Rahel Pfister, Geschäftsführerin SENS

SENS: Es braucht mehr Wissen über die Social Economy

Diesen Freitag findet in Zürich das Swiss Social Economy Forum statt. Es soll Sichtbarkeit für Themen rund um wirkungsorientiertes Wirtschaften und die Social Economy schaffen, sagt Rahel Pfister, Geschäftsführerin von Social Entrepreneurship Schweiz (SENS). Im Interview erläutert sie das Zusammenspiel von Social Entrepreneurs und gemeinnützigen Organisationen.

Werden Social Entre­pre­neurs den tradi­tio­nel­len gemein­nüt­zi­gen Sektor über­flüs­sig machen?

Nein, das werden sie nicht. An Lösun­gen für gesell­schaft­li­chen Heraus­for­de­run­gen sind viele verschie­dene Orga­ni­sa­tio­nen betei­ligt, die alle zusam­men sehr wich­tig sind. Social Entre­pre­neurs agie­ren nicht in Konkur­renz zum tradi­tio­nel­len gemein­nüt­zi­gen Sektor, sondern als Ergän­zung. Ein Unter­schied besteht darin, dass der unter­neh­me­ri­sche Ansatz von Social Entre­pre­neurs helfen kann, die posi­tive gesell­schaft­li­che Wirkung über eine lange Peri­ode selbst­stän­dig zu finan­zie­ren. Aber auch hier ist die Abgren­zung zum tradi­tio­nel­len gemein­nüt­zi­gen Sektor zum Teil nicht scharf mach­bar. Es gibt auch viele hybride Orga­ni­sa­tio­nen, die sich zwischen einem Social Entre­prise und einer klas­si­schen gemein­nüt­zi­gen Orga­ni­sa­tion bewegen.

Wie können sich Social Entre­pre­neurs und gemein­nüt­zige Orga­ni­sa­tio­nen effek­tiv ergän­zen und bereichern?

Social Entre­pre­neurs und gemein­nüt­zige Orga­ni­sa­tio­nen verbin­det, dass sie als Zweck ihrer Tätig­keit eine posi­tive gesell­schaft­li­che Wirkung (Impact) verfol­gen. Der Austausch über diese Wirkungs­ori­en­tie­rung ist uns ein zentra­les Anlie­gen, weshalb wir unter ande­rem auch das Social Economy Forum orga­ni­sie­ren. Hier können Social Entre­pre­neurs und gemein­nüt­zige Orga­ni­sa­tio­nen vonein­an­der lernen.

Stehen Social Entre­pre­neurs in der Tradi­tion der Genos­sen­schaf­ten in der Schweiz?

Genos­sen­schaf­ten sind ja ursprüng­lich eine soziale Inno­va­tion und haben in der Schweiz eine lange Tradi­tion. Inno­va­tiv waren und sind sie deshalb, weil sich viele Menschen zusam­men­schlies­sen, um gemein­sam auf wirt­schaft­li­cher Ebene ein Ziel zu errei­chen – die berühmte Hilfe zur Selbsthilfe.

Genos­sen­schaf­ten sind nicht per se Social Entre­pri­ses, aber nicht wenige Social Entre­pri­ses sind genos­sen­schaft­lich organisiert.

Rahel Pfister

Frage­stel­lun­gen rund um Gewinn, Besitz und Parti­zi­pa­tion, die bis heute die Rechts­form der Genos­sen­schaft ausma­chen, spie­len auch für das Unter­neh­mens­ver­ständ­nis von Social Entre­pre­neurs eine zentrale Rolle.

Genos­sen­schaf­ten sind nicht per se Social Entre­pri­ses, aber nicht wenige Social Entre­pri­ses sind genos­sen­schaft­lich orga­ni­siert. Gleich­zei­tig ist uns immer wich­tig zu beton­ten, dass Social Entre­pre­neurship in allen Rechts­for­men gut möglich ist. Unser Social Entre­prise Moni­tor, den wir alle zwei Jahre veröf­fent­li­chen, zeigt auf, dass die meisten Social Entre­pri­ses als GmbH orga­ni­siert sind, gefolgt von Genos­sen­schaf­ten, Verei­nen und AGs.

