In der Kultur bildet die staatliche Förderung weiterhin einen wichtigen Sockel. Doch weil die Mittel nicht mit dem Angebot wachsen, sondern im Gegenteil auch immer wieder gekürzt werden, werden sie knapper. Und Kulturfundraising anspruchsvoller. Starke Eigenmittel‑, Drittmittel- und Fundraising-Strategien werden essenzieller denn je.
Die aktuelle Diskussion zur Kulturförderung, jüngst von der NZZ am Sonntag von Mitte Oktober in einem umfangreichen Beitrag aufgegriffen, zeigt, dass die Herausforderungen nicht nur finanzieller, sondern auch struktureller Natur sind. Christoph Weckerle, Leiter des Zurich Centre for Creative Economies, betont: «Das Verständnis, wie und wieso Kultur gefördert wird, ist aus der Zeit gefallen. Es braucht dringend grundlegende Überlegungen dazu – und Strategien, um die Kultur in die Zukunft zu führen.» Diese Diagnose verweist auf ein Umdenken: Weg von blossen Fördermechanismen, hin zu neuen Legitimationen und Zielsetzungen für Kulturfinanzierung in einer sich wandelnden Gesellschaft.
Das Verständnis, wie und wieso Kultur gefördert wird, ist aus der Zeit gefallen. Es braucht dringend grundlegende Überlegungen dazu – und Strategien, um die Kultur in die Zukunft zu führen.
Christoph Weckeerle, Leiter des Zurich Centre for Creative Economies
Veränderte Ausgangslage
Auch die gestrige Tagung im Stapferhaus war in diesem Sinne kein Rückblick, sondern Impulsgeber. Unter dem Thema «(Kultur)Welt im Wandel: Transformation als Herausforderung für eine zukunftsfähige Kulturfinanzierung» haben die Referent:innen aufgezeigt, wie Institutionen auf neue Finanzierungsrealitäten reagieren – mit innovativen Konzepten, Gästezirkeln, veränderten Zielgruppen oder neuen Partnerschaften.
Denn «mehr Geld vom Staat» ist aktuell keine belastbare Devise. Vielmehr hat die Tagung deutlich gemacht, wie mit anderen Geldquellen, neuen Partnerschaften und generell neuen Denkweisen neue Türen aufgehen können. Wenn etwa Kultur- und Wirtschaftsakteure enger zusammenarbeiten oder Fundraising strategisch als Teil der Gesamtorganisation gedacht wird.
Auch der von Weckerle angesprochene Reformbedarf wird hier sichtbar. Wenn Förderinstrumente zunehmend mit bürokratischen Hürden und unklaren Zuständigkeiten belastet sind, droht das System sich selbst zu blockieren. Gerade kleinere Akteurinnen ohne administrativen Unterbau werden dadurch benachteiligt. Eine Professionalisierung der Förderpraxis darf deshalb nicht nur heissen, Anträge präziser zu formulieren, sondern Strukturen zu schaffen, die Ideen und Experimentierfreude wieder stärker belohnen.
Mäzenatentum im Fokus
Auch Swissfundraising greift das Thema auf: Am 5. Februar 2026 findet am Kunsthaus Zürich das ganztägige Seminar «Erfolgreiche Zusammenarbeit mit Mäzen:innen» statt. Unter der Leitung von Elisa Bortoluzzi Dubach steht das Mäzenatentum im Mittelpunkt – seine wachsende Bedeutung für Kultur und Gesellschaft, die Psychologie von Fördernden sowie die praktische Frage, wie Beziehungen zu Philanthrop:innen aufgebaut und gepflegt werden können.
Auch ein Gespräch mit Gitti Hug, Präsidentin der Kunstfreunde Zürich und erfahrene Philanthropin, steht auf dem Programm. Der Austausch soll zeigen, wie gegenseitiges Verständnis und Dialog Grosszügigkeit erst möglich machen – und warum Mäzenatentum gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten ein entscheidender Hebel für kulturelle Vielfalt bleiben kann.
