Véronique Tischhauser Ducrot ist Vorsitzende der Geschäftsleitung von Pro Senectute Kanton Zürich

Frei­wil­li­gen­ar­beit im Wandel: Wie starke Stif­tungs­räte heute entstehen

Freiwilligenarbeit bleibt ein tragender Pfeiler des gesellschaftlichen Zusammenhalts – steht jedoch zunehmend vor neuen Anforderungen. Auch die Besetzung von Stiftungsräten wird komplexer und verlangt nach vielfältigen Kompetenzen sowie neuen Wegen in der Rekrutierung. Wie digitale Lösungen dabei unterstützen können und worauf es in der Praxis ankommt, erklärt Véronique Tischhauser-Ducrot, Vorsitzende der Geschäftsleitung von Pro Senectute Kanton Zürich im Gespräch.

Frau Tisch­hau­ser-Ducrot, welche Rolle spielt Frei­wil­li­gen­ar­beit heute bei Pro Senec­tute Kanton Zürich?
Eine sehr wich­tige. Ohne den Einsatz unse­rer rund 3’000 frei­wil­lig Enga­gier­ten könn­ten wir unsere Dienst­leis­tun­gen in dieser Form nicht erbrin­gen. Wir setzen seit vielen Jahren auf das Enga­ge­ment von Frei­wil­li­gen, und dieses bleibt genauso rele­vant wie früher. Denn frei­wil­lige Enga­ge­ments leis­ten einen wich­ti­gen Beitrag zum gesell­schaft­li­chen Zusam­men­halt. Sie schaf­fen Begeg­nun­gen und fördern das gegen­sei­tige Verständ­nis zwischen Gene­ra­tio­nen und Lebenswelten.

Was wir fest­stel­len, wie andere Orga­ni­sa­tio­nen auch, ist, dass sich die Bedürf­nisse der frei­wil­lig enga­gier­ten Perso­nen verän­dern. Beispiels­weise ist heut­zu­tage die Nach­frage nach punk­tu­el­len, also weni­ger lang­fris­ti­gen Einsät­zen, grös­ser. Dem muss man Rech­nung tragen.

Was zeich­net eine starke Führungs­per­sön­lich­keit in der Frei­wil­li­gen­ar­beit aus?
Einer­seits sind Kennt­nisse und Erfah­rung aus dem Bereich der Frei­wil­li­gen­ar­beit wich­tig. Ande­rer­seits braucht es die Fähig­keit, die Viel­falt und die Bedeu­tung der Frei­wil­li­gen­ar­beit im gesell­schaft­li­chen Kontext zu verste­hen und in stra­te­gi­sche Hand­lun­gen zu über­füh­ren. Zudem ist die Verbin­dung zur Privat­wirt­schaft entschei­dend, um Corpo­rate-Volun­tee­ring-Ange­bote zu entwi­ckeln und diese für beide Seiten gewinn­brin­gend umzusetzen.

Führung braucht auch auf stra­te­gi­scher Ebene die rich­ti­gen Kompe­ten­zen. Wie stel­len Sie eine kompe­tente und unab­hän­gige Zusam­men­set­zung Ihres Stif­tungs­rats sicher?
Für die Zusam­men­set­zung des Stif­tungs­rats spielt es bei uns eine wesent­li­che Rolle, dass die Mitglie­der über viel­fäl­tige Kompe­ten­zen und eine breite, diver­si­fi­zierte Praxis­er­fah­rung verfü­gen sowie unter­schied­li­chen Alters­grup­pen ange­hö­ren. Das ist wich­tig, um die unab­hän­gige Aufsicht und die notwen­di­gen Kompe­ten­zen zur Erfül­lung der stra­te­gi­schen Aufga­ben des Stif­tungs­rats sicher­zu­stel­len. Zudem sind ein gutes Verständ­nis für Gover­nance sowie eine persön­li­che Moti­va­tion für ein Enga­ge­ment in einer Stif­tung zentral. Basie­rend auf diesen Krite­rien und spezi­fi­schen Anfor­de­run­gen pro Ressort rekru­tie­ren wir gezielt.

Was war die grösste Heraus­for­de­rung bei der Rekru­tie­rung für dieses Ressort?
Das Ressort Frei­wil­li­gen­ar­beit an sich ist heraus­for­dernd, da es ein sehr spezi­fi­sches Thema abdeckt. Eine Suche in den Berei­chen HR, Finan­zen oder Marke­ting ist übli­cher und spricht einen brei­te­ren Perso­nen­kreis an. Inso­fern war es nicht einfach, eine geeig­nete Person zu finden, die einer­seits die opera­tive Erfah­rung mitbringt und ande­rer­seits im Rahmen eines Stif­tungs­rats­man­dats auch die stra­te­gi­sche Perspek­tive des gesuch­ten Bereichs einneh­men kann.

