Dominic Lüthi und sein Beirat v.l.n.r.: Kim Johansson (HR und Executive Search), Matthias Plattner (Banking und Technology), Dr. Christoph Sievers (Finanz- und Nachfolgemanagement), Dominic Lüthi (Geschäftsführung), Holger von Ellerts (Web und Social Engagement).

So finden Stif­tun­gen passende Stiftungsratsmitglieder

Die Besetzung des Stiftungsrats ist entscheidend für den langfristigen Erfolg einer Stiftung. Doch passende Personen zu finden, die Kompetenz, Erfahrung, Zeit und Diversität einbringen, ist oft eine Herausforderung. Dominic Lüthi, Gründer und Geschäftsführer von StiftungsratsMandat.com erzählt, wie digitale Plattformen die Suche nach geeigneten Kandidat:innen erleichtern, warum auch jüngere Personen Interesse zeigen und welche Rolle «Soft Factors» und Diversity-Kriterien spielen.

The Philanthropist: Was war die ursprüng­li­che Moti­va­tion für die Grün­dung von StiftungsratsMandat.com?

Domi­nic Lüthi, Grün­der und Geschäfts­füh­rer von StiftungsratsMandat.com

Domi­nic Lüthi: Die Platt­form ist aus einer konkre­ten Beob­ach­tung entstan­den: Stif­tun­gen stehen bei der Erneue­rung ihrer Stif­tungs­räte vor ähnli­chen Heraus­for­de­run­gen wie KMU bei Verwal­tungs­rä­ten – aller­dings oft mit noch weni­ger Ressour­cen und stär­ke­rem Ehren­amts­cha­rak­ter. Nach dem Aufbau von VRMandat.com ab 2012 wurde zuneh­mend ange­fragt, ob dieses Match­ma­king auch für Stif­tun­gen, Vereine und NPOs möglich sei. Die Grün­dung von StiftungsratsMandat.com war somit eine logi­sche Weiter­ent­wick­lung – mit dem Ziel, Stif­tungs­kom­pe­tenz, Diver­si­tät, Unab­hän­gig­keit und Trans­pa­renz in Stif­tungs­rä­ten syste­ma­tisch zu fördern 

Wie hat sich das Ange­bot seit dem Start entwi­ckelt? 

DL: Seit dem Start hat sich das Ange­bot inhalt­lich wie tech­nisch profes­sio­na­li­siert. Was sich nicht verän­dert hat ist unser Geschäfts­mo­dell: Wir unter­stüt­zen Stif­tun­gen gezielt. Aus einer reinen Vermitt­lungs­idee ist ein struk­tu­rier­ter, digi­ta­ler Such- und Matching­pro­zess gewor­den – mit klaren Krite­rien, Filtern und einer saube­ren Tren­nung zwischen Moni­to­ring, Long­list, Erst­kon­takt und weiter­füh­ren­dem Dialog. Zudem wurde das Ange­bot durch Part­ner­schaf­ten, insbe­son­dere mit Sphe­riqSwiss­Foun­da­ti­onsproFondsCenpro und weite­ren erwei­tert. Heute ist die Platt­form Teil eines grös­se­ren digi­ta­len Ökosys­tems für Foun­da­tion Gover­nance und Nach­folge sowie Beset­zungs­pra­xis in Stiftungsräten. 

Wie verän­dert sich die Nach­frage oder das Nutzungs­ver­hal­ten? 

Die Nach­frage wird ziel­ge­rich­te­ter und profes­sio­nel­ler. Stif­tun­gen kommen heute besser vorbe­rei­tet auf die Platt­form, mit klare­ren Erwar­tun­gen oder gar im Stif­tungs­rat erstell­ten Kompe­tenz­pro­fi­len. Gleich­zei­tig steigt die Sensi­bi­li­tät für Themen wie Gover­nance, Diver­si­tät, Ethik, Trans­pa­renz, Nach­fol­ge­pla­nung und Unab­hän­gig­keit. Bei Kandidat:innen zeigt sich ein Trend zu bewuss­tem Enga­ge­ment: weni­ger «Pres­tige-Suche», mehr Inter­esse an Wirkung, Zweck, kultu­rel­ler Passung und Herzensprojekten. 

Wollen jüngere Menschen über­haupt in Stif­tungs­räte? 

