Melanie Gajowski, Mitgründerin und Social Entrepreneurin in unterschiedlichen Funktionen. Foto: Claudia Klein

Geld hat viele Facetten

Melanie Gajowski ist Brückenbauerin zwischen verschiedenen Welten. Sie ist in der Finanzindustrie, bei Umwelt-NGOs, sozialen Unternehmen sowie im Zen, Yoga und auf naturorientierten Heilwegen unterwegs. Sie ist Ethikerin und reflektiert mit The Philanthropist über die Bedeutung von Geld.

In Zürich die Tritt­li­ga­sse hoch bis zur Nummer 16: Hier befin­det sich der Ort, wo Mela­nie Gajow­ski Menschen begeg­net, neue Ideen entwickelt und über Natur und Wirt­schaft reflek­tiert. Es ist ein Ruheort mit Blick auf einen oasen­ar­ti­gen, grünen Garten inmit­ten von Zürich.

Geld vermit­telt Wertschätzung

Arbeit und Leistung werden in unse­rer Gesell­schaft mit Lohn wert­ge­schätzt. Geld nimmt hier eine stell­ver­tre­tende Rolle wahr. Es ist ein Mittel, das oft unacht­sam ange­wen­det wird und zu stän­di­gen Diskus­sio­nen führt. Mela­nie Gajow­ski sagt: «Mit Geld kann aber auch Liebe und Wert­schät­zung gezeigt werden, indem man als Über­ra­schung eine Schach­tel Scho­ko­lade oder eine schöne Pflanze kauft und mitbringt und auch indem wir Dienst­lei­stun­gen und die Herstel­lung von Produk­ten fair entlöh­nen.» Weiter führt sie aus: «Faire Bezah­lung ist für mich eine Grund­lage für den verant­wor­tungs­vol­len Umgang mitein­an­der. Was fair ist, wissen wir nur, wenn wir es mitein­an­der aushan­deln, mitein­an­der ins Gespräch gehen. Inso­fern hat Geld sehr viel mit dem Ausdruck von Wert­schät­zung in Bezie­hun­gen zu tun.»

Geld für alle

Geld ist auf der Welt genü­gend vorhan­den. Alle sollen Geld haben, jenes, das nicht gebraucht wird, könnte man teilen. «Teilen ist nicht Schen­ken», führt Mela­nie Gajow­ski weiter aus, denn Teilen gehe über das normale Mass an Schen­ken hinaus, betont sie. Schen­ken sei wegge­ben, teilen dage­gen sei etwa die Wohnung oder den Arbeits­platz während eige­ner Absen­zen ande­ren zur Nutzung zur Verfü­gung zu stel­len. Die Nutzer bezah­len, was sie können. Und weiter betont sie: «Es macht einen Unter­schied, wenn man gutes Tun will, weil es einem gut geht. Eine Einzel­per­son kann sich evtl. etwas nicht leisten. Mehrere Perso­nen gehö­ren einem System an und wenn mehrere Teil haben, wird der Kauf erschwing­lich oder das Projekt umsetzbar.

Eine Form des Schen­kens ist für Mela­nie Gajow­ski Spen­den. Ganz gene­rell müsse man sich beim Spen­den immer fragen, weshalb man über­haupt spen­det. Latent bestehe beim Spen­den immer die Gefahr, dass man sich über die Geld­emp­fän­ger stelle. «Trägt es nicht genau dazu bei, das System reich – arm, Nord – Süd zu erhal­ten?», stellt sie in den Raum. Genau diese Frage sollte man sich bewusst stel­len: «Es braucht eine seriöse Analyse, wie ich mein Geld verdie­nen will. Das muss sich jede Person selber über­le­gen. Wie bewege ich mein Geld, wo inve­stiere ich, wo lagere ich es und was bewirke ich damit. Das Geld kommt immer aus einer Quelle», führt sie aus.

Was macht das Geld mit mir oder eben nicht

Mela­nie Gajow­ski plädiert für mehr Acht­sam­keit im Umgang mit Geld. Jede und jeder sollte sich bewusst Zeit nehmen, einmal inne­hal­ten und über­le­gen, was Geld mit ihr, mit ihm macht. «Wozu nutze ich Geld und wozu verlei­tet mich Geld?», fragt die Ethi­ke­rin und Brücken­baue­rin zwischen Finanz­in­du­strie und NGO-Welt. Oftmals tätige man Käufe sehr unbe­wusst. Sie plädiert dafür, sehr genau hinzu­schauen, welche Anschaf­fun­gen denn wirk­lich notwen­dig seien. «Gerade vorhan­de­nes Geld ist oft der Nähr­bo­den für den Alltags­trott, aus welchem wir eigent­lich raus­kom­men möch­ten», sagt Mela­nie Gajow­ski. Geld per se sei nichts Schlech­tes. «Geld braucht es, ich liebe Geld», sagt sie und präzi­siert sogleich, «mit Geld kann ich viel bewir­ken, Einfluss nehmen und Gutes tun.» Man sollte sich das einfach vor Augen führen. Geld wirkt. Kauf­ent­scheide haben Einfluss, bspw. auf das Klima und damit auf das Wohl­be­fin­den von Menschen rund um den Globus. Das sollte man nie ausser Acht lassen.


Mela­nie Gajow­ski ist Mitgrün­de­rin und Social Entre­pre­neu­rin in unter­schied­li­chen Funk­tio­nen. In der Finanz­bran­che ist sie inzwi­schen seit 30 Jahren tätig. Diese lernte sie bei der Deut­schen Bank und der UBS kennen. Heute ist sie frei­schaf­fende Ethi­ke­rin und Ökono­min sowie Mitglied der Geschäfts­lei­tung der Alter­na­ti­ven Bank im Jobsharing.

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