Welchen Mehr­wert bot Ihnen die Platt­form StiftungsratsMandat.com bei der Rekru­tie­rung?
Wir sind über die Platt­form auf mehrere Kandi­da­tin­nen und Kandi­da­ten gestos­sen, was schluss­end­lich zum Erfolg geführt hat.

Wir hatten so Zugang zu mehr poten­zi­el­len Persön­lich­kei­ten, als wenn wir direkt gesucht hätten. Beson­ders wert­voll war die Möglich­keit, gezielt nach Kompe­ten­zen und Erfah­run­gen zu filtern und so auch Profile zu iden­ti­fi­zie­ren, die wir über klas­si­sche Netz­werke mögli­cher­weise nicht erreicht hätten.

Welche Rolle spielt Digi­ta­li­sie­rung in Ihrer Orga­ni­sa­tion und in der Gremi­en­ar­beit?
Die Digi­ta­li­sie­rung spielt bei uns in verschie­de­ner Hinsicht eine grosse Rolle.

Einer­seits kann die Zusam­men­ar­beit mit frei­wil­lig täti­gen Perso­nen effi­zi­en­ter gestal­tet werden. Digi­tale Mittel machen die Zusam­men­ar­beit flexi­bler und ermög­li­chen mehr und einfa­chere Kommu­ni­ka­ti­ons­wege, sodass sich die Frei­wil­li­gen verstärkt auf ihr Enga­ge­ment fokus­sie­ren können.

Ande­rer­seits ist uns auf der stra­te­gi­schen Ebene die Ausein­an­der­set­zung mit unse­rer eige­nen Digi­ta­li­sie­rungs­stra­te­gie wich­tig. Wir sorgen für eine sorg­fäl­tige, aber dezi­dierte Entwick­lung von Kompe­ten­zen sowie für die digi­tale Trans­for­ma­tion der Orga­ni­sa­tion. Dies erfor­dert gezielte und kluge Investitionen.

Für Pro Senec­tute Kanton Zürich gibt es noch eine dritte Ebene, nämlich jene unse­rer Kundin­nen und Kunden sowie der Gesell­schaft. Die Weiter­ent­wick­lung von Ange­bo­ten zur Förde­rung der digi­ta­len Kompe­ten­zen älte­rer Menschen ist uns ein gros­ses Anlie­gen. Ebenso wich­tig ist die Sensi­bi­li­sie­rung der Gesell­schaft und ihrer Akteure im Umgang mit Digi­ta­li­sie­rung und vulner­ablen Zielgruppen.

In diesem Kontext gewin­nen auch digi­tale Lösun­gen in der Gremi­en­re­kru­tie­rung zuneh­mend an Bedeu­tung. Platt­for­men wie StiftungsratsMandat.com leis­ten hier einen wich­ti­gen Beitrag, indem sie Trans­pa­renz, Effi­zi­enz und Diver­si­tät in der Beset­zung von Stif­tungs­rä­ten fördern.

Véro­ni­que Tischhauser‑Ducrot ist Vorsit­zende der Geschäfts­lei­tung von Pro Senec­tute Kanton Zürich seit 2020. Ihre beruf­li­che Lauf­bahn vereint ausge­wie­sene Exper­tise im Nonprofit‑Sektor mit fundier­ter Erfah­rung aus der IT‑ und Versi­che­rungs­bran­che. Nach über 15 Jahren in der Privat­wirt­schaft wech­selte Véro­ni­que Tischhauser‑Ducrot 2011 zur Spitex und verant­wor­tete dort komplexe Trans­for­ma­ti­ons­pro­zesse und Koope­ra­tio­nen.

Sie absol­vierte ihr Studium in der Poli­ti­schen Wissen­schaft an der Univer­si­tät Genf und besitzt zudem ein Diplom of Advan­ced Studies in Nonpro­fit Manage­ment & Law sowie ein Certi­fi­cate of Advan­ced Studies in Verwal­tungs­rats­ma­nage­ment von der Univer­si­tät St. Gallen. 

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Webi­nar: Effi­zi­en­tes Finden passen­der Stif­tungs­rats­mit­glie­der

Die Suche nach passen­den Stif­tungs­rats­mit­glie­dern ist oft anspruchs­voll. Worauf kommt es an, um die rich­ti­gen Kompe­ten­zen und Perspek­ti­ven zusam­men­zu­brin­gen? Im Webi­nar «Effi­zi­en­tes und einfa­ches Finden von passen­den Stif­tungs­rats­mit­glie­dern – so wird’s heute gemacht» zeigt Domi­nic Lüthi, wie Stif­tun­gen viel­fäl­tige Kompe­ten­zen im Stif­tungs­rat gezielt aufbauen, passende Kandidat:innen effi­zi­ent finden und die Nach­fol­ge­pla­nung voraus­schau­end gestal­ten können.

Daten: 24. Juni 2026, 7. Septem­ber 2026, 1. Dezem­ber 2026
Online von 11.00 bis 12.00 Uhr
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