Ja – aller­dings teil­weise aus ande­ren Moti­ven als frühere Gene­ra­tio­nen. Gewisse jüngere Perso­nen suchen weni­ger ein Ehren­amt per se, sondern ein sinn­stif­ten­des, wirkungs­ori­en­tier­tes Enga­ge­ment, das zu ihrer Lebens­rea­li­tät passt. Nicht selten ist Arbeit in einem Stif­tungs­rat oder einem Vereins­vor­stand ein guter Einstieg (und nota­bene auch eine sinn­volle Vorbe­rei­tung) für weitere stra­te­gi­sche Tätig­kei­ten – auch das ist vielen jünge­ren Kandi­die­ren­den bewusst.

Wie können jüngere Perso­nen dafür begeis­tert werden? 

Durch klare Kommu­ni­ka­tion und realis­ti­sche Erwar­tun­gen. Jüngere Menschen lassen sich gewin­nen, wenn: 

  • der Stif­tungs­zweck nicht nur passend, sondern auch greif­bar ist, 
  • Inter­esse, Beglei­tung und Wert­schät­zung gege­ben ist, 
  • aktive Mitge­stal­tung möglich ist, 
  • inter­ge­ne­ra­tio­nelle Zusam­men­ar­beit gelebt wird, 
  • moderne, digi­tale Arbeits­wei­sen akzep­tiert sind. 

Die Platt­form unter­stützt dies, indem sie Profile vergleich­bar macht und Erwar­tun­gen auf beiden Seiten trans­pa­rent abbildet. 

Was soll­ten sich Kandidat:innen bewusst sein, bevor sie sich ernst­haft für ein Mandat inter­es­sie­ren? 

Ein Stif­tungs­rats­man­dat ist keine symbo­li­sche Rolle, sondern bringt Verant­wor­tung mit sich – recht­lich, stra­te­gisch und persön­lich. Zu beden­ken sind u.a.: 

  • lang­fris­tige Verpflichtung, 
  • oft geringe oder fehlende Vergütung, 
  • persön­li­che Haftung, 
  • Nähe zum opera­ti­ven Gesche­hen (vor allem bei klei­ne­ren Stif­tun­gen oder solchen ohne Geschäftsstelle). 

Die Platt­form macht diese Aspekte bewusst sicht­bar und hilft, Fehl­be­set­zun­gen zu vermeiden. 

Welche «Soft Factors» erwei­sen sich als entschei­dend? 

Soft Factors sind sehr indi­vi­du­ell. Nach einer Kontakt­auf­nahme spüren die Betei­lig­ten beim ersten Tref­fen, ob eine Zusam­men­ar­beit passen kann. Es ist gut möglich, dass die ausge­wie­sene Nummer 1 («The Best Match») nach einem Tref­fen die zweite Wahl wird, weil eine Person mit vergleich­ba­ren Möglich­kei­ten durch weiche Fakto­ren über­zeugt.  Ich glaube aber nach wie vor, dass die Magie eines persön­li­chen Tref­fens noch lange uner­reicht blei­ben wird. 

Aus der Praxis spüren wir dann und wann diese Aspekte: 

  • kultu­relle Passung, 
  • Werte­ver­ständ­nis und persön­li­cher Match, 
  • Offen­heit für neue Perspektiven, 
  • Dialog­fä­hig­keit zwischen Generationen, 
  • Inno­va­tions- und Lernbereitschaft. 

Wie adres­siert die Platt­form Diver­si­tät gemäss Swiss Foun­da­tion Code? 

Die Match­ma­king-Platt­form ist per se ein Instru­ment, um Diver­si­tät herzu­stel­len. Wer bei uns sucht, findet auto­ma­tisch unab­hän­gige Menschen, die gezielt in einem Stif­tungs­rat mitwir­ken wollen und die eben nicht aus dem Zirkel der bestehen­den Stif­tungs­rats­mit­glie­der stam­men. Die Platt­form macht auf diese Weise aus den Leit­li­nien des Swiss Foun­da­tion Code ein funk­tio­nie­ren­des und praxis­na­hes Instru­ment.  Damit hilft die Platt­form Stif­tun­gen, gute Foun­da­tion Gover­nance syste­ma­tisch selbst zu machen. 

