Sara Taubman (Bild: Mirjam Kluka)

Damit Kinder medi­zi­ni­sche Behand­lun­gen posi­tiv erleben

Mit einer App, die Geschichten rund um Krankheit, Gesundheit und Medizin erzählt, will Sara Taubman Kinder und deren Umfeld auf medizinische Interventionen vorbereiten.

Empower­ment durch Story­tel­ling – was ist neu daran? 

Unsere bereits bestehende App «Tara & Pips : Taras Geschich­ten» bietet Kinder­ge­schich­ten in vier Spra­chen mit Audio. Sie handeln von Heldin­nen und Helden, Inklu­sion und Diver­si­tät, Alltags- und Phan­ta­sie­geschich­ten. Neu ist, dass wir diese jetzt mit der Rubrik Medi­zin ergän­zen wollen.

Weshalb die Medizin?

Wir rich­ten uns damit an Kinder und ebenso deren Umfeld, Eltern, Gross­el­tern und Geschwi­ster. Medi­zi­ni­sche Inter­ven­tio­nen, Zahn­arzt­be­su­che oder Spital­auf­ent­halte kommen für Kinder Grenz­über­schrei­tun­gen nahe. Es sind oftmals Stress­si­tua­tio­nen. Häufig fördert die Unsi­cher­heit der Eltern dies zusätz­lich. Ich habe die Situa­tion selbst vor zwei Wochen erlebt.

Was war passiert?

Unser Sohn musste die Rachen­man­deln operie­ren. Das ist ein Routi­ne­ein­griff. Obwohl ich mich wegen des Empower­ment-Projek­tes einge­hend auf genau solche Situa­tion spezia­li­siere, reali­sierte ich, wie schwie­rig es ist, ein bald vier­jäh­ri­ges Kind im rich­ti­gen Masse auf diese Situa­tion vorzu­be­rei­ten. Und rund um den Tag der Opera­tion und während der Opera­tion, ruhig zu blei­ben. Es lief alles bestens. Mein Wissen hat uns hier entschei­dend geholfen.

Und hier setzen Sie mit Ihren Geschich­ten an?

Genau. Wir wollen Kinder und Eltern mit den Geschich­ten auf medi­zi­ni­sche Situa­tio­nen vorbe­rei­ten. Eigent­lich sollte der Gang zum Spital oder zu medi­zi­ni­schen Fach­per­so­nen so normal gehand­habt werden wie ein Einkauf in der Migros. Doch wenn das Kind morgens früh geweckt wird, nüch­tern zur Opera­tion muss, es also kein Früh­stück gibt, Pfla­ster zur Betäu­bung an Ellen und Händen ange­bracht werden müssen, ist das anders. Die Koope­ra­ti­ons­fä­hig­keit des Kindes nimmt hier den Anfang und wird nun fort­lau­fend auf die Probe gestellt. Als Eltern jeder­zeit ruhig und beson­nen zu blei­ben ist kein Spazier­gang. Solche Situa­tio­nen sind ausser­ge­wöhn­lich für ein Kind und dessen Bezugspersonen.

Wie waren die Reaktionen?

Bei der Ärzte­schaft und dem Pfle­ge­fach­per­so­nal ist das Projekt auf gros­ses Inter­esse gestos­sen. Denn sie erle­ben täglich Kinder und Eltern, die unvor­be­rei­tet kommen. Die Nervo­si­tät der Eltern über­trägt sich auf die Kinder. Es leuch­tet ein: Wenn Eltern mit der Situa­tion über­for­dert sind, dann sind es die Kinder auch. Die Koope­ra­tion, also die Adhä­renz zwischen medi­zi­ni­schem Fach­per­so­nal und Kind ist aber entschei­dend für das posi­tive Erle­ben vor Ort, den Eingriff selbst und den opti­ma­len Verlauf des Heilungsprozesses.

Wie schrei­ben Sie nun diese Geschich­ten, damit sie die Themen korrekt aufnehmen?

