Vergangenes Wochenende feierte die Naturstation Silberweide in Mönchaltorf ihr 20-jähriges Jubiläum. Wie war die Resonanz?
Die Resonanz war ausgesprochen positiv – wir haben viel gutes Feedback erhalten. Viele Besucherinnen und Besucher haben einen ganzen Tag oder sogar beide Wochenendtage bei uns verbracht und sich über das vielfältige Programm gefreut. Besonders schön war die entspannte und friedliche Stimmung, die überall präsent war. Die Gäste haben die besondere Atmosphäre der Naturstation sichtlich genossen. Die vielen unterschiedlichen Aktivitäten wurden von den kleinen und grossen Besuchenden gleichermassen geschätzt und die vielen fröhlichen Gesichter beim Entdecken, Spielen, und Neuem lernen, sprachen Bände.
Ein Tier oder eine Pflanze in seiner oder ihrer natürlichen Umgebung wahrzunehmen, hat eine andere Wirkung als eine Abbildung zu betrachten oder eine theoretische Erklärung zu lesen.
Nathalie Séchaud, Leiterin Naturstation
Auch das kulinarische Angebot und die Möglichkeit, im Gelände selbst aktiv zu werden, trugen dazu bei, dass das Jubiläumsfest als rundum gelungen empfunden wurde. Die Naturstation konnte mit den Jubiläumsfeierlichkeiten einmal mehr ihre Stärken zeigen: Sie ist ein Ort, der Menschen zusammenbringt und der Begeisterung für die Natur weckt.
Sie boten Schneckensafari, Bibertour und Vogelexkursionen – mit welchen Themen lassen sich die Menschen für Ihre Umgebung interessieren?
Besonders gut erreichen wir die Menschen, wenn sie etwas ganz Konkretes und Greifbares erleben können. Ein Tier oder eine Pflanze in seiner oder ihrer natürlichen Umgebung wahrzunehmen, hat eine andere Wirkung als eine Abbildung zu betrachten oder eine theoretische Erklärung zu lesen. Wenn unsere Besuchenden einen Biberdamm entdecken oder einen Eisvogel vorbeifliegen sehen, entsteht über das direkte Erleben eine Verbindung zu unserer natürlichen Umwelt. Darüber hinaus merken wir, dass Fragen, die einen persönlichen Bezug zur eigenen Lebensweise haben, besonders interessieren: Welche Vogelarten lassen sich direkt vom eigenen Balkon oder Garten aus beobachten? Wie kann ich die Biodiversität im eigenen Garten fördern? Mit solchen Themen können wir eine Brücke schlagen zwischen globalen Umweltfragen und der unmittelbaren Lebensumgebung der Menschen.
Welche Rolle spielen Kinder bei Ihrer Sensibilisierungsarbeit?
Kinder sind für uns der Schlüssel. Was Kinder spielerisch entdecken, bleibt ihnen oft ein Leben lang in Erinnerung. Es ist immer wieder schön zu sehen, wie Kinder mit grosser Begeisterung und Neugier auf die Natur zugehen. Diese frühen Naturerfahrungen sind entscheidend dafür, ob sie später bereit sind, sich für den Schutz ihrer Umwelt einzusetzen. Deshalb richten wir einen grossen Teil unseres Angebots speziell an Kinder: Jährlich kommen über 250 Schulklassen zu uns, um die Naturstation als «ausserschulischen Lernort» zu nutzen. Mit unserem neuen Mini-Ranger-Programm wollen wir schon die Jüngsten erreichen. Einmal im Monat verbringen Kindergartenkinder einen Nachmittag bei uns und lernen, die Natur mit allen Sinnen zu erleben. Letztes Jahr mit einer Gruppe gestartet, sind es nun bereits drei. Wir merken, dass diese Angebote sowohl die Kinder als auch ihre Familien nachhaltig prägen.

Nachhaltigkeitsthemen sind heute weniger im Fokus: Spüren Sie das auch im direkten Austausch in der Lebensumgebung?
Glücklicherweise ist im schulischen Kontext ein eher gegenläufiger Trend zu beobachten. Wir stellen fest, dass die Themen Biodiversität und Klimawandel gerade in den Schulen eine immer grössere Rolle spielen. Viele Lehrpersonen möchten ihren Schülerinnen und Schülern diese Fragen nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch näherbringen, genau da setzt die Naturstation an und bietet einen erlebnisorientierten Lernort. Gleichzeitig beobachten wir im privaten Umfeld der Kinder eine gegenteilige Entwicklung: Kinder verbringen heute weniger Zeit draussen, unter anderem, weil digitale Medien eine immer grössere Bedeutung in ihrem Alltag spielen. Dadurch geht der direkte Bezug zur Umwelt verloren. Was früher selbstverständlich war – wie etwa barfuss zu laufen – kann heute schon zu einer echten Herausforderung werden. Unsere Aufgabe ist es, wieder Zugänge zu schaffen und den Kindern die Natur als positiven, sicheren und spannenden Erlebnisraum erfahrbar zu machen.
