Symbolbild: Pawel Czerwunski, unsplash

Neue Förder­al­li­anz: Mensch im Zentrum der Digitalisierung

Die Digitale Gesellschaft lanciert mit dem Digitalfonds eine neue Förderallianz, die digitale Kompetenzen stärken und eine verantwortungsvolle, menschenzentrierte Digitalisierung in der Schweiz vorantreiben will. Daran beteiligt sind heute die Christoph Merian Stiftung, die Hasler Stiftung und die Stiftung Mercator Schweiz. Gespräche mit weiteren Organisationen laufen. Der Fonds ist auf fünf Jahre angelegt. Damit soll Planungssicherheit entstehen, ohne die nötige Flexibilität zu verlieren, um auf technologische Entwicklungen wie KI-basierte Entscheidungssysteme, E-ID, Plattformregulierung oder digitale Gesundheitsdaten rasch reagieren zu können.

Die Digi­ta­li­sie­rung betrifft längst alle gesell­schaft­li­chen Berei­che: poli­ti­sche Teil­habe, Bildung, Konsument:innenschutz, Stadt­ent­wick­lung oder das Gesund­heits­we­sen. Sie schafft Chan­cen, birgt grosse Gefah­ren und es entste­hen neue Macht­fra­gen. Der gemein­nüt­zige Verein Digi­tale Gesell­schaft betont, dass Grund- und Menschen­rechte im digi­ta­len Raum aktiv vertei­digt und weiter­ent­wi­ckelt werden müssen. Ein koor­di­nier­tes, inter­dis­zi­pli­nä­res Vorge­hen sei entschei­dend, um Privat­sphäre, Trans­pa­renz und demo­kra­ti­sche Mitbe­stim­mung zu sichern.

Als zentrale digi­tale Infra­struk­tur-Platt­form nutzt die neue Förder­al­li­anz «Sphe­riq». Als Part­ne­rin dient sie als Werk­zeug für die Vernet­zung, Wirkungs­mes­sung und Förder­ab­wick­lung solcher Alli­anz-Initia­ti­ven. Gemein­sam mit Stif­tun­gen soll die Digi­ta­li­sie­rung menschen­ge­recht gestal­tet werden, indem Sphe­riq die Brücke zwischen Förde­rern und zivil­ge­sell­schaft­li­chen Projek­ten schlägt.

Tech­no­lo­gie im Dienst des Gemeinwohls

Für die Hasler Stif­tung stellt das Enga­ge­ment beim Digi­tal­fonds eine logi­sche Erwei­te­rung ihres Förder­auf­trags dar. Ihr Ziel ist die Förde­rung von Infor­ma­ti­ons- und Kommu­ni­ka­ti­ons­tech­no­lo­gie «zum Wohle des Denk- und Werk­plat­zes Schweiz». Tech­no­lo­gie um ihrer selbst willen zu fördern, sei nicht das Ziel, sagt Sinja Chris­tiani, die Geschäfts­füh­re­rin der Hasler Stif­tung. Entschei­dend sei, dass Fort­schritt dem Gemein­wohl diene und die Zivil­be­völ­ke­rung profi­tiere – direkt wie indirekt.

Tech­no­lo­gi­sche Entwick­lun­gen wirken sich immer stär­ker auf alle Lebens­be­rei­che aus. Deshalb brau­che es eine Mitge­stal­tung durch die Zivil­ge­sell­schaft, betont Chris­tiani. Sie verweist auf das gemein­sam mit der Stif­tung Merca­tor Schweiz lancierte Programm «Digi­ta­li­sie­rung & Demo­kra­tie». Die grosse Reso­nanz habe gezeigt, dass das Bedürf­nis nach einer verant­wor­tungs­vol­len Rahmen­set­zung hoch ist. Wich­tig sei dabei ein Verständ­nis von Fort­schritt, das Verant­wor­tung einschliesst – nicht verhin­dern, sondern gestal­ten. Paral­lel dazu inves­tiert die Hasler Stif­tung stark in ICT-Bildung und ‑Forschung, um Kompe­ten­zen aufzu­bauen, die eine reflek­tierte Nutzung digi­ta­ler Tech­no­lo­gien ermöglichen.

Regio­na­ler Hebel, über­re­gio­nale Wirkung

Für die Chris­toph Merian Stif­tung (CMS) ist Digi­ta­li­sie­rung ein Quer­schnitts­thema. Stadt­ent­wick­lung, Bildung, Teil­habe und Demo­kra­tie seien glei­cher­mas­sen betrof­fen. Alex­an­der Suter, Leiter Abtei­lung Sozia­les der CMS, erläu­tert, dass es für sie als regio­nal veran­kerte Stif­tung mit Fokus auf Basel ein Anlie­gen sei, Initia­ti­ven zu fördern, die einen klaren örtli­chen Bezug aufwei­sen und gleich­zei­tig benach­tei­ligte Grup­pen einbe­zie­hen. Er sagt: «Das ist biswei­len eine Heraus­for­de­rung und es kann durch­aus sinn­volle Initia­ti­ven von einer Förde­rung durch die CMS ausschlies­sen. Wo die Voraus­set­zun­gen aber erfüllt werden, ist die Förde­rung häufig gleich doppelt wirk­sam.» Er erläu­tert, die Erkennt­nisse lies­sen sich skalie­ren und über die Region hinaus anwenden.

