Mit der Ausschreibung «Rein ins Netz» will das Migros-Kulturprozent die digitale Teilhabe von Menschen mit Armutserfahrung fördern. 117 Teams und Organisationen aus allen Landesteilen haben Projekte für die Ausschreibung «Rein ins Netz» eingereicht. Dies zeige, dass digitale Inklusion in der ganzen Schweiz ein wichtiges Thema ist, sagt Isabelle Ruckli. Die Themen- und Projektleiterin beim Migros-Genossenschafts-Bund stellt allerdings sprachregionale Unterschiede fest: «Besonders auffällig war die im Verhältnis hohe Anzahl an Gesuchen aus der Westschweiz. Ein paar dieser Gesuche nahmen ausdrücklich Bezug auf Schwesterprojekte oder Plattformen aus der frankophonen Welt, etwa aus Frankreich oder Belgien, wo die Förderung digitaler Inklusion stärker verankert ist.» In der Deutschschweiz waren solche Bezüge zum Ausland nicht vorhanden. Ein Beleg für das starke Engagement in der Westschweiz sei auch die Stadt Genf, die bereits seit einigen Jahren eine Strategie zur digitalen Inklusion entwickelt habe. «Diese umfasst eine eigene Förderausschreibung, die in der Schweiz bisher einzigartig ist», sagt Ruckli.
Zielgruppe aktiv einbinden
Die Ausschreibung «Rein ins Netz» hatte Projekte mit einem Fokus auf digitale Kompetenzen gesucht. Mit 362’205 Franken unterstützt das Migros-Kulturprozent 45 Projekte. Die einzelnen Projekte erhalten zwischen 2000 und 10’000 Franken. Ein Projekt hat einen nationalen Fokus. 25 Projekte sind in der Deutschschweiz engagiert, 16 in der Westschweiz und 3 im Tessin.
Trotz regionaler Unterschiede bei der Anzahl der Gesuche stellt Ruckli bei den gewählten Ansätzen der geförderten Projekte keine klaren regionalen Unterschiede fest. «Am häufigsten wurden Projekte eingereicht, die Anlaufstellen für direkte Unterstützung bei digitalen Herausforderungen wie etwa einer Onlinebewerbung für eine Wohnung oder Ausbildungsangebote für digitale Grundkompetenzen umfassen», sagt sie. Zusätzlich zeichnen Armutssensibilität und partizipatives Einbinden der Zielgruppen die meisten Projekte aus. So ist etwa das Projekt «Maus und Mokka» in St. Gallen entstanden, weil Betroffene selbst das Bedürfnis geäussert haben – und sich ehemalige Teilnehmerinnen als Mentorinnen engagieren. «Maus und Mokka» ist ein Treff, der Frauen mit Migrationshintergrund Unterstützung bei digitalen Fragestellungen bietet. Dies soll ihre Chancen im Arbeitsmarkt stärken.

Innovation und Evolution
Für die ganze Westschweiz ist das Angebot von «Touch’Connect». Mit ihren mobilen Workshops geht die Association Atic gezielt auf Betroffene zu und erreicht sie etwa in Gemeindezentren oder geschützten Wohnungen. Und im Tessin bietet die Organisation ATTE einen Schalter als Beratungsangebot. Die Anlaufstelle beantwortet insbesondere Menschen über 65 Jahre Fragen zu digitalen Themen. Der Schalter dient gleichzeitig als Begegnungsort. Unter den geförderten Projekten sind genauso neue Ansätze vertreten wie auch die Weiterentwicklung bestehender. «Uns war es wichtig, eine Balance zu schaffen, um Innovation zu unterstützen, aber auch bewährte Ansätze weiterzuführen resp. weiter auszubauen», sagt Ruckli. Mit dem Fokus auf digitale Kompetenzen deckt die Ausschreibung nur einen Teil des Themas der digitalen Teilhabe ab. «Wie wir die digitale Teilhabe von Menschen mit Armutserfahrung weiterbearbeiten werden, wird nach der laufenden Evaluation entschieden.» Was die hohe Anzahl eingereichter Projekte in jedem Fall zeigt: Das Thema hat eine hohe Relevanz.


