Shirley Grimes, Bild: Emanuel Demenga

Kultur am Bett­rand: Gegen die Isolation

Mit dem Projekt «Kultur am Bettrand» will die Musikerin Shirley Grimes Menschen einbeziehen, die aufgrund einer langfristigen Krankheit nicht mehr an der Kultur teilhaben können. Im Juni hat sie den gemeinnützigen Verein gegründet.

Wie ist die Idee für Kultur am Bett­rand entstanden?

Eigent­lich hat sich die Idee während des ersten Lock­downs mani­fe­stiert. Es waren persön­li­che und gesell­schaft­li­che Gründe.

Hatten Sie etwas Spezi­el­les erlebt?

Als berufs­tä­tige Musi­ke­rin war es ein gros­ser Schock für mich, nicht das tun zu können, was ich immer getan habe. Nach einer Weile wurde auch klar, dass viele Menschen unter der Isola­tion litten. Da stellte ich mir vor, wie es ist, wenn man immer oder für eine längere Zeit isoliert ist. Wenn, in Folge einer Krank­heit, das Leben plötz­lich Kopf steht.

Und dage­gen woll­ten Sie etwas unternehmen?

Ich dachte, das darf nicht sein. Ich dachte an die betrof­fe­nen Menschen. Solange sie im Spital liegen und die Krank­heit akut ist, sind sie umsorgt. Zurück zu Hause blei­ben sie oft isoliert. Vor allem für sie selbst, aber auch für die Ange­hö­ri­gen und Freunde kann diese Situa­tion sehr bela­stend sein. Für isolierte, kranke Menschen wollte ich etwas unter­neh­men und auch für die Kunst­schaf­fen­den. In der Pande­mie habe ich erlebt, wie fragil die Situa­tion als Kunst­schaf­fende ist. Ich wollte für beide Parteien etwas machen.

Wie funk­tio­niert Ihre Idee?

Wir wollen für Menschen, die aus gesund­heit­li­chen Grün­den keine Kultur mehr erle­ben können, diese zu ihnen nach Hause oder in die Insti­tu­tion brin­gen. Alle, die länger isoliert sind, sollen Kunst wieder erle­ben können und zusam­men mit ihren Ange­hö­ri­gen und Freunde etwas Schö­nes erle­ben dürfen.

Alle, die länger isoliert sind, sollen Kunst wieder erle­ben können.

Shir­ley Grimes, Initi­an­tin und Kura­to­rin Kultur am Bettrand

An welche Kunst­schaf­fen­den denken Sie?

In der Pilot­phase werden wir mit Schriftsteller:innen, Erzähler:innen und Musiker:innen arbei­ten. Das wird sich hoffent­lich auswei­ten. Welche Art der Kunst gezeigt werden wird, hängt von den jewei­li­gen Möglich­kei­ten vor Ort ab.

Haben Sie schon Musiker:innen, die mitma­chen werden?

Ich habe bis jetzt rund 40 Kunst­schaf­fende kontak­tiert. Keine Stars, aber sehr etablierte Performer:innen. Alle waren begei­stert, niemand hat abge­sagt. Viele haben auch schon ähnli­che Auftritte gemacht. Als Künst­le­rin gibt es nichts Schö­ne­res, als auf der Bühne zu stehen – auch ganz intime Perfor­man­ces. Sie sind sehr real, berei­che­rend und konkret.

Shir­ley Grimes, Bild: Ueli Frey

Wo stehen Sie?

Wir sind ganz am Anfang. Erst im Juni haben wir den Verein gegrün­det. Wir suchen noch nach finan­zi­el­ler Unter­stüt­zung. Mit Part­nern aus dem Gesund­heits­be­reich sind wir in Verhand­lun­gen. Auch hier erhal­ten wir begei­ster­tes Feed­back. Im 2023 wollen wir im Kanton Bern ein Pilot­pro­jekt lancie­ren. Dieses soll uns zeigen, was möglich ist, wie die Musiker:innen mit dem Schwe­re­grad der kran­ken Menschen umge­hen. Denn ein solcher Auftritt ist eine Ausnah­me­si­tua­tion. Sehr intim. Die Musiker:innen müssen darauf vorbe­rei­tet sein, was sie erwar­tet. Deswe­gen haben wir auch eine Person im Team, die 30 Jahre Erfah­rung in der Pallia­tiv­pflege hat. Wir hoffen, dass wir viele Menschen finden, die die Idee unter­stüt­zens­wert finden.

Was fehlt noch, damit Sie 2023 losle­gen können?

Wir brau­chen die Finan­zie­rung der Pilot­phase. Ich bin mir zwar bewusst, dass die Kunst­schaf­fen­den bereit wären, auch ohne Geld mitzu­ma­chen. Aber wir wollen ein nach­hal­ti­ges Ange­bot für die isolier­ten Menschen genauso wie für die Kunst­schaf­fen­den. Sie und auch das Team sollen entlöhnt werden.

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