Sie sind neue Stiftungsratspräsidentin des Zürcher Journalistenpreises. Was hat Sie gereizt, diese Aufgabe zu übernehmen?
Nachdem ich mich bereits fast acht Jahre als Jurymitglied für den Zürcher Journalistenpreis engagiert hatte, kam die Anfrage zwar überraschend, aber nicht ungelegen. Mich reizt unter anderem, weiterzuführen, was mein Vorgänger Hannes Britschgi in den letzten Jahren mit so viel Herzblut weiter ausgebaut und umgesetzt hat. Seine Liebe zum Journalismus ist in allem spürbar. Diese Leidenschaft trage ich auch in mir – und es ehrt mich, dass ich sie nun auch in diesem Amt ausleben und den Journalismus so weiter fördern darf.
Auszeichnungen können aber ein Ansporn sein, eine Story doch noch aufs nächste Level zu heben.
Nina Jecker, Stiftungsratspräsidentin des Zürcher Journalistenpreises
Welche Bedeutung hat der Preis für das Arbeiten einer Journalistin?
Journalistinnen und Journalisten arbeiten intrinsisch motiviert – zumindest alle, die ich in meiner bisherigen Karriere getroffen habe. Wir wollen recherchieren und schreiben, wir wollen gelesen werden, einen Unterschied machen – und tun dies nicht für Preise. Auszeichnungen können aber ein Ansporn sein, eine Story doch noch aufs nächste Level zu heben. Ausserdem ist es eine wunderbare Bestätigung, von etablierten Kolleginnen und Kollegen auf diese Weise geehrt zu werden. Das ist eine grosse Motivation in einer Branche, in der man wirtschaftlich und gesellschaftlich immer stärker unter Druck ist.
Seit 1980 engagiert sich die Stiftung für die Qualität des Journalismus. Wie haben sich die Anforderungen an Qualität in dieser Zeit verändert?
Ich kann natürlich nicht aus erster Hand aus den 80er-Jahren berichten. Ich erlebe aber, dass heute die Ansprüche an eine Geschichte viel höher sind als vor der Online-Zeit. Konnte man früher noch mit reiner Berichterstattung punkten, braucht es heute ein viel ausgefeilteres Storytelling, um das Publikum bei Laune zu halten. Bessere Bilder, interessantere Protagonistinnen und Protagonisten, mehr Emotionen. Ich bin überzeugt, dass die Medien heute im Durchschnitt interessantere Inhalte publizieren als früher. Gleichzeitig müssen wir in der schnellen Klick-Zeit darauf achten, dass die Wertschätzung für die schöne und geistreiche Schreibe, die einigen Kolleginnen und Kollegen vergönnt ist, nicht verloren geht. Auch hier können Preise einen Fokus legen.
Welche Rolle nimmt der Journalismus in der Schweizer Demokratie ein?
Ich habe den Satz in den letzten Wochen sehr oft gehört: Was man am Journalismus hat, merkt man erst, wenn er verloren geht. Aber es ist wahr. Es kommt nicht von ungefähr, dass Mächte, die die Demokratie schwächen oder gar abschaffen wollen, freie Medienarbeit behindern, irgendwann dann sogar verbieten und verfolgen. Eine Demokratie braucht unabhängige Journalistinnen und Journalisten, die den Mächtigen auf die Finger schauen und Missstände publik machen können. Und sie braucht Bürgerinnen und Bürger, die gut informiert Entscheidungen treffen können.
Journalistinnen und Journalisten müssen sich, ihre Recherchen und ihre Expertise sichtbar machen – wobei Social Media dann wieder sehr hilfreich sein kann.
Wie muss sich der Journalismus entwickeln, um gegen die Social Media-Flut bestehen zu können?
Eine endgültige Antwort darauf gibt es nicht. Das Umfeld verändert sich gerade so schnell wie noch nie zuvor. Medienhäuser müssen sich deshalb immer wieder neuen Herausforderungen stellen und ihre Strategie anpassen. Ein wichtiger Punkt ist aber sicher, dass wir herausstreichen müssen, was uns eben von all den Informationen auf Instagram und Tiktok abhebt. Journalistinnen und Journalisten müssen sich, ihre Recherchen und ihre Expertise sichtbar machen – wobei Social Media dann wieder sehr hilfreich sein kann.
Sie sind neue Chefredaktorin der Basler Zeitung: Wo sehen Sie den grössten Hebel, um die Qualität des Journalismus zu fördern?
Die wichtigste Qualitätsförderung passiert auf den Redaktionen. Herrscht dort ein Sinn für Qualität und journalistische Ethik, sorgt dies für hochwertige Beiträge und gleichzeitig eine sinnvolle Nachwuchsförderung. Dadurch, dass viele erfahrene Leute die Branche verlassen haben, ist es umso wichtiger, dass junge Kolleginnen und Kollegen gut begleitet werden. Nur so können wir sicherstellen, dass der Qualitätsjournalismus in unserem turbulenten Marktumfeld als nicht verhandelbarer Kern bestehen bleibt.


