Inno­va­tion aus Tradition

S.D. Prinz Max von und zu Liechtenstein spricht über Venture Philanthropy und Impact Investing, über Nachhaltigkeit und Vorteile kurzer Wege sowie Risiken enger Netzwerke.

Verste­hen Sie Ihre Herkunft als Mitglied des Fürs­ten­hau­ses als Verpflich­tung, sich verstärkt für eine lebens­werte Zukunft einzusetzen?

Es macht mir Freude, mich für Liech­ten­stein zu enga­gie­ren, weil mir das Land und seine Bürger am Herzen liegen und weil mir das unter­neh­me­ri­sche und inno­va­tive Gestal­ten Spass macht. Die Moti­va­tion, mich für ein lebens­wer­tes Liech­ten­stein einzu­set­zen, kommt also weder von einer gespür­ten Verpflich­tung noch von meiner Zuge­hö­rig­keit zum Fürs­ten­haus, sondern aus Freude und Über­zeu­gung an der Sache.

Sie sind Stif­tungs­rats­prä­si­dent in der Stif­tung Lebens­wer­tes Liech­ten­stein und haben die Grün­dung initi­iert. Wie kam es zu diesem Enga­ge­ment – weshalb braucht es die Stiftung?

Jedes Land und jede Gesell­schaft verän­dern sich im Laufe der Zeit und auch in Liech­ten­stein müssen wir Sorge tragen, dass sich das Land und seine Gesell­schaft gut entwi­ckeln. Obwohl unsere poli­ti­schen Prozesse wesent­lich besser funk­tio­nie­ren als in ande­ren Ländern und schon viele gute Orga­ni­sa­tio­nen in unse­rem Land tätig sind, war es aus meiner Sicht hilf­reich, eine Stif­tung zu grün­den, die sich einer­seits sehr offen die Frage stellt, wie man das Land noch lebens­wer­ter gestal­ten könnte, und die ande­rer­seits auch finan­zi­elle und unter­neh­me­ri­sche Kompe­ten­zen besitzt, um Verän­de­run­gen zu initi­ie­ren bzw. zu unterstützen.

Nach­hal­tig­keit hat einen hohen Stel­len­wert in Ihrer Fami­lie. Wie verste­hen Sie den Begriff?

Für mich bedeu­tet Nach­hal­tig­keit, dass man Dinge so tut, dass sie lang­fris­tig gut funk­tio­nie­ren, ohne die Möglich­kei­ten zukünf­ti­ger Gene­ra­tio­nen einzuschränken. 

Das Fürs­ten­haus ist Eigen­tü­me­rin der LGT. Sie sind CEO. Wie beein­flus­sen Tradi­tion und Werte der Fami­lie – wie Nach­hal­tig­keit – die Bank?

Die Fami­lie hat eine lange und in vieler­lei Hinsicht erfolg­rei­che Histo­rie. Inso­fern ist es natür­lich, dass wir versu­chen, gewisse Tradi­tio­nen und Werte der Fami­lie zu erhal­ten und diese auch in die Kultur der Fami­li­en­un­ter­neh­men zu über­tra­gen. Hier eine Auswahl von Werten, die ich auch in der LGT zu veran­kern versu­che: eine ganz­heit­li­che und lang­fris­tige Heran­ge­hens­weise; Respekt, Empa­thie, Dank­bar­keit und Wert­schät­zung gegen­über Kolle­gen, spezi­ell gegen­über denen, die sich für das grös­sere Ganze einset­zen und verdient machen; der Wille zur laufen­den Weiter­ent­wick­lung und Verbes­se­rung auf Basis der inter­nen und exter­nen Chan­cen und Heraus­for­de­run­gen; Mut und unter­neh­me­ri­sche Neugierde, neue Wege zu gehen – nicht halb­her­zig, sondern mit Durch­schlags­kraft; eine gewisse Härte und Diszi­plin gegen­über sich selbst und ande­ren, um Entbeh­run­gen zu meis­tern, die oft notwen­dig sind, um weiter­zu­kom­men; die Fähig­keit, zu beob­ach­ten und zuzu­hö­ren, zu genies­sen und zu lachen. 

Was unter­neh­men Sie, um Green­wa­shing bei Ihren Akti­vi­tä­ten auszuschliessen?

