gezielt geför­dert und weiter­ent­wi­ckelt werden können. «Der Haupt­zweck besteht darin, inno­va­tive Kultur­pro­jekte zu unter­stüt­zen» sagt Colom­bini. Als erstes und zentra­les Projekt unter­stützt die Asso­cia­tion Culture et Inno­va­tion denn auch die Weiter­ent­wick­lung von Span Library.

Förde­rung im Kulturbereich

Initia­ti­ven zwischen den Diszi­pli­nen sind heraus­for­dernd. Damit sie erfolg­reich sind, ist Stake­hol­der­ma­nage­ment zentral. Mit ande­ren Worten: Kontakt­pflege in alle Rich­tun­gen, schritt­wei­ses Heran­füh­ren an den Gegen­stand. Türen müssen erst geöff­net, dazu viele Gesprä­che geführt werden. Wohl deshalb versteht sich die neue Orga­ni­sa­tion auch als Netz­werk­platt­form für Museen, Fach­per­so­nen und Part­ner­insti­tu­tio­nen. «Wir wollen Wissen teilen, gemein­same Projekte entwi­ckeln und neue Formen der Zusam­men­ar­beit rund um digi­tale Werk­zeuge und kultu­rel­les Erbe ermög­li­chen», so Colombini. 

Span Library konnte bereits von einer finan­zi­el­len Unter­stüt­zung des Kantons Waadt im Rahmen des Programms SyNNergy profi­tie­ren. Um die Umset­zung des Projekts auch künf­tig zu unter­stüt­zen, wurden drei grös­sere Förder­an­träge in Koope­ra­tion mit Part­ner­insti­tu­tio­nen bei verschie­de­nen Stif­tun­gen einge­reicht: mit den drei Museen in Nyon, mit dem Schwei­zer Spiel­mu­seum sowie mit mudac und einem deutsch­spra­chi­gen Museum. Die Entscheide der ersten beiden Stif­tun­gen werden diesen Früh­ling erwar­tet, während für die dritte Stif­tung in Kürze ein Abstract einge­reicht wird.

«Diese Initia­ti­ven werden es uns ermög­li­chen, die Entwick­lung von Span Library fort­zu­set­zen und sie gleich­zei­tig auf konkrete Fall­stu­dien in Zusam­men­ar­beit mit verschie­de­nen Arten von Museen und ihren Bedürf­nis­sen anzu­wen­den», hofft Colom­bini. Span Library soll dabei nicht nur als tech­ni­sche Platt­form weiter­ent­wi­ckelt werden, sondern vor allem als Bestand­teil einer nach­hal­ti­gen digi­ta­len Trans­for­ma­tion von Kultur­in­sti­tu­tio­nen in der Schweiz. Damit soll gezeigt werden, dass inno­va­tive und souve­räne Lösun­gen – insbe­son­dere im Bereich der Daten­spei­che­rung in der Schweiz – aus dem Kultur­be­reich heraus entste­hen können.

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