Was gab den Anstoss zur Gründung von Street Racket?
Der Ursprung des Street-Racket-Konzepts war die Idee, ein Spiel zu entwickeln, das für alle zugänglich ist, unabhängig von Infrastruktur, Platzverhältnissen oder spezieller Ausrüstung. Und auch unabhängig von körperlichen Voraussetzungen, Status oder Herkunft. Entstanden ist dieser Gedanke im Frühling 2015 auf der Karibikinsel Dominica, wo ich gemeinsam mit dem Verein Sport Aid Dominica Tischtennis an Schulen fördern wollte. Rasch zeigte sich jedoch, dass aufgrund von Platzmangel sowie fehlenden Mitteln und Materialien nicht genügend Tischtennistische vorhanden waren oder gebaut bzw. gekauft werden konnten. Daraufhin kamen mein Team und ich – meine damals fünfköpfige Familie – auf die Idee, Spielfelder ganz einfach mit Kreide oder anderen Alltags-Hilfsmitteln auf den Boden zu zeichnen und gänzlich ohne Tische und Netze zu spielen. Das daraus entstandene Spiel erwies sich als unkompliziert, fliessend und völlig unabhängig von Infrastruktur. Damit konnte man nicht nur viel Geld, sondern auch Zeit einsparen (keine Auf- und Abbauarbeiten, keine Logistik, kein Unterhalt).
Die Niedrigschwelligkeit und Nachhaltigkeit des Spiels, verstärkt durch Grundregeln, die auf Kontrolle statt Kraft setzen, wurden zum Herzstück des Konzepts.
Marcel Staub, Gründer Street Racket
Die Niedrigschwelligkeit und Nachhaltigkeit des Spiels, verstärkt durch Grundregeln, die auf Kontrolle statt Kraft setzen, wurden zum Herzstück des Konzepts, das fortan unter dem Motto anyone – anytime – anywhere weltweit Verbreitung finden sollte. Knapp zehn Jahre später wirkt Street Racket bereits in rund 100 Ländern und wurde u.a. vom EDA eingeladen, diese zu 100 Prozent Schweizerische Innovation an den Olympischen Spielen in Paris im Maison Suisse vorzustellen. Nicht zuletzt auch, weil eines der zentralen Spielfelder wie das Schweizerkreuz aussieht.
Was unterscheidet Street Racket von anderen Angeboten?
Street Racket unterscheidet sich von traditionellen Racket Sportarten – oder auch Rückschlag Sportarten – vor allem durch seine einzigartige Kombination aus Niedrigschwelligkeit, Flexibilität, minimalem Infrastrukturbedarf, Bildungsrelevanz und seinem charakteristischen und enorm vielseitigen Spielprinzip. Das Konzept legt den Schwerpunkt auf Pädagogik, Gesundheit, Prävention, Inklusion, Gemeinschaft und selbstverständlich auf die Freude an Bewegung – und deutlich weniger auf Leistungsdruck, Ranglisten oder Wettbewerb.
Dank der einfachen Regeln und des moderaten Spieltempos ermöglicht Street Racket einen sofortigen Einstieg für alle und schnelle Erfolgserlebnisse. Diese führen zu viel Motivation und dem Wunsch nach regelmässiger Aktivität. Dadurch eignet es sich gleichermassen für Sporterfahrene wie für Neueinsteigerinnen, für Kinder, Schulen, Seniorinnen oder auch Menschen mit Einschränkungen. Zusätzlich fördert Street Racket auf natürliche Weise kognitive Prozesse, Koordination, Kooperation und Kreativität. Die offene Spielform schafft zahlreiche soziale Lernmomente, fördert auch die Kreativität und stärkt Inklusion und Sozialkompetenz.
Jeder Boden wird nicht nur zum Spielplatz, sondern auch zur Lernfläche.
