Der Freiwilligen-Monitor 2025 der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft (SGG) mit Unterstützung des Migros-Kulturprozents und der Beisheim Stiftung zieht eine klare Bilanz: Zwei Drittel der Bevölkerung leisten Freiwilligenarbeit – sei es formell in Vereinen und Organisationen oder informell im nahen sozialen Umfeld. Dieses Niveau bleibt bemerkenswert stabil, trotz Pandemie, gesellschaftlichem Umbruch und Digitalisierungsschub.
Das formelle Engagement, also die Mitarbeit in Vereinen, Organisationen oder politischen Gremien, ist seit 2019 sogar leicht gestiegen. Gleichzeitig zeigt sich: Hinter den Zahlen verschiebt sich die Struktur des Engagements deutlich.
Freiwilligenarbeit im Wandel: Wer, wie, warum?
Die Daten zeichnen ein klares Bild: Das Engagement bleibt, aber es verändert seine Form. Es wird kleinteiliger, projektorientierter und hybrider. Jüngere Menschen engagieren sich häufiger befristet, digital und unverbindlich. Ältere Menschen bringen Kontinuität. Im Schnitt dauert ihr Engagement über 16 Jahre, oft in kirchlichen oder politischen Organisationen. Menschen mit Migrationsgeschichte sind deutlich unterrepräsentiert. Hier zeigen die Daten ein bislang unterschätztes Potenzial.
Bei der Nachfrage zeigt sich, dass flexiblere Formate, punktuelles Mitmachen statt dauerhafter Bindung gefragt sind. Notwendig ist daher ein Perspektivenwechsel: Die Entwicklung bei der Freiwilligenarbeit nicht als Rückgang («weniger Ehrenamt») verstehen, sondern als Transformation hin zu vielfältigen Formen gesellschaftlicher Teilhabe.
Stiftungen im Fokus: Daten strategisch nutzen
Gemeinnützige Stiftungen können den Monitor als Steuerungsinstrument nutzen für eine datenbasierte Strategie. Die Erkenntnisse können dazu beitragen, die Zielgruppen verstehen: Wer ist aktiv, mit welchen Motiven und wo gibt es Hindernisse? Differenzierungen nach Alter, Bildungsstand, Region oder digitalem Zugang bieten Orientierung. Der Monitor kann dazu anregen, die Formate zu überdenken. Klassische Vereinsmodelle greifen nicht mehr überall. Micro-Volunteering, hybride Modelle oder Engagement «on demand» sind wichtige Brücken zu jüngeren und mobilen Gruppen. Zudem zeigt der Monitor, wo das Engagement hoch ist (Sport, Kultur, Soziales) und wo es Lücken gibt (Umwelt, Menschenrechte). Fördergelder können so gezielt Wirkung entfalten.
Realität statt Romantik
Der Monitor räumt mit Mythen auf – und zwingt zu Klarheit: Es gibt einen Mangel an Führungskräften auch im freiwilligen Bereich. Und manche Organisationen stehen vor einer Überalterung. Aber: Es fehlt nicht an Engagement. Es fehlt an Anpassung. Freiwilligenarbeit ist im Wandel. Organisationen, die Freiwillige gewinnen möchten, müssen sich an Lebensrealitäten orientieren statt an nostalgischen Vereinsbildern festzuhalten.
Mit-Träger des Freiwilligen-Monitors 2025 sind das Migros-Kulturprozent sowie die Beisheim Stiftung. Unterstützt wird die Studie ausserdem vom Bundesamt für Statistik sowie rund dreissig Partnerorganisationen. Der Freiwilligen-Monitor als Download.


