Zum fünften Mal wurde 2025 der Freiwilligen-Monitor pulbiziert.

Frei­wil­li­gen­ar­beit bleibt stabil – was Orga­ni­sa­tio­nen jetzt wissen müssen

86 Prozent der Schweizer Bevölkerung engagieren sich freiwillig – in unterschiedlichster Form. Das ist die zentrale Botschaft des neuen Freiwilligen-Monitors Schweiz 2025. Von einer «Freiwilligenkrise» kann keine Rede sein. Doch: Das Engagement verändert sich. Wer die Freiwilligen von morgen gewinnen will, muss diesen Wandel verstehen und aktiv gestalten.

Der Frei­wil­li­gen-Moni­tor 2025 der Schwei­ze­ri­schen Gemein­nüt­zi­gen Gesell­schaft (SGG) mit Unter­stüt­zung des Migros-Kultur­pro­zents und der Beis­heim Stif­tung zieht eine klare Bilanz: Zwei Drit­tel der Bevöl­ke­rung leis­ten Frei­wil­li­gen­ar­beit – sei es formell in Verei­nen und Orga­ni­sa­tio­nen oder infor­mell im nahen sozia­len Umfeld. Dieses Niveau bleibt bemer­kens­wert stabil, trotz Pande­mie, gesell­schaft­li­chem Umbruch und Digitalisierungsschub.

Das formelle Enga­ge­ment, also die Mitar­beit in Verei­nen, Orga­ni­sa­tio­nen oder poli­ti­schen Gremien, ist seit 2019 sogar leicht gestie­gen. Gleich­zei­tig zeigt sich: Hinter den Zahlen verschiebt sich die Struk­tur des Enga­ge­ments deutlich.

Frei­wil­li­gen­ar­beit im Wandel: Wer, wie, warum?

Die Daten zeich­nen ein klares Bild: Das Enga­ge­ment bleibt, aber es verän­dert seine Form. Es wird klein­tei­li­ger, projekt­ori­en­tier­ter und hybri­der. Jüngere Menschen enga­gie­ren sich häufi­ger befris­tet, digi­tal und unver­bind­lich. Ältere Menschen brin­gen Konti­nui­tät. Im Schnitt dauert ihr Enga­ge­ment über 16 Jahre, oft in kirch­li­chen oder poli­ti­schen Orga­ni­sa­tio­nen. Menschen mit Migra­ti­ons­ge­schichte sind deut­lich unter­re­prä­sen­tiert. Hier zeigen die Daten ein bislang unter­schätz­tes Potenzial.

Bei der Nach­frage zeigt sich, dass flexi­blere Formate, punk­tu­el­les Mitma­chen statt dauer­haf­ter Bindung gefragt sind. Notwen­dig ist daher ein Perspek­ti­ven­wech­sel: Die Entwick­lung bei der Frei­wil­li­gen­ar­beit nicht als Rück­gang («weni­ger Ehren­amt») verste­hen, sondern als Trans­for­ma­tion hin zu viel­fäl­ti­gen Formen gesell­schaft­li­cher Teilhabe.

Stif­tun­gen im Fokus: Daten stra­te­gisch nutzen

Gemein­nüt­zige Stif­tun­gen können den Moni­tor als Steue­rungs­in­stru­ment nutzen für eine daten­ba­sierte Stra­te­gie. Die Erkennt­nisse können dazu beitra­gen, die Ziel­grup­pen verste­hen: Wer ist aktiv, mit welchen Moti­ven und wo gibt es Hinder­nisse? Diffe­ren­zie­run­gen nach Alter, Bildungs­stand, Region oder digi­ta­lem Zugang bieten Orien­tie­rung. Der Moni­tor kann dazu anre­gen, die Formate zu über­den­ken. Klas­si­sche Vereins­mo­delle grei­fen nicht mehr über­all. Micro-Volun­tee­ring, hybride Modelle oder Enga­ge­ment «on demand» sind wich­tige Brücken zu jünge­ren und mobi­len Grup­pen. Zudem zeigt der Moni­tor, wo das Enga­ge­ment hoch ist (Sport, Kultur, Sozia­les) und wo es Lücken gibt (Umwelt, Menschen­rechte). Förder­gel­der können so gezielt Wirkung entfalten.

Reali­tät statt Romantik

Der Moni­tor räumt mit Mythen auf – und zwingt zu Klar­heit: Es gibt einen Mangel an Führungs­kräf­ten auch im frei­wil­li­gen Bereich. Und manche Orga­ni­sa­tio­nen stehen vor einer Über­al­te­rung. Aber: Es fehlt nicht an Enga­ge­ment. Es fehlt an Anpas­sung. Frei­wil­li­gen­ar­beit ist im Wandel. Orga­ni­sa­tio­nen, die Frei­wil­lige gewin­nen möch­ten, müssen sich an Lebens­rea­li­tä­ten orien­tie­ren statt an nost­al­gi­schen Vereins­bil­dern festzuhalten.


Mit-Träger des Frei­wil­li­gen-Moni­tors 2025 sind das Migros-Kultur­pro­zent sowie die Beis­heim Stif­tung. Unter­stützt wird die Studie ausser­dem vom Bundes­amt für Statis­tik sowie rund dreis­sig Part­ner­or­ga­ni­sa­tio­nen. Der Frei­wil­li­gen-Moni­tor als Down­load.

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