Kultur­fi­nan­zie­rung auf dem Prüfstand

Überall im Land wird wieder diskutiert, wie Kulturinstitutionen oder freie Künstlerinnen ihre Finanzierungsbasis sichern, erweitern und nachhaltiger gestalten können. Der Grund liegt auf der Hand: Es wird gespart. Gestern versammelten sich Kulturschaffende, Förderer und Fundraiserinnen im Stapferhaus Lenzburg zur Tagung der Kulturfundraising‑Plattform Schweiz. Auch ein neu aufgelegter Fachkurs «Kulturfinanzierung neu gedacht» im März 2026 beleuchtet das Thema.

In der Kultur bildet die staat­li­che Förde­rung weiter­hin einen wich­ti­gen Sockel. Doch weil die Mittel nicht mit dem Ange­bot wach­sen, sondern im Gegen­teil auch immer wieder gekürzt werden, werden sie knap­per. Und Kultur­fund­rai­sing anspruchs­vol­ler. Starke Eigenmittel‑, Dritt­mit­tel- und Fund­rai­sing-Stra­te­gien werden essen­zi­el­ler denn je. 

Die aktu­elle Diskus­sion zur Kultur­för­de­rung, jüngst von der NZZ am Sonn­tag von Mitte Okto­ber in einem umfang­rei­chen Beitrag aufge­grif­fen, zeigt, dass die Heraus­for­de­run­gen nicht nur finan­zi­el­ler, sondern auch struk­tu­rel­ler Natur sind. Chris­toph Weckerle, Leiter des Zurich Centre for Crea­tive Econo­mies, betont: «Das Verständ­nis, wie und wieso Kultur geför­dert wird, ist aus der Zeit gefal­len. Es braucht drin­gend grund­le­gende Über­le­gun­gen dazu – und Stra­te­gien, um die Kultur in die Zukunft zu führen.» Diese Diagnose verweist auf ein Umden­ken: Weg von blos­sen Förder­me­cha­nis­men, hin zu neuen Legi­ti­ma­tio­nen und Ziel­set­zun­gen für Kultur­fi­nan­zie­rung in einer sich wandeln­den Gesellschaft. 

Das Verständ­nis, wie und wieso Kultur geför­dert wird, ist aus der Zeit gefal­len. Es braucht drin­gend grund­le­gende Über­le­gun­gen dazu – und Stra­te­gien, um die Kultur in die Zukunft zu führen.

Chris­toph Wecke­erle, Leiter des Zurich Centre for Crea­tive Economies

Verän­derte Ausgangs­lage 

Auch die gest­rige Tagung im Stap­fer­haus war in diesem Sinne kein Rück­blick, sondern Impuls­ge­ber. Unter dem Thema «(Kultur)Welt im Wandel: Trans­for­ma­tion als Heraus­for­de­rung für eine zukunfts­fä­hige Kultur­fi­nan­zie­rung» haben die Referent:innen aufge­zeigt, wie Insti­tu­tio­nen auf neue Finan­zie­rungs­rea­li­tä­ten reagie­ren – mit inno­va­ti­ven Konzep­ten, Gäste­zir­keln, verän­der­ten Ziel­grup­pen oder neuen Partnerschaften. 

Denn «mehr Geld vom Staat» ist aktu­ell keine belast­bare Devise. Viel­mehr hat die Tagung deut­lich gemacht, wie mit ande­ren Geld­quel­len, neuen Part­ner­schaf­ten und gene­rell neuen Denk­wei­sen neue Türen aufge­hen können. Wenn etwa Kultur- und Wirt­schafts­ak­teure enger zusam­men­ar­bei­ten oder Fund­rai­sing stra­te­gisch als Teil der Gesamt­or­ga­ni­sa­tion gedacht wird. 

Auch der von Weckerle ange­spro­chene Reform­be­darf wird hier sicht­bar. Wenn Förder­instru­mente zuneh­mend mit büro­kra­ti­schen Hürden und unkla­ren Zustän­dig­kei­ten belas­tet sind, droht das System sich selbst zu blockie­ren. Gerade klei­nere Akteu­rin­nen ohne admi­nis­tra­ti­ven Unter­bau werden dadurch benach­tei­ligt. Eine Profes­sio­na­li­sie­rung der Förder­pra­xis darf deshalb nicht nur heis­sen, Anträge präzi­ser zu formu­lie­ren, sondern Struk­tu­ren zu schaf­fen, die Ideen und Expe­ri­men­tier­freude wieder stär­ker belohnen. 

Mäze­na­ten­tum im Fokus 

Auch Swiss­fund­rai­sing greift das Thema auf: Am 5. Februar 2026 findet am Kunst­haus Zürich das ganz­tä­gige Semi­nar «Erfolg­rei­che Zusam­men­ar­beit mit Mäzen:innen» statt. Unter der Leitung von Elisa Borto­luzzi Dubach steht das Mäze­na­ten­tum im Mittel­punkt – seine wach­sende Bedeu­tung für Kultur und Gesell­schaft, die Psycho­lo­gie von Fördern­den sowie die prak­ti­sche Frage, wie Bezie­hun­gen zu Philanthrop:innen aufge­baut und gepflegt werden können. 

