Verstehen Sie Ihre Herkunft als Mitglied des Fürstenhauses als Verpflichtung, sich verstärkt für eine lebenswerte Zukunft einzusetzen?
Es macht mir Freude, mich für Liechtenstein zu engagieren, weil mir das Land und seine Bürger am Herzen liegen und weil mir das unternehmerische und innovative Gestalten Spass macht. Die Motivation, mich für ein lebenswertes Liechtenstein einzusetzen, kommt also weder von einer gespürten Verpflichtung noch von meiner Zugehörigkeit zum Fürstenhaus, sondern aus Freude und Überzeugung an der Sache.
Sie sind Stiftungsratspräsident in der Stiftung Lebenswertes Liechtenstein und haben die Gründung initiiert. Wie kam es zu diesem Engagement – weshalb braucht es die Stiftung?
Jedes Land und jede Gesellschaft verändern sich im Laufe der Zeit und auch in Liechtenstein müssen wir Sorge tragen, dass sich das Land und seine Gesellschaft gut entwickeln. Obwohl unsere politischen Prozesse wesentlich besser funktionieren als in anderen Ländern und schon viele gute Organisationen in unserem Land tätig sind, war es aus meiner Sicht hilfreich, eine Stiftung zu gründen, die sich einerseits sehr offen die Frage stellt, wie man das Land noch lebenswerter gestalten könnte, und die andererseits auch finanzielle und unternehmerische Kompetenzen besitzt, um Veränderungen zu initiieren bzw. zu unterstützen.
Nachhaltigkeit hat einen hohen Stellenwert in Ihrer Familie. Wie verstehen Sie den Begriff?
Für mich bedeutet Nachhaltigkeit, dass man Dinge so tut, dass sie langfristig gut funktionieren, ohne die Möglichkeiten zukünftiger Generationen einzuschränken.
Das Fürstenhaus ist Eigentümerin der LGT. Sie sind CEO. Wie beeinflussen Tradition und Werte der Familie – wie Nachhaltigkeit – die Bank?
Die Familie hat eine lange und in vielerlei Hinsicht erfolgreiche Historie. Insofern ist es natürlich, dass wir versuchen, gewisse Traditionen und Werte der Familie zu erhalten und diese auch in die Kultur der Familienunternehmen zu übertragen. Hier eine Auswahl von Werten, die ich auch in der LGT zu verankern versuche: eine ganzheitliche und langfristige Herangehensweise; Respekt, Empathie, Dankbarkeit und Wertschätzung gegenüber Kollegen, speziell gegenüber denen, die sich für das grössere Ganze einsetzen und verdient machen; der Wille zur laufenden Weiterentwicklung und Verbesserung auf Basis der internen und externen Chancen und Herausforderungen; Mut und unternehmerische Neugierde, neue Wege zu gehen – nicht halbherzig, sondern mit Durchschlagskraft; eine gewisse Härte und Disziplin gegenüber sich selbst und anderen, um Entbehrungen zu meistern, die oft notwendig sind, um weiterzukommen; die Fähigkeit, zu beobachten und zuzuhören, zu geniessen und zu lachen.
Was unternehmen Sie, um Greenwashing bei Ihren Aktivitäten auszuschliessen?
Mir liegt eine intakte Natur sehr am Herzen und ich beobachte den Klimawandel, den Rückgang an Biodiversität und die in vielen Bereichen stark wachsende Umweltverschmutzung mit grosser Sorge. Ich versuche diese grossen Herausforderungen durch eine Vielzahl von verschiedenen Massnahmen zu adressieren. Dieses Engagement für die Umwelt klar und clever zu kommunizieren und zu forcieren, ist sinnvoll, es falsch darzustellen, ist nicht zielführend. Aus meiner Perspektive ist das fehlende Engagement für die Umwelt aber das wesentlich grössere Problem als das «Greenwashing».
Passen Tradition und Innovation zusammen?
Tradition und Innovation passen nicht immer zusammen, aber Unternehmen sollten versuchen, darin eine Tradition zu etablieren, dass sie Innovationen fördern.
2007 gründeten Sie LGT Venture Philanthropy. Wo steht die Initiative heute?
LGT Venture Philanthropy hat sich sehr erfreulich entwickelt und die meisten der von uns unterstützten Organisationen haben sehr viel Mehrwert generiert und die Organisation hat viele neue Initiativen inspiriert. Wir bemühen uns jetzt darum, unsere verschiedenen Organisationen noch aktiver zu bewerben, um mehr Gelder aufzunehmen und um mehr Wirkung zu generieren.
Beeinflussen die Erfahrungen, die Sie mit Venture Philanthropy gemacht haben, die Tätigkeiten der Bank insgesamt?
Persönlich habe ich bei LGT Venture Philanthropy sehr viel über die Welt dazugelernt, was mir bei all meinen Engagements weiterhilft. Die Mitarbeitenden wissen, dass zehn Prozent der LGT-Dividenden philanthropischen Zwecken zufliessen. Obwohl die Mitarbeitenden in der Breite nicht selbst bei LGT Venture Philanthropy mitwirken, so tragen sie doch zum philanthropischen Engagement bei, da es durch die Dividende der LGT finanziert wird, die durch das erfolgreiche Zusammenspiel aller LGT-Stakeholder erzielt wird.
Holistische Unternehmensbewertung
S.D. Prinz Max von und zu Liechtenstein
wird weiter an Bedeutung
gewinnen.
