Die Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft richtet ihre Arbeit neu aus. Die Neuausrichtung ist kein radikaler Bruch, sondern vielmehr eine strategische Schärfung. So will sie künftig gesellschaftliche Herausforderungen systematischer analysieren, gezielter bearbeiten und transparenter weiterentwickeln. Grundlage dafür ist der neue strategische Rahmen, den Vorstand und Mitglieder 2024 gemeinsam verabschiedet haben.
Drei Themenfelder
Im Zentrum stehen drei Themenfelder: sozialer Zusammenhalt, aktive Zivilgesellschaft und eine lebendige demokratische Kultur. Die SGG setzt in Zukunft stärker auf projektbezogenes Arbeiten. «Für uns bedeutet projektbezogenes Arbeiten nicht kurzfristiges Handeln, sondern eine strukturierte Art, gesellschaftliche Themen zu entwickeln», sagt die Geschäftsstelle der SGG. Eine konsequente Projektarbeit helfe dabei, so die SGG, neue Ansätze zu prüfen, weiterzuentwickeln und ihre tatsächliche Wirkung einzuschätzen. Und weiter betont die Geschäftsstelle, «Nachhaltigkeit entsteht dann dort, wo sich ein Ansatz bewährt und bewusst weitergetragen wird, etwa durch einen Ausbau, durch die Einbettung in bestehende Strukturen oder durch eine Übergabe an Organisationen, die solche Angebote langfristig tragen können», und sie betont, dass auf diese Weise dauerhafte Engagementstrukturen auf einer soliden Grundlage entstehen könnten.
Für uns bedeutet projektbezogenes Arbeiten nicht kurzfristiges Handeln, sondern eine strukturierte Art, gesellschaftliche Themen zu entwickeln, Geschäftsstelle der SGG
Die SGG will gesellschaftliche Fragestellungen von der Analyse über Pilotphasen bis hin zu bewussten Entscheiden über Weiterführung, Anpassung oder Abschluss begleiten. Diese Arbeitsweise soll es ermöglichen, Ressourcen zu bündeln. Auch sollen so Wirkungen sichtbar gemacht und offen auf neue Entwicklungen reagiert werden. Ergänzt werden sollen die Projekte durch klar definierte Handlungsmodi – von der Entwicklung von Modellvorhaben über die Vernetzung relevanter Akteur:innen bis hin zur Förderung Dritter sowie zur Analyse und Einordnung gesellschaftlicher Entwicklungen.
Neue Einordnung von Pro Futuris und des Programms Intergeneration
Vor diesem Hintergrund hat der Vorstand die bestehenden Programme neu eingeordnet. Pro Futuris – 2022 durch die SGG gegründet – bleibt als Think + Do Tank Teil der SGG. Dieser wirkt künftig noch klarer im Themenfeld der demokratischen Kultur. Mit Pilotprojekten, Analysen und Partnerschaften soll Pro Futuris gesellschaftliche Debatten voranbringen – auch dort, wo sie unbequem sind. Die Einbettung in die SGG-Gesamtstrategie soll weniger begrenzen. Vielmehr soll sie die Anschlussfähigkeit der Arbeit erhöhen. So betont die SGG: «Die stärkere Verankerung in der Gesamtstrategie bedeutet vor allem, dass Pro Futuris seine Arbeit sichtbar in Bezug auf die übergeordneten Ziele der SGG einordnet und als Teil des gemeinsamen Portfolios weiterentwickelt.»
Auch das Programm Intergeneration bleibt Teil der SGG: Mit seinem generationenübergreifenden Ansatz an der Schnittstelle zentraler strategischer Themenfelder will es Anreize gegen Altersdiskriminierung setzen.
In eine neue Trägerschaft überführen
Job Caddie soll in eine neue Trägerschaft überführt werden. Das langfristig angelegte Unterstützungsangebot für Jugendliche lässt sich nur begrenzt in eine projektbezogene Arbeitsweise integrieren. Während einer Übergangsphase von zwölf Monaten führt die SGG das Angebot weiter. SeitenWechsel wiederum wird innerhalb eines Jahres abgeschlossen sein. Das Anliegen – Perspektivwechsel und Begegnungen zwischen unterschiedlichen Lebenswelten – bleibt jedoch Teil der strategischen Ausrichtung und soll künftig in anderen Formaten aufgegriffen werden.
SGG und die Politik
Mit der Neuausrichtung stellt sich auch die Frage nach der politischen Rolle der SGG. «Die SGG ist keine parteipolitische Akteurin. Sie versteht sich seit ihrer Gründung als zivilgesellschaftliche Organisation, die sich in zentralen Fragen des Gemeinwohls engagiert», betont die Geschäftsstelle der SGG. Demnach positioniert sie sich nicht parteipolitisch. Gesellschaftlich aber sehr wohl. So verweist die Geschäftsstelle auf aktuelle Beispiele wie den Vorschlag eines altersunabhängigen Freiwilligenurlaubs. Der unbezahlte Zusatzurlaub für freiwilliges Engagement komme ohne grosse Kosten aus, könne aber Wirkung entfalten. Offenbar geht es der SGG darum, Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Engagement möglich bleibt – gerade in einer Zeit, in der Freiwilligenarbeit auf immer weniger Schultern verteilt ist. So schreibt die SGG: «Auch künftig wird die SGG gesellschaftliche Entwicklungen analysieren, einordnen und dort Position beziehen, wo dies aus ihrer Rolle als unabhängige zivilgesellschaftliche Organisation heraus angezeigt ist.»


