Neue Stiftungsratspräsidentin des Zürcher Journalistenpreises Nina Jecker, Bild: Gert Krautbauer

Quali­täts­jour­na­lis­mus als nicht verhan­del­ba­rer Kern

Seit Anfang Februar ist Nina Jecker Chefredaktorin der Basler Zeitung. Zwei Wochen zuvor wurde sie zur neuen Präsidentin des Stiftungsrats des Zürcher Journalistenpreises gewählt. Die Stiftung will mit der Vergabe des Preises einen Beitrag zur Sicherung der Qualität journalistischen Arbeitens in der Deutschschweiz leisten.

Sie sind neue Stif­tungs­rats­prä­si­den­tin des Zürcher Jour­na­lis­ten­prei­ses. Was hat Sie gereizt, diese Aufgabe zu übernehmen?

Nach­dem ich mich bereits fast acht Jahre als Jury­mit­glied für den Zürcher Jour­na­lis­ten­preis enga­giert hatte, kam die Anfrage zwar über­ra­schend, aber nicht unge­le­gen. Mich reizt unter ande­rem, weiter­zu­füh­ren, was mein Vorgän­ger Hannes Brit­schgi in den letz­ten Jahren mit so viel Herz­blut weiter ausge­baut und umge­setzt hat. Seine Liebe zum Jour­na­lis­mus ist in allem spür­bar. Diese Leiden­schaft trage ich auch in mir – und es ehrt mich, dass ich sie nun auch in diesem Amt ausle­ben und den Jour­na­lis­mus so weiter fördern darf.

Auszeich­nun­gen können aber ein Ansporn sein, eine Story doch noch aufs nächste Level zu heben. 

Nina Jecker, Stif­tungs­rats­prä­si­den­tin des Zürcher Journalistenpreises

Welche Bedeu­tung hat der Preis für das Arbei­ten einer Journalistin?

Jour­na­lis­tin­nen und Jour­na­lis­ten arbei­ten intrin­sisch moti­viert – zumin­dest alle, die ich in meiner bishe­ri­gen Karriere getrof­fen habe. Wir wollen recher­chie­ren und schrei­ben, wir wollen gele­sen werden, einen Unter­schied machen – und tun dies nicht für Preise. Auszeich­nun­gen können aber ein Ansporn sein, eine Story doch noch aufs nächste Level zu heben. Ausser­dem ist es eine wunder­bare Bestä­ti­gung, von etablier­ten Kolle­gin­nen und Kolle­gen auf diese Weise geehrt zu werden. Das ist eine grosse Moti­va­tion in einer Bran­che, in der man wirt­schaft­lich und gesell­schaft­lich immer stär­ker unter Druck ist.

Seit 1980 enga­giert sich die Stif­tung für die Quali­tät des Jour­na­lis­mus. Wie haben sich die Anfor­de­run­gen an Quali­tät in dieser Zeit verändert?

Ich kann natür­lich nicht aus erster Hand aus den 80er-Jahren berich­ten. Ich erlebe aber, dass heute die Ansprü­che an eine Geschichte viel höher sind als vor der Online-Zeit. Konnte man früher noch mit reiner Bericht­erstat­tung punk­ten, braucht es heute ein viel ausge­feil­te­res Storytel­ling, um das Publi­kum bei Laune zu halten. Bessere Bilder, inter­es­san­tere Prot­ago­nis­tin­nen und Prot­ago­nis­ten, mehr Emotio­nen. Ich bin über­zeugt, dass die Medien heute im Durch­schnitt inter­es­san­tere Inhalte publi­zie­ren als früher. Gleich­zei­tig müssen wir in der schnel­len Klick-Zeit darauf achten, dass die Wert­schät­zung für die schöne und geist­rei­che Schreibe, die eini­gen Kolle­gin­nen und Kolle­gen vergönnt ist, nicht verlo­ren geht. Auch hier können Preise einen Fokus legen.

Welche Rolle nimmt der Jour­na­lis­mus in der Schwei­zer Demo­kra­tie ein?

Ich habe den Satz in den letz­ten Wochen sehr oft gehört: Was man am Jour­na­lis­mus hat, merkt man erst, wenn er verlo­ren geht. Aber es ist wahr. Es kommt nicht von unge­fähr, dass Mächte, die die Demo­kra­tie schwä­chen oder gar abschaf­fen wollen, freie Medi­en­ar­beit behin­dern, irgend­wann dann sogar verbie­ten und verfol­gen. Eine Demo­kra­tie braucht unab­hän­gige Jour­na­lis­tin­nen und Jour­na­lis­ten, die den Mäch­ti­gen auf die Finger schauen und Miss­stände publik machen können. Und sie braucht Bürge­rin­nen und Bürger, die gut infor­miert Entschei­dun­gen tref­fen können.

Jour­na­lis­tin­nen und Jour­na­lis­ten müssen sich, ihre Recher­chen und ihre Exper­tise sicht­bar machen – wobei Social Media dann wieder sehr hilf­reich sein kann.

Wie muss sich der Jour­na­lis­mus entwi­ckeln, um gegen die Social Media-Flut bestehen zu können?

Eine endgül­tige Antwort darauf gibt es nicht. Das Umfeld verän­dert sich gerade so schnell wie noch nie zuvor. Medi­en­häu­ser müssen sich deshalb immer wieder neuen Heraus­for­de­run­gen stel­len und ihre Stra­te­gie anpas­sen. Ein wich­ti­ger Punkt ist aber sicher, dass wir heraus­strei­chen müssen, was uns eben von all den Infor­ma­tio­nen auf Insta­gram und Tiktok abhebt. Jour­na­lis­tin­nen und Jour­na­lis­ten müssen sich, ihre Recher­chen und ihre Exper­tise sicht­bar machen – wobei Social Media dann wieder sehr hilf­reich sein kann.

Sie sind neue Chef­re­dak­to­rin der Basler Zeitung: Wo sehen Sie den gröss­ten Hebel, um die Quali­tät des Jour­na­lis­mus zu fördern?

Die wich­tigste Quali­täts­för­de­rung passiert auf den Redak­tio­nen. Herrscht dort ein Sinn für Quali­tät und jour­na­lis­ti­sche Ethik, sorgt dies für hoch­wer­tige Beiträge und gleich­zei­tig eine sinn­volle Nach­wuchs­för­de­rung. Dadurch, dass viele erfah­rene Leute die Bran­che verlas­sen haben, ist es umso wich­ti­ger, dass junge Kolle­gin­nen und Kolle­gen gut beglei­tet werden. Nur so können wir sicher­stel­len, dass der Quali­täts­jour­na­lis­mus in unse­rem turbu­len­ten Markt­um­feld als nicht verhan­del­ba­rer Kern bestehen bleibt.