Von Profis lernen
Für viele kleinere Organisationen stellt sich jedoch die Frage: Wie gewinnen Sie überhaupt das nötige Rüstzeug, ein solides Fundament zur Planung, Finanzierung und Durchführung von Kulturprojekten aufzubauen. Der Fachkurs «Fachkurs Kulturfinanzierung – neu gedacht» der Hochschule Luzern (HSLU) widmet sich gezielt dieser Herausforderung: Themen wie Budgetierung, Finanzplanung, Fundraising, Zusammenarbeit mit Mäzen:innen oder die Erfolgskontrolle von Kulturprojekten stehen hier im Zentrum.
Was sich zeigt: Kulturfinanzierung ist kein reines Handwerk mehr. Der Fachkurs betont, dass es neben den organisatorischen und finanziellen Tools auch immer mehr um strategisches Denken und Netzwerken geht. Wer Mäzeninnen oder Sponsorinnen gewinnen will, muss ihren Erwartungen begegnen, muss gute Geschichten erzählen, Wirkung messen und partizipative Formen anbieten.
Kulturfinanzierung im Fokus
Nach der Tagung im Stapferhaus ist klar: Kulturfinanzierung steht wieder auf der Landkarte – und zwar weit über klassische Fördermodelle hinaus. Es geht um eine strukturelle Neuorientierung.
Wie die NZZ am Sonntag aufzeigte, geht es längst auch um die Frage der Verteilung: Rund 90 Prozent der öffentlichen Gelder fliessen in Institutionen, während der verbleibende Teil unter freien Kulturschaffenden hart umkämpft ist. Christoph Weckerle bezeichnet diesen Zustand als neu für die Schweiz – und als Warnsignal. Wenn die «Töpfe nicht grösser werden», müsse man neue Wege suchen, um die Vielfalt der Kulturproduktion zu sichern. Private Mäzen:innen, Stiftungen und alternative Finanzierungsmodelle werden damit zu zentralen Akteuren in einem System, das sich im Umbruch befindet.
Für Kulturschaffende, Institutionen und Fundraiser:innen bedeutet das: Neue Wege gehen – und zwar gemeinsam. Die Zeit der einfachen Zuschüsse ist zwar nicht vorbei – aber sie reicht nicht mehr aus. Im Netzwerk «Kunst & Kultur» auf spheriq.ch gehen wir der Frage in einer losen Serie von Artikel und Austauschformaten nach. Interessierte sind eingeladen, ihre Fragestellungen direkt ins Netzwerk einzubringen.
Trendnetzwerk Kunst & Kultur
Im Netzwerk «Kunst & Kultur» erhalten die Mitglieder laufend Trends und Impulse zu Kunst und Kultur, kultureller Teilhabe, Kreativität und kulturellem Erbe. Und zum Thema Kulturfundraising: In einer losen Folge von Beiträgen und Austauschformaten geben wir dem Thema den verdienten Raum. Dem Netzwerk beitreten
Seminar «Erfolgreiche Zusammenarbeit mit Mäzen:innen»
Am Kunsthaus Zürich vermittelt Swissfundraising unter der Leitung von Elisa Bortoluzzi Dubach praxisnah, wie Kulturakteure Beziehungen zu Mäzen:innen aufbauen und pflegen können.
Datum: 5. Februar 2026, 9.00.17.00 Uhr, Kunsthaus Zürich, Heimplatz 5.
Anmeldung (nur für registrierte Nutzer:innen von Swissfundraising)
Fachkurs Kulturfinanzierung neu gedacht
Der sechstägige Kurs an der Luzerner Fachhochschule ist auf freischaffende Künstler:innen, Studierende, Veranstalter:innen des Kultursektors und weitere Akteure aus dem Nonprofit-Sektor ausgerichtet. Er spannt einen weiten Bogen von Planung über Durchführung, Finanzierung bis zur Kontrolle kultureller Veranstaltungen. Für Teilnehmer:innen mit begrenztem Budget werden vereinzelte Stipendien angeboten.
Start: 3. März 2026, 8.30–17.30 Uhr direkt am Bahnhof Rotkreuz im Kanton Zug.
Anmeldung