Beim Digi­tal­fonds über­zeugt die CMS die Arbeits­weise der Digi­ta­len Gesell­schaft. Suter betont: «Sie setzt stark auf ehren­amt­li­ches Enga­ge­ment ihrer vielen Mitglie­der in Arbeits­grup­pen und sorgt so für viel­fäl­tige Inputs aus allen Berei­chen der Gesell­schaft.»  Gleich­zei­tig aner­kenne die Digi­tale Gesell­schaft, dass profes­sio­nelle Koor­di­na­tion notwen­dig ist, um diese Ener­gie wirk­sam zu bündeln. Die mehr­jäh­rige, flexi­ble Förde­rung setze genau dort an und baue auf dem Vertrauen aus frühe­ren Koope­ra­tio­nen auf.

Digi­ta­ler Wandel als demo­kra­tie­po­li­ti­sche Frage

Die Stif­tung Merca­tor Schweiz ordnet den Digi­tal­fonds in einen brei­te­ren demo­kra­tie­po­li­ti­schen Kontext ein. Fran­ce­sca Giar­dina, Themen­ver­ant­wort­li­che Digi­ta­li­sie­rung und Gesell­schaft der Stif­tung Merca­tor Schweiz, betont, dass der Digi­tal­fonds aner­kennt, dass der digi­tale Wandel alle gesell­schaft­li­chen Berei­che betrifft. 

«Der Einsatz von digi­ta­len Tools und Tech­no­lo­gien kann Entwick­lun­gen beschleu­ni­gen oder beein­flus­sen – so etwa den nach­hal­ti­gen Konsum fördern, die demo­kra­ti­sche Teil­habe erleich­tern oder die Verwal­tung und den Arbeits­all­tag effek­ti­ver gestal­ten», sagt Giar­dina. Ihr Einsatz könne aber ebenso disrup­tiv und spal­tend wirken und in gewis­sen Fällen dem demo­kra­ti­schen Zusam­men­halt scha­den. Algo­rith­mi­sche Systeme könn­ten Ungleich­hei­ten verfes­ti­gen und soziale Medien Meinungs­bil­dungs­pro­zesse verzerren.

Syste­mi­sche Heraus­for­de­rung statt Technikdebatte

Für die Stif­tung Merca­tor Schweiz ist Digi­ta­li­sie­rung daher eine syste­mi­sche Heraus­for­de­rung. Tech­ni­sche Systeme seien stets mit sozia­len Dyna­mi­ken verfloch­ten, erklärt Giar­dina. Unüber­sicht­lich werde es bei der Betrach­tung gewoll­ter und unge­woll­ter Auswir­kun­gen des Einsat­zes digi­ta­ler Tech­no­lo­gien in unter­schied­li­chen Berei­chen. Die Fragen lauten dort beispiels­weise: Was verän­dert sich im Schul­sys­tem durch KI? Wie wirken sich digi­tale Unter­schrif­ten­samm­lun­gen auf poli­ti­sche Prozesse aus? Wie beein­flusst die syste­ma­ti­sche Erfas­sung von Gesund­heits­da­ten die medi­zi­ni­sche Praxis und das Patient:innenverhalten? Und wessen Inter­es­sen prägen digi­tale Infrastrukturen?

Vom Eupho­rie- zum Reifestadium

Als die Stif­tung Merca­tor Schweiz vor eini­gen Jahren die Digi­ta­li­sie­rung als eige­nes Förder­feld defi­nierte, war die «Teen­ager-Phase» der digi­ta­len Trans­for­ma­tion schon im Endsta­dium, sagt Giar­dina. Was zunächst von einer Anfangs­eu­pho­rie geprägt war, sei zuneh­mend von einer kriti­schen Debatte abge­löst worden, so Giar­dina weiter. Heute werde die Digi­ta­li­sie­rung deut­lich kriti­scher disku­tiert. Die Debatte hinter­frage verstärkt die Auswir­kun­gen der Digi­ta­li­sie­rung – und habe sich ange­sichts aktu­el­ler welt­po­li­ti­scher und inter­na­tio­na­ler Entwick­lun­gen weiter verschärft, erklärt Giar­dina. Der Fokus liege inzwi­schen stär­ker auf den Rahmen­be­din­gun­gen der Tech­no­lo­gie. Der Diskurs um den digi­ta­len Wandel «ist erwach­sen gewor­den», sagt Giardina.

Orien­tie­rung an «Respon­si­ble Tech»

Das eigene Enga­ge­ment ziele deshalb darauf ab, «dass auch Fragen zu Entste­hungs­be­din­gun­gen, Infra­struk­tur, Gover­nance und Besitz­ver­hält­nisse vermehrt beleuch­tet werden» – und darauf, «dass die Hersteller:innen und Anwender:innen digi­ta­ler Tech­no­lo­gien mehr Verant­wor­tung für gesell­schaft­li­che und ökolo­gi­sche Folgen über­neh­men», betont Giardina.

Leitend sei dabei das Konzept «Respon­si­ble Tech», das als Orien­tie­rung diene, um «verant­wor­tungs­volle Tech­no­lo­gien» zu fördern und deren Einsatz mitzu­ge­stal­ten. Dieser Anspruch richte sich nicht nur nach aussen. Auch in den eige­nen digi­ta­len Prozes­sen – bis hin zum Einsatz von KI – stelle sich die Stif­tung selbst­be­stimm­ter, resi­li­en­ter und verant­wor­tungs­vol­ler auf, sagt Giardina.