Max Have­laar-Stif­tung: Einkom­men für Fairtrade-Kakao­bau­ern steigt

Die aktuelle Studie «Cocoa Farmer Income» zeigt: Die Einkommen der Fairtrade-Kakaobauern in Côte d'Ivoire, Westafrika, sind deutlich gestiegen. Die höheren Fairtrade-Mindestpreise für Kakao zeigen Wirkung. Dennoch leben viele Kakaobäuerinnen und -bauern nach wie vor in Armut.

Das Einkom­men der Fairtrade-Kakao­bäue­rin­nen und ‑bauern im west­afri­ka­ni­schen Côte d’Ivoire ist in den letz­ten Jahren um rund 85 Prozent gestie­gen. Zugleich sank der Anteil der Perso­nen deut­lich, die in extre­mer Armut leben. Dies zeigt die aktu­elle Studie «Cocoa Farmer Income». Weiter belegt die Studie, dass das durch­schnitt­li­che jähr­li­che Haus­halts­ein­kom­men einer Kakao­bau­ern­fa­mi­lie im Unter­su­chungs­zeit­raum 2020/2021 bei 4937 Dollar liegt. 

Diver­si­fi­zie­rung und höhe­rer Einnah­men
Die posi­ti­ven Resul­tate der Studie können auf zwei Gründe zurück­ge­führt werden. Das Einkom­mens­wachs­tum ist zum einen den höhere Einnah­men aus dem Kakao­ver­kauf zu verdan­ken. Zum ande­ren zahlt sich aus, dass Einkünfte diver­si­fi­ziert wurden. Dadurch sind Geld sowie auch Sach­lei­stun­gen, die nicht aus dem Kakao­an­bau resul­tie­ren, in die Haus­halts­kas­sen geflos­sen. Im Vergleich zur Unter­su­chungs­pe­ri­ode 2016/2017 konn­ten so 19 Prozent der ivori­schen Kakao­bäue­rin­nen und ‑bauern die Grenze der extre­men Armut über­win­den. 61 Prozent der in der Studie unter­such­ten Bauern­haus­halte leben ober­halb der extre­men Armuts­grenze. Dennoch bleibe viel zu tun. Der Kakao-Experte bei Fairtrade, Jon Walker, betont gemäss Max Have­laar, dass Marken­her­stel­ler und Einzel­händ­ler aktiv werden soll­ten. Dies sei notwen­dig aufgrund des anhal­ten­den Preis­drucks, der hohen Produk­tion und der gedämpf­ten welt­wei­ten Nach­frage. Es gebe immer noch zu viele Kakao­bau­ern­fa­mi­lien, die über kein existenz­si­chern­des Einkom­men verfü­gen. Um hier weitere Fort­schritte erzie­len zu können, seien lang­fri­stige Verträge und stabile Preise von Nöten. Auch eine program­ma­ti­sche Unter­stüt­zung, die Effi­zi­enz und Diver­si­fi­zie­rung der Farmen voran­bringt, sei unabdingbar. 

Höhe­rer Mindest­preis zeigt Wirkung
Für die Studie «Cocoa Farmer Income» wurden 384 Bäue­rin­nen und Bauern aus 16 Fairtrade-zerti­fi­zier­ten Kakao-Koope­ra­ti­ven befragt. Das nieder­län­di­sche Impact Insti­tute hat die Studie im Auftrag von Fairtrade durch­ge­führt. Anhand dieser Unter­su­chung konn­ten Verbes­se­run­gen und Verän­de­run­gen, die seit 2016/2017 statt­ge­fun­den haben, gemes­sen werden. Die frühere Studie hatte gemäss Max Have­laar zur Folge, dass der Fairtrade-Mindest­preis und die Prämie um 20 Prozent ange­ho­ben wurden. Der Mindest­preis war ab Okto­ber 2019 verbind­lich. Kein ande­res Zerti­fi­zie­rungs­sy­stem arbei­tet mit einem fest­ge­leg­ten Mindest­preis als Sicher­heits­netz, schreibt Max Havelaar. 

Weitere Einkom­mens­stei­ge­rung möglich
Ange­nom­men, Fairtrade würde stär­ker nach­ge­fragt, wären weitere Einkom­mens­stei­ge­run­gen möglich. Dies zeigt das Resul­tat der zwei­ten Forschungs­frage der aktu­el­len Studie. 482 Farmen in 20 Koope­ra­ti­ven haben diese beant­wor­tet. Um ganze neun Prozent könnte sich das Haus­halts­ein­kom­men stei­gern, wenn die Klein­bäue­rin­nen und ‑bauern ihre gesamte Kakao­men­gen unter Fairtrade-Bedin­gun­gen verkau­fen könn­ten. Zwei­fel­los würde die Einkom­mens­stei­ge­rung noch deut­lich höher ausfal­len, wenn der frei­wil­lige Refe­renz­preis für existenz­si­chernde Einkom­men bezahlt würde. Dieser Fairtrade-Living-Income-Refe­rence-Preis liegt natür­lich über dem Mindest­preis. Im besten Fall würden nahezu alle Haus­halte über die Armuts­grenze gelan­gen. Die Modell­rech­nung der Forschen­den geht davon aus, dass sie eine Produk­ti­ons­menge von 800 Kilo­gramm pro Hektar errei­chen und dafür den Refe­renz­preis erhalten.

Existenz­si­chernde Einkom­men
Dem «Living Income» wird bei Fairtrade schon seit langem eine hohe Wich­tig­keit ange­rech­net. Es soll allen Haus­halts­mit­glie­dern einen ange­mes­se­nen Lebens­stan­dard ermög­li­chen. Dazu gehört eine ausge­wo­gene Ernäh­rung, saube­res Wasser, würdi­ger Wohn­raum, Zugang zu Bildung, Gesund­heits­für­sorge und weitere wesent­li­che Bedürf­nisse. Für Fairtrade ist ein existenz­si­chern­des Einkom­men von entschei­den­der Bedeu­tung, um die nach­hal­ti­gen Entwick­lungs­ziele zu erreichen. 

Fairtrade in Zeiten von Corona
Im Mai dieses Jahres veröf­fent­lichte «The Philanthropist» einen Arti­kel über die Nach­frage von Fairtrade-Produk­ten während der Pande­mie. Hier geht’s zum Beitrag.

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