Das Thema des 14. Basler Stiftungstag «Zukunft wagen» sei heute besonders aktuell, sagte Reto Tschudin, Landratspräsident Kanton Basel-Landschaft, mit Blick auf aktuelle Entwicklungen. Rund 370 Teilnehmende waren auf den Innovations-Campus uptown Basel in Arlesheim gekommen. In seiner Grussbotschaft verwies auf die Wichtigkeit des Zusammenspiels der verschiedenen Akteure: Der Kanton schaffe die Rahmenbedignungen, für innovative Projekte brauche es aber die Gesellschaft und privates Engagement, wie etwa Stiftungen. Die Bedeutung dieses Zusammenspiels hatte zuvor hatte Ruth Ludwig-Hagemann in ihrer letzten Begrüssung als Präsidentin der Stiftungsstadt Basel gesagt: «Nur in offenen und demokratischen Strukturen können Stiftungen Projekte realisieren.»
Zukunft entsteht nicht im radikalen Bruch, sondern in Verbindung von Tradition und Innovation.
Reto Tschudin, Landratspräsident Basel-Landschaft
Altmodisch als Stärke
Reto Tschudin sieht Stiftungen in der idealen Position, um die Zukunft zu gestalten. Nicht trotz, sondern gerade weil ihre Strukturen zum Teil alt erscheinen mögen. Das «Altmodische» biete Kontinuität. Stiftungen müssten sich gerade nicht an Kurzfristigkeiten ausrichten, sondern sie könnten langfristig denken. «Um die Zukunft zu gestalten braucht es das», sagte er. «Zukunft entsteht nicht im radikalen Bruch, sondern in Verbindung von Tradition und Innovation. Die Langfristigkeit ist aber kein Grund für Untätigkeit. Denn, wie es Andrea Studer, CEO der Fondation Botnar formulierte: «Die Zukunft wird allzu schnell zur Gegenwart». Die Fondation Botnar hat ein Stiftungsvermögen von vier Milliarden Franken. Aus dieser Position leitet sie Verantwortung ab. «Wir haben die Verpflichtung, mutig zu sein», sagte sie. Mit ihrer Arbeit will die Fondation Botnar einen nachhaltigen Impact erzielen. Sie will eine Veränderung auslösen. Ihr Anspruch geht dabei über einzelne Projekte hinaus. Mit ihrer Arbeit wolle die Fondation Botnar einen systemischen Wandel erreichen.
Der grössere Hebel
Mit dem Innovations-Campus uptown Basel hatte der 14. Basler Stiftungstag den passenden Rahmen. Aus der Erzählung von Verwaltungsratspräsident Thomas Staehelin ging hervor, welchen Mut es brauchte, um das Projekt auf dem Areal in Arlesheim vor über zehn Jahren zu lancieren. Wie man ein Areal für die Zukunft, für die Gesellschaft und die Generation von morgen entwickelt, legte Gabriel Eckenstein dar. Der Präsident der Eckenstein-Geigy Stiftung ging von seiner eigenen Geschichte aus und der damit verbundenen Verantwortung. Dabei gehe es ihm nicht nur um die nächste Generation der Allgemeinheit, sondern auch der Familie, sagte er.
Die Familie von Gabriel Eckenstein besitze in der elften Generation das Basler Bürgerrecht. Er sei mit dem silbernen Löffel geboren. Aber er habe auch gelernt, dass er das «angeborene» Vermögen verantwortungsvoll einsetzen müsse. Was er darunter versteht, zeigt das Projekt auf dem Franck Areal in Basel. Auf diesem entsteht ein Ort für die Menschen und die Stadt. «Das Areal ist ein Labor», sagte Eckstein. Was hier geschehe, könne man nachlesen. Dabei folgt die Stiftung dem Prinzip Rendite und Wirkung. Denn Eckstein trat dafür ein, dass Stiftungen ihren Zweck nicht nur mit der Fördertätigkeit erfüllen sollen. «Was bringt es, wenn man Projekte für Nachhaltigkeit unterstützt, und mit den Anlagen dagegen wirkt?» fragte er das Publikum. Der grösste Hebel liege nicht in der Fördertätigkeit, sondern im Investieren. Der Stiftungszweck bestimme bei ihnen denn auch Anlageentscheide.
Systemisch arbeiten
In Einminuten Pitches stellten zehn Organisationen ihre Arbeit vor. Und im Forum Netzwerk wurden aktuelle Fragestellungen diskutiert. Aktuelle Themen bestimmten auch das Podium. Eines davon: die Auswahl von Stiftungsratsmitgliedern. Urs Endress, Stiftungsratspräsident der Urs Endress Foundation, sagte, dass er vor allem auf Personen aus seinem Umfeld im Alter kurz vor 65 setze. Sie müssten bereit sein, sich längerfristig zu engagieren und als Entlöhnung gebe 60 Minuten pro Stunde. Auch wenn es in speziellen Situationen Sinn machen könne, im engsten Umfeld zu rekrutieren, sprach sich Sophie Hersberger Langloh von Consense Philanthropy Consulting für die Vorteile von breiter aufgestellten Stiftungsräten aus.
Andreas Becker von der Stiftung Vernetzt denken sagte, dass es das schwierigste gewesen sei, die richtigen Menschen für die Stiftung zu finden. «Aber mit einer guten inhaltlichen Idee, einem seriösen Stiftungskonzept und wenn man noch Geld in die Stiftung geben kann, funktioniert das gut», sagte er. Auch aktuelle Trends wie Wirkungsmessung und systemisches Arbeiten diskutierten die Podiumsteilnehmer:innen. Sophie Hersberger Langloh sagte: «Heute wollen alle systemisch arbeiten. Aber kleine Stiftungen haben die Mittel dazu nicht.» Manchmal sei es einfach besser sich auf die Wirkung in einem Projekt, die Linderung einer Ursache zu fokussieren.