Welche Rolle spielen Impact Investing und nachhaltige Finanzprodukte für die Zukunft des Finanzplatzes?
Impact Investing bewertet die Wertschöpfung von Unternehmen ganzheitlicher und dieser holistische Ansatz ist der modernere, der weiter an Bedeutung gewinnen wird, auch wenn es Widerstände gegen diese Bewertungsansätze gibt. Der Finanzplatz sollte daher ganzheitliche und nachhaltigere Investitionsansätze unterstützen. Die einseitige Bewertung von Unternehmen auf Basis ihres finanziellen Erfolges, ohne eine adäquate Bewertung der ökologischen und gesellschaftlichen Auswirkungen von Unternehmen, hat zu massiven Fehlentwicklungen geführt. Der Klimawandel ist ein gutes Beispiel dafür.
Wie stark schwindet die Trennung zwischen philanthropischer Förderung und anderen Finanzierungsformen?
Ich begrüsse einen flexiblen Ansatz, weil es darum geht, die richtigen Entwicklungen und Organisationen kapitaleffizient und unternehmerisch zu fördern, und da sind die philanthropischen Organisationen nicht immer die besten. Je nach Bereich und Ansatz können unterschiedliche Organisations- und Finanzierungsformen geeigneter sein, um die angestrebten Ziele kapitaleffizient zu erreichen. Ich habe kein Problem, wenn man hier flexibel agiert und reguliert.
Ist Impact Investing ein isoliertes Thema oder ist Wirkung heute bei Anlagen generell ein Thema?
Es gibt immer mehr Investoren, die davon überzeugt sind, dass Unternehmen in ihrer Wertschöpfung nicht nur nach ihrem Finanzerfolg beurteilt werden sollten, sondern dass die Wirkung eines Unternehmens ganzheitlicher zu bewerten ist. Ich bin davon überzeugt, dass diese holistische Unternehmensbewertung weiter an Bedeutung gewinnen wird, auch weil unsere ökologischen und gesellschaftlichen Probleme weiter stark zunehmen. Natürlich werden solche Veränderungen in der Bewertung von Unternehmen nicht von allen Unternehmen gerne gesehen, aber langfristig werden sie zu einer besseren und nachhaltigeren Wertschöpfung führen.
Wie stark sollen Stiftungen ihre Zweckbestimmung auch auf ihre Anlageentscheide anwenden?
Aus meiner Perspektive sollten Stiftungen konsistent sein und der Stiftungszweck sollte durchgängig eingehalten werden – auch bei Anlageentscheidungen. Konkret halte ich es für falsch, wenn sich eine Stiftung bspw. für die Bekämpfung des Klimawandels einsetzt, aber gleichzeitig in ihren Finanzanlagen in Kohleunternehmen investiert.
Der Stiftungszweck sollte durchgängig eingehalten werden – auch bei Anlageentscheidungen.
S.D. Prinz Max von und zu Liechtenstein
Liechtenstein hat dank seiner kleinen Grösse kurze Wege. Wie nutzt der Standort dies zum seinem Vorteil?
Die kürzeren Wege erleichtern die Koordination und erhöhen die Effizienz und die Kleinheit des Landes erhöht ausserdem die Transparenz und führt zu besseren Entscheidungen. Diese Vorteile wirken auf allen Ebenen und bei allen Akteuren und sind ein wesentlicher Erfolgsfaktor von Kleinstaaten.
Sehen Sie Gefahren durch die enge Vernetzung der Akteure?
Ja – die enge Vernetzung kann in jeder Hinsicht beschränkend wirken. Es ist daher wichtig, dass wir breit genug vernetzt sind und dass wir die Netzwerke dynamisch und offen gestalten.
Gibt es persönliche Themenfelder oder Projekte, die Ihnen bei Ihrer philanthropischen Arbeit besonders am Herzen liegen?
Ich bin naturverliebt, freiheitsliebend und gestalte mit Freude in Bereichen, die mir wichtig erscheinen. Ausserdem geniesse ich gerne die schönen Dinge dieser Welt, speziell auch zusammen mit denen, die mir ans Herz gewachsen sind.
Wo sehen Sie die grössten Hebel, die die Philanthropie hat, um gesellschaftlichen Wandel anzustossen?
Um die besten Hebel der Philanthropie für den gesellschaftlichen Wandel zu finden, muss man sich über die angestrebte Richtung des gesellschaftlichen Wandels im Klaren sein. Ich würde mir wünschen, dass unsere Gesellschaft wieder naturverbundener wird und dass Erfolg nicht ganz so eng mit finanziellem und individuellem Erfolg verbunden wird, sondern dass die Wertschätzung breiter verteilt wird, auf den Einsatz und Fortschritt in der Gesellschaft, in der Politik, der Bildung, dem Sport, der Kultur, der Wissenschaft, der Architektur, der Kochkunst, der Natur usw.
Wie kann Liechtenstein im gemeinnützigen Sektor am stärksten wirken?
Durch ein breit getragenes, diversifiziertes, intelligentes und gut kommuniziertes Engagement, das sowohl im Inland als auch im Ausland in vielen Bereichen starke Wirkung erzielt.
Was wünschen Sie sich für die nächste Generation in Liechtenstein – sowohl wirtschaftlich als auch gesellschaftlich?
Weiterhin viel und vielfältiges Engagement und Lebensfreude.


