Peter Brey, Direktor der Fondation Leenaards, Bild: François Wavre

Fonda­tion Leenaards: offe­ner Dialog mit Begün­stig­ten und Partnern

Der Direktor der Fondation Leenaards Peter Brey spricht über Transparenz, die Bedeutung von Kultur und die Begleitung der grossen Gesellschaftlichen Veränderung.

The Philanthropist: Mitwir­kung, Zusam­men­ar­beit, Einbe­zug der Bevöl­ke­rung: Inwie­fern wird Ihre Arbeit mit den Projekt­trä­ge­rin­nen und Projekt­trä­gern von den neuen Arbeits­for­men geprägt?

Peter Brey: In einer Welt, die sich immer schnel­ler verän­dert, hinter­fragt die Fonda­tion Leenaards die Rele­vanz ihrer Arbeit in ihren drei Tätig­keits­be­rei­chen Kultur, Alter & Gesell­schaft und Wissen­schaft, während sie gleich­zei­tig den Ziel­set­zun­gen ihrer Grün­de­rin­nen und Grün­der fest verbun­den bleibt. Um unse­ren stra­te­gi­schen Ansatz umzu­set­zen und uns ein möglichst akku­ra­tes Bild vom Ökosy­stem zu machen, in dem wir uns befin­den, stellt die Stif­tung ihre Über­le­gun­gen nicht in einem Vakuum an: Sie verfügt über eine netz­ar­tige Orga­ni­sa­ti­ons­struk­tur und ihre Organe umfas­sen etwa 50 Exper­tin­nen und Exper­ten mit viel­fäl­ti­gen Profilen. 

In einer Gesell­schaft, deren Probleme zuneh­mend komple­xer werden, scheint es uns uner­läss­lich, zusätz­lich zu unse­ren herkömm­li­chen Förder­instru­men­ten auch solche Initia­ti­ven einzu­set­zen. Auf diese Weise ergän­zen wir unse­ren Ansatz der Unter­stüt­zung auf Projekt­ebene durch einen allge­mei­ne­ren Ansatz, der eine Gesamt­dy­na­mik anregt.

Peter Brey, Direk­tor der Fonda­tion Leenaards


Für die Ausar­bei­tung unse­rer Initia­tive über die perso­na­li­sierte Gesund­heit (santeperso.ch), die mitt­ler­weile abge­schlos­sen ist, stell­ten wir zum Beispiel zunächst ein Panel aus Exper­tin­nen und Exper­ten unter­schied­li­cher Fach­rich­tun­gen zusam­men, um das Thema auf fach­über­grei­fende Weise anzu­ge­hen. Der Input dieser Work­shops hat der Stif­tung gehol­fen, die Umrisse ihrer Initia­tive «Perso­na­li­sierte Gesund­heit & Gesell­schaft», des damit verbun­de­nen Projekt­auf­rufs und der Hand­lungs­an­sätze, auf die der Schwer­punkt gelegt werden sollte, zu defi­nie­ren. Die Gesprä­che fanden auf einer Platt­form statt, was uns ermög­lichte, sowohl die Invol­vier­ten der Initia­tive als auch die breite Öffent­lich­keit zu infor­mie­ren. In einer Gesell­schaft, deren Probleme zuneh­mend komple­xer werden, scheint es uns uner­läss­lich, zusätz­lich zu unse­ren herkömm­li­chen Förder­instru­men­ten auch solche Initia­ti­ven einzu­set­zen. Auf diese Weise ergän­zen wir unse­ren Ansatz der Unter­stüt­zung auf Projekt­ebene durch einen allge­mei­ne­ren Ansatz, der eine Gesamt­dy­na­mik anregt. 

In diesem Jahr haben Sie die Initia­tive «Inte­gra­tive Gesund­heit & Gesell­schaft» einge­lei­tet. Inwie­fern fügt sich diese Initia­tive in das Bemü­hen Ihrer Stif­tung ein, die gros­sen gesell­schaft­li­chen Verän­de­run­gen zu begleiten?

