Basler Stiftungstag, am Dienstag, 26. August 2025 in Arlesheim. © Photo Dominik Plüss

Die Zukunft wagen – denn schon bald ist sie Gegenwart

370 Teilnehmende trafen sich auf dem Innovations-Campus uptown Basel in Arlesheim zum 14. Basler Stiftungstag. Das Thema der diesjährigen Ausgabe lautete «Zukunft wagen».

Das Thema des 14. Basler Stif­tungs­tag «Zukunft wagen» sei heute beson­ders aktu­ell, sagte Reto Tschu­din, Land­rats­prä­si­dent Kanton Basel-Land­schaft, mit Blick auf aktu­elle Entwick­lun­gen. Rund 370 Teil­neh­mende waren auf den Inno­va­tions-Campus uptown Basel in Arle­sheim gekom­men. In seiner Gruss­bot­schaft verwies auf die Wich­tig­keit des Zusam­men­spiels der verschie­de­nen Akteure: Der Kanton schaffe die Rahmen­be­dig­nun­gen, für inno­va­tive Projekte brau­che es aber die Gesell­schaft und priva­tes Enga­ge­ment, wie etwa Stif­tun­gen. Die Bedeu­tung dieses Zusam­men­spiels hatte zuvor hatte Ruth Ludwig-Hage­mann in ihrer letz­ten Begrüs­sung als Präsi­den­tin der Stif­tungs­stadt Basel gesagt: «Nur in offe­nen und demo­kra­ti­schen Struk­tu­ren können Stif­tun­gen Projekte realisieren.»

Zukunft entsteht nicht im radi­ka­len Bruch, sondern in Verbin­dung von Tradi­tion und Innovation.

Reto Tschu­din, Land­rats­prä­si­dent Basel-Landschaft

Altmo­disch als Stärke

Reto Tschu­din sieht Stif­tun­gen in der idea­len Posi­tion, um die Zukunft zu gestal­ten. Nicht trotz, sondern gerade weil ihre Struk­tu­ren zum Teil alt erschei­nen mögen. Das «Altmo­di­sche» biete Konti­nui­tät. Stif­tun­gen müss­ten sich gerade nicht an Kurz­fris­tig­kei­ten ausrich­ten, sondern sie könn­ten lang­fris­tig denken. «Um die Zukunft zu gestal­ten braucht es das», sagte er. «Zukunft entsteht nicht im radi­ka­len Bruch, sondern in Verbin­dung von Tradi­tion und Inno­va­tion. Die Lang­fris­tig­keit ist aber kein Grund für Untä­tig­keit. Denn, wie es Andrea Studer, CEO der Fonda­tion Botnar formu­lierte: «Die Zukunft wird allzu schnell zur Gegen­wart». Die Fonda­tion Botnar hat ein Stif­tungs­ver­mö­gen von vier Milli­ar­den Fran­ken. Aus dieser Posi­tion leitet sie Verant­wor­tung ab. «Wir haben die Verpflich­tung, mutig zu sein», sagte sie. Mit ihrer Arbeit will die Fonda­tion Botnar einen nach­hal­ti­gen Impact erzie­len. Sie will eine Verän­de­rung auslö­sen. Ihr Anspruch geht dabei über einzelne Projekte hinaus. Mit ihrer Arbeit wolle die Fonda­tion Botnar einen syste­mi­schen Wandel erreichen.

Der grös­sere Hebel

Mit dem Inno­va­tions-Campus uptown Basel hatte der 14. Basler Stif­tungs­tag den passen­den Rahmen. Aus der Erzäh­lung von Verwal­tungs­rats­prä­si­dent Thomas Staehe­lin ging hervor, welchen Mut es brauchte, um das Projekt auf dem Areal in Arle­sheim vor über zehn Jahren zu lancie­ren. Wie man ein Areal für die Zukunft, für die Gesell­schaft und die Gene­ra­tion von morgen entwi­ckelt, legte Gabriel Ecken­stein dar. Der Präsi­dent der Ecken­stein-Geigy Stif­tung ging von seiner eige­nen Geschichte aus und der damit verbun­de­nen Verant­wor­tung. Dabei gehe es ihm nicht nur um die nächste Gene­ra­tion der Allge­mein­heit, sondern auch der Fami­lie, sagte er. 