Mir liegt eine intakte Natur sehr am Herzen und ich beob­achte den Klima­wan­del, den Rück­gang an Biodi­ver­si­tät und die in vielen Berei­chen stark wach­sende Umwelt­ver­schmut­zung mit gros­ser Sorge. Ich versu­che diese gros­sen Heraus­for­de­run­gen durch eine Viel­zahl von verschie­de­nen Mass­nah­men zu adres­sie­ren. Dieses Enga­ge­ment für die Umwelt klar und clever zu kommu­ni­zie­ren und zu forcie­ren, ist sinn­voll, es falsch darzu­stel­len, ist nicht ziel­füh­rend. Aus meiner Perspek­tive ist das fehlende Enga­ge­ment für die Umwelt aber das wesent­lich grös­sere Problem als das «Green­wa­shing». 

Passen Tradi­tion und Inno­va­tion zusammen?

Tradi­tion und Inno­va­tion passen nicht immer zusam­men, aber Unter­neh­men soll­ten versu­chen, darin eine Tradi­tion zu etablie­ren, dass sie Inno­va­tio­nen fördern. 

2007 grün­de­ten Sie LGT Venture Phil­an­thropy. Wo steht die Initia­tive heute?

LGT Venture Phil­an­thropy hat sich sehr erfreu­lich entwi­ckelt und die meis­ten der von uns unter­stütz­ten Orga­ni­sa­tio­nen haben sehr viel Mehr­wert gene­riert und die Orga­ni­sa­tion hat viele neue Initia­ti­ven inspi­riert. Wir bemü­hen uns jetzt darum, unsere verschie­de­nen Orga­ni­sa­tio­nen noch akti­ver zu bewer­ben, um mehr Gelder aufzu­neh­men und um mehr Wirkung zu generieren. 

Beein­flus­sen die Erfah­run­gen, die Sie mit Venture Phil­an­thropy gemacht haben, die Tätig­kei­ten der Bank insgesamt?

Persön­lich habe ich bei LGT Venture Phil­an­thropy sehr viel über die Welt dazu­ge­lernt, was mir bei all meinen Enga­ge­ments weiter­hilft. Die Mitar­bei­ten­den wissen, dass zehn Prozent der LGT-Divi­den­den phil­an­thro­pi­schen Zwecken zuflies­sen. Obwohl die Mitar­bei­ten­den in der Breite nicht selbst bei LGT Venture Phil­an­thropy mitwir­ken, so tragen sie doch zum phil­an­thro­pi­schen Enga­ge­ment bei, da es durch die Divi­dende der LGT finan­ziert wird, die durch das erfolg­rei­che Zusam­men­spiel aller LGT-Stake­hol­der erzielt wird. 

Holis­ti­sche Unter­neh­mens­be­wer­tung
wird weiter an Bedeu­tung
gewin­nen.

S.D. Prinz Max von und zu Liechtenstein

Welche Rolle spie­len Impact Inves­t­ing und nach­hal­tige Finanz­pro­dukte für die Zukunft des Finanzplatzes?

Impact Inves­t­ing bewer­tet die Wert­schöp­fung von Unter­neh­men ganz­heit­li­cher und dieser holis­ti­sche Ansatz ist der moder­nere, der weiter an Bedeu­tung gewin­nen wird, auch wenn es Wider­stände gegen diese Bewer­tungs­an­sätze gibt. Der Finanz­platz sollte daher ganz­heit­li­che und nach­hal­ti­gere Inves­ti­ti­ons­an­sätze unter­stüt­zen. Die einsei­tige Bewer­tung von Unter­neh­men auf Basis ihres finan­zi­el­len Erfol­ges, ohne eine adäquate Bewer­tung der ökolo­gi­schen und gesell­schaft­li­chen Auswir­kun­gen von Unter­neh­men, hat zu massi­ven Fehl­ent­wick­lun­gen geführt. Der Klima­wan­del ist ein gutes Beispiel dafür. 

Wie stark schwin­det die Tren­nung zwischen phil­an­thro­pi­scher Förde­rung und ande­ren Finanzierungsformen?

Ich begrüsse einen flexi­blen Ansatz, weil es darum geht, die rich­ti­gen Entwick­lun­gen und Orga­ni­sa­tio­nen kapi­tal­ef­fi­zi­ent und unter­neh­me­risch zu fördern, und da sind die phil­an­thro­pi­schen Orga­ni­sa­tio­nen nicht immer die besten. Je nach Bereich und Ansatz können unter­schied­li­che Orga­ni­sa­ti­ons- und Finan­zie­rungs­for­men geeig­ne­ter sein, um die ange­streb­ten Ziele kapi­tal­ef­fi­zi­ent zu errei­chen. Ich habe kein Problem, wenn man hier flexi­bel agiert und reguliert. 

Ist Impact Inves­t­ing ein isolier­tes Thema oder ist Wirkung heute bei Anla­gen gene­rell ein Thema?