Ziel dieser Initia­tive ist es, die Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten sowie die Invol­vier­ten der verschie­de­nen Formen der Pati­en­ten­be­treu­ung zu verei­nen und die soge­nann­ten konven­tio­nel­len und komple­men­tä­ren Thera­pien besser aufein­an­der abzu­stim­men, um einen verständ­li­chen Dialog zu fördern. Immer mehr Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten nehmen gleich­zei­tig beide Behand­lungs­for­men in Anspruch. Es ist jedoch eine Tatsa­che, dass diese beiden Welten einan­der nicht ausrei­chend vertraut sind, was eine inte­gra­tive Pati­en­ten­be­hand­lung erschwert. Die Initia­tive «Inte­gra­tive Gesund­heit & Gesell­schaft» strebt an, diese Welten zusam­men­zu­füh­ren und dabei die Bedeu­tung des Pati­en­ten als Prot­ago­ni­sten des Behand­lungs­pro­zes­ses aufzu­wer­ten. Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten werden an den Beginn der Behand­lungs­kette gestellt, was vor allem bedeu­tet, dass persön­li­che Geschich­ten und das, was ihnen sinn­voll erscheint, berück­sich­tigt werden. 

Als einen der Entwick­lungs­schwer­punkte dieser Initia­tive über die inte­gra­tive Gesund­heit planen Sie eine grosse Umfrage, um der Bevöl­ke­rung «das Wort zu ertei­len», und die Schaf­fung von «Bürger­la­bo­ren». Inwie­fern ist dieser Ansatz einzigartig?

Im Rahmen der Initia­tive sind mehrere Entwick­lungs­schwer­punkte vorge­se­hen: insbe­son­dere die Finan­zie­rung von Akti­ons­for­schungs­pro­jek­ten mit metho­di­scher Unter­stüt­zung der Projekt­trä­ger; ein Think­tank, der Thera­peu­tin­nen und Thera­peu­ten verschie­de­ner Behand­lungs­an­sätze mit Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten zusam­men­bringt; oder auch eine Austausch­platt­form, die alle Invol­vier­ten der Initia­tive vereint und zugleich die breite Öffent­lich­keit über die inte­gra­tive Gesund­heit infor­mie­ren soll.

Die Kultur hilft uns, jene imagi­nä­ren Welten zu schaf­fen, die wir brau­chen, um unsere reale Welt zu gestalten.

Peter Brey, Direk­tor der Fonda­tion Leenaards

Zu den Schlüs­sel­ele­men­ten der Initia­tive gehört auch eine Befra­gung von 3000 West­schwei­ze­rin­nen und West­schwei­zern, um die Erwar­tun­gen und Bedürf­nisse der Bevöl­ke­rung hinsicht­lich der medi­zi­ni­schen Versor­gung genauer bestim­men zu können. Diese Befra­gung wurde gemein­sam mit dem ColLa­bo­ra­toire der Univer­si­tät Lausanne und dem Schwei­zer Kompe­tenz­zen­trum Sozi­al­wis­sen­schaf­ten (FORS) durch­ge­führt. Die Fragen wurden mithilfe eines spezi­el­len parti­zi­pa­ti­ven Ansat­zes erar­bei­tet, der sowohl Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten als auch Bürge­rin­nen und Bürger mit einbe­zog. Die Ergeb­nisse, die derzeit noch ausge­wer­tet werden, werden demnächst veröf­fent­licht und natür­lich bei unse­rem weite­ren Vorge­hen berück­sich­tigt. Auch die Bürger­la­bore werden auf der Grund­lage dieser Ergeb­nisse orga­ni­siert. Ihr Ziel ist es, mithilfe der teil­neh­men­den Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten sowie Bürge­rin­nen und Bürger konkrete Wege zu iden­ti­fi­zie­ren, wie Gesund­heits­fra­gen auf indi­vi­du­el­ler und syste­mi­scher Ebene weiter­ent­wickelt werden können. Um die Lösun­gen auszu­pro­bie­ren, wird jedem Labor ein konkre­ter Ort, wie zum Beispiel ein Spital oder Pfle­ge­heim, zugewiesen.

