The Philanthropist: Was war die ursprüngliche Motivation für die Gründung von StiftungsratsMandat.com?

Dominic Lüthi: Die Plattform ist aus einer konkreten Beobachtung entstanden: Stiftungen stehen bei der Erneuerung ihrer Stiftungsräte vor ähnlichen Herausforderungen wie KMU bei Verwaltungsräten – allerdings oft mit noch weniger Ressourcen und stärkerem Ehrenamtscharakter. Nach dem Aufbau von VRMandat.com ab 2012 wurde zunehmend angefragt, ob dieses Matchmaking auch für Stiftungen, Vereine und NPOs möglich sei. Die Gründung von StiftungsratsMandat.com war somit eine logische Weiterentwicklung – mit dem Ziel, Stiftungskompetenz, Diversität, Unabhängigkeit und Transparenz in Stiftungsräten systematisch zu fördern
Wie hat sich das Angebot seit dem Start entwickelt?
DL: Seit dem Start hat sich das Angebot inhaltlich wie technisch professionalisiert. Was sich nicht verändert hat ist unser Geschäftsmodell: Wir unterstützen Stiftungen gezielt. Aus einer reinen Vermittlungsidee ist ein strukturierter, digitaler Such- und Matchingprozess geworden – mit klaren Kriterien, Filtern und einer sauberen Trennung zwischen Monitoring, Longlist, Erstkontakt und weiterführendem Dialog. Zudem wurde das Angebot durch Partnerschaften, insbesondere mit Spheriq, SwissFoundations, proFonds, Cenpro und weiteren erweitert. Heute ist die Plattform Teil eines grösseren digitalen Ökosystems für Foundation Governance und Nachfolge sowie Besetzungspraxis in Stiftungsräten.
Wie verändert sich die Nachfrage oder das Nutzungsverhalten?
Die Nachfrage wird zielgerichteter und professioneller. Stiftungen kommen heute besser vorbereitet auf die Plattform, mit klareren Erwartungen oder gar im Stiftungsrat erstellten Kompetenzprofilen. Gleichzeitig steigt die Sensibilität für Themen wie Governance, Diversität, Ethik, Transparenz, Nachfolgeplanung und Unabhängigkeit. Bei Kandidat:innen zeigt sich ein Trend zu bewusstem Engagement: weniger «Prestige-Suche», mehr Interesse an Wirkung, Zweck, kultureller Passung und Herzensprojekten.
Wollen jüngere Menschen überhaupt in Stiftungsräte?
Ja – allerdings teilweise aus anderen Motiven als frühere Generationen. Gewisse jüngere Personen suchen weniger ein Ehrenamt per se, sondern ein sinnstiftendes, wirkungsorientiertes Engagement, das zu ihrer Lebensrealität passt. Nicht selten ist Arbeit in einem Stiftungsrat oder einem Vereinsvorstand ein guter Einstieg (und notabene auch eine sinnvolle Vorbereitung) für weitere strategische Tätigkeiten – auch das ist vielen jüngeren Kandidierenden bewusst.
Wie können jüngere Personen dafür begeistert werden?
Durch klare Kommunikation und realistische Erwartungen. Jüngere Menschen lassen sich gewinnen, wenn:
- der Stiftungszweck nicht nur passend, sondern auch greifbar ist,
- Interesse, Begleitung und Wertschätzung gegeben ist,
- aktive Mitgestaltung möglich ist,
- intergenerationelle Zusammenarbeit gelebt wird,
- moderne, digitale Arbeitsweisen akzeptiert sind.
Die Plattform unterstützt dies, indem sie Profile vergleichbar macht und Erwartungen auf beiden Seiten transparent abbildet.
Was sollten sich Kandidat:innen bewusst sein, bevor sie sich ernsthaft für ein Mandat interessieren?
Ein Stiftungsratsmandat ist keine symbolische Rolle, sondern bringt Verantwortung mit sich – rechtlich, strategisch und persönlich. Zu bedenken sind u.a.:
- langfristige Verpflichtung,
- oft geringe oder fehlende Vergütung,
- persönliche Haftung,
- Nähe zum operativen Geschehen (vor allem bei kleineren Stiftungen oder solchen ohne Geschäftsstelle).
Die Plattform macht diese Aspekte bewusst sichtbar und hilft, Fehlbesetzungen zu vermeiden.
Welche «Soft Factors» erweisen sich als entscheidend?
