Brigitt Küttel, Geschäftsführerin der Schweizerischen Pfadistiftung

Pfadi­stif­tung: Unter­stüt­zung für das Bundes­la­ger auf allen Ebenen

30'000 Pfadfinder*innen werden am diesjährigen Bundeslager im Goms teilnehmen. Die Schweizerische Pfadistiftung hilft mit, dieses zu realisieren. Geschäftsführerin Brigitt Küttel sagt, wie die Stiftung involviert ist, und spricht über ihre eigene Pfadi-Laufbahn.

Dieses Jahr findet das Bundes­la­ger der Pfadi (Bula) statt. Ist die Pfadi­stif­tung auch involviert?

Selbst­ver­ständ­lich! Wir unter­stüt­zen das Bula einer­seits finan­zi­ell mit einem substan­ti­el­len sechs­stel­li­gen Betrag. Viele von uns enga­gie­ren sich aber auch persön­lich im Lager selber. Die meisten Mitglie­der des geschäfts­füh­ren­den Ausschus­ses der Stif­tung sind während des ganzen Lagers vor Ort – auch in der Auf- und Abbau­phase. Die Schwei­ze­ri­sche Pfadi­stif­tung hilft auf allen Ebenen.

Arbei­tet die Stif­tung immer so eng mit der Pfadi­be­we­gung zusammen?

Die Pfadi­stif­tung führt im Auftrag der Pfadi­be­we­gung Schweiz (PBS) gemein­same Spen­den­samm­lun­gen durch. Dafür sind wir in stetem Austausch mit der Pfadi, aber natür­lich, ohne inhalt­lich Einfluss zu nehmen. Die Hälfte des Spen­den­er­trags geht direkt an die PBS. Mit der ande­ren Hälfte unter­stüt­zen wir spezi­elle Projekte loka­ler Pfadi-Abtei­lun­gen, etwa die Reno­va­tion eines Pfadi­hei­mes, beson­dere Lager, oder die Ausbil­dung von Leiter*innen.

Wie viel Förder­geld können Sie pro Jahr sprechen?

In einem norma­len Jahr verge­ben wir knapp eine Million Fran­ken. Mit dem Bula ist es dieses Jahr mehr.

Waren Sie selbst auch in der Pfadi?

Ja. Mich kennen viele noch unter meinem Pfadi­na­men Funke. Als klei­nes Kind habe ich ange­fan­gen, später enga­gierte ich mich als Abtei­lungs- und Kantons­lei­te­rin, im Bundes­vor­stand der PBS, und ich war 15 Jahre Stif­tungs­rä­tin der Pfadi­stif­tung. Diese Erfah­rung hilft natür­lich unge­mein bei der Geschäfts­füh­rung der Stif­tung. Pfadier­fah­rung gehörte auch zum Wunsch­pro­fil der Stif­tung bei der Bestim­mung der neuen Geschäftsstelle.

Wird man Sie am Bula antreffen?

Natür­lich! Ich freue mich sehr darauf; das Bula ist eine einma­lige Sache. Im Gegen­satz zu 2008, wo ich opera­tiv sehr stark invol­viert war, werde ich dies­mal nur ein paar Tage und nur für die Pfadi­stif­tung im Einsatz sein, die dieses Jahr ihr 40-jähri­ges Jubi­läum feiern darf.

Brigitt Küttel / Funke 1984 als Abtei­lungs­lei­te­rin in Zumikon.

Wie präsent ist die Stif­tung bei den Pfadi selbst?

Auf Bundes­ebene bei der Pfadi­be­we­gung Schweiz sind wir präsent und pfle­gen einen regen Austausch. Es ist mir wich­tig, dass wir thema­tisch am Ball blei­ben. Auch kanto­nal und lokal kennt man uns, beson­ders wenn eine Abtei­lung Unter­stüt­zung sucht. Gerade heute konn­ten wir das Gesuch einer loka­len Abtei­lung posi­tiv beant­wor­ten. Wir unter­stüt­zen drei Fami­lien, die den Lager­bei­trag für das Bula nicht selbst aufbrin­gen können, und ermög­li­chen damit vier Kindern die Teil­nahme. Ohne uns hätten die Fami­lien sie wieder abmel­den müssen.

Erhal­ten Sie viele solcher Anfragen?

Ein Bundes­la­ger hat die Grösse einer Stadt wie Neuen­burg. Da muss vieles extra aufge­baut werden, etwa sani­täre Anla­gen oder die Wasser­ver- und entsor­gung, es gibt eine eigene Post – das kostet mehr als ein norma­les Sommer­la­ger. Deswe­gen sind die Beiträge höher als sonst. Wenn eine Fami­lie dadurch in Not kommt, können die Abtei­lun­gen oft selber helfen. Und sonst springt die Pfadi­stif­tung ein. Dafür sind wir da, unter anderem.

Umge­kehrt können Sie bei Ihrer Arbeit auf das Pfadi­netz­werk zurückgreifen.

Ja, das hilft. Die Pfadi­be­we­gung Schweiz hat wieder über 50’000 Mitglie­der, Tendenz zuneh­mend. Gerade im aktu­el­len Zeit­al­ter, in dem die digi­tale Kommu­ni­ka­tion bei Kindern und Jugend­li­chen omni­prä­sent ist, steigt die Bedeu­tung der Pfadi, von gemein­sa­men Akti­vi­tä­ten im Freien, von wich­ti­gen Werten. In der Schweiz geht man von einer halben Millio­nen Menschen aus, die einen Bezug zur Pfadi haben, sei es, weil sie selber in der Pfadi waren oder Eltern, Gross­el­tern, Gotte oder Götti von Pfadi sind. ‘Pfadi’ ist eine bekannte Marke.

Ein Bundes­la­ger hat die Grösse einer Stadt wie Neuenburg.

Brigitt Küttel

Das hilft auch beim Spendensammeln?

Klar. Wir sind dank­bar für eine breite Basis von Spender*innen mit klei­ne­ren und grös­se­ren Beträ­gen – wert­voll sind sie alle. Aber auch Legate, viele von ehema­li­gen Pfadi mit guten Erin­ne­run­gen an ihre zum Teil lange zurück­lie­gende Pfadi­zeit, helfen uns. Regel­mäs­sig wird zudem an Geburts­ta­gen und ande­ren Anläs­sen zu Spen­den an unsere Stif­tung aufge­ru­fen, und Vereine und Förder­stif­tun­gen unter­stüt­zen uns. Das ist nicht selbst­ver­ständ­lich, das wissen wir sehr zu schätzen.

Die Stif­tung wurde 1981 gegrün­det. Was war der Auslöser?

Die Jugend­un­ru­hen 1980 in der Schweiz beweg­ten die vier Stif­ter, die Stif­tung ins Leben zu rufen. Sie woll­ten eine tolle Jugend­or­ga­ni­sa­tion unter­stüt­zen und damit einen akti­ven Beitrag zu einer sinn­vol­len Jugend­po­li­tik leisten. Von Anfang an stand die Ausbil­dung der Leiter*innen im Fokus, dazu kam das Thema der Siche­rung von Lager­plät­zen für künf­tige Lager. Die Stif­tung hat klein ange­fan­gen und ist konti­nu­ier­lich gewach­sen. Das ist ein ermu­ti­gen­des Zeichen für die Pfadi und für unsere Gesellschaft.

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