Auch ein Gespräch mit Gitti Hug, Präsi­den­tin der Kunst­freunde Zürich und erfah­rene Phil­an­thro­pin, steht auf dem Programm. Der Austausch soll zeigen, wie gegen­sei­ti­ges Verständ­nis und Dialog Gross­zü­gig­keit erst möglich machen – und warum Mäze­na­ten­tum gerade in wirt­schaft­lich ange­spann­ten Zeiten ein entschei­den­der Hebel für kultu­relle Viel­falt blei­ben kann. 

Von Profis lernen 

Für viele klei­nere Orga­ni­sa­tio­nen stellt sich jedoch die Frage: Wie gewin­nen Sie über­haupt das nötige Rüst­zeug, ein soli­des Funda­ment zur Planung, Finan­zie­rung und Durch­füh­rung von Kultur­pro­jek­ten aufzu­bauen. Der Fach­kurs «Fach­kurs Kultur­fi­nan­zie­rung – neu gedacht» der Hoch­schule Luzern (HSLU) widmet sich gezielt dieser Heraus­for­de­rung: Themen wie Budge­tie­rung, Finanz­pla­nung, Fund­rai­sing, Zusam­men­ar­beit mit Mäzen:innen oder die Erfolgs­kon­trolle von Kultur­pro­jek­ten stehen hier im Zentrum. 

Was sich zeigt: Kultur­fi­nan­zie­rung ist kein reines Hand­werk mehr. Der Fach­kurs betont, dass es neben den orga­ni­sa­to­ri­schen und finan­zi­el­len Tools auch immer mehr um stra­te­gi­sches Denken und Netz­wer­ken geht. Wer Mäze­n­in­nen oder Spon­so­rin­nen gewin­nen will, muss ihren Erwar­tun­gen begeg­nen, muss gute Geschich­ten erzäh­len, Wirkung messen und parti­zi­pa­tive Formen anbieten. 

Kultur­fi­nan­zie­rung im Fokus 

Nach der Tagung im Stap­fer­haus ist klar: Kultur­fi­nan­zie­rung steht wieder auf der Land­karte – und zwar weit über klas­si­sche Förder­mo­delle hinaus. Es geht um eine struk­tu­relle Neuorientierung. 

Wie die NZZ am Sonn­tag aufzeigte, geht es längst auch um die Frage der Vertei­lung: Rund 90 Prozent der öffent­li­chen Gelder flies­sen in Insti­tu­tio­nen, während der verblei­bende Teil unter freien Kultur­schaf­fen­den hart umkämpft ist. Chris­toph Weckerle bezeich­net diesen Zustand als neu für die Schweiz – und als Warn­si­gnal. Wenn die «Töpfe nicht grös­ser werden», müsse man neue Wege suchen, um die Viel­falt der Kultur­pro­duk­tion zu sichern. Private Mäzen:innen, Stif­tun­gen und alter­na­tive Finan­zie­rungs­mo­delle werden damit zu zentra­len Akteu­ren in einem System, das sich im Umbruch befindet. 

Für Kultur­schaf­fende, Insti­tu­tio­nen und Fundraiser:innen bedeu­tet das: Neue Wege gehen – und zwar gemein­sam. Die Zeit der einfa­chen Zuschüsse ist zwar nicht vorbei – aber sie reicht nicht mehr aus. Im Netz­werk «Kunst & Kultur» auf spheriq.ch gehen wir der Frage in einer losen Serie von Arti­kel und Austausch­for­ma­ten nach. Inter­es­sierte sind einge­la­den, ihre Frage­stel­lun­gen direkt ins Netz­werk einzubringen. 

Trend­netz­werk Kunst & Kultur 
Im Netz­werk «Kunst & Kultur» erhal­ten die Mitglie­der laufend Trends und Impulse zu Kunst und Kultur, kultu­rel­ler Teil­habe, Krea­ti­vi­tät und kultu­rel­lem Erbe. Und zum Thema Kultur­fund­rai­sing: In einer losen Folge von Beiträ­gen und Austausch­for­ma­ten geben wir dem Thema den verdien­ten Raum. Dem Netz­werk beitre­ten

Semi­nar «Erfolg­rei­che Zusam­men­ar­beit mit Mäzen:innen» 
Am Kunst­haus Zürich vermit­telt Swiss­fund­rai­sing unter der Leitung von Elisa Borto­luzzi Dubach praxis­nah, wie Kultur­ak­teure Bezie­hun­gen zu Mäzen:innen aufbauen und pfle­gen können. 
Datum: 5. Februar 2026, 9.00.17.00 Uhr, Kunst­haus Zürich, Heim­platz 5. 
Anmel­dung (nur für regis­trierte Nutzer:innen von Swiss­fund­rai­sing) 

Fach­kurs Kultur­fi­nan­zie­rung neu gedacht 
Der sechs­tä­gige Kurs an der Luzer­ner Fach­hoch­schule ist auf frei­schaf­fende Künstler:innen, Studie­rende, Veranstalter:innen des Kultur­sek­tors und weitere Akteure aus dem Nonpro­fit-Sektor ausge­rich­tet. Er spannt einen weiten Bogen von Planung über Durch­füh­rung, Finan­zie­rung bis zur Kontrolle kultu­rel­ler Veran­stal­tun­gen. Für Teilnehmer:innen mit begrenz­tem Budget werden verein­zelte Stipen­dien ange­bo­ten.  
Start: 3. März 2026, 8.30–17.30 Uhr direkt am Bahn­hof Rotkreuz im Kanton Zug.  
Anmel­dung  

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