Speziell hervorzuheben ist zudem der Bildungsaspekt. Street Racket fördert im hohen Masse das fächerübergreifende, bewegte Lernen. Jeder Boden wird nicht nur zum Spielplatz, sondern auch zur Lernfläche. Innovative, kognitiv anregende und spannende Aktivitäten fördern u.a. den Spracherwerb und die Rechenfähigkeiten (SDGs: literacy & numeracy). Street Racket ist dadurch viel mehr als ein Bewegungsspiel, es fördert alle Kompetenzen des 21. Jahrhunderts und orientiert sich eng an den globalen Nachhaltigkeitszielen SDGs.
Sie sind als GmbH gestartet. Weshalb wollen Sie Street Racket nun in einen gemeinnützigen Verein umwandeln?
Street Racket begann ursprünglich als Verein; erst später wurde ergänzend eine Street Racket GmbH gegründet – hauptsächlich für den Materialverkauf. Die GmbH bleibt weiterhin bestehen, während der ursprüngliche Verein aufgelöst wurde, da Street Racket aufgrund der Namensgleichheit häufig als rein kommerzielles Produkt wahrgenommen wurde. Dabei ist die breite und niederschwellige Verbreitung des Konzepts mit seinem vielseitigen Nutzen – in Gesundheits- und Sozialprojekten ebenso wie in Schulen oder in der Freizeit – der zentrale Bestandteil der Idee. Und dieser ist eben gemeinnützig. Der Verein will dafür sorgen, dass Street Racket überall seine Wirkung entfalten kann.
Wie soll die neue Form aussehen?
Der «Verein B3 – Bewegung, Begegnung und Bildung ohne Grenzen» ist ein gemeinnütziger Verein, der mit Street Racket sowie weiteren Organisationen und Institutionen zusammenarbeitet, um seine Vereinsziele zu erreichen. Die leitenden und ehrenamtlich tätigen Organe sind die Mitgliederversammlung, der Vorstand und die Revisionsstelle. Grundsätzlich kann jede natürliche oder juristische Person Mitglied des Vereins werden.
Wo stehen Sie in diesem Prozess?
Der Verein B3 ist inzwischen gegründet, womit der formale Prozess weitgehend abgeschlossen ist. Nun geht es darum, Projekte anzustossen und die nötigen Finanzierungen sicherzustellen. Besonders von Stiftungen, aber auch von Förderprogrammen wie jener der Gesundheitsförderung Schweiz, kantonalen Programmen und anderen Institutionen, erhoffen wir uns Unterstützung.
Die anspruchsvollste Arbeit liegt also noch vor uns.
Die anspruchsvollste Arbeit liegt also noch vor uns, doch wir sind zuversichtlich, die erforderlichen Mittel zu finden, um die sinnvollen Vereinsziele wirkungsvoll verfolgen zu können. Wir haben Zusicherung des Steueramtes des Kantons Zürich zur Befreiung von der Steuer bereits erhalten, wir erwarten derzeit nur noch die definitive Verfügung. Zu den nächsten Schritten gehört natürlich auch eine Webseite für den neuen Verein mit den wichtigsten Informationen,
Was sind die Herausforderungen?
Die grösste Herausforderung des Vereins wird die Beschaffung von Mitteln sein. Anträge für Stiftungs- und Fördergelder erfordern viel Aufwand, während nur wenige erfolgreich sind. Der Verein muss daher überzeugende Gesuche formulieren, Geduld mitbringen und den Optimismus bewahren. Ist die Finanzierung eines Programms gesichert, folgen als nächste Herausforderungen die sorgfältige Umsetzung, Überwachung und Evaluation.
Welche Ziele wollen Sie mit dem Verein erreichen?
Der Verein B3 verfolgt das Ziel, die physische und psychische Gesundheit aller Menschen zu fördern – unabhängig von Alter, Geschlecht, Sprache, sozialem Status, Kultur, Religion, physischen oder psychischen Voraussetzungen oder finanziellen Möglichkeiten. Dazu gehören auch zentrale soziale Aspekte wie Bildung, Inklusion und Integration. Der Verein ist ausschliesslich gemeinnützig tätig und verfolgt keinerlei Erwerbsabsichten. Seine Aufgaben umfassen die Konzeption, Förderung, Finanzierung, Qualitätssicherung und Verbreitung verschiedener Programme, nicht jedoch deren operative Durchführung.