In den letz­ten Jahren können wir beob­ach­ten, dass viele neue, inno­va­tive wirkungs­ori­en­tierte Genos­sen­schaf­ten z.B. im Bereich Medien, erneu­er­bare Ener­gien, gemein­schaft­li­che Wohn­for­men und Daten/IT entste­hen. Diese führen sicher­lich den ursprüng­li­chen Genos­sen­schafts­ge­dan­ken weiter.

Sie sehen noch Poten­zial in der Schweiz. Was braucht es, um den Mehr­wert von Social Entre­pre­neurs in der Schweiz noch bekann­ter zu machen?

Mit unse­rem Social Entre­prise Moni­tor erhe­ben wir unter ande­rem auch Daten zu diesen Fragen. Zu den gröss­ten Hürden zählen für Social Entre­pre­neurs in der Schweiz die schwa­che Lobby in der Poli­tik sowie Schwie­rig­kei­ten, mit öffent­li­chen Mitteln wie zum Beispiel mit dem öffent­li­chen Beschaf­fungs­we­sen. Weitere wich­tige Hebel sehen wir in der Einbet­tung von Social Entre­pre­neurship in der Bildungs­land­schaft und allge­mein die öffent­li­che Sensi­bi­li­sie­rung. Zudem braucht es mehr Wissen über die Social Economy, eine umsetz­bare Wirkungs­mes­sung sowie wirkungs­ori­en­tierte Kapi­tal­ge­ber, um Entwick­lung von Social Entre­pri­ses zu fördern.

Welche Rolle kommt dem Swiss Social Economy Forum zu?

Mit dem Forum wollen wir Sicht­bar­keit für Themen rund um wirkungs­ori­en­tier­tes Wirt­schaf­ten und die Social Economy in der Schweiz schaf­fen. Die Vernet­zung am Forum soll Akteure inspi­rie­ren und in Diskus­sio­nen mit weite­ren Stake­hol­dern die Rahmen­be­din­gun­gen für den Sektor stär­ken. Dazu gehört die Verab­schie­dung von Forde­run­gen an die Politik.

Mit dem Forum wollen wir Sicht­bar­keit für Themen rund um wirkungs­ori­en­tier­tes Wirt­schaf­ten und die Social Economy in der Schweiz schaffen.

Rahel Pfister

Wich­tig ist für uns auch der Austausch von Social Entre­pre­neurs und Vertreter*innen von Social Busi­nes­ses, Genos­sen­schaf­ten sowie ande­ren gemein­wohl­ori­en­tier­ten Orga­ni­sa­tio­nen mit Akteu­ren aus Wissen­schaft, Poli­tik und Zivilgesellschaft.

Sie führen das Forum vor Ort und online durch. Weshalb haben Sie die hybride Form gewählt?

Die Social Economy leistet mit seinen Akti­vi­tä­ten in der ganzen Schweiz einen wich­ti­gen Beitrag für die nach­hal­ti­gen Entwick­lung. Wir als SENS sind ja eine natio­nale Platt­form für Social Entre­pre­neurship in der ganzen Schweiz. Mit der hybri­den Form wollen wir auch weiter entfernt wohnen­den Inter­es­sier­ten die Möglich­keit einer Teil­nahme bieten. Wir freuen uns, dass eine grös­sere Dele­ga­tion von APRÈS, dem réseau de l’éco­no­mie sociale et soli­daire aus Genf das Forum besu­chen wird. Gleich­zei­tig sind wir uns bewusst, dass die nicht alle so einen weiten Anfahrts­weg in Kauf nehmen wollen oder können.


Swiss Social Economy Forum 2022

Frei­tag, 13. Mai 2022 

8.30 Uhr – 19.00 Uhr

Kraft­werk, in Zürich

Online Teil­nahme möglich. Mehr Infos und Programm.

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