Julian Heeb, der Entwickler der Plattform ist selbst auf den Rollstuhl angewiesen.

OK:GO Initia­tive: Infor­ma­tio­nen zu barrie­re­freiem Reisen

Der Förderverein Barrierefreie Schweiz hat 2019 die OK:GO Initiative lanciert. Diese unterstützt die Tourismusbranche beim Thema «Barrierefreiheit». Julian Heeb, der selbst auf den Rollstuhl angewiesen ist, hat die Plattform entwickelt. Er spricht über die Folgen der Pandemie und die Verfügbarkeit von Daten.

Wenn Sie Reisen planen: Was ist die grösste Herausforderung?

Spon­tane Reisen mit einer Mobi­li­täts­ein­schrän­kung sind eine schwie­rige Ange­le­gen­heit. Vergli­chen mit Reisen­den ohne Einschrän­kun­gen nimmt schon nur die Planung selbst viel Zeit in Anspruch. Meine grösste Heraus­for­de­rung ist es jeweils, eine passende barrie­re­freie Unter­kunft zu finden, die mir sowohl gefällt als auch gut gele­gen ist. Ich bin mir sicher, dass es einige passende Ange­bote geben würde, doch Infor­ma­tio­nen bezüg­lich Zugäng­lich­kei­ten und Barrie­re­frei­heit sind selten veröf­fent­licht. Dies schränkt das sowieso schon klei­nere Ange­bot zusätz­lich ein und erschwert mir als Reisen­der die auto­nome Planung. Heraus­for­dernd ist zudem immer auch die Reise ans Ziel, vor allem mit meinem schwe­ren Elektrorollstuhl.

Welche Unter­stüt­zung wünschen Sie sich von Touris­mus­un­ter­neh­men und ‑regio­nen?

Am meisten wünsche ich mir, dass sich Touris­mus­un­ter­neh­men über die Notwen­dig­keit von barrie­re­freien Ange­bo­ten bewuss­ter werden und mehr von diesen schaf­fen. Denn mit barrie­re­freien Ange­bo­ten spre­chen Desti­na­tio­nen eine enorm breite Ziel­gruppe an: Rollstuhlfahrer:innen, Fami­lien mit Kinder­wa­gen, Senio­rin­nen und Senio­ren, aber auch Menschen an Krücken oder mit Verlet­zun­gen. Das Reise­er­leb­nis von vielen Menschen würde somit verbes­sert werden.

Die Initia­tive wurde 2019 lanciert und nutzt seit­dem ginto als Erfas­sungs­platt­form: Wie entstand die Platt­form und später die OK:GO Initiative?

Mein Auslö­ser ginto zu initi­ie­ren, waren persön­li­che Erleb­nisse: Ich unter­nehme viele Ausflüge und reise gerne. Ich merkte, dass ich froh wäre, wenn Infor­ma­tio­nen zur Zugäng­lich­keit von Ange­bo­ten öffent­lich verfüg­bar wären. Als Inge­nieur nahm ich mich diesem Problem gleich selbst an. Daraus ist ginto entstan­den, die tech­ni­sche Platt­form hinter der OK:GO Initiative.

Die OK:GO Initia­tive ist ein einfa­cher Einstieg in das grosse und wich­tige Thema «Barrie­re­frei­heit».

Julian Heeb

2016 bildete sich der Förder­ver­ein Barrie­re­freie Schweiz, ein Zusam­men­schluss aus Akteu­ren aus dem Touris­mus und Behin­der­ten­or­ga­ni­sa­tio­nen. Die Akteure merk­ten, dass der Touris­mus eine einfa­che und kosten­gün­stige Lösung braucht, welche den einzel­nen Leistungsträger:innen das Thema «Barrie­re­frei­heit» näher bringt: 2019 wurde mit diesem Gedan­ken OK:GO lanciert. Die OK:GO Initia­tive ist ein einfa­cher Einstieg in das grosse und wich­tige Thema «Barrie­re­frei­heit».

War das Thema während der Pande­mie über­haupt aktu­ell, weil wenig bis gar nicht gereist wurde – oder war es gar aktu­el­ler, weil mit der Pande­mie weitere Heraus­for­de­run­gen das Reisen erschwerten?