Die Fami­lie von Gabriel Ecken­stein besitze in der elften Gene­ra­tion das Basler Bürger­recht. Er sei mit dem silber­nen Löffel gebo­ren. Aber er habe auch gelernt, dass er das «ange­bo­rene» Vermö­gen verant­wor­tungs­voll einset­zen müsse. Was er darun­ter versteht, zeigt das Projekt auf dem Franck Areal in Basel. Auf diesem entsteht ein Ort für die Menschen und die Stadt. «Das Areal ist ein Labor», sagte Eckstein. Was hier geschehe, könne man nach­le­sen. Dabei folgt die Stif­tung dem Prin­zip Rendite und Wirkung. Denn Eckstein trat dafür ein, dass Stif­tun­gen ihren Zweck nicht nur mit der Förder­tä­tig­keit erfül­len sollen. «Was bringt es, wenn man Projekte für Nach­hal­tig­keit unter­stützt, und mit den Anla­gen dage­gen wirkt?» fragte er das Publi­kum. Der grösste Hebel liege nicht in der Förder­tä­tig­keit, sondern im Inves­tie­ren. Der Stif­tungs­zweck bestimme bei ihnen denn auch Anlageentscheide.

Syste­misch arbeiten

In Einmi­nu­ten Pitches stell­ten zehn Orga­ni­sa­tio­nen ihre Arbeit vor. Und im Forum Netz­werk wurden aktu­elle Frage­stel­lun­gen disku­tiert. Aktu­elle Themen bestimm­ten auch das Podium. Eines davon: die Auswahl von Stif­tungs­rats­mit­glie­dern. Urs Endress, Stif­tungs­rats­prä­si­dent der Urs Endress Foun­da­tion, sagte, dass er vor allem auf Perso­nen aus seinem Umfeld im Alter kurz vor 65 setze. Sie müss­ten bereit sein, sich länger­fris­tig zu enga­gie­ren und als Entlöh­nung gebe 60 Minu­ten pro Stunde. Auch wenn es in spezi­el­len Situa­tio­nen Sinn machen könne, im engs­ten Umfeld zu rekru­tie­ren, sprach sich Sophie Hers­ber­ger Lang­loh von Consense Phil­an­thropy Consul­ting für die Vorteile von brei­ter aufge­stell­ten Stif­tungs­rä­ten aus. 

Andreas Becker von der Stif­tung Vernetzt denken sagte, dass es das schwie­rigste gewe­sen sei, die rich­ti­gen Menschen für die Stif­tung zu finden. «Aber mit einer guten inhalt­li­chen Idee, einem seriö­sen Stif­tungs­kon­zept und wenn man noch Geld in die Stif­tung geben kann, funk­tio­niert das gut», sagte er. Auch aktu­elle Trends wie Wirkungs­mes­sung und syste­mi­sches Arbei­ten disku­tier­ten die Podiumsteilnehmer:innen. Sophie Hers­ber­ger Lang­loh sagte: «Heute wollen alle syste­misch arbei­ten. Aber kleine Stif­tun­gen haben die Mittel dazu nicht.» Manch­mal sei es einfach besser sich auf die Wirkung in einem Projekt, die Linde­rung einer Ursa­che zu fokussieren.

Ruth Ludwig-Hage­mann, die schei­dende Präsi­den­tin Stif­tungs­stadt Basel, erhält von Vize­prä­si­dent David Jenny eine Collage mit Statio­nen ihres lang­jäh­ri­gen Wirkens für den Verein, Bild: Domi­nik Plüss