Soft Factors sind sehr individuell. Nach einer Kontaktaufnahme spüren die Beteiligten beim ersten Treffen, ob eine Zusammenarbeit passen kann. Es ist gut möglich, dass die ausgewiesene Nummer 1 («The Best Match») nach einem Treffen die zweite Wahl wird, weil eine Person mit vergleichbaren Möglichkeiten durch weiche Faktoren überzeugt. Ich glaube aber nach wie vor, dass die Magie eines persönlichen Treffens noch lange unerreicht bleiben wird.
Aus der Praxis spüren wir dann und wann diese Aspekte:
- kulturelle Passung,
- Werteverständnis und persönlicher Match,
- Offenheit für neue Perspektiven,
- Dialogfähigkeit zwischen Generationen,
- Innovations- und Lernbereitschaft.
Wie adressiert die Plattform Diversität gemäss Swiss Foundation Code?
Die Matchmaking-Plattform ist per se ein Instrument, um Diversität herzustellen. Wer bei uns sucht, findet automatisch unabhängige Menschen, die gezielt in einem Stiftungsrat mitwirken wollen und die eben nicht aus dem Zirkel der bestehenden Stiftungsratsmitglieder stammen. Die Plattform macht auf diese Weise aus den Leitlinien des Swiss Foundation Code ein funktionierendes und praxisnahes Instrument. Damit hilft die Plattform Stiftungen, gute Foundation Governance systematisch selbst zu machen.
Die Suchfunktionen erlauben ausserdem eine gezielte Suche nach:
- Kompetenzen, Eigenschaften und Methoden,
- Altersgruppen, Geschlecht und Erfahrungen,
- Sprach- und Kulturräumen sowie Netzwerke,
- Skills wie Governance, Führungserfahrung, Digital-Know-how.
Welches sind die grössten Fehler bei der Erneuerung von Stiftungsräten?
Die häufigsten Fehler sind meines Erachtens:
- fehlende Nachfolgeplanung mit zu spätem, reaktivem Handeln,
- ausschliessliche Suche im eigenen Netzwerk (erzeugt Abhängigkeiten),
- Fokus auf Personen und Entourage statt auf Kompetenzen und Unabhängigkeit,
- fehlender Mut, um Diversität und Meinungsvielfalt herzustellen.
Digitale Tools helfen, diese blinden Flecken systematisch zu vermeiden.
Welche Rolle spielen digitale Plattformen im Vergleich zum Netzwerk?
Digitale Plattformen ersetzen Netzwerke nicht, sie ergänzen und professionalisieren sie.
Sie öffnen den Blick über den eigenen Tellerrand hinaus massiv und reduzieren gefährliche oder lähmende Abhängigkeiten bei der wichtigen Arbeit im Stiftungsrat.
Welche Rolle spielt die integrierte Suche auf spheriq.ch?
Die integrierte Suche auf spheriq.ch wurde bewusst schon früh umgesetzt, weil Spheriq aus unserer Sicht die führende digitale Plattform in der Philanthropie ist. Unser Ziel war es, den Nutzerinnen und Nutzern von Spheriq an einem zentralen Ort einen direkten Zugang zur Stiftungsratssuche zu ermöglichen – ohne zusätzliche Umwege.
Im Webinar «Effizientes und einfaches Finden von passenden Stiftungsratsmitgliedern» unterstützt StiftunsratsMandat.com Stiftungen beim Auswahlprozess. Was können Teilnehmende erwarten?
Das Webinar ist praxisnah und lösungsorientiert – mit klarer Haltung zur Professionalisierung von Stiftungsräten. Teilnehmende erwartet:
- einen realistischen Überblick über den Markt,
- Tipps und einen Einblick in Dos und Don’ts der Stiftungsratssuche,
- eine Live-Suche eines ad-hoc definierten Stiftungsprofils in der Datenbank,
- konkrete Praxisbeispiele,
- typische Fehler und Best Practices,
- Orientierung zur eigenen Situation.
Webinar: Effizientes Finden passender Stiftungsratsmitglieder
Die Zusammensetzung des Stiftungsrates entscheidet über den langfristigen Erfolg einer Stiftung. Eine ausgewogene Mischung aus Erfahrungen, Kompetenzen und Perspektiven fördert eine offene Kultur und Raum für neue Ideen. Die Suche nach geeigneten Kandidat:innen kann jedoch aufwendig sein – vor allem, wenn verschiedene Fähigkeiten und Hintergründe gefragt sind.
Im Webinar «Effizientes und einfaches Finden von passenden Stiftungsratsmitgliedern – so wird’s heute gemacht» zeigt Dominic Lüthi wie Stiftungen von Diversität profitieren, geeignete Personen effizient identifizieren und die Nachfolgeplanung professionell gestalten können.
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27. April 2026, 24. Juni 2026, 7. September 2026, 1. Dezember 2026
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