Die Digitalisierung betrifft längst alle gesellschaftlichen Bereiche: politische Teilhabe, Bildung, Konsument:innenschutz, Stadtentwicklung oder das Gesundheitswesen. Sie schafft Chancen, birgt grosse Gefahren und es entstehen neue Machtfragen. Der gemeinnützige Verein Digitale Gesellschaft betont, dass Grund- und Menschenrechte im digitalen Raum aktiv verteidigt und weiterentwickelt werden müssen. Ein koordiniertes, interdisziplinäres Vorgehen sei entscheidend, um Privatsphäre, Transparenz und demokratische Mitbestimmung zu sichern.
Als zentrale digitale Infrastruktur-Plattform nutzt die neue Förderallianz «Spheriq». Als Partnerin dient sie als Werkzeug für die Vernetzung, Wirkungsmessung und Förderabwicklung solcher Allianz-Initiativen. Gemeinsam mit Stiftungen soll die Digitalisierung menschengerecht gestaltet werden, indem Spheriq die Brücke zwischen Förderern und zivilgesellschaftlichen Projekten schlägt.
Technologie im Dienst des Gemeinwohls
Für die Hasler Stiftung stellt das Engagement beim Digitalfonds eine logische Erweiterung ihres Förderauftrags dar. Ihr Ziel ist die Förderung von Informations- und Kommunikationstechnologie «zum Wohle des Denk- und Werkplatzes Schweiz». Technologie um ihrer selbst willen zu fördern, sei nicht das Ziel, sagt Sinja Christiani, die Geschäftsführerin der Hasler Stiftung. Entscheidend sei, dass Fortschritt dem Gemeinwohl diene und die Zivilbevölkerung profitiere – direkt wie indirekt.
Technologische Entwicklungen wirken sich immer stärker auf alle Lebensbereiche aus. Deshalb brauche es eine Mitgestaltung durch die Zivilgesellschaft, betont Christiani. Sie verweist auf das gemeinsam mit der Stiftung Mercator Schweiz lancierte Programm «Digitalisierung & Demokratie». Die grosse Resonanz habe gezeigt, dass das Bedürfnis nach einer verantwortungsvollen Rahmensetzung hoch ist. Wichtig sei dabei ein Verständnis von Fortschritt, das Verantwortung einschliesst – nicht verhindern, sondern gestalten. Parallel dazu investiert die Hasler Stiftung stark in ICT-Bildung und ‑Forschung, um Kompetenzen aufzubauen, die eine reflektierte Nutzung digitaler Technologien ermöglichen.
Regionaler Hebel, überregionale Wirkung
Für die Christoph Merian Stiftung (CMS) ist Digitalisierung ein Querschnittsthema. Stadtentwicklung, Bildung, Teilhabe und Demokratie seien gleichermassen betroffen. Alexander Suter, Leiter Abteilung Soziales der CMS, erläutert, dass es für sie als regional verankerte Stiftung mit Fokus auf Basel ein Anliegen sei, Initiativen zu fördern, die einen klaren örtlichen Bezug aufweisen und gleichzeitig benachteiligte Gruppen einbeziehen. Er sagt: «Das ist bisweilen eine Herausforderung und es kann durchaus sinnvolle Initiativen von einer Förderung durch die CMS ausschliessen. Wo die Voraussetzungen aber erfüllt werden, ist die Förderung häufig gleich doppelt wirksam.» Er erläutert, die Erkenntnisse liessen sich skalieren und über die Region hinaus anwenden.
Beim Digitalfonds überzeugt die CMS die Arbeitsweise der Digitalen Gesellschaft. Suter betont: «Sie setzt stark auf ehrenamtliches Engagement ihrer vielen Mitglieder in Arbeitsgruppen und sorgt so für vielfältige Inputs aus allen Bereichen der Gesellschaft.» Gleichzeitig anerkenne die Digitale Gesellschaft, dass professionelle Koordination notwendig ist, um diese Energie wirksam zu bündeln. Die mehrjährige, flexible Förderung setze genau dort an und baue auf dem Vertrauen aus früheren Kooperationen auf.
Digitaler Wandel als demokratiepolitische Frage
Die Stiftung Mercator Schweiz ordnet den Digitalfonds in einen breiteren demokratiepolitischen Kontext ein. Francesca Giardina, Themenverantwortliche Digitalisierung und Gesellschaft der Stiftung Mercator Schweiz, betont, dass der Digitalfonds anerkennt, dass der digitale Wandel alle gesellschaftlichen Bereiche betrifft.
«Der Einsatz von digitalen Tools und Technologien kann Entwicklungen beschleunigen oder beeinflussen – so etwa den nachhaltigen Konsum fördern, die demokratische Teilhabe erleichtern oder die Verwaltung und den Arbeitsalltag effektiver gestalten», sagt Giardina. Ihr Einsatz könne aber ebenso disruptiv und spaltend wirken und in gewissen Fällen dem demokratischen Zusammenhalt schaden. Algorithmische Systeme könnten Ungleichheiten verfestigen und soziale Medien Meinungsbildungsprozesse verzerren.
Systemische Herausforderung statt Technikdebatte
Für die Stiftung Mercator Schweiz ist Digitalisierung daher eine systemische Herausforderung. Technische Systeme seien stets mit sozialen Dynamiken verflochten, erklärt Giardina. Unübersichtlich werde es bei der Betrachtung gewollter und ungewollter Auswirkungen des Einsatzes digitaler Technologien in unterschiedlichen Bereichen. Die Fragen lauten dort beispielsweise: Was verändert sich im Schulsystem durch KI? Wie wirken sich digitale Unterschriftensammlungen auf politische Prozesse aus? Wie beeinflusst die systematische Erfassung von Gesundheitsdaten die medizinische Praxis und das Patient:innenverhalten? Und wessen Interessen prägen digitale Infrastrukturen?
Vom Euphorie- zum Reifestadium
Als die Stiftung Mercator Schweiz vor einigen Jahren die Digitalisierung als eigenes Förderfeld definierte, war die «Teenager-Phase» der digitalen Transformation schon im Endstadium, sagt Giardina. Was zunächst von einer Anfangseuphorie geprägt war, sei zunehmend von einer kritischen Debatte abgelöst worden, so Giardina weiter. Heute werde die Digitalisierung deutlich kritischer diskutiert. Die Debatte hinterfrage verstärkt die Auswirkungen der Digitalisierung – und habe sich angesichts aktueller weltpolitischer und internationaler Entwicklungen weiter verschärft, erklärt Giardina. Der Fokus liege inzwischen stärker auf den Rahmenbedingungen der Technologie. Der Diskurs um den digitalen Wandel «ist erwachsen geworden», sagt Giardina.
Orientierung an «Responsible Tech»
Das eigene Engagement ziele deshalb darauf ab, «dass auch Fragen zu Entstehungsbedingungen, Infrastruktur, Governance und Besitzverhältnisse vermehrt beleuchtet werden» – und darauf, «dass die Hersteller:innen und Anwender:innen digitaler Technologien mehr Verantwortung für gesellschaftliche und ökologische Folgen übernehmen», betont Giardina.
Leitend sei dabei das Konzept «Responsible Tech», das als Orientierung diene, um «verantwortungsvolle Technologien» zu fördern und deren Einsatz mitzugestalten. Dieser Anspruch richte sich nicht nur nach aussen. Auch in den eigenen digitalen Prozessen – bis hin zum Einsatz von KI – stelle sich die Stiftung selbstbestimmter, resilienter und verantwortungsvoller auf, sagt Giardina.