Das Thema Nachhaltigkeit ist in der Mitte der Gesellschaft und bei Unternehmen als eine fundamentale Notwendigkeit angekommen.
Nathalie Séchaud
Wenn vielleicht auch vorübergehend von drängenderen, globalen Themen aus dem Fokus gedrängt, ist das Thema Nachhaltigkeit in der Mitte der Gesellschaft und bei Unternehmen als eine fundamentale Notwendigkeit angekommen. Dies macht sich bei uns auch anhand der stetig steigenden Anfragen von Unternehmen nach Workshops und Corporate Volunteering-Einsätzen bemerkbar – Nachhaltigkeit spielt dabei ebenso eine Rolle, wie die gemeinsame, guttuende «Auszeit» in der Natur.
Die Greifensee-Stiftung selbst wurde bereits 1997 gegründet. Welche Rolle spielt die Naturstation Silberweide für die Arbeit der Stiftung?
Die Naturstation Silberweide spielt als umweltbildnerisches Zentrum am Greifensee eine zentrale Rolle in der Arbeit der Greifensee-Stiftung.
Sie ist ein Bildungsort, an dem Kinder, Jugendliche und Erwachsene auf anschauliche Weise die Natur hautnah erleben können – im Rahmen von Führungen, Workshops, Corporate Volunteering-Einsätzen oder Individualbesuchen. Damit erfüllt die Naturstation einen Kernauftrag der Stiftung: Das Umweltbewusstsein zu stärken und sich dafür einzusetzen, dass die Menschen Sorge tragen für das Greifensee-Gebiet. Mittels Leistungsvereinbarungen mit den umliegenden Schulgemeinden stärkt die Naturstation die regionale Verankerung der Greifensee-Stiftung. Zusätzlich bietet sie mit dem Erlebnispfad, dem abwechslungsreichen, naturnahen Spielplatz, der Grillstelle und dem Bistro ein niederschwelliges Angebot für Erholungssuchende, sie ist ein Ort der Begegnung sowie eine Plattform für freiwilliges Engagement und Partizipation.
Auch dies ist ein Kernauftrag der Stiftung: Darauf hinzuwirken, dass das Greifensee-Gebiet ein lebendiger Ort der Vielfalt ist – heute und zukünftig.
Nathalie Séchaud
Die Naturstation liegt in einem ökologisch wertvollen Gebiet am oberen Ende des Greifensees. Sie engagiert sich aktiv für den Erhalt und die Förderung der Biodiversität, indem Riedflächen, Hecken und Weiher gepflegt und damit einer Fülle von Arten geschützte Lebensräume erhalten und aufgewertet werden. Auch dies ist ein Kernauftrag der Stiftung: Darauf hinzuwirken, dass das Greifensee-Gebiet ein lebendiger Ort der Vielfalt ist – heute und zukünftig.
Die Stiftung setzt sich für den Erhalt und die Aufwertung der Region ein. Ist Ihre Wirkung regional begrenzt oder arbeiten Sie auch überregional, mit anderen ähnlichen Stiftungen zusammen?
Gemäss Stiftungszweck setzt sich die Greifensee-Stiftung für «das Naturobjekt Greifensee in allen seinen Belangen» ein. Der Zweck lässt sich geographisch an keinem bestimmten Perimeter festmachen, beispielsweise ist das Greifensee-Gebiet auch Wasser- und Zugvogelreservat von nationaler Bedeutung und die Zugvögel führen uns jeden Frühling und jeden Herbst ganz praktisch vor Augen, dass unsere regionale Arbeit mit der Welt ausserhalb des Gebiets verbunden ist.