Inwie­fern müssen sich die Schaf­fens­pro­zesse kultu­rel­ler Projekte an die gesell­schaft­li­chen Verän­de­run­gen anpassen? 

Nur wenige Bran­chen haben sich als so wider­stands­fä­hig und verän­de­rungs­fä­hig erwie­sen wie die der Kultur. Die Kultur beglei­tet seit jeher den Wandel, und Künst­le­rin­nen und Künst­ler leisten einen wesent­li­chen Beitrag zur Hinter­fra­gung und Anti­zi­pa­tion gesell­schaft­li­cher Heraus­for­de­run­gen. Die Kultur hilft uns, jene imagi­nä­ren Welten zu schaf­fen, die wir brau­chen, um unsere reale Welt zu gestal­ten. Sie hilft uns, als Gesell­schaft zu funk­tio­nie­ren. Ange­sichts der gesund­heit­li­chen Situa­tion stellt natür­lich auch der Kultur­sek­tor seine Arbeits­me­tho­den und Prio­ri­tä­ten in Frage – sei es auf gesell­schaft­li­cher, wirt­schaft­li­cher oder ökolo­gi­scher Ebene. Als Stif­tung stehen wir in stän­di­gem Kontakt mit den Akteu­rin­nen und Akteu­ren des Kultur­be­reichs, die übri­gens nicht davor zurück­scheuen, die Zukunft, ihre eige­nen Prak­ti­ken, ihre Bezie­hung mit dem Publi­kum oder auch die Bedeu­tung der Forschung und schöp­fe­ri­schen Tätig­keit per se zu hinter­fra­gen. In diesem Sinne haben wir vor Kurzem mehrere Gesprä­che mit Vertre­ten­den der Kultur­szene geführt, um ihre Sicht­weise dieser Entwick­lun­gen in Erfah­rung zu brin­gen und, falls notwen­dig, die Unter­stüt­zun­gen der Stif­tung in diesem Bereich anzupassen. 

Sie spre­chen von einer Gesell­schaft im Wandel und suchen nach Projek­ten im soli­da­ri­schen Bereich. Sie suchen nach Projek­ten gemein­nüt­zi­ger Stif­tun­gen etc., aber auch «ande­rer Grup­pen»: Führen Sie auch Projekte mit Verei­ni­gun­gen durch, die auf unkon­ven­tio­nelle Weise orga­ni­siert sind?

Diese Frage hat sich erst kürz­lich bei der Einfüh­rung unse­rer Initia­tive «Lokale Soli­da­ri­tä­ten» gestellt, die darauf abzielt, die Soli­da­ri­tät auf loka­ler Ebene zu fördern. Schliess­lich sind die gemein­schaft­li­chen Mass­nah­men in einem Gebäude, einer Strasse, einem Quar­tier oder auch darüber hinaus oft das Ergeb­nis infor­mel­ler Kollek­tive, Inter­es­sen­grup­pen oder Koope­ra­ti­ven. Wir haben deshalb beschlos­sen, Bewer­bun­gen von solchen Verei­ni­gun­gen zuzu­las­sen, jedoch gleich­zei­tig darauf hinge­wie­sen, dass diese Grup­pie­run­gen letzt­end­lich die Rechts­form eines Vereins anstre­ben müssen. 

Warum ist es wich­tig, dass Stif­tun­gen auf die gesell­schaft­li­che Forde­rung nach Betei­li­gung und Trans­pa­renz reagieren? 

Tatsäch­lich wird von den Stif­tun­gen immer mehr gefor­dert, dass sie erklä­ren, wer sie sind und was sie tun. Es geht darum, unsere Auswahl­kri­te­rien und unser Führungs­sy­stem begreif­lich und klar darzu­stel­len, und gleich­zei­tig den konkre­ten Nutzen unse­rer Leistun­gen für die gesamte Bevöl­ke­rung zu bezif­fern. Immer mehr Stif­tun­gen betten ihre Tätig­keit in einen offe­nen Dialog mit Begün­stig­ten und Part­nern und in einem weite­ren Rahmen mit der Gesell­schaft ein. Diesen Ansatz entwickeln wir insbe­son­dere durch unsere verschie­de­nen Initiativen.


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