Es gibt immer mehr Inves­to­ren, die davon über­zeugt sind, dass Unter­neh­men in ihrer Wert­schöp­fung nicht nur nach ihrem Finanz­erfolg beur­teilt werden soll­ten, sondern dass die Wirkung eines Unter­neh­mens ganz­heit­li­cher zu bewer­ten ist. Ich bin davon über­zeugt, dass diese holis­ti­sche Unter­neh­mens­be­wer­tung weiter an Bedeu­tung gewin­nen wird, auch weil unsere ökolo­gi­schen und gesell­schaft­li­chen Probleme weiter stark zuneh­men. Natür­lich werden solche Verän­de­run­gen in der Bewer­tung von Unter­neh­men nicht von allen Unter­neh­men gerne gese­hen, aber lang­fris­tig werden sie zu einer besse­ren und nach­hal­ti­ge­ren Wert­schöp­fung führen. 

Wie stark sollen Stif­tun­gen ihre Zweck­be­stim­mung auch auf ihre Anla­ge­ent­scheide anwenden?

Aus meiner Perspek­tive soll­ten Stif­tun­gen konsis­tent sein und der Stif­tungs­zweck sollte durch­gän­gig einge­hal­ten werden – auch bei Anla­ge­ent­schei­dun­gen. Konkret halte ich es für falsch, wenn sich eine Stif­tung bspw. für die Bekämp­fung des Klima­wan­dels einsetzt, aber gleich­zei­tig in ihren Finanz­an­la­gen in Kohle­un­ter­neh­men investiert. 

Der Stif­tungs­zweck sollte durch­gän­gig einge­hal­ten werden – auch bei Anlageentscheidungen.

S.D. Prinz Max von und zu Liechtenstein

Liech­ten­stein hat dank seiner klei­nen Grösse kurze Wege. Wie nutzt der Stand­ort dies zum seinem Vorteil?

Die kürze­ren Wege erleich­tern die Koor­di­na­tion und erhö­hen die Effi­zi­enz und die Klein­heit des Landes erhöht ausser­dem die Trans­pa­renz und führt zu besse­ren Entschei­dun­gen. Diese Vorteile wirken auf allen Ebenen und bei allen Akteu­ren und sind ein wesent­li­cher Erfolgs­fak­tor von Kleinstaaten. 

Sehen Sie Gefah­ren durch die enge Vernet­zung der Akteure? 

Ja – die enge Vernet­zung kann in jeder Hinsicht beschrän­kend wirken. Es ist daher wich­tig, dass wir breit genug vernetzt sind und dass wir die Netz­werke dyna­misch und offen gestalten.

Gibt es persön­li­che Themen­fel­der oder Projekte, die Ihnen bei Ihrer phil­an­thro­pi­schen Arbeit beson­ders am Herzen liegen?

Ich bin natur­ver­liebt, frei­heits­lie­bend und gestalte mit Freude in Berei­chen, die mir wich­tig erschei­nen. Ausser­dem geniesse ich gerne die schö­nen Dinge dieser Welt, spezi­ell auch zusam­men mit denen, die mir ans Herz gewach­sen sind. 

Wo sehen Sie die gröss­ten Hebel, die die Phil­an­thro­pie hat, um gesell­schaft­li­chen Wandel anzustossen?

Um die besten Hebel der Phil­an­thro­pie für den gesell­schaft­li­chen Wandel zu finden, muss man sich über die ange­strebte Rich­tung des gesell­schaft­li­chen Wandels im Klaren sein. Ich würde mir wünschen, dass unsere Gesell­schaft wieder natur­ver­bun­de­ner wird und dass Erfolg nicht ganz so eng mit finan­zi­el­lem und indi­vi­du­el­lem Erfolg verbun­den wird, sondern dass die Wert­schät­zung brei­ter verteilt wird, auf den Einsatz und Fort­schritt in der Gesell­schaft, in der Poli­tik, der Bildung, dem Sport, der Kultur, der Wissen­schaft, der Archi­tek­tur, der Koch­kunst, der Natur usw. 

Wie kann Liech­ten­stein im gemein­nüt­zi­gen Sektor am stärks­ten wirken?

Durch ein breit getra­ge­nes, diver­si­fi­zier­tes, intel­li­gen­tes und gut kommu­ni­zier­tes Enga­ge­ment, das sowohl im Inland als auch im Ausland in vielen Berei­chen starke Wirkung erzielt. 

Was wünschen Sie sich für die nächste Gene­ra­tion in Liech­ten­stein – sowohl wirt­schaft­lich als auch gesellschaftlich?

Weiter­hin viel und viel­fäl­ti­ges Enga­ge­ment und Lebensfreude.

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