Aktive Vernetzung und Zusammenarbeit – auch überregional – ist für das Team der Greifensee-Stiftung Teil unserer täglichen Arbeit. Beispielsweise tauschen wir uns regelmässig mit den Trägerschaften der anderen Naturbildungsinstitutionen des Kantons Zürich aus, organisieren zusammen jedes Jahr gegenseitige Besuche unserer Praktikantinnen und Praktikanten bei allen Organisationen und wirken aktuell gemeinschaftlich darauf hin, dass die Finanzierung von Betriebsbeiträgen für die Naturbildung, die bis 2029 aus dem Gemeinnützigen Fonds des Kantons Zürich gezahlt werden, auch darüber hinaus gesichert bleibt. Auch für das von der Greifensee-Stiftung geführte Rangerteam im Greifensee-Gebiet ist der Austausch mit anderen Gebieten und Organisationen wie dem Verband Swiss Rangers und der European Ranger Federation essenziell.
Gemeinsam mit der Stiftung Pusch und den Naturnetzen Pfannenstil und Zimmerberg haben wir im Juni im Rahmen des Modellvorhabens 2025–2030 ein Projekt mit dem Arbeitstitel «Licht aus, Natur an – Naturnetze im Kanton Zürich schützen die Nacht!» eingegeben. Das Projekt wird wirkungsvolle Massnahmen gegen Lichtemissionen und zum Schutz lichtempfindlicher Tiere und Pflanzen erarbeiten und umsetzen. Im Zentrum stehen schützende, lichtarme Korridore in der Landschaft, Beleuchtungskonzepte und Sensibilisierung der Bevölkerung. Ziel ist ein neuer Umgang mit weniger Licht – zugunsten von Natur und Mensch.
Dankbar sind wir zudem für die Initiative der Randenvereinigung Schaffhausen und dem Landschaftsschutzverband Vierwaldstättersee, die, unterstützt von der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz, am 22. November 2025 in Langenthal das erste schweizweite Treffen der Organisationen mit Bezug zum Landschaftsschutz organisieren. Trotz mehrheitlich regionalem Fokus setzen sich alle Organisationen mit ganz ähnlichen Fragestellungen und Herausforderungen auseinander – ein Erfahrungsaustausch macht also Sinn!
Die Stiftung leistet Grundlagenarbeit, agiert als Impulsgeberin, bündelt Ressourcen, identifiziert gemeindeübergreifende Handlungsfelder und kommuniziert diese.
Nathalie Séchaud
Und letztlich ist die Greifensee-Stiftung eine operative Stiftung, die über ihr Stiftungskapital hinaus über kein eigenes Vermögen verfügt und für ihre Arbeit und die Realisierung von Projekten auf finanzielle Zuwendungen Dritter angewiesen ist. Entsprechend ist uns die enge Zusammenarbeit mit Förderstiftungen, die sich für Umweltbildung und Biotopaufwertung einsetzen, ein grosses Anliegen.
Ihr Stiftungsrat setzt sich aus Vertreter:innen der politischen Exekutive der Greifensee-Gemeinden zusammen. Was sind die Vorteile dieser Vernetzung?
Das Engagement der Greifensee-Gemeinden als Gründerinnen und Trägerschaft der Stiftung war die konsequente Folge ihres vorgängigen Einsatzes bei der Erarbeitung der neuen Schutzverordnung für das grösste Schutzgebiet im Kanton Zürich. Die Schutzverordnung trat 1994 in Kraft. Die Greifensee-Stiftung ist die Stiftung der sieben Seegemeinden, die sich mit der Stiftungsgründung 1997 gemeinsam dazu bekannt haben, das Greifensee-Gebiet für die Bevölkerung der Region als wichtiges Erholungsgebiet zu bewahren und gleichzeitig die Naturressourcen zu erhalten und auszubauen.
Jede Gemeinde und jedes Stiftungsratsmitglied bringt unterschiedliche Erfahrungen, Perspektiven und Fachwissen ein, so verfügt das Gremium über ein breites Know-how sowie ein vielfältiges Netzwerk in der ganzen Region. Die Stiftung leistet Grundlagenarbeit, agiert als Impulsgeberin, bündelt Ressourcen, identifiziert gemeindeübergreifende Handlungsfelder und kommuniziert diese. Der Stiftungsrat fördert den Austausch und die Koordination zwischen den Gemeinden und so – auch wenn das manchmal etwas mehr Zeit in Anspruch nimmt – kann die Stiftung ein wirkungsvolles Instrument zur Umsetzung gemeinsamer Interessen, Ziele und gemeindeübergreifender Projekte sein.
Aufgrund der Tatsache, dass unsere Stiftungsratsmitglieder gewählte Amtstragende sind, fliessen bei Neuwahlen immer mal wieder frisches Blut, neue Ideen und zusätzliche Netzwerke in den Stiftungsrat, während gleichzeitig die Kontinuität gesichert bleibt.