Meine Geschäfts­part­ne­rin Janine Wolf-Schind­ler und ich arbei­ten mit dem Univer­si­täts-Kinder­spi­tal Zürich und dem Zentrum für Zahn­me­di­zin des Univer­si­täts­spi­tals Zürich zusam­men. Sie sind Part­ner des Projekts. Sie geben uns ihr Fach­wis­sen und wert­volle Inputs. Wir eruie­ren gemein­sam, wo die gröss­ten Heraus­for­de­run­gen bei der Zusam­men­ar­beit von Pati­ent und Ärztin liegen. Bei Kindern sind dies etwa Injek­tio­nen, Blut­ab­nah­men oder das Still­hal­ten beim Rönt­gen. Solches Wissen, die korrek­ten Abläufe etc. trans­for­mie­ren wir zu Geschichten.

Und das Ziel ist, dass die Kinder beim Spital­ein­tritt wissen, was sie erwartet?

Im Grund­satz ja. Wir entwickeln fünf Geschich­ten für das Kinder­spi­tal und fünf für die Zahn­me­di­zin. Aber wir stär­ken damit auch gene­rell das medi­zi­ni­sche Wissen und schaf­fen einen posi­ti­ven Zugang zur Medi­zin. Sie iden­ti­fi­zie­ren sich mit der Heldin oder dem Helden und erfah­ren, wie sie ihrer Krank­heit begeg­nen, daran wach­sen und viel dazu lernen können. Es ist wissen­schaft­li­ches Storytelling.

Wieso ist das wichtig?

Die Kinder reali­sie­ren, dass sie Teil der Vorgänge sind. Sie können bereits im Vorfeld einschät­zen, was mit ihnen passie­ren wird. Medi­zi­ni­sche Inter­ven­tio­nen hinter­las­sen kein Trauma, sondern werden im Gegen­teil als Empower­ment erlebt.

Welche Heraus­for­de­run­gen haben sich bisher gezeigt?

Das Verfas­sen der Geschich­ten ist eine span­nende Heraus­for­de­rung: Wissen­schaft herun­ter­bre­chen, dass Kinder Zugang dazu finden, inhalt­lich nicht über­for­dern und trotz­dem ganz­heit­lich blei­ben. Ein wich­ti­ger Ansatz unse­res Projek­tes ist auch die Viel­spra­chig­keit. Das Kinder­spi­tal führt eine Stati­stik, wie oft sie einen Dolmet­scher oder eine Dolmet­sche­rin beizie­hen müssen. Wir wollen Sprach­bar­rie­ren über­win­den und auch bildungs­ferne Schich­ten ansprechen.

Was ist der Stand des Projekts?

Wir stehen am Anfang. Wir kennen die Exper­tin­nen und Exper­ten in den medi­zi­ni­schen Einrich­tun­gen und konn­ten schon Inter­views mit diesen führen. Zwei Geschich­ten haben wir inhalt­lich bereits produ­ziert. Bilder für den Wissens­trans­fer, Über­set­zun­gen, Verto­nun­gen stehen an, wenn je alle fünf reali­siert sind.

Wie finan­ziert sich das Projekt?

Wir sind seit einem Jahr an der Akquise von finan­zi­el­len Mitteln, unter ande­rem von Stif­tun­gen. Wir konn­ten bisher 74’000 Fran­ken von Stif­tun­gen und priva­ten Spen­de­rin­nen und Spen­dern gene­rie­ren. Wir zielen aber auf eine Misch­fi­nan­zie­rung. Wir suchen auch nach priva­ten Inve­sti­ti­ons­gel­der. Wir sind momen­tan in Gesprä­chen mit mögli­chen Inve­sto­ren bezie­hungs­weise Haupt­spon­so­ren. Gerade für Kran­ken­kas­sen kann das Projekt span­nend sein.

Wie ist die Idee über­haupt entstanden?

Glück­li­cher­weise nicht durch persön­li­che Betrof­fen­heit. Viel­mehr hatten wir die Idee bei einem Brain­stor­ming, als wir uns gefragt hatten, wie wir das Ange­bot span­nend erwei­tern und ergän­zen können. So kamen wir auf die Idee, und mit den beiden Insti­tu­tio­nen haben wir auch gleich unsere Wunsch­part­ner gefunden.

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