Die ehemalige Weltklasse Eiskunstläuferin Denise Biellmann, Bild Laureus Stiftung.

Denise Biell­mann: «Wer so viel Glück hat wie ich selbst, der enga­giert sich gerne sozial»

Mit Programmen wie FI9 Girls in Football setzt sich die Laureus Stiftung dafür ein, dass Mädchen vermehrt Sport treiben. Am Frauenpower-Talk vom Sonntag haben erfolgreiche Schweizer Sportlerinnen mit ihren Voten junge Mädchen dazu inspiriert. Mit dabei war die ehemalige Weltklasse Eiskunstläuferin Denise Biellmann. Im Interview spricht sie über notwendige Unterstützung und den Reiz des dreifachen Lutz.

Am Frau­en­powert­alk haben Sie darüber disku­tiert, wie es ist, als Frau im Sport erfolg­reich zu sein: Hatten Sie in Ihrer Karriere das Gefühl, dass sie es als Frau schwie­ri­ger hatten?

Nein. im Eiskunst­lauf hatte ich nie das Gefühl, anders behan­delt worden zu sein. Es war sogar so, dass Frauen am Fern­se­hen höhere Einschalt­quo­ten hatten. Als wir damals bei den Profis verdie­nen konn­ten hiess es sogar, dass die Frauen wich­ti­ger seien und dass wir höhere Gagen bekom­men. Ob das so war, weiss ich aller­dings nicht.

Es gab keine Unter­schiede bei den Preisgeldern?

Nein. Bei den Profis waren sie gleich. Indi­vi­du­elle Verträge hatten wir aber für Auftritte und Shows abseits der Wett­kämpfe. Aushän­ge­schil­der konn­ten bessere Verträge aushan­deln. Eine Welt­mei­ste­rin erhielt mehr als eine Zweitplatzierte.

Sie waren Welt­mei­ste­rin. Vor allem sind Sie die erste Frau der Welt, die den drei­fa­chen Lutz sprang, einen Sprung, den damals nur die Männer spran­gen? Was hat das ausgelöst?

Sehr viel. Ich war meiner Zeit voraus. Im Alter von 13 Jahren beherrschte ich schon alle drei­fa­chen Sprünge, die es gab. Zu dieser Zeit konn­ten dies nur die besten drei Männer der Welt.

Gemein­sam auf dem Podium: Denise Biell­mann zusam­men mit der Triath­le­tin Nicola Spirig, die soeben ihre aktive Lauf­bahn been­det hat.

Und weshalb dieser Fokus auf den Lutz?

Der Lutz ist der schwie­rig­ste. Deswe­gen hat man ihn beson­ders hervorgehoben.

Wie waren die Reaktionen?

Da war schon ein wenig Aufruhr. Ich war mit 13 Jahren das erste Mal an einer WM. Zwei Tage vor dem Wett­kampf waren die TV-Statio­nen schon vor Ort. Sie sahen, wie ich den drei­fa­chen Lutz sprang. Die Jour­na­li­sten woll­ten, dass ich ihn noch­mals springe. Andere Läufe­rin­nen kamen aus der Garde­robe, um mich beim Sprin­gen zu beob­ach­ten. Erst später habe ich reali­siert, dass ich mit dem Sprung Geschichte geschrie­ben habe. Wenn man so jung ist, denkt man nicht viel dabei. Viel­leicht hat es das Selbst­be­wusst­sein etwas gefördert.

Ich wusste, es ist der schwie­rig­ste und dass es schön wäre, ihn zu können.

Denise Biell­mann

Wie kamen Sie auf die Idee, den drei­fa­chen Lutz zu wagen?

Schon sehr früh, wahr­schein­lich als ich unge­fähr zehn Jahre alt war, konnte ich alle doppel­ten Sprünge. Und dann hatte ich an der WM und EM die drei­fa­chen Sprünge der Männer gesehen.

Das hat Sie herausgefordert?

