
Cyberangriffe nehmen weltweit zu. Wie schätzen Sie die aktuelle Bedrohungslage für gemeinnützige Organisationen ein?
Im Jahr 2025 wurden dem Schweizer Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) hauptsächlich «Anrufe im Namen von Fake-Behörden» (26%) und «Phishing» (19%) gemeldet. Solche Angriffe können auch gemeinnützige Organisationen treffen. Es ist somit Vorsicht geboten.
Viele kleinere Akteur:innen und Organisationen glauben, für Angriffe nicht interessant genug zu sein. Ist das ein Irrtum? Wenn ja, warum?
Für Angreifer sind kleine Organisation in der Regel nicht lukrativ genug, um gezielte aufwändige Angriffe gegen sie durchzuführen. Kleine Organisationen sind aber oft Ziele von ungerichteten Cyberangriffen wie beispielsweise breit gestreute Phishing-Angriffe.
Kleine Organisationen sind oft Ziele von ungerichteten Cyberangriffen wie beispielsweise breit gestreute Phishing-Angriffe.
Martin Kaufmann, IT Security Analyst
Wie läuft ein typischer Cyberangriff heute ab?
Es gibt viele unterschiedliche Arten von Cyberangriffen. Deshalb lässt sich das nicht allgemein sagen. Angreifer nutzen oft Social-Engineering, um das Vertrauen von Personen zu gewinnen und sie zu «blöden»Handlungen zu bewegen, wie zum Beispiel Malware zu installieren, Überweisungen zu tätigen oder Informationen wie Passwörter preiszugeben. Das tönt sehr banal. Jedoch fallen auch regelmässig IT-affine Personen auf die raffinierten Tricks der Angreifer rein.
Wie hat sich die Bedrohungslage in den letzten Jahren verändert?
Die Zahl der Cybervorfälle hat in der Schweiz in den letzten Jahren stark zugenommen. Die beim Schweizer Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) eingegangenen Meldungen zu Cybervorfällen sind im Jahr 2025 gegenüber dem Vorjahr jedoch nur noch geringfügig angestiegen. Die Lage hat sich somit stabilisiert.
Es fallen auch regelmässig IT-affine Personen auf die raffinierten Tricks der Angreifer rein.
Martin Kaufmann, IT Security Analyst
Verschärft Künstliche Intelligenz (KI) die Bedrohungslage in Cybersecurity zusätzlich?
Ja, KI erleichtert Angreifern ihre Arbeit. Mit KI können Angreifer relativ einfach professionell wirkende Phishing-Mails schreiben und Stimmen wie auch Videos von Personen in einem Live-Call nachahmen. Dies macht es schwierig, zwischen Echtheit und Betrug zu unterscheiden.
Auch der Einsatz von KI-Agenten (z.B. GitHub Copilot) birgt Gefahren. Sicherheitsforscher haben gezeigt, dass man KI-Agenten zum Teil einfach dazu bringen kann, Befehle auszuführen (sogenannte «Prompt Injection»). Ein Beispiel: Sie setzen einen unsicheren KI-Agenten ein, der automatisch E‑Mails bearbeitet. Ein Angreifer sendet eine E‑Mail und fordert darin die KI auf, alle E‑Mails an den Angreifer weiterzuleiten.
Können Sie ein typisches Beispiel schildern, bei dem mangelnde Cybersecurity in einer Organisation zu einem Problem führen kann?
Zwei typische Beispiele sind die Verwendung von schwacher Authentisierung (schwache Passwörter, keine Multi-Faktor-Authentifizierung) und die Verwendung von veralteter Software mit bekannten Schwachstellen.
Welche Folgen sind im Worst Case denkbar?
Im Worst Case kann es zu Imageschaden, Datenverlusten, Datenoffenlegung und Systemausfällen kommen. Dies kann auch zu erheblichen Umsatzeinbussen führen. Neben technischen Lösungen spielen auch Mitarbeitende und Prozesse eine Rolle.
Wo sind hier die häufigsten Schwachstellen?
Oft stellen wir fest, dass nicht mehr unterstützte Software und Software mit bekannten Schwachstellen eingesetzt wird. Der Grund dafür ist meistens, dass keine Prozesse vorhanden sind, welche sicherstellen, dass verwendete Software aktuell gehalten wird.
Wenn eine Organisation ihre digitale Sicherheit verbessern möchte: Welche drei grundlegenden Massnahmen würden Sie als Erstes empfehlen?
Wenn eine Organisation ihre digitale Sicherheit verbessern möchte, sollte sie einen Standard bzw. Leitfaden zur IT-Sicherheit beiziehen (z.B. ISO 27001 & 27002 oder CIS Critical Security Controls). Wenn wir uns auf drei Massnahmen beschränken müssen, würden wir folgende empfehlen:
- Nur Software aus vertrauenswürdigen Quellen installieren und installierte Software aktuell halten (auch auf eingekaufter Hardware wie z.B. einer Firewall).
- Regelmässig Backups aller wichtigen Daten erstellen und mindestens ein Backup offline aufbewahren.
- Regelmässige Schulung von Mitarbeitern zur Förderung des Sicherheitsbewusstseins.
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