Die Such­funk­tio­nen erlau­ben ausser­dem eine gezielte Suche nach: 

  • Kompe­ten­zen, Eigen­schaf­ten und Methoden, 
  • Alters­grup­pen, Geschlecht und Erfahrungen, 
  • Sprach- und Kultur­räu­men sowie Netzwerke, 
  • Skills wie Gover­nance, Führungs­er­fah­rung, Digital-Know-how. 

Welches sind die gröss­ten Fehler bei der Erneue­rung von Stif­tungs­rä­ten? 

Die häufigs­ten Fehler sind meines Erachtens: 

  • fehlende Nach­fol­ge­pla­nung mit zu spätem, reak­ti­vem Handeln, 
  • ausschliess­li­che Suche im eige­nen Netz­werk (erzeugt Abhängigkeiten), 
  • Fokus auf Perso­nen und Entou­rage statt auf Kompe­ten­zen und Unabhängigkeit, 
  • fehlen­der Mut, um Diver­si­tät und Meinungs­viel­falt herzustellen. 

Digi­tale Tools helfen, diese blin­den Flecken syste­ma­tisch zu vermeiden. 

Welche Rolle spie­len digi­tale Platt­for­men im Vergleich zum Netz­werk? 

Digi­tale Platt­for­men erset­zen Netz­werke nicht, sie ergän­zen und profes­sio­na­li­sie­ren sie. 
Sie öffnen den Blick über den eige­nen Teller­rand hinaus massiv und redu­zie­ren gefähr­li­che oder lähmende Abhän­gig­kei­ten bei der wich­ti­gen Arbeit im Stiftungsrat. 

Welche Rolle spielt die inte­grierte Suche auf spheriq.ch? 

Die inte­grierte Suche auf spheriq.ch wurde bewusst schon früh umge­setzt, weil Sphe­riq aus unse­rer Sicht die führende digi­tale Platt­form in der Phil­an­thro­pie ist. Unser Ziel war es, den Nutze­rin­nen und Nutzern von Sphe­riq an einem zentra­len Ort einen direk­ten Zugang zur Stif­tungs­rats­su­che zu ermög­li­chen – ohne zusätz­li­che Umwege. 

Im Webi­nar «Effi­zi­en­tes und einfa­ches Finden von passen­den Stif­tungs­rats­mit­glie­dern» unter­stützt StiftunsratsMandat.com Stif­tun­gen beim Auswahl­pro­zess. Was können Teil­neh­mende erwar­ten? 

Das Webi­nar ist praxis­nah und lösungs­ori­en­tiert – mit klarer Haltung zur Profes­sio­na­li­sie­rung von Stif­tungs­rä­ten. Teil­neh­mende erwartet: 

  • einen realis­ti­schen Über­blick über den Markt, 
  • Tipps und einen Einblick in Dos und Don’ts der Stiftungsratssuche, 
  • eine Live-Suche eines ad-hoc defi­nier­ten Stif­tungs­pro­fils in der Datenbank, 
  • konkrete Praxis­bei­spiele, 
  • typi­sche Fehler und Best Practices, 
  • Orien­tie­rung zur eige­nen Situation. 


Webi­nar: Effi­zi­en­tes Finden passen­der Stif­tungs­rats­mit­glie­der 

Die Zusam­men­set­zung des Stif­tungs­ra­tes entschei­det über den lang­fris­ti­gen Erfolg einer Stif­tung. Eine ausge­wo­gene Mischung aus Erfah­run­gen, Kompe­ten­zen und Perspek­ti­ven fördert eine offene Kultur und Raum für neue Ideen. Die Suche nach geeig­ne­ten Kandidat:innen kann jedoch aufwen­dig sein – vor allem, wenn verschie­dene Fähig­kei­ten und Hinter­gründe gefragt sind. 

Im Webi­nar «Effi­zi­en­tes und einfa­ches Finden von passen­den Stif­tungs­rats­mit­glie­dern – so wird’s heute gemacht» zeigt Domi­nic Lüthi wie Stif­tun­gen von Diver­si­tät profi­tie­ren, geeig­nete Perso­nen effi­zi­ent iden­ti­fi­zie­ren und die Nach­fol­ge­pla­nung profes­sio­nell gestal­ten können. 

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