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Digi­tale Hürden abbauen

Mit der Ausschreibung «Rein ins Netz» fördert das Migros-Kulturprozent insgesamt 45 Projekte aus der ganzen Schweiz mit einem Betrag von total 362'205 Franken.

Mit der Ausschrei­bung «Rein ins Netz» will das Migros-Kultur­pro­zent die digi­tale Teil­habe von Menschen mit Armut­s­er­fah­rung fördern. 117 Teams und Orga­ni­sa­tio­nen aus allen Landes­tei­len haben Projekte für die Ausschrei­bung «Rein ins Netz» einge­reicht. Dies zeige, dass digi­tale Inklu­sion in der ganzen Schweiz ein wich­ti­ges Thema ist, sagt Isabelle Ruckli. Die Themen- und Projekt­lei­te­rin beim Migros-Genos­sen­schafts-Bund stellt aller­dings sprach­re­gio­nale Unter­schiede fest: «Beson­ders auffäl­lig war die im Verhält­nis hohe Anzahl an Gesu­chen aus der West­schweiz. Ein paar dieser Gesu­che nahmen ausdrück­lich Bezug auf Schwes­ter­pro­jekte oder Platt­for­men aus der fran­ko­pho­nen Welt, etwa aus Frank­reich oder Belgien, wo die Förde­rung digi­ta­ler Inklu­sion stär­ker veran­kert ist.» In der Deutsch­schweiz waren solche Bezüge zum Ausland nicht vorhan­den. Ein Beleg für das starke Enga­ge­ment in der West­schweiz sei auch die Stadt Genf, die bereits seit eini­gen Jahren eine Stra­te­gie zur digi­ta­len Inklu­sion entwi­ckelt habe. «Diese umfasst eine eigene Förder­aus­schrei­bung, die in der Schweiz bisher einzig­ar­tig ist», sagt Ruckli.

Ziel­gruppe aktiv einbinden

Die Ausschrei­bung «Rein ins Netz» hatte Projekte mit einem Fokus auf digi­tale Kompe­ten­zen gesucht. Mit 362’205 Fran­ken unter­stützt das Migros-Kultur­pro­zent 45 Projekte. Die einzel­nen Projekte erhal­ten zwischen 2000 und 10’000 Fran­ken. Ein Projekt hat einen natio­na­len Fokus. 25 Projekte sind in der Deutsch­schweiz enga­giert, 16 in der West­schweiz und 3 im Tessin.

Trotz regio­na­ler Unter­schiede bei der Anzahl der Gesu­che stellt Ruckli bei den gewähl­ten Ansät­zen der geför­der­ten Projekte keine klaren regio­na­len Unter­schiede fest. «Am häufigs­ten wurden Projekte einge­reicht, die Anlauf­stel­len für direkte Unter­stüt­zung bei digi­ta­len Heraus­for­de­run­gen wie etwa einer Online­be­wer­bung für eine Wohnung oder Ausbil­dungs­an­ge­bote für digi­tale Grund­kom­pe­ten­zen umfas­sen», sagt sie. Zusätz­lich zeich­nen Armuts­sen­si­bi­li­tät und parti­zi­pa­ti­ves Einbin­den der Ziel­grup­pen die meis­ten Projekte aus. So ist etwa das Projekt «Maus und Mokka» in St. Gallen entstan­den, weil Betrof­fene selbst das Bedürf­nis geäus­sert haben – und sich ehema­lige Teil­neh­me­rin­nen als Mento­rin­nen enga­gie­ren. «Maus und Mokka» ist ein Treff, der Frauen mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund Unter­stüt­zung bei digi­ta­len Frage­stel­lun­gen bietet. Dies soll ihre Chan­cen im Arbeits­markt stärken.

Isabelle Ruckli ist Themen- und Projekt­lei­te­rin Sozia­les bei der Direk­tion Gesell­schaft & Kultur beim Migros-Genossenschafts-Bund.

Inno­va­tion und Evolution

Für die ganze West­schweiz ist das Ange­bot von «Touch’Connect». Mit ihren mobi­len Work­shops geht die Asso­cia­tion Atic gezielt auf Betrof­fene zu und erreicht sie etwa in Gemein­de­zen­tren oder geschütz­ten Wohnun­gen. Und im Tessin bietet die Orga­ni­sa­tion ATTE einen Schal­ter als Bera­tungs­an­ge­bot. Die Anlauf­stelle beant­wor­tet insbe­son­dere Menschen über 65 Jahre Fragen zu digi­ta­len Themen. Der Schal­ter dient gleich­zei­tig als Begeg­nungs­ort. Unter den geför­der­ten Projek­ten sind genauso neue Ansätze vertre­ten wie auch die Weiter­ent­wick­lung bestehen­der. «Uns war es wich­tig, eine Balance zu schaf­fen, um Inno­va­tion zu unter­stüt­zen, aber auch bewährte Ansätze weiter­zu­füh­ren resp. weiter auszu­bauen», sagt Ruckli. Mit dem Fokus auf digi­tale Kompe­ten­zen deckt die Ausschrei­bung nur einen Teil des Themas der digi­ta­len Teil­habe ab. «Wie wir die digi­tale Teil­habe von Menschen mit Armut­s­er­fah­rung weiter­be­ar­bei­ten werden, wird nach der laufen­den Evalua­tion entschie­den.» Was die hohe Anzahl einge­reich­ter Projekte in jedem Fall zeigt: Das Thema hat eine hohe Relevanz.

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