Mehr Rendite bei weni­ger Risiko für Ihr Stif­tungs­port­fo­lio

Gemeinnützige Stiftungen verfolgen einen Zweck. Um diesen zu erfüllen, schütten sie in aller Regel einen Teil ihrer Erträge an Begünstigte aus. Die dafür notwendigen Erträge generieren sie durch die Anlage ihres Stiftungsvermögens.

Die Anlage des Stif­tungs­ver­mö­gens hat mehrere Krite­rien zu erfül­len, die in Konflikt zuein­an­der stehen. Als Inve­stor bestim­men Sie zunächst das Ziel in Form einer erwar­te­ten Rendite oder eines Risi­ko­bud­gets. Dabei gilt es, fünf Bedin­gun­gen zu beach­ten: den Anla­ge­ho­ri­zont, die Liqui­di­tät bzw. den regel­mäs­si­gen Kapi­tal­be­darf, steu­er­li­che und recht­li­che Aspekte, aber auch indi­vi­du­elle Restrik­tio­nen, wie z. B. keine Inve­sti­tio­nen in Tabak oder Rüstungs­gü­ter. Die Aufgabe des profes­sio­nel­len Vermö­gens­ver­wal­ters ist es, Ihr Ziel unter den von Ihnen defi­nier­ten Bedin­gun­gen zu errei­chen.

Dr. Uwe Heller, CFA Senior Invest­ment Stra­te­gist, verant­wort­lich für Forschung und Entwick­lung.

Die Anla­ge­stra­te­gie eines Stif­tungs­port­fo­lios

Für gewöhn­lich wird das Stif­tungs­ver­mö­gen defen­siv inve­stiert. Meist bilden Anlei­hen den Haupt­be­stand­teil eines Stif­tungs­port­fo­lios. In den vergan­ge­nen Jahren sind die Rendi­ten für Anlei­hen aller­dings immer tiefer gesun­ken. Aktu­ell sind wir für Eidge­nös­si­sche Anlei­hen gar bei nega­ti­ven Rendi­ten ange­langt, unab­hän­gig von ihrer Lauf­zeit.

Dürfen wir vorstel­len, T.I.N.A.

Ange­sichts dieser Entwick­lung stellt sich die Frage, welche Inve­sti­ti­ons­al­ter­na­ti­ven es zu Anlei­hen gibt. Gerne wird in diesem Zusam­men­hang «T.I.N.A.» vorge­stellt. T.I.N.A. ist das Akro­nym für «There Is No Alter­na­tive», es gebe aufgrund des Nied­rig­zins­um­felds keine Alter­na­tive zu Aktien. In der jünge­ren Zeit entschie­den viele Stif­tungs­räte, die Akti­en­quote ihrer Port­fo­lios zu erhö­hen. Mit dieser Entschei­dung lagen sie bislang rich­tig, haben sich doch die Kurse an den globa­len Akti­en­märk­ten seit der Finanz­krise 2007/08 nahezu verdrei­facht. Seit eini­ger Zeit eilen die Akti­en­märkte von einem Allzeit­hoch zum näch­sten. Vielen Anle­gern ist diese Entwick­lung bereits suspekt. Stie­gen in der länge­ren Vergan­gen­heit die Akti­en­kurse um ca. fünf Prozent pro Jahr, hat sich diese Entwick­lung seit der Finanz­krise fast verdop­pelt. Ange­sichts dessen ist es nur legi­tim zu fragen, wie lange dieser Trend Bestand haben kann. Den recht­zei­ti­gen Zeit­punkt für einen Verkauf von Aktien zu finden, ist schwie­rig. Zwar gibt es verschie­dene Früh­in­di­ka­to­ren, die eine Krise an den Akti­en­märk­ten progno­sti­zie­ren, doch ist diese oft nur schwer zu iden­ti­fi­zie­ren.

Jean-David von Orelli, eidg. dipl. Finanz- und Anla­ge­ex­perte, Busi­ness Deve­lo­p­ment, Drey­fus Banquiers.

Markt­ano­ma­lie – mehr Rendite bei weni­ger Risiko

Einfa­cher ist es, das Port­fo­lio auch in Zeiten stei­gen­der Akti­en­kurse für den Krisen­fall zu rüsten. Dabei können Sie eine Anoma­lie am Finanz­markt für sich nutzen. Die klas­si­sche Finanz­markt­theo­rie besagt, dass ein höhe­res (syste­ma­ti­sches) Risiko (gemes­sen an der Schwan­kung des Akti­en­kur­ses) mit einer höhe­ren Rendite entschä­digt werden sollte. In der Praxis hinge­gen ist seit Jahr­zehn­ten ein ande­res Phäno­men am Akti­en­markt zu beob­ach­ten. Über die lange Frist über­stie­gen die Rendi­ten von Aktien mit gerin­gen Kurs­schwan­kun­gen jene risi­ko­rei­cher Titel (s. Grafik).

