Warum ist digitales Engagement für die Philanthropie der Zukunft so zentral?

Francesca Giardina: Digitales Engagement bringt Philanthropie näher an den Puls gesellschaftlicher Entwicklungen. Der digitale Wandel prägt heute fast jedes Förderfeld: Digitale Prozesse steigern Effizienz und schaffen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Mehrwert. Gleichzeitig entstehen neue Herausforderungen: etwa, wenn Effizienzgewinne durch den steigenden Ressourcenverbrauch wieder aufgehoben werden, wenn Menschen vom Wandel abgehängt werden oder wenn Cyber-Bedrohungen und der Verlust von Privatsphäre ein kritisches Ausmass erreichen. Soziale Medien ermöglichen neue Formen der Vernetzung und Teilhabe, beeinflussen aber gleichzeitig Meinungsbildung, Kompetenzen und die mentale Gesundheit – und damit die Lebensrealitäten vieler Zielgruppen. Deshalb braucht es eine gezielte Auseinandersetzung mit digitalen Phänomenen und eine bewusste Ausrichtung der Förderpraxis: digitale Kompetenzen stärken, gesellschaftliche Auswirkungen der Digitalisierung erforschen oder gemeinwohlorientierte Technologien entwickeln. Digital sichtbar und engagiert zu sein, bedeutet eine informierte Haltung einzunehmen, sowohl in der eigenen Organisationsentwicklung als auch in der Förderstrategie.
Wie verändert sich dadurch die Dynamik, und welche Chancen und Herausforderungen entstehen?
Die Welt dreht sich schneller, Themen wechseln rasant, neue Diskurse entstehen über Nacht. In diesem Umfeld reicht «einfach weitermachen wie bisher» nicht mehr. Digitales Engagement eröffnet enorme Chancen für Inspiration, Austausch und sektorübergreifende Zusammenarbeit – gerade weil hier Fördernde, Nonprofits, Expert:innen und andere Akteur:innen aufeinandertreffen und Impulse ins Analoge zurücktragen. Zugleich sind diese Transformationsschritte oft anspruchsvoll. Doch wer sich nicht aktiv beteiligt, riskiert, relevante Entwicklungen zu verpassen. Digital engagiert zu sein, heisst nicht, jeden Technologietrend mitzumachen, sondern bewusst die richtigen Impulse aufzunehmen und den Wandel mitzugestalten.
Was bedeutet das konkret für die Praxis heute?
Digitales Engagement ist kein Selbstzweck, sondern eine kritische Zukunftskompetenz. Es geht darum, einfache Instrumente gezielt zu nutzen und Signale aus dem Förderfeld nicht zu übersehen. Das bedeutet nicht, einfach mehr Informationen online zu stellen oder mehr Gesuche zu bearbeiten, sondern zeitgerechter zu fördern, relevantere Projekte zu identifizieren und Kooperationen auf Augenhöhe einzugehen. Wer sich heute digital einbindet, legt den Grundstein dafür, auch morgen handlungsfähig und wirksam zu bleiben.
Jetzt mitgestalten
In einer losen Reihe aus Fachbeiträgen und Webinaren bieten die Stiftung Mercator Schweiz, das Netzwerk Alliance Digitale und Spheriq Anknüpfungspunkte für Stiftungen, die ihr Engagement reflektieren, digital stärken oder neu ausrichten möchten. Expert:innen aus unterschiedlichen Themenfeldern – von Umwelt und Klima über Gesellschaft bis hin zu Kunst und Kultur – beleuchten aktuelle Entwicklungen und zeigen auf, wie Projekte und Organisationen den Wandel aktiv mitgestalten können.
spheriq.ch/engagiert