Ich glaube beides. Der Touris­mus litt bekann­ter­weise sehr unter der Pande­mie und späte­stens ab dem Lock­down wurde prak­tisch nicht mehr gereist. Da ist es verständ­lich, dass auf der einen Seite touri­sti­sche Betriebe andere Probleme vor die Barrie­re­frei­heit stell­ten. Auf der ande­ren Seite wurden Zugäng­lich­keits­in­for­ma­tio­nen auch nicht mehr so häufig benö­tigt, da das Reisen ja sowieso fast nicht möglich war. Nach­dem der erste Schock verdaut war gab es aber auch viele Betriebe, die sich mit OK:GO vertraut mach­ten. Ganz nach dem Motto: Jetzt haben wir ganz viel Zeit, uns damit zu befas­sen! Zudem konn­ten wir uns – das Projekt­team hinter der Initia­tive – voll und ganz auf die Entwick­lung der tech­ni­schen Grund­la­gen konzen­trie­ren. Das war super: Wir konn­ten uns sauber auf das wieder wach­sende Reise­fie­ber vorbereiten.

Ist es schwie­rig, an die Daten zu kommen, wie zugäng­lich ein Ange­bot ist?

Bis anhin war das in der Tat häufig ein mühsa­mer Prozess: Die Daten muss­ten aus verschie­de­nen Quel­len zusam­men­ge­sucht werden und waren sehr unter­schied­lich erfasst. Viel­fach war es deshalb nötig, die Betriebe direkt zu kontak­tie­ren und anzu­fra­gen.  Dies war zum einen für mich als Reisen­der ein Aufwand, zum ande­ren aber auch ein admi­ni­stra­ti­ver Aufwand für den Betrieb selbst. Oftmals sind detail­lierte Infor­ma­tio­nen zu den Zugäng­lich­kei­ten nämlich nicht gleich zur Hand. Dem wirkt die OK:GO Initia­tive entge­gen: Sie dient zum einen dem Reisen­den in der Infor­ma­ti­ons­be­schaf­fung, ist gleich­zei­tig aber auch eine Platt­form für die Anbie­ten­den, um ihre Infor­ma­tio­nen struk­tu­riert zu sammeln.

Dank der Initia­tive kann eine Person mit Mobi­li­täts­ein­schrän­kung detail­lierte Infor­ma­tio­nen zur Zugäng­lich­keit abfragen.

Julian Heeb

Arbei­ten Sie mit ande­ren Orga­ni­sa­tio­nen zusam­men – gerade für Orga­ni­sa­tio­nen, die mit Menschen mit Mobi­li­täts­ein­schrän­kun­gen arbei­ten, dürf­ten diese Infor­ma­tio­nen sehr wert­voll sein?

Es bestehen sehr viele wert­volle Part­ner­schaf­ten zu ande­ren Orga­ni­sa­tio­nen. So sind bspw. Pro Infir­mis, aber auch Procap oder die Céré­bral Stif­tung Teil des Förder­ver­eins Barrie­re­freie Schweiz. In Zukunft ist geplant, die Kräfte noch stär­ker zu bündeln und die Platt­form weiter zu professionalisieren.

Wie profi­tiert eine Person mit Mobi­li­täts­ein­schrän­kun­gen am einfach­sten von der Initia­tive, wenn sie eine Reise plant?

Dank der Initia­tive kann eine Person mit Mobi­li­täts­ein­schrän­kung detail­lierte Infor­ma­tio­nen zur Zugäng­lich­keit abfra­gen. Die Daten sind in einheit­li­cher, beschrei­ben­der Form erfasst, so dass jede und jeder selbst entschei­den kann, ob etwas für sie oder ihn zugäng­lich ist. Die Daten können bequem über die Websei­ten der Touris­mus­be­triebe, sowie über die ginto App abge­fragt werden. Zudem arbei­ten wir inten­siv an der Erstel­lung von Schnitt­stel­len. Diese ermög­li­chen es bspw. Touris­mus­re­gio­nen, alle in ihrer Region mit OK:GO erfass­ten Ange­bote online an die Gäste zu tragen. Sie geben so den Reisen­den einen inklu­si­ve­ren Über­blick über die Auswahl.


Mehr Infor­ma­tio­nen zur Initiative

StiftungSchweiz engagiert sich für eine Philanthropie, die mit möglichst wenig Aufwand viel bewirkt, für alle sichtbar und erlebbar ist und Freude bereitet.

Folgen Sie StiftungSchweiz auf

The Philanthropist by subscribtion
Benefit now!