Lang­fri­stige Entwick­lung einer Mini­mum-Vola­ti­lity-Stra­te­gie im Vergleich zu einem globa­len kapi­ta­li­sie­rungs­ge­wich­te­ten Akti­en­in­dex (MSCI AC World).

Aller­dings besitzt sie eine Schwä­che. In Phasen stei­gen­der Akti­en­märkte liegt diese Stra­te­gie häufig gegen­über dem markt­ka­pi­ta­li­sier­ten Index zurück. In Zeiten fallen­der Akti­en­kurse hinge­gen wird der Rück­stand mehr als kompen­siert. In Summe erzielt der Inve­stor mit einer Mini­mum Vola­ti­lity Stra­te­gie über die Zeit eine höhere Rendite, bei weni­ger Risiko.

Um in Phasen stei­gen­der Akti­en­kurse nicht zu sehr gegen­über einem Index in Rück­stand zu gera­ten, empfiehlt es sich, Aktien dem Port­fo­lio beizu­mi­schen, die spezi­fi­sche Quali­täts­stan­dards erfül­len. Wir empfeh­len ein Misch­ver­hält­nis von einem Drit­tel Quali­täts­ak­tien zu zwei Drit­tel Mini­mum Vola­ti­lity.

Quali­tät ist gefragt

Bei der Auswahl dieser Quali­täts­ak­tien soll­ten Sie auf drei Krite­rien achten: Bewer­tung, Quali­tät und Vola­ti­li­tät. Mit der Über­prü­fung der Bewer­tung vermei­den Sie den Kauf von über­teu­er­ten Aktien. Die Quali­tät eines Unter­neh­mens wird in der Fach­li­te­ra­tur meist durch eine hohe und stabile Profi­ta­bi­li­tät defi­niert. Hinzu kommen Eigen­schaf­ten wie eine geringe Fremd­fi­nan­zie­rung und eine hohe betrieb­li­che Effi­zi­enz. Bei der Vola­ti­li­tät achten Sie erneut darauf, keine Unter­neh­men in Ihr Port­fo­lio aufzu­neh­men, deren Aktien-kurs beson­ders stark schwankt. In einem Quali­tät­s­port­fo­lio für den globa­len Akti­en­markt sind promi­nente Einzel­ti­tel wie Louis Vuit­ton (LVMH) und Novo Nordisk enthal­ten. Auch Tech­no­lo­gie­un­ter­neh­men der New Economy wie Apple, Amazon und Alpha­bet (einst Google) erfül­len die obigen Quali­täts­stan­dards. Die quali­ta­tiv besten Schwei­zer Unter­neh­men sind aus unse­rer Sicht Emmi, Lonza und Sika.

Diver­si­fi­zie­ren Sie Ihr Port­fo­lio

Als Alter­na­tive zu Aktien und Anlei­hen bietet es sich aus Grün­den der Diver­si­fi­ka­tion an, Schwei­zer Immo­bi­lien und Gold dem Port­fo­lio beizu­mi­schen. Bei Immo­bi­lien besteht die Möglich­keit, direkt, also physisch in Form einer Wohnung oder eines Hauses, oder indi­rekt mittels Immo­bi­li­en­ak­tien und ‑fonds zu inve­stie­ren. Letz­tere soll­ten in einem Stif­tungs­port­fo­lio nicht fehlen. In jünge­rer Zeit sind die Kurse indi­rek­ter Immo­bi­lien zwar stark ange­stie­gen, doch gibt es noch immer attrak­tiv bewer­tete Titel, wie die Nova­vest Real Estate AG oder die SF Urban Proper­ties AG. In einem Umfeld nied­ri­ger Zinsen und stei­gen­der Erwar­tun­gen einer Geld­ent­wer­tung (Infla­tion) profi­tiert vor allem Gold. Gold gilt seit jeher als siche­rer Hafen und dient dem Schutz eines Port­fo­lios. Aus unse­rer Sicht dürfte der Gold­preis auch in abseh­ba­rer Zukunft weiter stei­gen. Beach­ten Sie dabei aller­dings das Fremd­wäh­rungs­ri­siko, denn Gold wird in US-Dollar gehan­delt. Bei der aktu­el­len Zins­dif­fe­renz zwischen dem US-Dollar und dem Schwei­zer Fran­ken und den damit verbun­de­nen hohen Absi­che­rungs­ko­sten würden wir von einer (voll­stän­di­gen) Absi­che­rung des Fremd­wäh­rungs­ri­si­kos derzeit abse­hen. 

Zusam­men­fas­send lässt sich fest­hal­ten, dass für den Erfolg des Stif­tungs­ver­mö­gens die rich­tige Stra­te­gie, mit einer profes­sio­nel­len und diszi­pli­nier­ten Umset­zung, entschei­dend ist. Vor allem die Risi­ken soll­ten Sie dabei stets im Auge behal­ten. Ist die von Ihnen gewählte Stra­te­gie ziel­füh­rend und schät­zen Sie die aktu­el­len Risi­ken rich­tig ein? Fragen Sie Ihren Bank­be­ra­ter.  

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