Friendly Fire

Während der Gemeinnützigkeitssektor auf kantonaler Ebene mit tatkräftiger Unterstützung der FDP politischen Aufwind erhält und dadurch bedeutende Kantone den eigenen Stiftungsstandort fördern wollen, sich Bundesbehörden international für die Interessen der Stiftungen und NPO einsetzen und das Parlament angemessene Ausnahmen für gemeinnützige Organisationen von unpassenden Gesetzen vorsehen, torpediert die FDP auf Bundesebene erneut den Gemeinnützigkeitssektor.

PROFONDS

Es tat sich viel im Sektor in den letz­ten Jahren. Neben zwei Geset­zes­re­vi­sio­nen hat der Kanton Zürich Anfang 2024 seine restrik­tive Praxis bezüg­lich Hono­rie­rung von Stif­tungs­rä­ten und Vereins­vor­stän­den ange­passt und fördert nun bewusst den Stif­tungs­stand­ort Zürich. Feder­füh­rend war die FDP-Regie­rungs­rä­tin Carmen Walker Späh. In Basel und Genf bestehen solche Initia­ti­ven bereits seit mehre­ren Jahren, eben­falls immer unter tatkräf­ti­ger Unter­stüt­zung der Libe­ra­len. Auch im Kanton Luzern wurde jüngst eine solche Initia­tive lanciert. Initi­an­tin: die FDP Luzern.

Dane­ben haben wir als Verbände zusam­men mit dem Staats­se­kre­ta­riat für inter­na­tio­nale Finanz­fra­gen (SIF) erreicht, dass gemein­nüt­zige Stif­tun­gen und NPO vom Auto­ma­ti­schen Infor­ma­ti­ons­aus­tausch in Steu­er­sa­chen auch nach den Vorga­ben der OECD ausge­nom­men werden. Die admi­nis­tra­tive Mehr­be­las­tung wäre andern­falls enorm gewe­sen. Zudem konn­ten wir im Parla­ment errei­chen, dass gemein­nüt­zige Stif­tun­gen und NPO von der Eintra­gungs­pflicht in das sog. Regis­ter der wirt­schaft­lich berech­tig­ten Perso­nen befreit werden, schlicht weil weder Stif­tun­gen noch NPO solche Perso­nen haben. In all den aufge­zähl­ten Fällen haben sich Parteien, Behör­den und Parla­men­ta­rier für den Gemein­nüt­zig­keits­sek­tor eingesetzt.

Vor diesem Hinter­grund erscheint die von der FDP am 19. Dezem­ber 2024 einge­reichte Motion mit dem Titel «Stär­kung der Gemein­nüt­zig­keit steu­er­be­frei­ter Orga­ni­sa­tio­nen» umso mehr als Friendly Fire. Denn diese hat ein Ziel: Gemein­nüt­zige Orga­ni­sa­tio­nen verlie­ren entwe­der ihre Steu­er­be­frei­ung ganz oder teil­weise, was für diese exis­ten­zi­ell ist, oder sie entschei­den sich dafür, nicht mehr am poli­ti­schen Diskurs teil­zu­neh­men. Damit sollen gemein­nüt­zige Orga­ni­sa­tio­nen von diesem ausge­schlos­sen werden, was zu einer Verar­mung des demo­kra­ti­schen Dialogs führt. 

Wir setzen uns daher mit Verve dafür ein, dass die Motion – wie vom Bundes­rat bean­tragt – abge­lehnt wird.

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