Das hat mich gereizt. Es gab Frauen, die einen oder zwei drei­fa­che Sprünge beherrsch­ten, aber nicht alle fünf. Und nicht den Lutz. Ich wollte diesen können. Mit meiner Mutter und dem Trai­ner haben wir viel trai­niert. Mein Trai­ner wollte zwar nicht, dass ich den Sprung alleine trai­niere. Aber meine Mutter fand, wir soll­ten es versu­chen – und so haben wir über Mittag, wenn mein Trai­ner essen ging, noch zusätz­lich den Lutz trai­niert. Ich wusste, es ist der schwie­rig­ste und dass es schön wäre, ihn zu können.

Neben Ihrer Mutter, wer hat Sie noch geför­dert. Konn­ten Sie auf Stif­tun­gen zählen?

Ich hatte ganz früh ein Stipen­dium der Migros. Mein Gross­va­ter sah in der Zeitung eine Ausschrei­bung für eine Förde­rung, die eigent­lich für Ballet gedacht war. Doch er über­zeugte meine Mutter, dass wir fragen soll­ten, ob wir in Frage kämen. Meine Eltern hatten nicht so viel Geld. Eiskunst­lauf ist teuer. Sie hätten nicht alles finan­zie­ren können.

Und so haben Sie sich beworben?

Und ich habe tatsäch­lich für drei Jahre ein Stipen­dium erhal­ten. Später erhielt ich Unter­stüt­zung von der Sport­hilfe und auch vom Schwei­ze­ri­schen Eislauf­ver­band. Aber dennoch: Meine Eltern muss­ten viel tragen. Meine Mutter war Tele­gra­fi­stin. Sie hat extra abends gear­bei­tet, damit sie mich tags­über unter­stüt­zen konnte für die Schule und beim Trai­ning. Für die zusätz­li­che Unter­stüt­zung waren wir sehr dankbar.

Ist dies mit ein Grund für Ihr Enga­ge­ment für die Laureus Stiftung?

Es ist sicher mit ein Grund. Aber nicht der einzige. Ich finde, wer so viel Glück im Leben hat wie ich selbst, der enga­giert sich gerne sozial. Gerade für Sport­pro­jekte wie von der Laureus Stif­tung, die das Soziale in den Vorder­grund stel­len, ist dies umso wich­ti­ger. Dieses Enga­ge­ment muss man fördern. Der Sport fördert den Zusam­men­halt. Er ermög­licht Glücks­ge­fühle. Das ist ganz wich­tig. Deswe­gen gefällt mir die Zusam­men­ar­beit mit der Laureus Stif­tung so sehr.

Keine Berüh­rungs­äng­ste: Denise Biell­mann enga­giert sich beim Sport mit Kindern.

Wie nah sind Sie an den Projekten?

Ich habe schon verschie­dene Projekte besucht. Ich war schon beim Laureus Girls in Sport Programm, als sie ganz verschie­dene Sport­ar­ten auspro­bie­ren konnten.

Wie reagier­ten die Kinder auf ihre Anwe­sen­heit? Waren sie zurückhaltend?

Ganz normal. Es ist sehr schön, die Freude zu sehen. Ich habe auch mitge­macht. Das ist mega schön, die leuch­ten­den Augen der Kinder und Jugend­li­chen zu sehen.

Ist Ihnen ein Erleb­nis beson­ders in Erin­ne­rung geblieben?

Genau diese Freude. Die Kinder spre­chen sehr offen mit einen. Sie teilen ihre Freude. Die Freude: Das ist der Hauptpunkt.


Soziale Sport­pro­gramme für Kinder

Laureus fördert und soziale Sport­pro­gramme. Einer der drei Schwer­punkte der Sport­pro­gramme ist Mädchen­för­de­rung. Am vergan­ge­nen Sonn­tag fand im Rahmen eines Besuchs des Förder­pro­gramms «FI9 Girls in Foot­ball, eine Podi­ums­dis­kus­sion mit Triath­le­tin Nicola Spirig und Eiskunst­läu­fe­rin Denise Biell­mann statt. Dabei haben sie über ihre Karrie­ren gespro­chen und darüber, was sie nun nach ihrer Karriere machen und die Mädchen moti­viert weiter­hin am Ball zu blei­ben und Sport zu treiben.

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